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Full text of "Studien zur Geschichte der sächsisch böhmischen Beziehungen in den Jahren 1464 bis 1471"

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STUDIEN ZUR 
GESCHICHTE DER 
SÄCHSISCH- 
BÖHMISCHEN 
BEZIEHUNGEN IN... 

Hubert Ermisch 



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Studien 

zur Geschichte der 

sächsisch-böhmischen Beziehungen 

in den Jahren 1464 bis 1471. 



Von 




Hubert Ermisch. 



Mit urkundlichen Beilagen. 



DRESDEN 1881. 
Wilhelm Baensch Verlagshandlung. 



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Studien 

■ 

zur Geschichte der 

sächsisch-böhmischen Beziehungen 

in den Jahren 1464 bis 1471. 



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„Obgleich in der Geschichte des deutschen Volkes das 
ganze XV. Jahrhundert in unglaublicher Weise vernach- 
lässigt wird, so gilt dies von dem Jahrzehnt 1460—1470 
dennoch vorzugsweise, und auch in diesem zumeist von 
den Jahren 1467 — 1470. Es ist, als hätten deutsche 
Schriftsteller die Geschichte dieser Zeit auch nur zu be- 
rühren sich gescheut." 

Seit Franz Palacky diese Worte niederschrieb, sind 
zwei Jahrzehnte vergangen; seinem bahnbrechenden 
Werke sind mehrere andere Arbeiten «refolfft, welche die 
Geschichte jener Jahre mehr oder weniger eingehend be- 
handeln oder Quellen für dieselbe der Benutzung zu- 
gänglich machen. ') Allein Palackys Ausspruch hat noch 
immer seine Berechtigung nicht ganz verloren. Unsere 



») Fr. Palacky , Geschichte von Böhmen IV, 2 (Prag 1860). 
M. Jordan, Das Königthum Georgs von Podiebrad (Leipzig 1861). 
Cl. Brockhans, Gregor von Heimburg (Leipzig 1861). A. Kluckhohn, 
Ludwig der Reiche, Herzog von Bayern (Nördlingen 1865). J. G. 
Droysen, Geschichte der Preussischen Politik. 2. Auflage. II, 1 
(Leipzig 1868). — Palacky, Urkundliche Beiträge zur Geschichte 
Böhmens und seiner Nachbarländer im Zeitalter Georgs von Podie- 
brad. Fontes rer. Austr. XX. (Wien 1860). Eschenloers Hist. 
Wratislaviensis, herausgegeben von H. Markgraf. Script, rer. Siles. 
VII. (Breslau 1872). II. Markgraf, Politische Correspondenz Böhmens 
im Zeitalter Georgs von Podiebrad. Script, rer. Siles. IX. (ebenda 
1874). A. Bachmann, Urkunden und Actenstticke zur österreichischen 
Geschichte im Zeitalter Kaiser Friedrichs III. und König Georgs 
von Böhmen (1440 bis 1471). Fontes rer. Austr. XLII. (Wien 1879). 
Von älteren Publicationen sind vielfach zu benutzen gewesen: Müller, 
Reichstagstheatrum unter Friedrich V. Zweiter Theil (IV. Vor- 
stellung). Höfler, Das kaiserliche Buch des Markgrafen Albrecht 
Achilles (Bayreuth 1850) und Fränkische Studien IV. (Wien 1851). 
Andere Werke werden an ihrer Stelle genannt werden. — Das Hanpt- 
staatsarchiv zu Dresden citieren wir mit HStA., die hauptsächlich in 
Betracht kommende Abtheilung, das „Wittenberger Archiv", mit WA. 

Krmidcb, Studien. 1 



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2 



Kenntnis jenes Zeitraumes ist noch eine durchaus lücken- 
hafte. Besitzen wir doch nicht einmal eine brauchbare 
Monographie über den Mann, der, wie kein anderer, die 
Seele der politischen Geschichte der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts war, über den Markgrafen Albrecht 
Achilles von Brandenburg. 

Wie die allgemeine Geschichte Deutschlands, so wurde 
auch die der wettinischen Länder während des bezeich- 
neten Zeitabschnitts bisher sehr stiefmütterlich behandelt, 
obgleich das 15. Jahrhundert gerade für die Entwicklung 
der deutschen Einzelstaaten von einer ausserordentlich 
hohen Bedeutung ist. Zwar ist sowohl das Hauptstaats- 
archiv in Dresden, als das Gemeinschaftliche Archiv in 
Weimar, wiederholt für die oben genannten Werke be- 
nutzt worden. Allein eine erschöpfende Darstellung der 
wettinischen Politik jener Tage vom Standpunkte der 
Landesgeschichte aus fehlt noch völlig; denn die wenigen 
Notizen von Langenns in seiner Biographie Albrechts des 
Beherzten können nicht dafür gelten. 

Auch die vorliegenden Studien 2 ) wollen nur ein be- 
scheidener Beitrag zur Lösung dieser Aufgabe sein. Der 
Verfasser, der mit Ausnahme der gedruckten Quellen 
und einiger interessanten Documente des Gemeinschaft- 
lichen Archivs zu Weimar ausscliliesslich auf das Haupt- 
staatsarchiv zu Dresden angewiesen war, verhehlt sich 
keineswegs, dass möglicherweise noch an verschiedenen 
Stellen archivalisches Material liegt, durch welches unsere 
Kenntnis der Thatsachen und insbesondere iener oft recht 



erweitert und vielleicht auch manche bisherige Annahme 
als unhaltbar erwiesen werden kann. Allein noch Jahre 
werden vergehen, ehe der Codex diplomaticus Saxoniae 
regiae soweit vorgeschritten sein wird, dass er dieses zer- 
streute und zersplitterte Material vereinigt uns biete. So 
mag denn gestattet sein, einstweilen so viel zu geben, als 
uns zur Zeit möglich ist. 



") Sie sind ein an wenigen Stellen veränderter Abdruck von 
zwei Aufsätzen im 1. und 2. Bande des Neuen Archivs für Sächs. 
Geschichte und Alterthumskunde; eine Erweiterung haben dieselben 
durch die Beilagen erfahren, die einige hoffentlich willkommene Er- 
gänzungen zu den oben genannten Urkundenwerken bilden und de- 
ren Zahl wir gern noch vermehrt haben würden. 



dunkeln diplomatischen 




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t 

Für die Geschichte der politischen Beziehungen 
zwischen Sachsen und Böhmen bildet das Jahr 1459 
einen bedeutungsvollen Wendepunkt. Seitdem in den 
Hussitenkriegen die Kurfürsten von Sachsen die Vor- 
kämpfer des katholischen Deutschlands gegen die ketzeri- 
schen Nachbarn, allerdings mit wenig Glück, gewesen 
waren, bestand eine leicht erklärliche Spannung zwischen 
den Nachbarländern, die dadurch nur gesteigert werden 
konnte, dass der utraquistische Edelmann Georg von 
Podiebrad seit dem Tode König Albrechts II. bald aus- 
schliesslich die Leitung der Geschicke seines Vaterlandes 
in die Hände bekam. Böhmische Truppen fielen während 
des Bruderkrieges in die wettinischen Lande ein, um 
dem Landgrafen Wilhelm Hilfe gegen den Kurfürsten zu 
bringen. Als dann ein Jahrzehnt später derselbe Wilhelm 
nach dem Tode des jungen Böhmenkönigs Ladislaw sich 
im Einverständnis mit seinem Bruder um die Krone des 
verwaisten Landes bewarb und, trotzdem dass die Wahl 
(am 2. März 1458) eben auf jenen Georg von Podiebrad 
fiel, doch die in den deutschen Kronlanden Böhmens, 
in Schlesien und den Lausitzen, vorhandene Abneigung 
gegen den „Uffgeruckten" für seine Pläne auszubeuten 
suchte, da schärfte sich noch einmal aufs äusserste jener 
Gegensatz; Wilhelm hat auch in der Folge dem Böhmen- 
könige, seinem alten Bundesgenossen, nie so nahe ge- 
standen, als sein Bruder und seine Neffen. 

Allein so tief auch diese feindliche Stellung der 
Nachbarlande in nationalen wie in religiösen Antipathien 
begründet war, sie musste doch der Macht der politischen 
Verhältnisse und der beiderseitigen Interessen weichen. 
Das Glück und die Staatsklugheit des Böhmenkönigs, die 



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4 

eigentümlichen Verhältnisse des Reiches, die seiner Partei- 
nahme eine ausschlaggebende Bedeutung verliehen, endlich 
nicht zum mindesten das starke Bedürfnis nach Frieden, 
das die von den Hussitenstürnien und den späteren 
Uihmisch-meissnischen Wirren aufs schwerste betroffenen 
Lande lebhaft empfanden, alles dies wirkte zusammen, 
um schliesslich nicht bloss zu einem Ausgleiche der zwischen 
Böhmen und den Wettinern vorhandenen Irrungen, son- 
dern w>gar zu einer engen Verbindung der letzteren mit 
dem Könige Georg zu führen. Der Vermittler dieser 
Einigung war Markgraf Albrecht von Brandenburg. 
Doppelheirathen zwischen Georgs Tochter Zdena und dem 
jungen Herzog Albrecht, dem Sohne Kurfürst Friedrichs EL, 
und zwischen dem Königssohne Heinrich und Katharina, 
der Tochter Herzog Wilhelms, sollten die geschlossenen 
Bündnisse festigen. Der Tag zu Eger im April und 
Mai 1459, an dem diese Verhandlungen zum Abschlags 
kamen, hat eine hohe Bedeutung nicht blos für die 
böhmische, sondern für die deutsche Geschichte jener 
Zeit; insbesondere wurde er bestimmend für das Verhältnis 
der Wettiner zum König Georg bis zu dem Tode des 
letzteren. •) Noch im Herbste des Jahres 1459 wurde 
die Ehe zwischen Albrecht und Zdena geschlossen. 

Es zeigte sich bald, wie benötliigt König Georg einer 
Stütze unter den deutschen Fürsten war. Der hochbegabte 
Herrscher hatte sich doch vielleicht in einem Punkte ge- 
täuscht, als er die angebotene Königskrone annahm. Er 
glaubte eine Mittelstellung zwischen der Curie (und, wir 
können hinzufügen, dem katholischen Europa) und seinem 
eigenen utraquistischen Lande einnehmen zu können. 
Allein die Basis, auf der sich sein Königthum er- 
hob, machte eine solche Mittelstellung zur Unmöglichkeit 
Die nationalen Elemente, denen Georg seine Krone ver- 
dankte, waren untrennbar verbunden mit den kirchlichen. 
Nun hatte zwar das Basler Concil seiner Zeit einen Frieden 
zwischen der rechtgläubigen Kirche und dem Hussitismus 
vermittelt; allein jene Compactaten widersprachen dem 
innersten Wesen der römischen Curie, die sie denn in 
der That niemals formell anerkannt, sondern von Anfang 
an nur als ein durch die Noth des Augenblicks gerecht- 



') Ueber den Tag zu Eger vergleiche ausser den oben an- 
geführten Werken noch Jiachmann, Böhmen und seine Nachbarländer 
unter Georg von Podiebrad (Prag 1878) 45 fgg. 



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fertigtes Provisorium angesehen hat. Vollends war Enea 
Silvio Piccolomini, der wenige Monate nach Georgs Wahl 
als Pius II. den päpstlichen Stuhl bestieg, nicht der Mann 
dazu, sich durch Verträge stören zu lassen, wenn es sich 
um die Herrschaft der Kirche handelte. So wichtig es 
aber von Anfang an für Georg war, mit der Curie, jener 
gefahrlichen Weltmacht, gegen die ja nur ein Defensiv- 
krieg, niemals ein Angriff möglich war, auf gutem Fusse 
zu bleiben, so war dies doch nur auf dem Boden eben 
jener Basler Compactaten denkbar; mit ihnen wäre die 
Basis gefallen, auf der das moderne böhmische Königthum 
ruhte. 

Das Verhältnis Georgs zur Curie war auch auf 
seine Beziehungen zu den Nachbarn höchst einflussreich, 
und wir werden demselben im weiteren unsere besondere 
Aufmerksamkeit schenken müssen. Nur jenes Verhältnis 
war es, was dem engen Anschluss der Wettiner an den 
böhmischen König immer und immer von neuem entgegen 
arbeitete, so sehr derselbe sonst den persönlichen Nei- 
gungen des Kurfürsten Ernst und insbesondere des Her- 
zogs Albrecht, der gern am Hofe seines Schwieger- 
vaters weilte, und vielfach auch ihren politischen Inter- 
essen entsprach. Wenn trotz dieser Gegenwirkungen die 
meissnisch-thüringischen Fürsten bis zum Ende des Königs 
treu für ihn gewirkt haben, wo und wie sie nur irgend 
konnten, so ist dies in einer Zeit, in der die heiligsten 
Verträge, ja selbst verwandtschaftliche Bande so wenig 
galten, wie in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ein 
Beweis, wie kräftig jene persönlichen Beziehungen waren. — 

Der Bruch zwischen Georg und dem Papste, dessen 
innere Notwendigkeit sich niemand verhehlen konnte, 
erfolgte im Jahre 1462. Als Pius H. am 31. März in 
feierlichster Form die Compactaten widerrufen und auf- 
gehoben und als wenige Monate später auf dem denk- 
würdigen Laurentiustage zu Prag Georg ebenso feierlich 
erklärt hatte, an denselben festhalten zu wollen, war eine 
Fortdauer des längst nur scheinbar bestehenden Friedens 
zwischen Papst und König unmöglich geworden. Auch 
der Tod Pius n., der wenige Wochen nach Erlass einer 
Vorladung gegen den Böhmen 4 ) am 15. August 1464 
eintrat, bewirkte nur einen kurzen Aufschub in dem 



*) Diese Vorladung vom 15. Juni 1464 hatte keinerlei Wirkung, 



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geistlichen Feldzuge. Nicht mit dem einzelnen Papste, 
sondern mit der Idee der Curie hatte jener Verwegene 

f krochen, der es wagen wollte, einen der europäischen 
önigsthrone ohne ihre Zustimmung zu behaupten. Im 
Juli 1465 nahm Papst Paul II. das Verfahren wieder 
auf, und die mit dem Processe beauftragten Cardinäle 
Bessarion, Carvajal und Berard von Spoleto erliessen am 
2. August eine Vorladung an Georg, der sich binnen 
180 Tagen persönlich zu Rom einstellen und wegen der 
ihm vorgeworfenen Ketzerei, Rückfall in der Ketzerei, 
Meineid, Kirchenraub, Gotteslästerung u. s. w. verantworten 
solle. *) Daßs es bei diesem Verfahren auf keine Unter- 
suchung, sondern auf eine Verdammung abgesehen war, 
beweist die Bulle, die der Papst am 6. August 1465 jener 
Citation folgen Hess: er befahl durch dieselbe dem päst- 
lichen Legaten Rudolf, Bischof von Lavant, gegen alle 
Anhänger Georgs mit geistlichen Processen vorzugehen, 
alle Familienverbindungen und Bündnisse, die der Ketzer 
mit Katholiken geschlossen, für aufgehoben, alle Eide, die 
man ihm geleistet, für null und nichtig zu erklären und 
die deutschen Fürsten zum Widerstande gegen den Böhmen- 
könig aufzurufen. 6 ) 

Ein Zeitgenosse bezeichnet dieses Schriftstück als 
Kreuzbulle. 7 ) Der Ausdruck ist nicht genau, lässt aber 
doch erkennen, dass man die Situation richtig auffasste. 
Der ideale Sinn Pius' II. hatte stets danach gestrebt, 
einen Kreuzzug gegen die Türken zu Stande zu bringen 
und durch denselben Europa von einer immer furchtbarer 
drohenden Gefahr zu befreien. Sein Nachfolger steckte 
sich weniger hohe Ziele; er wollte die Waffen der ge- 
sammten Christenheit gegen den Ketzerkönig gerichtet 
wissen. Paul II. war eine praktischer angelegte Natur 
als Enea Silvio Piccolomini. 



da Kaiser Friedrich III. ihre Publication in Deutschland zu hinter- 
treiben wilSBte. Palacky IV, 2, 314. 
») SS. rer. Sil. IX, 135 fgg. 

•) Palacky, Urk. Beitr. 362 fgg. Die Stelle, in welcher der 
Legat ermächtigt wird, zum Kampfe gegen Georg aufzufordern 
(excitandi principes inclite nationis Germanicae et alios quoscunque 
catholicos ad suscipiendum arma contra perfidos Turcos militantis 
vel ad terram sanctam euntibus per Romanos pontitices praedecessores 
nostros aut alias concedi consuevit) ist offenbar (durch Ausfall von 
Worten zwischen arma und contra perfidos?) verderbt. 

') SS. rer. Sil. IX, 139 Anm. 



* 



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7 



Er bewies dies auch dadurch, dass er eben in jener 
Zeit all die zahlreichen Elemente innerhalb Böhmens, 
die aus religiösen, aus politischen oder auch rein persön- 
lichen Gründen Gegner Podiebrads waren, zu einem 
streitlustigen Ganzen zu einigen wusste. Der böhmische 
Herrenbund unter der Leitung des Breslauer Bischofs 
Jost von Rosenberg begann am 25. September 1465 mit 
einer Beschwerdeschrift, die er dem Landtage zu Prag 
überreichte, seine politische Thätigkeit 8 ) 



Kurfürst Friedrich II. von Sachsen war am 7. Sep- 
tember 1464 gestorben und hatte seine Lande seinen Söhnen, 1464 
dem 23jährigen Ernst und dem 21jährigen Albrecht, 
hinterlassen. Die traurigen Schicksale, die der Bruder- 
krieg über das Haus der Wettiner gebracht, waren noch 
in frischer Erinnerung, und ihrer eingedenk haben die 
Brüder lange Jahre hindurch in schönster Eintracht ge- 
herrscht. Auch ihre Politik dem Böhmenkönige gegenüber 
war eine gemeinsame. 

Der dritte damals lebende Spross des Fürstenhauses, 
ihr Oheim Herzog Wilhelm, der zu Weimar residierte, hat 
sich ihnen in der Folgezeit zwar vielfach als streitsüchtig 
und unverträglich bewiesen, schloss sich aber doch im 
wesentlichen der Hauspolitik in Bezug auf Böhmen an. 

Das erste Regierungsjahr der jungen Herrscher 
Meissens sollte nicht vorübergehen, ohne dass es ihnen 
klar wurde, in eine wie schwierige Situation sie das durch 
verwandtschaftliche und persönliche Beziehungen und 
Neigungen verstärkte Bündnis des Hauses Wettin mit 
dem Böhmenkönige bringen würde. Schon vor Erlass 
der Citation hatte der Papst durch besondere Schreiben 
den Kaiser, die Könige von Ungarn, Polen und Däne- 
mark und zahlreiche deutsche Fürsten, darunter auch Kur- 
fürst Ernst und Herzog Wilhelm, von dem Bevorstehenden 
in Kenntnis gesetzt und aufgefordert, das Vorgehen gegen 
Georg kräftig zu unterstützen; jeder Verkehr mit dem 
Ketzer wurde verboten, alle mit ihm geschlossenen Ver- 
träge für aufgelöst erklärt. 9 ) Erst gegen Ende des Jahres 
1465 begann jedoch der eigentliche Kampf. 

•) Vergleiche insbesondere Markgraf, Die Bildung der katho- 
lischen Liga gegen König Georg von Podiebrad, in Sybels Histor. 
Zeitschr. N. F. II, 48 fgg., 261 fgg. 

•) SS. rer. Sil. IX, 134 Anm. 



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8 

Am 9. November zog der Mann, dem vorzugsweise 
die Rolle eines Vertreters der päpstlichen Politik im öst- 
lichen Deutschland während dieses geistlichen Kampfes 
zugedacht war, der päpstliche Legat Rudolf, Bischof von 
Lavant, in Breslau, längst dem Mittelpunkte aller gegen 
Georg gerichteten Bestrebungen, ein 10 ) und begann sofort 
seine Thätigkeit, indem er zunächst die an ihn gerichtete 
päpstliche Bulle vom 6. August nach allen Richtung-en 
hin bekannt machte; über 20 Abschriften davon musste 
ihm der Breslauer Stadtschreiber, Peter Eschenloer, an- 
fertigen. 1 ') Durch ein Rundschreiben an alle geistlichen und 
weltlichen Unter thanen des Königreichs Böhmen vom 
19. November, das allenthalben von den Kanzeln oder 
sonst den zusammengerufenen Gemeinden bekannt gemacht 
werden sollte, wurden diese zum Abfall von Georg unter 
Androhung der schwersten geistlichen Strafen aufgefordert. 
Auch Bischof Dietrich von Meissen, zu dessen Sprengel 
bekanntlich die Oberlausitz gehörte, erhielt ein Exem- 
plar. ,2 ) 

Bischof Dietrich (III.) von Meissen, aus dem Hause 
Schönberg, welcher 1463 seinem Bruder Kaspar auf dem 
bischöflichen Stuhle gefolgt, war ein verständiger ge- 
mässigter Mann, der, wie viele seiner Zeitgenossen, 
trotz vollkommen kirchlicher Gesinnung und trotz auf- 
richtiger Abneigung gegen die Ketzerei der Hussiten 
dennoch das Vorgehen der Curie gegen den Böhmen- 
könig nicht billigte, weil er es für unklug hielt. Er kannte 
die Stellung seiner Landesherren und trug ihr vollkommen 
Rechnung ; er wusste auch recht wohl, dass ein feindseliges 
Verhältnis zu dem Nachbarlande seinem Stifte, das mit 
demselben in so vielfachen Beziehungen stand, schweren 
Schaden bringen musste. ,s ) Doch die Klugheit gebot, 
äusserst vorsichtig zu Werke zu gehen, um es mit den 
geistlichen Oberen nicht zu verderben. So bat Dietrich 
z. B. unbedenklich den Legaten, den 1434 erfolgten Kauf des 
Dorfes Wüste-Ludwigsdorf bei Stolpen, über welchen der 



,0 ) SS. rer. Sil. IX, 145. Eschenloer (SS. rer. Sil. VII) 110. 



|») SS. rer. Sil. IX, 139 Anm. 



Ebendaselbst 143 fgg. Zur Publication wurde das Schreiben 
natürlich nicht im lateinischen Original, sondern in deutscher Ueber- 
setzung versandt (vergleiche die Bemerkung Eschenloers, ebendaselbst 
145 Anm.), so an das Domcapitel zu Bautzen (Palacky, Urk. Beitr. 370). 

,s ) Vergleiche im allgemeinen über ihn Fraustadt, Geschichte 
des Geschlechts von Schönberg IA (2. Ausg.), 103 fgg. 



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9 



erforderliche Gunstbrief des böhmischen Königs als Lelms- 1465 
herrn noch nicht ausgestellt war, kraft der päpstlichen 
Vollmacht „bis auf einen künftigen christlichen König" zu 
bestätigen, und der Legat that dies namens des Papstes, 
„in dessen Hände jetzt das Königreich Böhmen nebst 
allen einverleibten Landen gesetzt sei." ,4 ) Hatte dieser 
Akt auch praktisch nicht viel Bedeutung, so bezeichnete 
er doch die vollständige Anerkennung der päpstlichen Mass- 
regeln durch den Bischof. Auch versprach der Bischof 
bereitwilligst, dem Befehle des Legaten vom 19. No- 
vember nachzukommen; er hielt es aber doch bei 
dieser Gelegenheit für angebracht, Mässigung für das 
weitere Vorgehen zu empfehlen, und in demselben Sinne 
wird auch der Gesandte, der in dieser Sache zum Legaten 
geschickt werden sollte, sich ausgesprochen haben. l5 ) 

Allein von Mässigung war nicht mehr die Rede. 
Die Vermittlungsversuche, die Herzog Ludwig von Bayern 
und König Matthias von Ungarn Ende 1465 noch machten, 
scheiterten am entschiedenen Widerspruche der Curie. 
Die unbotmässigen böhmischen Herren schlössen im No- 
vember ein Schutz- und Trutzbündnis auf fünf Jahre; 
König Matthias Hess sich bereit finden, als Werkzeug der 
Curie gegen seinen Schwiegervater Georg zu dienen; 
auch der Kaiser stand, soweit es seine durch stete Zer- 
würfnisse mit dem Adel seiner Erbländer gefährdete Lage 
und seine natürliche Unentschlossenheit gestatteten, auf 
Seiten des Papstes. So wagte denn Paul n., bevor noch 
der in der Citation gesetzte Termin verstrichen war, einen 
weiteren entscheidenden Schritt, Am 8. December 1465 
erfolgte die Bannbulle gegen Georg. Nochmals wurden 
alle Unterthanen und Bundesgenossen des Königs ihres Eides 
entbunden, nochmals jeder Verkehr mit ihm verboten. Ie ) 



u ) Codex diplomaticus Saxoniae regiae II. 3, 167. 

'») Ebendaselbst 152: Placeat igitur v. r. p. cum talibus habere 
pacientiam ad tempus non longum et processum vestrum pro summa 
prudentia vestra aliquali mansuetudine temperare confidimus. Der 
Brief gehört ohne Frage ins Jahr 1465, nicht 1463, wie auch schon 
Markgraf SS. rer. Sil. IX, 145 Anm. bemerkt. In diese Zeit sind 
wohl auch die beiden an den Papst im Interesse Georgs gerichteten 
Briefe zu setzen, die in der sogenannten Cancellaria regis Georgii 
unter den Aufschriften pro ducibus Saxonie und pro marchionibus 
Brandenburgensibus sich finden (Neues Laus. Magazin XL VII, 222, 
Nr. 108 — 111) und die wohl identisch sind mit den bei Pessina, 
Mars Moravicus 749 fgg. gedruckten Schriften. 

'•) Vergl. Palacky IV, 2, 364 (Anm 232). 



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10 



Die wichtigste Frage war die, welche Stellung" nun- 
mehr die Nachbarn Böhmens nehmen würden. Wenn der 
Legat Rudolf früher einmal dem Papste geschrieben hatte, 
dass die deutschen Fürsten nur auf eine Gelegenheit 
warteten, um alle Verträge mit Georg aufzulösen, so 
hatte er sich doch als einen Mann von geringem Scharfsinn 
erwiesen oder diplomatische Höflichkeitsfloskeln für baare 
Münze genommen. I7 ) 

Auf die allgemeinen Verhältnisse Deutschlands, die 
hier in Frage kommen, werden wir unten etwas näher 
einzugehen haben. 

Was die Wettiner anlangt, so trug im Anfange des 
Jahres 1466 ein besonderer Anlass viel dazu bei, die Be- 
ziehungen Emsts und Albrechts zu Böhmen noch enger 
zu machen, als sie bisher waren. Es war dies der 
Plauensche Handel, den wir hier, wenn auch nur in Kürze, 
berühren müssen. Seit die Wettiner den Herren von 
Plauen die ihnen 1426 von König Sigismund verliehene 
Burggrafschaft Meissen 18 ) nach dreizehnjährigem Ringen 
1439 abgejagt hatten, bestand zwischen den beiden Häusern 
ein tiefgehender Groll, der sich bei manchen Gelegen- 
heiten äusserte und nur auf einen Anlass zu warten schien, 
um offene Fehde herbeizuführen. Traurige Familien- 
zerwürfnisse schwächten die Kräfte der Plauenschen Fa- 
milie. Heinrich (II.) hatte seinem Sohne die Tochter 
eines Herrn von Rosenberg gefreit; dieser aber vermählte 
sich gegen den Willen seines Vaters und der Lehnsmannen 
des Landes nicht mit ihr, sondern mit der ihm uneben- 
bürtigen Tochter eines Ritters. Der erzürnte Vater be- 
raubte ihn deshalb all seiner Güter; ein Theil derselben 
kam in fremde Hände. Als 1446 der Vater starb, gab 
man dem Sohne die Schuld, ihn vergiftet zu haben; der 
Vater selbst soll ihn kurz vor seinem Tode öffentlich dieses 
Vergehens geziehen haben. Obwohl nun die Plauenschen 
Mannen trotz alledem dem jungen Heinrich zur Wieder- 

,T ) Der Meissner Dechant Heinrich Leubing scheint noch Anfang 
1466 dem Legaten den thätigen Beistand seines Herrschers in Aus- 
sicht gestellt zu haben, wenn wir die Worte des Antwortschreibens 
des Bischofs Rudolf vom 18. Januar 1466 (Scio enim quod tanti 
principis assistentia poterit operari, profecto si principes civitates 
et populi Silesiae atque Moraviae tale canut haberent, omnes ad illud 
gratissimo animo confugerent) richtig deuten. Codex diplomaticus 
Saxoniae regiae II, 3, 168. 

"J Vergl. von Langenn, Herzog Albrecht 46 fgg. Märcker, 
Burggrafthum Meissen 361 fgg. Jordan 265 fgg. 



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11 

erober ung der entfremdeten Schlösser, Städte und Herr- 
schaften Beistand leisteten, brach doch binnen kurzem 
zwischen ihnen imd ihrem Herrn, der es nicht ver- 
gessen konnte, dass sie vordem nicht zu ihm, sondern 
zu seinem Vater gestanden, heftige Feindschaft aus und 
währte viele Jahre. Die Sache kam schliesslich an König 
Georg als den Oberlehnsherrn des von Plauen; ein jahre- 
langes Processieren begann, viele Schöffensprüche wurden 
in Magdeburg eingeholt, während der von Plauen uad 
seine Gemahlin in ihren Gewaltthaten unbeirrt fortfuhren. 
Inzwischen war der Conflict zwischen Georg und der 
Curie ausgebrochen und Heinrich ein Mitglied des Herren- 
bundes geworden; schon liieraus Hess sich entnehmen, in 
welchem Sinne das Endurtheil Georgs ausfallen würde, 
und Heinrich nahm daher gern die durch die päpstlichen 
Bullen des Jahres 1465 sich ihm bietende Gelegenheit 1465 
wahr, sich seinem Richterspruche zu entziehen, erschien 
nicht auf dem Schlosse zu Prag, wohin er citiert war, 
sondern verklagte seinerseits seine Mannen vor dem 
Legaten Rudolf als dem Vertreter der Curie, die sich ja 
die Rolle eines böhmischen Königs bis auf weiteres an- 
masste, dass sie von ihm als ihrem rechten Lehnsherrn 
abgefallen seien und sich zu dem gebannten Könige 
hielten. Der Legat beauftragte den Comthur von Plauen 
als den Archidiaconus mit der Citation der Mannen 
und der Untersuchung der Sache. ,9 ) Die Mannen ge- 
horchten der Citation nicht und machten Einwendungen 
gegen die Person des Richters. Da verhing der Comthur 
die Excoramunication über sie, und bevor sie an den Le- 

faten appellieren konnten, kündigte ihnen ihr Lehnsherr 
ehde an, zog wider sie, nahm ihnen einige Höfe fort, 
brannte sie nieder und plünderte, wo er nur konnte. 20 ) 



u ) Schreiben von 1466 Januar 15. in der Cancellaria regis Georgii. 
Neues Lausitzer Magazin XLVH, 223 (Nr. 120). 

ao ) Wir sind insbesondere dem Klagzettel der Erbarmannen von 
Plauen (WA. Reuss. Sachen Bl. 56—61, vergl. Böhmische Sachen 
Kaps. V. Bl. 261 — 277 und Reuss. Sachen Bl. 45 — 55) gefolgt, verkennen 
jedoch nicht, dass diese Quelle, wie die sonstigen in dieser Sache 
ergangenen zahlreichen Processschriften (eine Zusammenstellung 
bei Märcker a. a. 0. 365 Anm. 29; durchaus einseitig und mit 
grosser Vorsicht zu benutzen sind. Die Darstellung, die Heinrich 
selbst in seiner Denkschrift (s. S. 222) giebt, weicht z. B. in den Angaben 
über den Gang des Processes ab. Eine erschöpfende Untersuchung 
der Plauenschen Wirren, die wir hier nicht geben können, würde 
schon wegen der manuichfachen interessanten Schlaglichter, die das 



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12 



Dies veranlasste Georg, den Process schleunigst zu be- 
endigen. Auf Grund eines Magdeburger Schöffenspruches 
verurtheilte er Heinrich, namentlich mit Rücksicht auf 
seinen Ungehorsam und weil er sich gegen Ordnung und 
Recht an das geistliche Gericht gewandt habe, zu Geld- 
entschädigung und Busse. 2I ) 

Es war vorauszusehen, dass Heinrich dem Spruche 
nicht gehorchen würde, und in diesem Falle bot sich dem 
Könige von selbst eine erwünschte Gelegenheit, die säch- 
sischen Herzoge sich noch enger zu verbinden, und diesen, 
ihr Gebiet auf Kosten eines unbequemen Nachbars zu 
erweitern. Schon hatten sich die rlauenschen Mannen, 
unmittelbar nachdem Heinrich seinen Fehdebrief in dem 
Dorfe Rodau (bei Mühltroff) in die Planken hatte stecken 
lassen und seinen Fehde- und Raubzug begonnen hatte, 
an den Kurfürsten Ernst gewandt und ihn um Hülfe an- 
gerufen; sie hatten dazu ein Recht, denn die meisten von 
flinen trugen auch von Ernst Lehen und durften somit 
seinen Schutz, als den des Lehnsherrn, beanspruchen. ") 
Sie folgten dabei höheren Weisungen. Denn auch König 
Georg forderte auf Grund der Egerer Verträge die 
Markgrafen auf, ihm gegen den unbotmässigen Vasallen 
Beistand zu leisten; 2S ) als Lohn hat er ihnen wohl von 
Anfang an den Besitz der Herrschaft Plauen in Aussicht 
gestellt. Das Gesuch der Mannen war nur in Scene ge- 
setzt, um die dem gebannten Könige geleistete Hülfe als 



Material auf die socialen, Staats- und lehnrechtlichen Verhältnisse 
der Zeit fallen lässt, eine nicht undankbare Aufgabe sein. 

") Das in einem Vidimus der Universität Leipzig vom 10. No- 
vember 1483 (HStA. Original Nr. 7932) und in einer Abschrift des 
15. Jahrhunderts (ebendaselbst Cop. 1315 fol. 13 b fgg.) erhaltene 
Urtheil trägt das Datum des 13. Februar 146ß, nicht, wie v. Langenii 
50 angiebt, des 2. Januar. 

") Undat. Schreiben WA. Reuss. Sachen Bl. 62. 

*') Diese von Georg ausgegangene Aufforderung zur Fehde gegen 
Heinrich, welche die Fürsten später dem Legaten und dem Papste 
gegenüber vergeblich zu verschleiern suchten, wird bewiesen durch den 
Wortlaut des Fehdebriefes an Heinrich vom 14. Februar (...und 
wir dem genanten unserm hern unnd swager unde der wirdigenn 
crohn fruntschaft bunteniss unde eynunge halben zeugetan und ge- 
wanth, auch dess vonn siner durchluchtikeit vermanet sind die manne 
zeu schuttzen) und des von König Georg ausgestellten Lehnbriefes 
über Plauen vom 9. März (als . .Ernst. . .auflf unser fordrunge und 
begere nach laut unser erblichen vereynigunge, die wir als konig 
zeu Pehmen und von der cron wegen mit ihrer lieben haben und 
darinnen sittzen). 



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13 



ein zum Schutze eigner Interessen und aus eigenem Rechte 
begonnenes Unternehmen darzustellen. 

Kaum vernahm Heinrich von dem Hülferufe seiner 
Lehnsleute, als er den Folgen desselben vorzubeugen suchte. 
Er richtete am 26. Januar 1466 ein längeres Schreiben an 1466 
Kurfürst Ernst, in welchem er eine vollkommen andere Dar- 
stellung der Sachlage gab, sich als den durch die Mannen 
Beleidigten und Geschädigten darstellte und dringend 
bat, den Aufruhrern keinen Beistand zu leisten. 24 ) Auf 
ihre Klagen selbst ging er gar nicht ein. Dagegen 
verfehlte er nicht, sich als den Beauftragten der Kirche 
den im Banne befindlichen Widerspenstigen gegenüber 
hinzustellen. Der Kurfürst legte wenig Gewicht auf 
dieses Schreiben; in seiner bereits am 29. Januar erfolgen- 
den Antwort sprach er sein Befremden darüber aus, 
dass er seine Mannen, die den ordentlichen Rechtsweg 
beschritten hätten und Willens seien, dem Spruche der 
Magdeburger Schöffen nachzuleben, in geistliche Pro- 
cesse verwickelt und in den Bann gebracht habe, ver- 
langte sofortige Einstellung der geistlichen Strafen wie 
der Fehde und Ausführung des ergangenen Urtheils und 
drohte, dass er nötigenfalls als Lehnsherr für seine Mannen 
eintreten werde. 25 ) Als hierauf keine befriedigende Ant- 
wort einlief, kündigte er in der That dem von Plauen am 
7. Februar 1466 die Fehde an. * 6 ) Gleich darauf fiel er 
im Plauenschen ein und nahm die Dörfer Theuma, Steins- 
dorf, Schönberg bei Mühltroff u. a. und wenige Tage 
später das Schloss Plauen selbst. Widerstand scheint 
kaum geleistet worden zu sein. Heinrich und sein Sohn 
verliessen das Land. 27 ) 

Am 9. März belehnte darauf König Georg den 
Herzog Albrecht an Stelle des unbotmässigen Heinrich 

**) WA. Reuss. Sachen Bl. 63. 
") Ebendaselbst Bl. 64. 
*•) Ebendaselbst Bl. 65. 

aT ) Paul Lange bei Mencke SS. IT, 48, der den Tag der heil. 
Scolastica (10. Februar) als Tag der Vertreibung des Burggrafen 
nennt, Append. Chron. Vet. Cell, ebendaselbst IL 429, Eschenloer 
(SS. rer. Sil. VII) 116 und die an die Universität Leipzig gerichtete 
Beschwerdeschrift Heinrichs vom 9. April 1466, WA. Böhm. Sachen 
Kaps. V fol. 282 (gedruckt bei Jordan 432). Ueber die Verbrennung 
der Kirche zu Schönberg vergleiche SS. rer. Sil. IX, 170 Anm. 
Nicht uninteressant sind die Rechnungen über die bei Gelegenheit 
des Plauenschen Zuges vom 6. bis zum 16. Februar verausgabten 
Gelder (mit der falschen Jahreszahl LXV) in HStA. Loa 4335, Rechnung 
der Amtleuthe Sachssen, Meissen und Voitland 1467 (hinter fol. 382). 



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14 



1466 mit Schloss und Herrschaft Plauen; die Belehnung sollte 
ein Ersatz für die von den Herzögen auf die Eroberung 
des Schlosses verwandten Kosten sein. 28 ) Wenn Herzog 
Albrecht, nicht der Kurfürst, diese Lehen empfing, so hatte 
dies seinen Grund darin, dass ersterer bereits seit den 
Egerer Verträgen von 1459 Lehnfürst der Krone Böhmen 
war. 29 ) 

Der Vertriebene setzte sofort alle Mittel in Bewegung, 
um wieder zu seinem Lande zu kommen. Von Königs- 
wart bei Eger, wo er zunächst Zuflucht gefunden, Hess 
er am 9. April 1466 eine Denkschrift ausgehen, in der 
er eine Darstellung des ganzen Handels von seinem 
Standpunkte aus gab, gegen das Verfahren der säch- 
sischen Herzöge entschieden protestierte und schliesslich 
sich bereit erklärte, dem Richterspruche des Papstes oder 
seines Legaten, der böhmischen Herren, „die da sind 
neben seiner Heiligkeit bei der Römischen Kirche", des 
Erzbischofs zu Magdeburg, der Bischöfe zu Würzburg 
und Bamberg, der Markgrafen von Brandenburg, des 
Herzogs Wilhelm oder der bayerischen Fürsten sich unter- 
werfen zu wollen. Die Denkschrift ist uns in zwei Exem- 
plaren erhalten, von denen das eine an die Universität 
Leipzig, das andere an die Stadt Eger gerichtet ist 80 ) 
Kurfürst Ernst hatte die letztere, deren Haltung ihrer 
geographischen Lage und ihrer bedeutenden Hilfsmittel 
wegen von besonderer Wichtigkeit war, in den ersten 
Tagen des Einmarsches in Plauen und dann wiederholt 
um thätigen Beistand ersucht 3I ); andrerseits hatte der 
Herrenbund, den die Plauensche Angelegenheit natürlich 
ebenfalls nah berührte, sie vor jeder Unterstützung Emsts 

fewarnt. S2 ) Sie entschloss sich endlich, das Verlangen 
es Kurfürsten abzulehnen und neutral zu bleiben. S3 ) 



") Der Lehnbrief und die Weisung an die Mannen von dem- 
selben Datum im HStA. Originale Nr. 7936, 7937. Ein zweiter, mit dem 
erwähnten wörtlich gleichlautenden Lehnbrief vom 14. Juni 1466 
ebendaselbst Nr. 7955 (vergl. Nr. 7956). 

") der danne fore unser und der cron lehenfürst ist, heisst es 
in dem Lehnbrief. 

•°) Ersteres nach einer Abschrift WA. Böhm. Sachen Kaps. V 
Bl. 282, incorrect gedruckt bei Jordan 432, letzteres nach dem Original 
in Eger bei Bachmann, Urk. und Actenst. 371 fgg. (das Datum ist 
jedoch zu verbessern). 

Sl ) Bachmann a. a. 0. 371. 

") Palacky, Urk. Beitr. 391. 

**) Bachmann a. a. O. 371. 



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15 



Wichtiger als diese Denkschrift war, dass sich Hein- 1466 
rieh mit seiner Beschwerde an den Papst wandte. Hatten 
doch die Mannen es verschmäht, den Anordnungen des 
Legaten gemäss die Sache durch den geistlichen Richter 
entscheiden zu lassen und waren sie doch deswegen in 
den Bann gekommen. Schon aus diesem Grunde konnte 
Heinrich mit einem gewissen Rechte hervorheben, das Ver- 
halten der sächsischen Fürsten gereiche „zu merklichem 
Verdruss, Schaden und Schmach unserm allerheiligsten 
Vater dem Papst und der heiligen Römischen Kirche"; 
schwerer freilich noch wog der Vorwurf, dass sie durch 
ihr Eingreifen den gebannten Böhmenkönig unterstützt 
hätten. Paul II. säumte denn auch nicht, sich der Sache aufs 
wärmste anzunehmen. Er richtete (Ende April oder An- 
fang Mai) ein ernstes Schreiben an den Kurfürsten, in 
dem er sein Befremden aussprach, wie derselbe gerade in 
dieser Zeit dem ketzerischen Könige gegen einen treuen 
Sohn der Kirche, wie es Heinrich sei, Beistand leisten könne, 
und ihn zum Abbruch aller Beziehungen zu Georg, zur eif- 
rigen Verfolgung der hussitischen Ketzerei und zur Restitu- 
tion des Burggrafen Heinrich dringend aufforderte; habe er 
irgend eine private Differenz mit ihm, so erklärte er sich 
bereit, dieselbe durch den Legaten Rudolf oder einen 
anderen unverdächtigen Richter, dessen Wahl dem Kur- 
fürsten freigestellt wird, schlichten zu lassen. 84 ) In 
Schreiben fast gleichen Wortlauts wurden der Bischof 
von Meissen, der Meissner Domdechant Heinrich Leubing, 
ferner der Kaiser und Herzog Wilhelm aufgefordert, Ernst 
zur Befolgung der päpstlichen Befehle zu veranlassen. S5 ) 

So hatte diese Plauensche Angelegenheit die säch- 
sischen Brüder in einer ihnen nichts weniger als an- 
genehmen Weise plötzlich aus ihrer zurückhaltenden Stel- 
lung hinausgeführt auf die Bühne, auf der sich der 
weltgeschichtliche Kampf zwischen dem Papstthum und 
dem König Georg abspielte. Georg war ein feiner Diplo- 
mat; das bewies auch dieser Zug. 

Es waren übrigens nicht die sächsischen Herzöge 
allein, denen das Vorgehen des Papstes gegen den Böhmen- 



I4 ) SS. rer. Sil. IX, 168. Eine deutsche Uebersetzung WA. 
Reuss. Sachen Bl. 69 ; daraus Excerpte bei Jordan 266, v. Langenn 52. 

*•) Das Schreiben an den Bischof d. d. 1466 April 24 und an 
Leubing d. d. Mai 13 in deutscher Uebersetzung WA. Reuss. Sachen 
Bl. 67, 66. Vergl. SS. rer. Sil. IX, 169 Anm. 



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16 



1466 könig recht unerwünscht war. Die anderen deutschen 
Fürstenhäuser hatten sätnmtlich nicht viel mehr Sym- 
pathie für dasselbe. Verworrene Zustände herrschten 
damals in Deutschland. Die Autorität des Kaiserthuras, 
schon seit dem Interregnum in stetem Schwinden begriffen, 
war vollends dahin, seit die kurzsichtige, energielose, eng- 
herzige und knauserige Persönlichkeit Friedrichs III. die 
Krone trug. Wohl machte man Anstrengungen, durch 
„Reformationen" dem traurigen Zustande abzuhelfen ; aber 
diese Anstrengungen waren nicht hervorgerufen durch 
eine weitschauende, nationale Politik, sondern lediglich 
durch den Trieb der Selbsterhaltung. Dem monarchischen 
Reichsgedanken, der ohnehin seit lange nur in der Theorie 
noch bestand, trat immer un verhüllter das Streben der 
territorialen Mächte nach völliger Unabhängigkeit — nach 
oben wie nach unten — entgegen. Was wie ein groß- 
artiger Reformplan aussah, war, näher betrachtet, im 
Grunde nichts als eine Aeusserung jenes Strebens. Aber 
es konnte nicht fehlen, dass eben dies die einzelnen 
Fürstenhäuser heftig an einander brachte; die einseitig 
vertretenen Interessen mussten collidieren. So waren denn 
die beiden, die unter Deutschlands gebornen Fürsten 
wohl am lebhaftesten, wenn auch in sehr verschiedenem 
Sinne, an Reichsreform dachten, Markgraf Albrecht von 
Brandenburg, jener „Achilles", der von seinem kleinen 
fränkischen Lande aus immer von neuem den leitenden 
Einfluss in Deutschland zu erwerben versuchte, und Fried- 
rich der Siegreiche von der Pfalz, zugleich die Häupter 
von Fürstenbündnissen , die sich in den Jahren 1459 — 1463 
wiederholt blutig befehdeten. 

In den Jahren, von denen wir zu handeln haben, 
ruhten die Waffen; und es Hess sich nicht leugnen, dass 
sie ruhten, war vorzugsweise dem schwer wiegenden Ein- 
flüsse des Böhmenkönigs zu danken, der, ohne viel nach 
den Mitteln zu fragen, sich während der ganzen Kampfe 
bald auf dieser, bald auf jener Seite gehalten, wie es 
sein Vortheil verlangt hatte. Allgemein herrschte leb- 
haftes Bedürfnis nach Frieden. Kein Wunder, wenn die 
Brandfackel, die der Papst in die deutschen Lande 
schleuderte, in kein Pulverfass fiel, der Bannstrahl der 
Curie vielmehr den deutschen Fürsten recht ungelegen 
kam, — mochten sie auch noch so wenig persönliche 
Sympathie für den Böhmenkönig haben, der ja, wie sie, 
ebenfalls nur seinen eigenen Vortheil im Auge hatte. 



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17 



Neben den Wettinern waren es vorzugsweise die 1466 
beiden Fürstenhäuser Hohenzollern und Wittelsbach, die 
in Frage kamen. Unter sich und mit Böhmen waren sie 
durch Verschwägerungen wie durch Einungen, jenes 
Mittel, durch das man vergeblich einen Ersatz für 
eine kräftige einheitliche Oberleitung zu schaffen suchte, 
mannichfach verbunden. Amalie und Anna, die Schwestern 
von Ernst und Albrecht, waren die Gemahlinnen von 
Ludwig von Bayern-Landshut, der den Beinamen des 
Reichen jetzt freilicli nicht mehr in so hohem Grade ver- 
diente, wie einst vor jenen mehrjährigen Fehden, und von 
Markgraf Albrecht Achilles; Kurfürst Ernst hatte eine 
Tochter Albrechts III. von Bayern -München, Kurfürst 
Friedrich II. von Brandenburg eine Schwester des Herzogs 
Wilhelm von Sachsen zur Frau. Dass des Böhmenkönigs 
Tochter Zdena mit Herzog Albrecht vermählt, seinem 
Sohne aber die Tochter des Herzogs Wilhelm, Katharina, 
zugedacht war, haben wir oben bereits erwähnt; ein 
anderer Sohn Georgs, Heinrich, war mit Albrechts von 
Brandenburg Lieblingstochter Ursula, die böhmische Prin- 
zessin Ludmilla mit dem Sohne Ludwigs von Bayern- 
Landshut verlobt. 1457 waren die Brandenburger der 
sächsisch -hessischen Erbeinigung beigetreten 36 ), und seit 
1459 bestanden, wie wir bereits erwähnten, Bündnisse 
zwischen Böhmen, Brandenburg und Sachsen. Es war 
natürlich, dass diese mannichfachen Verbindungen ihre 
Wirkung auf die Politik jener Tage nachdrücklich äus- 
serten. Aber auch die Differenzen, die wenige Jahre 
vorher die deutschen Fürsten in zwei Parteien gespalten 
hatten, in eine wittelsbachische, zu der vor allem Friedrich 
der Siegreiche von der Pfalz und Herzog Ludwig von 
Bayern-Landshut gehörten, und in eine antiwittelsbachische, 
die unter der Leitung Albrechts von Brandenburg die 
Interessen des Kaisers und Reiches vertrat oder doch zu 
vertreten vorgab, spiegelten sich wieder. 

Kurfürst Friedrich II. von Sachsen hatte sich in jenen 
Differenzen im wesentlichen stets als Bundesgenossen 
der Brandenburger gezeigt. Die Haltung seiner Söhne 
war dagegen weniger entschieden; sicher waren sie von 
vorn herein nicht frei von Sympathien für die Wittels- 
bacher. Sehr bedenklich war schon, dass sie einer Er- 



*•) Vergl. den Vertrag von 1457 April 29. bei Riedel, Cod. 
dipl. II, 5, 22. 

Ermisch, Studien. 2 



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18 



1466 neuerung jener brandenburgisch-sächsisch-hessischen Erb- 
einigang allerhand Schwierigkeiten entgegensetzten, was die 
Brandenburger ohne Frage mit Misstrauen erfüllen musste. 
Im April 1466 erschienen der Obermarschall Hugold von 
Schleinitz, Kaspar von Schönberg und der Oberkanzlei- 
schreiber Kaspar Freiberger als Gesandte von Ernst und 
Albrecht bei Kurfürst Friedrich und schlugen ihnen, 
offenbar im Einverständnis und wahrscheinlich auf Ver- 
anlassung des Herzogs Ludwig von Bayern, statt einer 
Erneuerung der bisherigen Erbeinigung ein allgemeines 
Bündnis, in das auch der Kaiser aufgenommen werden 
sollte, oder doch eine Einung zwischen den Häusern 
Sachsen, Brandenburg und Bayern vor; jedenfalls zeigten 
sich die sächsischen Fürsten nicht geneigt, jemals gegen den 
Pfalzgrafen und den Herzog Ludwig Hilfe zu leisten — 
und ohne Frage ist dies der Grund, aus dem sie einer Er- 
neuerung der Erbeinigung widerstrebten. Diese Pläne er- 
füllten den Kurfürsten Friedrich mit Unwillen und Besorg- 
nis ; er schrieb in solchem Sinne an seinen Bruder Albrecht. 
Er glaubte die Annahme des zuletzt erwähnten Bündnisses 
befürworten zu sollen, „denn unter zweyen Bösen ist je 
das mindeste Böse zu kiesen"; das vorgeschlagene Bündnis 
sichere seinen Bruder doch wenigstens gegen die Ge- 
fahren, die aus einer offenbaren Feindseligkeit der Herzöge 
in dem, wie Friedrich befürchtete, bevorstehenden Wieder- 
ausbruch des Krieges drohten. 87 ) Markgraf Albrecht 
war anderer Ansicht; er glaubte, ein solcher Vertrag 
widerstreite seinen Pflichten, die er als des Reiches Haupt- 
mann gegen den Kaiser, gegen Fürsten und Städte habe, 
wie auch seinen sonstigen Einungen; er könne dadurch 
in die Lage kommen, eidbrüchig am Kaiser und seinen 
anderen Bundesgenossen zu werden, und es sei ja dann 
noch nicht sicher, ob nicht Hugold von Schleinitz die 
neue Einung ebenso für unverbindlich erklären würde, 
wie jetzt die alte. Herzog Wilhelm sei, wie er glaube, 
auch seiner Meinung; also schon jetzt zeigte sich doch 
eine Differenz in der Politik der Neffen und des Oheims. 
Dagegen erklärte sich Albrecht gern zu einer Einung 
unter des Kaisers Leitung bereit: „wo der hinfährt mit- 
sammt uns und andern, die er neben sich zieht, da Hegen 



Riedel, Cod. dipl. III, 1, 890 fgg. (das Schriftstück gehört 
jedoch nicht in den Mai, sondern in den April 1466, wie sich aus 
Albrechts Antwort ergiebt). 



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IS 

wir mit oben und unten, und bitten desgleichen Eure 1466 
Liebe und alle unsere Freunde auch zu tliun; das ist 
das längere göttliche und ehrlichste Leben, und bringt 
uns niemand aus der heut, ob Gott will, dieweil wir 
leben, und Eure Lieb und wir wollens, ob Gott will, 
auf unsere Kinder erben, dass wir nie anders an Papst 
und Kaiser, unsern rechten Herren und obersten Häuptern, 
auch an unsern gebornen Freunden, Bundesgenossen und 
Zugewandten gethan haben, denn frommen Fürsten wohl 
ansteht" u. s. w. Aber, heisst es dann schliesslich, einen 
Einungsentwurf, der vom Kaiser ausgehe, gebe es nicht; 
er beruhe auf falscher Vorspiegelung. 38 ) 

Auf Grund dieses Schreibens erklärte Friedrich dem 
sächsischen Gesandten, hinter dem Rücken des Kaisers 
könnten weder er noch sein Bruder Albrecht sich in ein 
Bündnis einlassen, ausser in ein solches, das schon früher 
bestanden habe; sie wollten daher bei der mit ihrem 
Vater geschlossenen Erbeinigung bleiben. 89 ) 

Stehen jene Verhandlungen auch nicht in unmittel- 
barer Verbindung mit den sächisch- böhmischen Bezie- 
hungen, so können letztere doch nur dann richtig aufge- 
fasst werden, wenn man das Verhältnis der fürstlichen 
Brüder zu ihren Nachbarn, und zwar vorzugsweise zu 
den Brandenburgern und zu Herzog Wilhelm, fortwährend 
im Auge behält. Wir werden daher auch in der Folge 
diesen Beziehungen unsere Aufmerksamkeit ganz besonders 
zuwenden müssen. 

Die sächsischen Räthe hatten dem Kurfürsten Friedrich 
im April mitgetheilt, dass Herzog Albrecht demnächst 
nach Oesterreich zu reisen gedenke. 40 ) Aber nicht in 
Oesterreich, sondern auf einem Landtage zu Prag finden 
wir Anfang Mai den Herzog; er soll dort seinem Schwieger- 
vater Hilfe zugesagt haben, obwohl die Mannen und 
Städte des Landes damit keineswegs einverstanden waren 
und sogar, wie man sich erzählte, auf den nächsten 
Sonntag nach Himmelfahrt (18. Mai) einen Tag zu Leip- 
zig angesetzt hatten, um sich gegen die Unterstützung 
Böhmens zu erklären. 41 ) 



") Riedel, Cod. dipl. 10, 3, 74 fgg. Vergl. Droysen II, 1, 226 
und Kluckhohn 253 fg. 

*•) Riedel, Cod. dipl. Iü, 1, 393. 
*°) Ebendaselbst 392. 

4I ) Palacky, Urk. Beitr. 398. Riedel, Cod. dipl. III, 1, 401. 
Eschenloer (SS. rer. Sil. VII) 116: Marchio Misnensis Albertus gener 



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20 

1466 Wohl mochte dies Anerbieten, das vorzugsweise als 
die Frucht der Belehnung mit Plauen anzusehen ist, den 
aufrührerischen Baronen des Böhmenkönigs einen nicht 
geringen Schrecken einflössen, um so mehr, als auf dem- 
selben Prager Landtage auch Gesandte des Markgrafen 
Albrecht sich einfanden und insgeheim, trotz ernster Ab- 
mahnungen des Papstes, über den Vollzug der vor Jahren 
verabredeten Heirat zwischen des Königs Sohn Heinrich 
und Albrechts Tochter Ursula verhandelten; Glatz soll 
ihr als Leibgedinge verschrieben worden sein, aber ge- 
wiss wurden noch andere Aussichten dem Hause Branden- 
burg eröffnet. 41 ) 

Wenig später (am 20. Mai) fand zu Weimar eine Zu- 
sammenkunft zwischen Ernst, Albrecht und Wilhelm statt, 
auf welcher ein Ausgleich der verschiedenen zwischen 
ihnen schon schwebenden Differenzen bewirkt werden 
sollte; man einigte sich bei dieser Gelegenheit auch über 
eine gemeinsame Haltung der Curie gegenüber. 4S ) 

So ging die Politik der Hohenzollern und der Wet- 
tiner, wenn sie auch in Bezug auf die süddeutschen An- 
gelegenheiten verschiedene Wege eingeschlagen, doch in der 
böhmischen Frage Hand in Hand. So lange der König 
Georg sich der materiellen oder moralischen Unterstützung 
dieser seiner mächtigsten Nachbarn versichert halten 
konnte, so lange durfte er hoffen, dass er sich trotz Kaiser 
und Papst zu behaupten und die Bewegungen im Innern 
seines Landes niederzuschlagen vermöge. 

regis presencialiter Präge tunc existens pro se et fratre suo duce 
Ernesto . . regi addixit auxilium ei prestiturum cum omni potencia 
eorum. Id non parum terruit tidelem partem regni. Die Rechnung 
des Untermarschalls Dietrich von Schönberg und des Kammermeisters 
Erasmus Grensing über die Heise Albrechts nach Prag HStA. Loc. 
4335 Rechnung der Amtleute 1467 fgg., fol. 347b. Vergleiche auch 
die Notiz in der Dresdner Stadtrechnung von 1466 (Kathsarchiv): 
40 gr. unser gn. h. trommeter sexta post Georgii (Apr. 26), als unser 
gn. h. kein Präge wolden reiten. — Ob der beabsichtigte Tag zu 
Leipzig zu Stande gekommen, ist nicht bekannt; wir wissen nur, 
dass 1466 zu Meissen ein Landtag stattfand; vergL HStA. Loc. 9349. 
Ausführliche Nachricht von denen Chursächsischen Land- und Aus- 
schusstägen 1183—1718 fol. IIb. 
4I ) Palacky, ürk. Beitr. 402 fg. 

* s ) Am Scliluss des Protokolls heisst es: Item gelangtte auch 
an ir eynen teil von unnserm h. vater dem babist und der romischen 
kirchenn, daz beswerunge uff em truege, darynnen sal derselbige nicht 
thun , is sie denne, daz sie sych dess durch sych selbiss addir ire rette 
sebigkunge vor unndirrett unnd geratslagct habenn. HStA. Orig. 
No. 79b'J (in Abschrift Cop. 58 fol 20). 



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21 



Einen sehr wichtigen Bundesgenossen führte damals 1466 
der sächsische Einfluss dem Böhmenkönige zu. Anfang 
Juni kam Gregor von Heimburg, der berühmte Redner 
und gewandte Diplomat, der schon seit vielen Jahren 
überall da zu finden war, wo gegen die Curie Opposition 
gemacht wurde und der deswegen Verfolgungen über 
Verfolgungen hatte erdulden müssen, auf einen (Mitte 
Mai) an ihn ergangenen Ruf der beiden Fürsten aus 
Würzburg nach Prag; Herzog Albrecht selbst geleitete 
ihn dorthin. **) Schon im Jahre 1465 hatte Heimburg 
gelegentlich in einem Schreiben an den Cardinal Car- 
vajal auf die Gefahren hingewiesen, die das Vorgehen 
der Curie gegen Georg leicht hervorrufen könnte; doch 
hatten seine Worte wenig Eindruck gemacht. Jetzt über- 
nahm er es, an Stelle des bayrischen Staatsmannes Martin 
Mayr, der kurz vorher den Prager Hof verlassen hatte, auf 
diplomatischem Gebiete des Königs Sache zu verfechten. 
Unverkennbar ist der Stempel seines kraftvollen Geistes, 
der fortan den meisten aus des Königs Kanzlei hervor- 
gehenden Schriftstücken aufgedrückt ist. Gleich das erste 
Schreiben aus seiner Feder, eine Verteidigungsschrift 
für Georg, die zunächst lateinisch abgefasst und an Köniig 
Matthias von Ungarn gerichtet war, dann aber eine all- 
gemeine Verbreitung in Deutschland fand, machte grosses 
Aufsehen durch die energische Sprache und die Klarheit 
und Schärfe, mit der die Rechtswidrigkeit des päpstlichen 
Vorgehens dargestellt war. 4S ) Mit den sächsischen Her- 



**) Schreiben Gregors an König Georg d. d. 1466 Juli 18 : In medio 
Maji a ducibus Saxoniae seriosissime accersitus, paulo post iter arri- 
piens . . . ducum hortatu Pragam usque perveni, scihcet in capite 
Junii, ubi nunc diraidium Julii transegi; et jam ut conjicio Romae 
rescitum est, me hic esse obicem illorum machinamentorura quae papa 
molitus est u. s. w. Palacky, Urk. Beitr. 408 fg. — Schreiben des- 
selben an den Erzbischof von Gran: Cum illustri principe domino 
Alberto dnce Pragam adveniens febre terciaria correptus u. s. w. Archiv 
für österreichische Geschichte XII, 328. Vergl. ferner Brockhaus, 
Gregor von Heimburg 278 und über seine Thätigkeit ausser den oben 
angeführten Werken Düx, Nicolaus von Cusa I, 437 fgg., 466 fgg. 

") Der latein. Text (mit dem Datum 1466 Juli 28) SS. rer. Sil. 
IX, 181 fgg. In deutscher Uebersetzung erhielten das Schriftstück 
u. a. Kurfürst Ernst unter dem 1. October H66 (HStA. Loc. 7216, 
Irrung zwischen König Georg und dem Papste Bl. 2 fgg.) und Herzog 
Wilhelm unter dem 11. October (Müller, Reichstagstheatrum unter 
Friedrich V. II, 250). Ueber die Verbreitung desselben sagt Gregor 
selbst: Aliis enim principibus aliter eadem sententia scribenda est, non 
solum propter personarura disparitatem, quin etiam ut papa, ad quem ea 



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22 



1466 zogen blieb Heimburg übrigens fortdauernd in Bezieh- 
ungen; wir treffen ihn zu wiederholten Malen am Hofe 
in Meissen. Er bezog sogar, wie z. B. auch der böhmische 
Kanzler Jobst von Einsiedel, eine Besoldung aus der 
sächsischen Kammer. 4ft ) 

So waren Ernst und Albrecht eifrig für die Interessen 
Georgs thätig, als die erwähnten Mahn- und Drohbriefe 
des Papstes einliefen. Es war nicht zu erwarten, dass sie 
viel Erfolg haben würden. Bischof Dietrich von Meissen 
übernahm es, die Verteidigung seiner Herren, deren Poli- 
tik er näher stand, als dem Papste und seinen Legaten 
lieb sein konnte, zu führen, von seiner Antwort liegt 
mir das Concept vor, das, bezeichnend genug, viele Cor- 
recturen und Zusätze von der Hand des Marschalls des 
Kurfürsten Ernst, des Hugold von Schleinitz, zeigt. Ob- 
wohl ihm wissentlich sei, so schreibt der Bischof, dass die 
Angelegenheit sich ganz anders verhielte, als sie dem 
Papste vorgetragen worden, so habe er doch, wie ihm der 
Papst befohlen, als ein „Sohn des Gehorsams" dem Kur- 
fürsten Vorstellungen gemacht Dieser aber habe gar 
wenig Zeit zur Ueberlegung gebraucht und habe ihm 
dann geantwortet. Seine Güte gegen die Priesterschaft im 
Lande „werde durch mancherleye erczeigunge und 
exempel geachtet ofFenberlicher und derer dem lichte der 
sonne"; er folge darin dem Beispiele seiner Vorfahren, 
wolle dies auch ferner thun und vom Gehorsam gegen 
den päpstlichen Stuhl sich nicht abbringen lassen. Dies 
habe aber mit der Plauenschen Sache gar nichts zu thun. 
Die von Plauen, sowohl der Vater des jetzigen Herrn 
als auch der Vertriebene selbst, hätten sich schriftlich 
und mündlich gar vielfach gegen ihn und seinen Vater 
vergangen. Eine lange Aufzählung dieser Vergehen 
folgt; wir heben daraus hervor, dass dem von Plauen 
auch Verhandlungen mit einer der in Ungarn hausenden 
Brüderrotten und die Absicht vorgeworfen wird, dem Haupt- 
mann derselben, Udericz, Schloss und Stadt Plauen zu 
überantworten; es bewies dies, dass Heinrich gerade im 



omnia per principes deferentur, ex varietate querelarum vehementius 
exagitetur. Palacky, Urk. Beitr. 407. Vergl. auch Markgrafs An- 
merkung SS. rer. Sil. IX, 190. 

*•) Vergl. die Rechnungen des sächsischen Kanzlers Hans von 
Mergental im HStA. Loc. 4335, Rechnung der Amtleuth Sachssen, 
Meissen und Voitland 1467, 442 fgg. Auch von Ludwig von Bayern 
bezog Heimburg einen Jahrgehalt, vergl. Kluckhohn 282 Anm. 



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23 

Punkte der Rechtgläubigkeit nichts weniger als unantast- 1466 
bar war. Die Plauenschen Mannen hätten sich mit vollem 
Recht an König Georg gewandt. Aber sein Vorgehen will 
Kurfürst Ernst nicht als eine dem Böhmenkönige geleistete 
Unterstützung angesehen wissen, sondern als Verfechtimg 
eigner Interessen. Wenn er Georg im Absagebriefe als 
König bezeichnet habe, so solle dies keine Beleidigung 
des Papstes sein; 47 ) es sei aus „merklichen Ursachen" 
geschehen, die zu schreiben aber zu weitläuftig wäre. 
Uebrigens halte der von Plauen noch immer keine Ruhe, 
sondern greife Emsts fürstliche Ehre durch Briefe an 
Grafen, Herren, Ritter und Städte an, so dass es Noth 
thun werde, „dagegen zu gedenken". Auf die Ermahnung 
des Bischofs, den Böhmenkönig aufzugeben, habe Ernst 
geantwortet, er halte sich streng zum römischen Stuhle 
und dulde keine Neuerungen in seinem Lande; aber die 
Lage Meissens mache den Verkehr mit Böhmen unum- 
gänglich noth wendig. Doch wolle er diesen Verkehr so weit 
einschränken, dass er der Ehre des h. Stuhles nicht zu nahe 
trete. Das angebotene geistliche Schiedsgericht wies der 
Fürst mit aller Entschiedenheit zurück; er habe Plauen im 
rechten Kriege gewonnen, und nur vor dem Lehnsherrn, d. h. 
dem Könige Georg, könne darüber verhandelt werden. — 
Der Bischof schliesst mit der Bitte, der Papst möge dem 
von Plauen nicht Glauben schenken und sich seine Herren 
als fromme und christliche Fürsten empfohlen sein lassen. 48 ) 

Schwerlich hat diese Antwort, deren Datum uns 
nicht bekannt ist, dem Papste gefallen. In einem recht 
kühlen Schreiben vom 20. November 1466 dankte er dem 
Bischof für die Befolgung des päpstlichen Befehls, „ob 
wir wohl etwas mehr daraus gehofft geharret haben." * 9 ) 

Einen anderen gewichtigen Fürsprecher fand Kurfürst 
Ernst am Kaiser. Mit diesem, ihrem Oheim von mütter- 
licher Seite, hatten sowohl er als namentlich sein Bruder 
Albrecht stets auf gutem Fusse gestanden. Albrecht hatte 
kurz nach Empfang der Lehen einen längeren Aufent- 
halt in Wien genommen; er verweilte auch später noch 



*') Diesen Punkt erwähnen die oben S. 15 angeführten Schreiben 
des Papstes vom April und Mai nicht; man darf daher wohl an- 
nehmen, dass zwischen jenen Schreiben und der Antwort den Fürsten 
noch andere Vorstellungen gemacht worden sind. 

*•) Concept WA. Böhm. S. Kaps. V Bl. 293 (eine Abschrift 
WA. Reuss. S. Bl. 75). 

«•) üebersetzung WA. Reuss. S. Bl. 77. 



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24 



\Wt »ehr oft dort und vertrat als gewandter Diplomat seinen 
Bruder dem Kaiser gegenüber. Durch eine besondere 
Veruchreibung hatten die sächsischen Fürsten am 2. Juli 
14*>5 dem Kaiser Treue zugesagt und dafür das Ver- 
brechen von Beistand und Hilfe erlangt; auf die Für- 
bitte Albrechts und mit besonderer Rücksicht auf dessen 
getreue Dienste hatte der Kaiser am 29. Januar 1466 
den Leipziger Neujahrsmarkt bestätigt. 40 ) Nun hatte 
Friedrich zwar in lolge des päpstlichen Schreibens eben- 
falls einen ermahnenden Briet an Ernst gerichtet, war in- 
dessen durch die Antwort desselben *') leicht zu bewegen 
gewesen, ihn beim Papste in Schutz zu nehmen; er 
brachte ungefähr die nämlichen Gründe vor, die auch der 
Bischof geltend gemacht hatte. ") Allein der Papst wies 
auch diese Fürsprache entschieden zurück und sprach 
sein Bedauern aus, dass der Kaiser sich durch die un- 
richtige Darstellung des Kurfürsten habe blenden lassen. 
Zum Beweise, dass nicht private Differenzen, sondern 
Parteinahme für den Böhmenkönig das Vorgehen des 
Kurfürsten veranlasst habe, schickte er Friedrich eine Ab- 
schrift des Fühdcbriefes zu. * s ) 

Auch Bischof Rudolf von Lavant, der Legat in 
Brodau, bemühte sich, die meissnischen Fürsten dem 
Könige Georg abspenstig zu machen. Ende Mai oder 
Anfang Juni erschien er persönlich in Meissen und über- 
gab innen päpstliche fmllen und Briefe, darunter 
wahrscheinlich die obenerwähnten Mahnschreiben. Seine 

••) Chmel, Regesten Friedrichs IV. Nr. 4222, 4223, 4359. Cod. dipl. 
Sax. reg. 11, 8, :*26 f. Vergl. von Langenn 45. Lichnowsky, Ge- 
schichte des Hauses Habsburg VII, 92. 

*M Das bei von Langenn 51 n. 1, 56 n. 1 erwähnte Concept 
eines Schreibens des Kurfürsten Ernst an den Kaiser habe ich nicht 
gefunden; der Inhalt geht aus dem Schreiben des Kaisers hervor. 

") Abschrift des Schreibens von 1466 August 20. WA. Reuss. 
8. Bi 72. 

»») Schreiben des Papstes d. d. 1466 October 1. SS. rer. Sil. 
IX, 195 ff.; eine deutsche Uebersetzung WA. Reuss. S. Bl. 78. 
Eine „verächtliche Zurechtweisung" des Kaisers, wie Jordan 267 
meint, enthält das Schriftstück nicht eigentlich. Herzog Albrecht, der 
damals am kaiserlichen Hofe die Sache der Fürsten vertrat, sandte 
dem ßruder eine Abschrift des Schreibens, die Ernst am 22. Nov. 
1466 an den Obermarschall Hugold von Schleinitz beförderte, damit 
dieser Albrecht für seine weiteren Verhandlungen mit dem Kaiser 
instruiere. WA. Böhm. S. Kaps. IV Bl. 119. Das von Jordan a.a.O. 
erwähnte zweite Schreiben des Papstes, von dem eine Uebersetzung 
WA. Reuss. S. Bl. 74b vorliegt, ist das vom 2. October 1466, welches 
SS. rer. Sil. IX, 197 gedruckt ist. 



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25 



Werbung betraf den Türkenkrieg, den Papst Paul II. 1466 
ebenso immer als Vorwand gebrauchte, wie er seinem Vor- 
gänger wirklich am Herzen gelegen hatte, ferner die 
eben damals durch den Legaten geführten Verhandlungen 
wegen eines Friedens zwischen Polen und dem deutschen 
Orden, an denen die sächsischen Fürsten wenig Antheil 
nahmen, hauptsächlich aber die böhmische Frage. Mit 
Rücksicht auf die oben erwähnten Weimarer Verabred- 
ungen vom 20. Mai erklärte der Kurfürst, eine Antwort 
nicht ertheilen zu können, bevor er mit dem Oheim 
Rücksprache genommen. 54 ) Dies muss in aller Eile ge- 
schehen sein; denn bereits um die Mitte Juni brachte 
eine Gesandtschaft Emsts, Albrechts und Wilhelms, an 
deren Spitze der Obermarschall Hugold von Schleinitz 
stand, der überhaupt neben dem Kanzler Hans von Mer- 
gental in diesen Jahren als die Seele der sächsischen 
Politik erscheint, die Antwort der Fürsten nach Breslau. 

Die Gesandten sprachen dem Legaten zunächst das 
Bedauern ihrer Herren darüber aus, dass Kaiser und 
Papst nicht, wie jene gewünscht, einen Reichstag ausge- 
schrieben und auf diesem über die fraglichen Sachen ver- 
handelt hätten. Statt dessen sei man mit geistlichen 
Processen gegen Georg vorgegangen; dass die Citation 
und die Bannbulle auch in Meissen, „auf unser gnädigen 
Herren Hauptscldosse und Hauptkirche", publiciert worden 
sei, ÄÄ ) hat die Fürsten besonders beleidigt, sie weisen da- 
rauf hin, dass dies in den anderen, Böhmen benachbarten 
Fürstentümern nicht geschehen sei, und sprechen die 
Besorgnis aus, das „sie und ihre Lande zu verderblichem 
Schaden dadurch kommen möchten". In beredter Weise 
wird aus der Geschichte der letzten Jahre das Verhältnis 
der Meissner zu Böhmen erklärt Noch vor nicht langer 
Zeit herrschte Feindschaft zwischen Georg und den 
sächsischen Herzögen. Aber als jener vom Kaiser, vom 
Papste und von den deutschen Fürsten als König 

**) Vergl. den Eingang des später zu erwähnenden Entwurfs 
eines Schreibens an den Papst WA. Böhm. S. Kaps. V Bl. 261. 

") Die Citation Georgs vom 15. August 1465 sollte in Salcze- 
burgensi Ratisponensi Bambergensi et Misnensi metropolitane et 
cathedralium ecclesiarum valvis seu portis angeschlagen werden. 
SS. rer. Sil. IX, 138. Wenn erst jetzt Protest gegen die Publication 
der Citation und des Processes (wohl der Bulle vom 8. Dec. 1465, 
s. oben S. 9) erhoben wird, so darf man annehmen, dass diese Pub- 
lication erst 1466, vielleicht in Folge des Rundschreibens des Le- 
gaten vom 29. März (SS. rer. Sil. IX, 166), erfolgt ist. 



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26 



1466 und Kurfürst anerkannt war, als sich Kurfürst Fried- 
rich II. plötzlich isoliert sah, da sei ihm weiter nichts 
übrig geblieben, als sich mit Georg zu einigen. Diese 
Einigung habe mehrere Jahre bestanden, und eine längere 
Dauer sei ihr mit Rücksicht auf die Lage des Landes 
dringend zu wünschen. Aber wie sei sie zu erwarten, 
wenn der König gerade in ihrem und in keinem andern 
Fürstenthume beschimpft werde ? Wenn trotz dieser Er- 
wägungen der Publication der betreffenden Schriftstücke 
in Meissen kein Widerspruch entgegensetzt worden sei, 
so könne der Papst daraus deutlich ihre gute Gesinnung 
der Kirche gegenüber erkennen. Aber sie besorgen, dass 
der Papst über den König und die, welche sich im Ungehor- 
sam gegen die Kirche und im Unglauben befänden, nicht 
richtig unterrichtet sei, und fühlen sich verpflichtet, ihm 
darüber reinen Wein einzuschenken, weil sie die böhmischen 
Verhältnisse genauer kennen. Wenn auch die päpstlichen 
Aufforderungen alle deutschen Fürsten zum Bruch mit 
dem ketzerischen Könige bewegen würden, so sei doch bei 
der grossen Macht desselben und bei seinen festen Schlös- 
sern und Städten keineswegs ausgemacht, dass er unter- 
liegen würde; mit Recht wird auf die Hussitenkriege zur 
Zeit Sigismunds verwiesen. So drohe den Nachbar- 
ländern und vor allem den Katholiken in Böhmen selbst 
Krieg und Verderben. Auch die immer näher rückende 
Türkengefahr sei zu berücksichtigen. Der König von 
Ungarn allein sei nicht im Stande, die Ungläubigen zu- 
rückzuhalten; und wenn bei weiterem Vorgehen des 
Papstes Aufruhr und Blutvergiessen in Böhmen entstehen 
würde, so würden auch die demselben benachbarten 
Fürsten ihre Kriegsmittel zur Vertheidigung gegen die 
Böhmen brauchen und sich am Türkenkriege nicht be- 
theiligen können. So sei ein gütlicher Austrag der 
böhmischen Wirren aus vielen Gründen dringend zu 
wünschen. 

Legat Rudolf antwortete ihnen am folgenden Tage; 
seine Worte klangen gemässigt. Mit Rücksicht auf den 
wiederholten Bruch der gemachten Versprechen glaube 
der Papst, dass er nicht länger mit dem Böhmenkönig 
Nachsicht haben dürfe. Sollten indessen die zahlreichen 
Gelehrten, die auf den beiden Universitäten der säch- 
sischen Lande, in Erfurt und in Leipzig, sich aufhielten, 
einen Ausweg gerathen haben, den der Papst mit Ehren 
einschlagen könne, so erklärte Rudolf sich gern bereit, 



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27 



ihn dem Papste mitzutheilen. Was die gegen Georg er- 1466 
gangenen Processschriften anlange, so brauchten die Fürsten 
sich nicht verletzt zu fühlen; denn sie seien auch in 
Regensburg, Bamberg und anderswo angeschlagen worden. 
Uebrigens solle in Zukunft mit der Publication derartiger 
Schriftstücke nicht bei ihnen, sondern in entlegeneren 
Gegenden der Anfang gemacht werden. 

Die Gesandten sprachen darauf die Bitte aus, solche 
Publicationen mit Rücksicht auf das enge Verhältnis 
zwischen Sachsen und Böhmen womöglich im Meissnischen 
gar nicht vorzunehmen. Dann aber stellten sie dem Le- 
gaten mehrere Vermittelungsvorschläge zur Erwägung 
anheim; diese Stücke, von denen die Fürsten meinten, 
„dass es gar wohl zu thun wäre und treffliche Besserung 
davon entstände, mehr als in 30 oder 40 Jahren geschehen 
wäre", sind folgende: 

1) Der Papst solle einen Erzbischof nach Prag 
setzen, damit derselbe die Geistlichkeit regiere; der König 
solle ihm dazu die Hand bieten und den Clerus zum Ge- 
horsam anhalten. 

2) Das Sacrament solle nicht, wie bisher, unordent- 
lich und ohne vorhergehende Beichte, sondern in gebühr- 
licher Zeit und auf des Beichtvaters Rath empfangen 
werden. 

3) Kindern solle das Abendmahl überhaupt nicht ge- 
reicht werden. 

4) Dagegen solle insofern einstweilen Nachsicht ge- 
übt werden, als es den Priestern zu gestatten sei, das 
Sacrament unter beiderlei Gestalt zu reichen; jedoch hätten 
sie bei Ertheilung des Abendmalüs und im Beichtstuhl 
darauf aufmerksam zu machen, dass das Sacrament unter 
einerlei Gestalt ebenso vollkommen sei, als unter beiderlei, 
und warum es sogar den Vorzug verdiene. 

Hugold suchte diese Vorschläge noch dadurch zu 
unterstützen, dass er erzählte, vor kurzem habe er einem 
päpstlichen Commissarius, Namens Egidius, der zur Predigt 
gegen Georg und zur Erneuerung des vor zwei Jahren 
gegen die Türken gegebenen Ablasses ausgesandt war, 
diese Entwürfe vorgetragen und derselbe habe „mit grosser 
Begier" geäussert, wenn die Herzöge den König zu einem 
solchen Uebereinkommen würden veranlassen können, so 
werde der Papst nicht nur zwei oder drei, sondern 20 
oder 30 Jahre Nachsicht haben wollen. 

Die Vorschläge sind übrigens nicht neu. Sie waren 



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28 



1466 ganz ähnlich denen, die im Herbst 1465 zwischen dem 
Erzbischof Johann Vitez von Gran und dem Bischof Protas 
von Olmütz verabredet worden waren, ohne dass sie da- 
mals zu weiteren Verhandlungen geführt hatten. 56 ) Wie 
es kam, dass die Fürsten gerade diese Entwürfe wieder 
aufnahmen, wissen wir nicht. Es ist wahrscheinlich, dass 
Gregor Heim bürg und durch ihn König Georg selbst die 
Instruction der Räthe beeinflusst haben. 

Der Legat wies das Project mit aller Entschieden- 
heit zurück; nur Schmach würde es den Fürsten ein- 
bringen, wenn es an den Papst gelange, denn es gehe 
noch weit über die Forderungen des Königs und der 
Ungläubigen selbst hinaus. Uebrigens habe er keine Ge- 
walt, irgend etwas anderes zu thun, als was ihm der Papst 
befehle; wollten sie über diese Fragen weiter verhandeln, 
so sollten sie sich direct an diesen wenden. 

Der eigentliche Zweck der Gesandtschaft war damit 
gescheitert; und es wäre vorauszusehen gewesen, dass er 
scheitern würde. Wie konnten die sächsischen Fürsten 
bei dem Ernst, mit dem die Curie die Sache betrieb, 
ein Zugeständnis des Kelches beim Abendmahl erwarten? 
Verkannten sie die Situation so vollständig, oder rechneten 
sie von vorn herein nicht auf Erfolg, sondern suchten 
nur, dem Könige zu Liebe, den Schein vermittelnder 
Bemühungen zu wahren und dadurch die eigene Un- 
thätigkeit zu verschleiern? 

Die sächsischen Käthe empfahlen schliesslich noch- 
mals dringend die Berufung eines Fürstentages unter Theil- 
nahme von päpstlichen und kaiserlichen Commissarien; 
als der Legat auch hier darauf bedacht war, die Gefahr, 
die etwa ein solcher Tag haben könnte, dadurch zu ver- 
meiden, dass er eine „Verhörung" des Königs aus- 
geschlossen wissen wollte, protestierten die Gesandten von 
vorn herein gegen eine derartige Beschränkung der Ver- 



bereit, die Berufung des Tages dem Papste zu empfehlen, 
auch die sonstigen Bedenken der Fürsten ihm mitzutheilen, 
überhaupt alles zu befördern, was zur Erhaltung des 
Friedens dienen könne, da er „gar nicht zu Aufruhr ge- 
neigt sei". 47 ) 

*•) Vergl. Markgraf in von Sybels Histor. Zeitschr. N. F. II, 
73, 76, 252 fgg. Palaeky IV, 2, 357. 

") Der Gesandtschaftsbericht (WA. Böhm. S. Kaps. V Bl. 297 fgg.) 
ist gedruckt bei Bachmann, Urk. und Actenstücke 376—391 (theil- 



handl 




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29 

Etwas hatten die sächsischen Gesandten, die übrigens 1466 
den Polenfrieden und den Türkenkrieg nur flüchtig be- 
rührt hatten, immerhin erreicht- Der Legat, dessen 
Friedensliebe in diesem Falle sehr erklärlich und berech- 
tigt war, da ein anderes Vorgehen die ohnehin schon wan- 
kenden Brüder leicht völlig ins böhmische Lager hätte 
drängen können, hatte ihren Fürsten wenigstens Kücksicht- 
nahme auf ihre nahen Beziehungen zu König Georg in 
Bezug auf die Publication der weiteren Processe gegen 
denselben zugestanden; in der That unterblieb, wie es 
scheint, während der Jahre 1466 und 1467 die systema- 
tische Aufreizung des Volks im Meissnischen durch Kreuz- 
predigten und Ablass. 48 ) Auch war der sächsische Ein- 
fluss wohl nicht ohne Wirkung auf die Berufung des 
Nürnberger Reichstages. 

Dass sie im übrigen ihre Vermittlungsversuche als 
gescheitert ansahen, sprachen die Gesandten selbst un- 
umwunden dem Breslauer Eathe gegenüber aus, den sie 
kurz nach Abschluss der Verhandlungen mit dem Legaten 
um seine einflussreiche Fürsprache beim Papst baten, da 
ihre Herren nunmehr unmittelbar Paul II. um ein mil- 
deres Vorgehen gegen Georg anzugehen und den Kaiser 
um seine Unterstützung dabei zu bitten beabsichtigten. 
Beruhte auch diese Rede der Gesandten auf einer Selbst- 
täuschung? oder war auch sie ein Scheinmanöver? Der 
Rath antwortete kühl, auch er wünsche lebhaft den 
Frieden, könne aber ohne ein Instruction des Papstes gar 
nichts in der Sache thun; unmittelbar danach meldete er 
dem heiligen Vater den ganzen Vorgang und machte ihn 
darauf aufmerksam, wie der ungetreue Mann nicht ruhe, 
sondern sich überall Freunde mache, sein Gift überall 
verbreite, immerfort betrüge und sein Vorhaben schliess- 
lich doch zu erreichen suche. *•) 

Der Plauenschen Sache war in den Verhandlungen 



weise und fehlerhaft auch bei Jordan 435, vergl. 270 fgg.). Für 
die Zeitbestimmung kommt besonders das Schreiben des Breslauer 
Käthes an den Papst von 1466 Juni 16 (SS. rer. Sil. IX, 173) in 
Betracht; danach fand wahrscheinlich der erste Vortrag beim Le- 
gaten Freitag den 13. Juni, die Antwort Sonnabend den 14. Juni 
statt. 

*•) Vergl. den Eingang des Schreibens des Legaten an Kurfürst 
Emst d. d. 1467 März 24. SS. rer. Sil. IX, 221. 

*•) Schreiben des Käthes d. d. 1466 Juni 16. SS. rer. Sil. IX, 173, 



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30 

1466 mit dem Legaten gar nicht Erwähnung geschehen, ob- 
wohl auch sie noch um keinen Schritt vorgerückt war. 
Noch immer standen die Mannen in dem durch den 
Comthur über sie verhängten Banne, und wenn auch der 
Legat angeordnet hatte, dass die Sache zur Revision vor 
sein Forum gebracht werde, so stellte er doch der Apel- 
lation fortwährend Hindernisse in den Weg. Er verlangte 
die Vorlage von Processschriften , die Kaspar Sack, der 
die Sache der Mannen als Procurator vertrat, nicht be- 
kommen zu können erklärte; er bemängelte ferner die 
Vollmacht Sacks und seines Mitprocurators. 60 ) So stand 
die Angelegenheit Ende Juli. Der Legat schrieb um 
diese Zeit dem Bischof von Meissen, er würde gern dem 
Kurfürsten zu Liebe etwas für die Mannschaft gethan 
haben und habe daher die Revision angeordnet, „ob wir 
fänden den Process vor Unwürden und für nichts, dass 
wir erkennten den Bann auch für nichts"; allein wegen 
der erwähnten Formfehler habe die Lösung vom Banne 
nicht stattfinden können. 6I ) 

Dieser anscheinend milde Ton darf indess nicht täu- 
schen; die Curie war sehr erbittert auf den Kurfürsten, 
man dachte schon daran, auch gegen ihn mit kirchlichen 
Strafen vorzugehen. In der That war eben jetzt seine 
Haltung, wie die des Kurfürsten von Brandenburg, sehr 
zweideutig. Des Königs Macht stand trotz Bannes und 
Interdicts auf dem Höhepunkt, und weder der Papst noch 
der Herrenbund, der eben um jene Zeit in einem ziem- 
lich demüthig gehaltenen Schreiben (vom 13. Juli 1466) 
den Herzog Wilhelm für sich zu gewinnen suchte, 61 ) 
hatten sich eines Vortheils über ihn zu rühmen. Konnte 
doch Georg sogar daran denken, einen Handstreich auf 
Breslau, das Hauptquartier des Feindes, zu wagen; 
wochenlang lag Anfang August Herr Ctibor Towacowsky 
von Cimburg vor der Stadt Namslau und hätte ohne 
Zweifel auch die Hauptstadt angegriffen, wenn nicht die 
von Kurfürst Friedrich von Brandenburg in Aussicht ge- 

•°) Schreiben des Legaten von 1466 Juli 28. (wohl identisch mit 
dem von Märcker, Burggrafthum Meissen 366 Anm. 28 angeführten 
Schreiben von 1466 Juli 27) WA. Reuss. Sachen Bl. 80. 

•') Aus einem noch zu erwähnenden undatierten Schreiben, eben- 
daselbst Bl. 68. 

• J ) Bachmann, Urk. und Actenstücke 391. Herzog Wilhelm 
übersandte diess Schreiben dem Könige Georg. Die Antwort des 
letztern (erwähnt bei Palacky IV, 2, 886 Anm.) haben wir unter den 
Beilagen als No. 1 mitgetheilt. 



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31 

stellten Hilfstruppen ausgeblieben wären. es ) Dass diese 1466 
Hilfe erwartet wurde, ist indess schon bezeichnend. Bei 
derselben Gelegenheit, vernehmen wir, fürchteten die 
Breslauer, dass auch die Meissner den König unterstützen 
würden. Die Görlitzer Sendboten melden nach Hause, 
dieselben würden in diesem Falle ihren Weg durch Gör- 
litz nehmen und es sei sehr nothwendig, „dass wir unser 
Ding in Achte werden haben". Denn es gehe die Rede, 
dass der König die Oberlausitz denen von Meissen ge- 
geben habe. fl4 ) 

Das war also der Köder, mit dem die meissni sehen 
Herren gelockt wurden. Ein wohlgelegenes Grenzland 
hatten sie bereits von Georg in der Form eines böhmischen 
Lehens erhalten. Die Aussicht, die ihnen nunmehr auf 
ein reiches Nebenland der Krone Böhmens, das seiner 
natürlichen Lage nach vielmehr zu Meissen zu gehören 
schien, eröffnet wurde, war noch weit bestechender. Kann 
man sich wundern, wenn die Fürsten solch glänzendem 
Anerbieten gegenüber trotz aller Ehrfurcht vor dem hei- 
ligen Stuhle und trotz der Drohungen von Rom her sich 
zu dem gebannten, aber noch nicht gebeugten Könige 
hielten? 

Andererseits ist auch der Unwille des Papstes be- 
greiflich. 

In einem so „harten und erschrecklichen" Tone 
schrieb derselbe an den Kurfürsten, dass ein guter Freund 
den Brief aufhielt, um ihm und seinem Lande Beküm- 
mernis zu ersparen. An den Legaten und an Herzog 
Wilhelm ergingen neue scharfe Mahnungen, den Kur- 
fürsten zur Nachgiebigkeit in der Plauenschen Sache zu 
bewegen. •*) Ja schon dachte man am Hofe zu Meissen 
ernstlich an Mittel und Wege, um den drohenden geist- 
lichen Strafen zu begegnen; und es charakterisiert die 
Situation, dass man den Rath des bei der Curie so übel 
beleumundeten Gregor Heimburg darüber einholte, wie 
man sich zu verhalten habe, um die Wirkungen des etwa 
verhängten Bannes und Interdicts abzuschwächen. Der- 
selbe rieth für diesen Fall zu sofortiger Appellation an 
den Papst und verbreitete sich eingehend über die dabei 



•*) Pal&cky IV, 2, 403. 

•*) Palacky. Urk. Beitr. 411. 

•») Vergl. das erwähnte Schreiben WA. Reuss. S. Bl. 68. 



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32 



1466 zu beachtenden Formalitäten. 66 ) Als der Legat Kunde 
von diesen Rathschlägen erhielt, beeilte er sich, den Bischof 
von Meissen ernstlich vor ihrer Befolgung zu warnen: 
eine Appellation würde den Papst nur noch mehr reizen, 
während er vielleicht durch eine Botschaft, eine Fürbitte 
zu beschwichtigen sein könnte. 67 ) 

Schon im Juni, während der Breslauer Verhandlungen, 
hatten die sächsischen Fürsten an eine Gesandtschaft 
nach Rom gedacht. Die Sache scheint damals nicht 
weiter verfolgt worden zu sein. Jetzt forderte die Lage 
der Dinge noch dringender eine Verständigung mit dem 
päpstlichen Stuhle, wenn man einen unheilbaren Bruch 
verhüten wollte. Eifrige Verhandlungen wurden zwischen 
dem Oheim und den Neffen über diese Angelegenheit ge- 
pflogen. Die uns vorliegenden Instructionsentwürfe lehnen 
sich, was die böhmische Frage anlangt, wesentlich an den 
von Hugold von Schleinitz vor dem Legaten zu Breslau 
gehaltenen Vortrag an; nur von jenen bestimmter formu- 
lierten Vermittlungsvorschlägen, die den Unwillen des 
Legaten in so hohem Masse erregt hatten, ist nicht mehr 
die Rede. Eingehend sollten die Gesandten ferner auf 
die Schreiben des Papstes an den Kurfürsten und an 
Bischof Dietrich wegen der Plauenschen Sache antworten; 
eine Reihe von Klagepunkten gegen den vertriebenen 
Burggrafen und seinen Vater, theilweise weit zurück- 
reichend, sollte den Nachweis liefern, dass der Kurfürst 
lediglich das Interesse des Hauses Wettin, nicht das des 
Böhmenkönigs bei seinem Kriegszuge im Auge gehabt 
habe. Ueber diese Punkte und wohl besonders über die 
Plauensche Sache wurde zu Lützen am 11. August 1466 
zwischen den beiderseitigen Rathen verhandelt. Während 
Herzog Wilhelm der Ansicht war, dass man zunächst 
den Kaiser aus dem Spiele lassen und mit dem Papst 
Verhandlungen anknüpfen, dann erst, wenn diese nicht 
zum Ziele führten, erklären sollte, die Sachen seien welt- 
h'ch und gehörten vor Kaiser und Reich, glaubten Ernst 



ee ) Das merkwürdige undatierte und anonyme Schriftstück (WA* 
Böhm. Sachen Kaps. IV ßl 281 fgg.) führt Jordan 267 Amn. 310 
mit Recht auf Heimburg zurück; seine Autorschaft lässt sich aus 
dem mehrfach erwähnten Briefe des Legaten (ebend. Reuss. Stehen 
Bl. 68) entnehmen. 

•'} ündat. Schreiben WA. Beuas. S. Bl. 68. 



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33 



und Albrecht, man müsse von vorn herein sich der Unter- 1466 
Stützung des Kaisers versichern. 68 ) Vielleicht trugen 
diese Meinungsverschiedenheiten dazu bei, dass man den 
Plan einer gemeinschaftlichen Gesandtschaft aller drei 
Fürsten aufgab und dass Kurfürst Ernst für seine Person 
eine Botschaft an die Curie zu schicken sich entschloss. 
Am 19. August bat er den Oheim um die zu Lützen ver- 
sprochene, auf zwei ßäthe lautende „Vorschrift 4 * an den 
Papst in der Plauenschen Sache. 69 ) 

Auch diese Sendung ist dann schwerlich zu Stande 
gekommen; wir hören wenigstens nichts weiter davon, und 
eine Wirkung kann man noch weniger verspüren. Die 
Stimmung des Papstes, die sich in den oben (S. 23 fg.) er- 
wähnten Antwortschreiben an den Kaiser und den Bischof 
von Meissen ausspricht, ist eine nicht weniger gereizte als 
vorher. Das meiste trugen hierzu die unablässigen Um- 
triebe Heinrichs von Plauen bei; durch einen vertrauten 
Diener, den er nach Rom gesandt hatte, lag er dem Papste 
und den Cardinälen fortwährend in den Ohren und Hess 
sich als den Märtyrer seiner Treue gegen Rom, seine 
Vertreibung als Folge seines Abfalls von Georg hin- 
stellen. Der Wortlaut des Fehdebriefes musste den Haupt- 
beweis liefern. Ein Official des Benedictinerklosters in 
Chemnitz, Namens Felix, der sich eben damals in Ange- 
legenheiten des dortigen Abtes zu Rom aufhielt, bemühte 
sich eifrig, diesen Verleumdungen entgegenzuarbeiten, 
und bewirkte wenigstens, dass der Legat Fantinus, der 
in jenen Tagen auf dem Reichstage in Nürnberg den 
Papst vertrat, die Weisung erhielt, die Sache näher zu 



••) Der Ort der Verhandlung ergiebt sich aus WA. Böhm. S. 
Kaps. V Bl. 276b. Die Aufzeichnung, der wir den 11. August als 
Datum entnehmen (HStA. Dresden. Or. 7989), betrifft allerdings 
ganz andere Verhandlungsgegenstände; allein man darf wohl an- 
nehmen, dass auf demselben Tage auch die böhmischen An- 
gelegenheiten zur Sprache gekommen sind. Die Entwürfe zu 
einer Instruction an die Gesandtschaft WA. Böhm. S. Kaps. V 
Bl. 261 — 281. Vielleicht gehört auch das theilweise bei Jordan 443 
mitgetheilte Schriftstück WA. Böhm. S. Kaps. IV Bl. 269 ff., welches 
Jordan (296) in die Jahre 1467 oder 1468 setzen zu wollen scheint, 
in diesen Zusammenhang. Dass man während der Verhandlungen 
über die Gesandtschaft nach Rom auch mit König Georg Verbin- 
dungen unterhielt, dürfte aus dem Kanzleivermerk: item Paweln 
des konigs schr[iber] von wegen m. g. h. zu schreiben (WA. Böhm. 
S. Kaps. V Bl. 267. 284) ergeben. Erhalten hat sich jedoch von dieser 
jedenfalls sehr geheim gehaltenen Korrespondenz nichts. 

••) WA. Böhm. S. Kaps. V Bl. 258. 259. 

Ermisch, Studien. 3 



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34 



1466 untersuchen, und dass die Angelegenheit ruhen solle, bis 
die Antwort desselben eingegangen sei. Viel war damit 
freilich nicht erreicht; denn eben jener Fantinus war der 
fanatischste Feind seines früheren Herrn, des Böhmenkönigs. 
Felix theilte dies alles in einem Schreiben vom 20. No- 
vember 1466 dem Bischöfe von Meissen mit, der auch 
hier wieder als durchaus eines Sinnes mit seinen Fürsten 
erscheint, und empfahl zugleich ebenso dringend, wie vor- 
her der Legat, die Absendung einer Gesandtschaft, weiche 
Entschuldigungen vorbringen sollte. 70 ) Vielleicht können 
wir es als eine Folge hiervon ansehen, wenn der Ordinarius 
zu Leipzig, Dr. Johann Scheibe, an den heiligen Vater 

fesandt wurde; die Zeit dieser Sendung steht allerdings 
eineswegs ganz fest. Die Werbung, die Scheibe vor- 
brachte, führte nochmals die zahlreichen Gründe auf, aus 
denen die sächsischen Fürsten sich zur Vertreibung 
Heinrichs berechtigt glaubten. ") Denselben Zwecken 
der Begütigung und Entschuldigung diente ein Schreiben, 
das Bischof Dietrich auf den Rath des kundigen Felix 
an den einflussreichen Secretär des Papstes, Petrus, Bischof 
von Tarazona, richtete und in dem unter anderem darauf 
hingewiesen war, dass die streng kirchliche Haltung 
Heinrichs nichts als Spiegelfechterei sei, da er selbst 
unter seinen Rittern und in seinem Gesinde zahlreiche 
Ungläubige dulde. 72 ) 

Dass diese Bemühungen in der That einige Wirkung 
hatten, zeigt der Ton eines Briefes des Papstes an 
Heinrich von Plauen, der, wie mir scheint, am besten in 



T0 ) Das Schreiben des Officials Felix WA. Reuss. S. Bl. 79 ; die 
Person des Schreibers ergiebt sich aus Bl. 94. Der Ot'ficial wurde 
übrigens belohnt: item XXXll hunger. Gulden dem Official zcu 
Kempnicz uff entpfelhunge m. gn. h. HStA. Loc. 4335 Rechnunge 
der Amptlewte Sachssen, Meyssen und Voytland u. 8. w. 1468/69, 
fol. 87 (die Ausgabe gehört aner ins Jahr 1466/67). 

n ) HStA. Loc. 10606. Copeyen verschiedener, das Vogtland be- 
treffender Urkunden fol. 6. In dem undatierten Schriftstück wird ein 
für Ernst beleidigendes Schreiben des Papstes an den Kaiser er- 
wähnt; wahrscheinlich ist damit die Antwort vom 1. October (vergl. 
S. 24) gemeint, doch wäre es auch nicht undenkbar, dass sich die 
Erwähnung auf die frühere Zuschrift des Papstes (vergl. S. 16) be- 
zöge und dass die Gesandtschaft doch in eine frühere Zeit gehörte. 

") WA. Reuss. S. Bl. 78. Das Schreiben (Concept) ist anonym 
und nennt weder den Absender noch den Empfänger, doch liegt die 
Vermnthung, dass es vom Bischof vou Meissen an den ihm in dem 
obenangeführten Schreiben des Officials Felix empfohlenen Secretär 
des Papstes gerichtet sei, sehr nahe. 



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35 



diese Zeit, an den Schluss des Jahres 1466, zu setzen ist. 1466 
Er theilt demselben mit, dass er eine Untersuchung der 
Sache dem ehrwürdigen Bruder N. (etwa Fantinus?) 
übertragen, sich auch an den Bischof von Eichstädt und 
an den Markgrafen von Brandenburg mit der Bitte um 
gütliche Vermittlung gewandt habe, und räth ihm, sich 
diesen Schiedsrichtern willfährig zu zeigen. 7S ) 

Durch eine Bulle vom 3. Januar 1467 ernannte der 1467 
Papst sodann den Legaten Rudolf zum Richter in der 
Plauenschen Angelegenheit. Aber der Legat hatte da- 
mals nöthigeres zu thun und allen Grund, es nicht mit 
den Fürsten zu verderben. Er zog das proccssualische 
Verfahren gegen Kurfürst Ernst möglichst hin; erst am 
24. November 1467 erfolgte die Vorladung. 14 ) In Fluss 
kam die Sache auch dann noch nicht; es wurde 
sogar durch den Papst selbst ein Aufschub anbefohlen. ,4 ) 
Auch als im Herbst 1468 durch Abgesandte Heinrichs 1468 
des Aelteren von Plauen in Rom eifrig für die Wieder- 
einsetzung des Veftriebenen gearbeitet wurde, rückte 
der Process nicht vor; die sächsischen Herzöge hatten eben- 
falls ihre Freunde in der Nähe des Papstes, und zu diesen 
scheint eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Curie, 
eben jener Bischof Peter von Tarazona, gehört zu haben. ™) 
Wiederholt war Heinrich selbst in der heiligen Stadt; 
einmal traf er dort mit dem Propste Johann von Weissen- 
bach zusammen, der geringschätzig über sein ärmliches 
Auftreten berichtete und seinen Bemühungen wenig 
Erfolg zutraute. ") Schliesslich wurde doch durchgesetzt, 
dass statt Rudolfs der entschiedener vorgehende Legat 
Laurentius von Ferrara mit der Untersuchung be- 
auftragt wurde (1469) 78 ) und dass am 20. November 1469 1469 
Paul H. die Herzöge in einem strengen Breve aufforderte, 
Heinrich in seine Herrschaft wieder einzusetzen; 7Ö ) sie 



»•) SS. rer. Sil. IX, 169 fg. 
**) Ebendaselbst 170 Anm. 

") Vergl. das undatierte Schreiben WA. Reuss. S. Bl. 343, den 
Berieht Joh. von Weissenbachs ebendaselbst Bl. 335 fg. 

'•) Schreiben des Melchior von Mockau von (1468) Juli 13, 
September 1, October 18. Deceniber 13, siehe Beilage 5, 6, 8 und 10. 

") Vergl. den undatierten Bericht Johanns WA. Reuss. S. Bl. 335 
fg.; seine Zeit genau zu bestimmen, sind wir ausser stände. 

Tl ) Auch dieser päpstliche Befehl ist ohne Datum überliefert. 
WA. Reuss. S. Bl. 343. 

'») HStA. Original 8071. 

3* 



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36 



waren indess weit entfernt, dies zu thun. Die Sache 
hat sich dann noch viele Jahre lang hingezogen; wir ver- 
meiden es, an dieser Stelle näher auf dieselbe einzugehen, 
wiederholen aber, dass sie eine speciellere Untersuchung 
wohl verdiente. 8 ) — 

Der Wunsch, den die sächsischen Fürsten im Som- 
1466 mer 1466 dem Legaten so dringend ans Herz gelegt hatten, 
war inzwischen erfüllt worden; auf Martini 1466 hatte der 
Kaiser einen Reichstag nach Nürnberg berufen, und auch 
König Georg war zu demselben eingeladen worden. Mochten 
auch der Türkenkrieg und der Landfriede, wie so oft 
schon, die Tagesordnung bilden, so wussten die deutschen 
Fürsten doch recht wohl, dass die böhmische Frage im 
Vordergrund stehen würde; und als man erfuhr, dass der 
Legat Fantinus, der heftigste persönliche Feind Georgs, 
als päpstlicher Commissar auf dem Reichstage erscheinen 
würde, konnte sich niemand verhehlen, in welchem Sinne die 
Frage behandelt werden sollte. Die Georg befreundeten 
Fürsten rüsteten deshalb zur Gegenwehr. Am 8. November 
fand zu Jüterbogk eine Zusammenkunft des Kurfürsten 
Ernst mit dem Kurfürsten Friedrich II. von Branden- 
burg statt, auf welcher Vorberathungen für den Reichs- 
tag gepflogen wurden. 81 ) Die Vorgänge auf dem denk- 
würdigen Nürnberger Reichstage selbst, auf welchem die 
sächsischen Fürsten durch die Räthe Hugold von Schleinitz, 
Konrad Metzsch, Heinrich von Schönberg und Dr. Joh. v. 
Weissenbach, die Brandenburger aber durch Markgraf Al- 
brecht vertreten waren, 82 ) sind schon mehrfach eingehend 
dargestellt worden. 8S ) Der Legat protestierte gegen die Zu- 
lassung der Gesandten des gebannten und abgesetzten Königs 
und nahm an keiner Sitzung theil , der sie beiwohnten. 
Diese schroffe Zurückweisung jeder Vermittlung hatte zur 
Folge, dass auf dem Reichstage, wie auf manchem seiner 
Vorgänger, im Grunde nichts beschlossen wurde. 

•°) Verschiedene Processschriften, deren Chronologie wir hier 
nicht untersuchen können, finden sich WA. Böhm. S. Kaps. IV 
Bl. 118 c Reuss. S. 86 fgg. 88. 91. 95. 318 fgg. 

") Vergl. das Schreiben des Kurfürsten Ernst von 1466 October 30 
bei Riedel HI, 1, 397. Das Datum eines am 8. November 1466 für 
den Bischof Dietrich von Brandenburg zu Jüterbogk ausgestellten 
Reverses des Kurfürsten Ernst (Ludewig, Reliqu. Mscrpt. X, 582) 
beweist, dass der Tag wirklich stattgefunden hat. 

") Müller, Reichstagstheatrum unter Friedrich V. II, 216 fg. 

■*J Vergl. besonders Palacky IV, 2, 416 fgg., Jordan 237 fgg. ; 
ferner Droysen II, 1, 226, Kluckhohn 263. 



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37 



Doch bewirkten brandenburgischer und sächsischer 14B6 
Einfluss, dass wenigstens ein Theil der anwesenden Fürsten 
einen nochmaligen Versuch zu gütlicher Beilegung der 
Differenzen zu Rom selbst machen wollte. Die Instruc- 
tionen der damit zu beauftragenden Gesandtschaft liegen 
uns in zwei Entwürfen vor, von denen der eine ohne 
Frage in der brandenburgischen, der andere wahrschein- 
lich in der sächsischen Kanzlei entstanden ist. 8 *) Kurz 
nach Weihnachten finden wir die Gesandten in Prag, wo, 
wie es scheint, Verhandlungen mit Gregor Heimburg ge- 
pflogen wurden, während der König sich sehr zurückhaltend 
benahm; dann begaben sie sich weiter nach Wien und 
baten den Kaiser, auch seinerseits eine Botschaft an den 
Papst zu senden. Dieser aber verhielt sich jetzt durchaus 
ablehnend, wie er auch schon auf dem Reichstage zu 
Nürnberg dem Böhmenkönig sich nicht sehr gnädig er- 
wiesen hatte. Wenn, so erklärte er, der König von 
Ungarn und andere Kurfürsten und Fürsten, auch die 
katholischen Bewohner Böhmens, eine Gesandtschaft an 
den Papst abschicken wollten, so sei er gern bereit, seine 
Räthe mitzusenden ; allein den „Sendboten, so von Herzog 
Emsts, Herzog Wilhelms von Sachsen und Markgraf 
Albrechts von Brandenburg wegen hier gewesen sind", ge- 
stand er offenbar nicht das Recht zu, namens der deutschen 
Fürsten zu verhandeln. 8Ä ) 

Deutlicher noch gab der Papst zu verstehen, wie wenig 



■*) Ueber die Instruction dieser Gesandtschaft, auf deren Inhalt 
wir hier nicht näher eingehen, vergl. besonders Jordan 239 fgg. Sie 
liegt in drei Fassungen vor. Die eine (wohl der brandenburgische 
Entwurf) ist von Hötier, Kaiserliches Buch 109, und neuerdings noch- 
mals nach einer Niederschrift im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin 
von Bachmann, Urk. und Actenst. 363, abgedruckt; Abschriften davon 
finden sich im WA. Reuss. S. Bl. 81—84 und Böhm. S. Kaps. IV Bl. 
265 — 268. Den zweiten, vermuthlich sächsischen Entwurf (Böhm. 
S. Kaps. IV Bl. 273—276, 277—280) siehe unten als Beilage 2. Ein 
dritter kürzerer Entwurf, der sachlich nichts neues enthielt und auch 
bei einer anderen Gelegenheit entstanden sein könnte, findet sich 
anch Böhm. S. Kaps. IV Bl 269 — 272. Nicht ganz richtig stellt Jordan 
a. a. 0. 239 Anm. 264 die Sache dar; auch beruht die Angabe, dass 
der als Beilage 2 mitgetheilte Entwurf bereits in Müllers Reichs- 
tagstheatrum gedruckt sei, auf einem Irrthum. Auch meine Be- 
merkung im ersten Abdrucke dieses Aufsatzes (Neues Archiv f. Sachs. 
Gesch. 1, 245) bedarf der Berichtigung. — Vergl. Cancellaria regis 
Georeii im N. Lausitzer Mag. XLVII, 220 (Nr. 55), 224 (Nr. 145), 
229 (Nr. 238). 

•*) SS. rer. Sil. IX, 219. Archiv für österreichische Geschichte 
XL, 343. 347. 



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38 



1466 Gewicht er auf die zu erwartende Gesandtschaft lege. 
Am 23. December 1466 fällte er in öffentlichem Con- 
si8toriura das Endurtheil in dem nun schon seit Jahren 
anhängigen Processe gegen den Böhmenkönig. Die Sen- 
tenz berauhte den König wegen seiner vielfachen schweren 
Verbrechen gegen die Lurche all seiner Würden, Güter 
und Rechte; nochmals wurden alle Unterthanen ihres 
Eides losgesprochen, alle Bündnisse und sonstigen Ver- 
bindungen, in denen Georg stand, für aufgelöst erklärt. 86 ) 
Durch zahlreiche Schreiben vom 3. Januar machte der 
Papst dies Endurtheil der Kirche Fürsten und Völkern 
bekannt. 

Fast zu gleicher Zeit aber hatte Georg, kurz ent- 
schlossen, in sein Verhältnis zum Kaiser Klarheit gebracht. 
So lange derselbe Georgs Hilfe gebraucht, um seine wider- 
spenstigen Vasallen im Zaume zu halten, hatte er seine 
Freundschaft gesucht; im Grunde aber, — das hätte, wenn 
Georg es nicht schon längst gewusst, sein Verhalten auf 
dem Nürnberger Reichstage gezeigt, — gehörte er zu den 
wenigen Fürsten Deutschlands, die aufrichtig mit den 
päpstlichen Bannflüchen sympathisierten. In einem heftigen 
Schreiben, in dem Gregor Heimburg seiner leidenschaft- 
lichen Feder die Zügel sein essen Hess, schnitt Georg 
das Tafel tuch zwischen sich und dem Kaiser entzwei. 

So schloss das Jahr 1466 mit der sichern Aussicht 
auf einen erbitterten Entscheidungskampf. 



H. 

Wohl waren Bann und Interdict Waffen, welche 
durch allzuhäufigen Gebrauch ihre Schärfe eingebüsst 
hatten. Trotzdem machte das Endurtheil des Papstes in 
dem Processe gegen König Georg, als es im Januar und 
Februar 1467 allmählich bekannt ward, in ganz Deutsch- 
land einen gewaltigen Eindruck; besonders wohl des- 
wegen, weil jedermann fühlte, dass eben jene Bulle vom 
23. December die Entfesselung des lange geschürten 
Kampfes gegen den König bedeutete. Auch Georg selbst 
war sich der Gefahr seiner Lage wohl bewusst und ver- 



••) Die Sentenz ist SS. rer. Sil. IX, 210 und öfter gedruckt 



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39 



hehlte sich nicht, dass nunmehr die Entscheidung der 1467 
Schärfe des Schwertes überlassen blieb. Mit derselben 
Entschiedenheit, mit der er kurz vorher das Band 
zwischen sich und dem Kaiser zerrissen hatte, brach er 
jetzt vollständig mit dem Herrenbunde. Zugleich aber 
sah er sich nach Bundesgenossen in dem unvermeidlichen 
Kriege um. Es ist hier nicht der Ort, um über die weit 
aussehenden Projecte einer Allianz mit Ludwig XI. von 
Frankreich zu sprechen, die damals neu aufgenommen 
wurden. 87 ) Wohl aber haben wir die Anstrengungen zu 
verfolgen, die Georg machte, um sich der benachbarten 
Fürsten zu versichern. 

Herzog Albrecht weilte, wie dies sehr oft der Fall 
war, im Anfange des Jahres 1467 am kaiserlichen Hofe. 
Fast hätte er damals durch eine jugendliche Unbesonnen- 
heit die Beziehungen seines Hauses zum König Georg 
getrübt. Er unterstützte nämlich an der Spitze von 400 
Mann den Kaiser in Unternehmungen gegen seine rebelli- 
schen Vasallen, insbesondere gegen Georg vom Stein, 
dessen Pfandschaft Steier er in den letzten Tagen des 
Januar durch einen glücklichen Handstreich nahm, aber 
sehr bald wieder aufgeben musste; zahlreiche Diener des 
Herzogs geriethen dabei in des vom Stein Gefangenschaft, 
und das Ende war ein wenig rühmlicher Rückzug. 88 ) Mit 
Rücksicht darauf, dass König Georg um eben diese Zeit 
sich des Georg vom Stein, der in seinen Dienst getreten 
war, annahm, wie er denn überhaupt jetzt keine Gelegen- 
heit, dem Kaiser zu schaden, unbenutzt vorübergehen 
Hess, war der Zug Albrechts zweifellos unklug; aus 
Aeu88erungen des warmen Anhängers der sächsischen 
Herzöge am Hofe zu Prag, des Gregor Heimburg, ersieht 
man, wie peinlich derselbe durch den Zwischenfall berührt 
wurde, 89 ) und wenn Kurfürst Ernst in einem Briefe vom 

ST ) Vergl. Pa2out im Archiv für österreichische Geschichte XL, 
333 fgg. 

»•) Chmel, Reg. Friedr. IV. Nr. 4888, 4889, 4891. Vergl. Lich- 
nowsky, Geschichte des Hauses Hahsburg VII, 100. Val. Preuen- 
huber, Annales Styrenses (Nürnberg 1740) 118 fg. Anonymi Chron. 
Austriacum bei Senckenberg, Selecta juris et historiarum V, 324 fgg. 
1467 Mai 23 und Sept. 23 giebt Georg vom Stein den zu Steier 
„an dem Sturm" gefangenen Dienern des Herzogs Albrecht Tag bis 
Jacobi 1467 bez. bis 1. Mai 1468, das erste Mal auf Fürbitte des Königs 
Georg, dann auf Fürbitte ihres Herrn. HStA. Original Nr. 8001. 

'•) Illustris dux Albertus rem egregiam putat se facere nec in- 
telligit tnrpe esse tanto prineipi in tarn vih causa duetum populi 
seu capitaneatum ut vulgo dicunt in se suseipere. — Cum illustrissi- 



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40 



14B7 12. Februar den Bruder deswegen in ziemlich scharfen 
Worten zurechtweist — nebenbei der einzige Fall einer 
Differenz zwischen den beiden Brüdern, der mir während 
der Jahre 1464 bis 1471 bekannt geworden ist — , so kann 
man ihm nicht Unrecht geben. Das Verhältnis zu Georg 
berührte Ernst dabei freilich gar nicht; er tadelte viel- 
mehr die Unbesonnenheit, mit so geringem Volke sich in 
so „merkliche grosse Fährlichkeit" zu begeben; „ihr wollet 
eure Dinge mehr in guter Achtung haben, euch vorsehen 
und mit euern Rathen betrachten, was E. L. hinfürder 
in solchen tapfern und fährlichen Sachen thue und vor- 
nehme." Zugleich bittet er darum, ilm gegen die am 
kaiserlichen Hofe dem Vernehmen nach verbreiteten Ver- 
leumdungen kräftig in Schutz zu nehmen: „denn unser 
Herr der Kaiser sieht und merkt wohl, was E. L. bei 
seinen Gnaden gethan hat und noch täglich thut, und 
seine K. M. soll, ob Gott will, an uns nimmer mit Wahr- 
heit anders erkennen noch empfinden, denn dass wir uns 
allerwege befleissigen und gerne tliun wollen, was seiner 
K. G. nun zu Ehren, Liebe, Nutz und Frommen gedeihen 
mag u u. s. w. Schliesslich fordert er ihn auf, an die 
Heimkehr zu denken, da er sich jetzt „vast lange" am 
kaiserlichen Hofe aufgehalten habe. 90 ) 

Kurz darauf sehen wir Albrecht auf dem Tage zu 
Linz (am 11. Februar), auf welchem vergeblich ein Aus- 
gleich zwischen dem Kaiser und dein König Georg ver- 
sucht wurde, als Vermittler thätig. So machte er wohl 
seine Unvorsichtigkeit wieder gut. 91 ) 



mus et nobilissimus Albertus in personam nil dolendum susceperit, 
jactura rerum facile recuperabitur, quia sub opuleutissimo domino 
et jussu ejus niilitavit. Quamvis mallem quod dominus suus in 
talem miliciam aliam personam deputasset et nunc labia mea cir- 
cumcido non propter imperatorem , qui tales dolos continuare solet, 
sed propter nobilissimum ducem, cui ego jurejurando obstrictus sum, 
et si Styriam aut totam Austriam absque jactura tua sibi adjicere 

Sossem, ld facere ontare tibi laus dicitur, quia suppellectilem ducalem 
uci restituere maluisti quam ex ea locnpletari. In hac re sobrie 
loquendum est mihi, ne qua vana lingua id foris efferat. Aus Schreiben 
des Gregor von Heimburg an Gregor vom Stein von 1467 Jan. 31 
und Febr. 20 im Archiv für österreichische Geschichte XII, 336 fg. 

•°) Original UStA. Loc. 10531. Leipziger Händel 1218—1505 
fol. 50 fg. 

«) Vergl. v. Langenn 58 fg. (Die beiden daselbst 59 Anm. 1 citirten 
Schriftstücke habe ich nicht aufgefunden.) Ueber die Linzer Ver- 
handlungen vergl. die Aktenstücke im Archiv für österreichische 
Geschichte XL, 341 fgg., hiernach das Datum (anders Palacky IV, 2, 428). 



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41 



Bald nach dem Prager Landtage, der die wider- 1467 
spenstigen Herren für Rebellen erklärte und den König 
um ihre Bestrafung bat (24. bis 27. Februar 1467), er- 
suchte Georg den Markgrafen Albrecht von Brandenburg, 
seinen feindlichen Unterthanen umgehend Fehdebriefe, 
deren Formular er seinem Schreiben anschloss, zuzu- 
senden. 92 ) Etwas später, am 20. März, überbrachte Jobst 
von Einsiedel die nämliche Aufforderung dem Kurfürsten 
Ernst zugleich mit der Einladung zu einem Tage, der 
am 12. April zu Brüx stattfinden sollte. Denselben In- 
halt hatte eine gleichzeitige Botschaft an Herzog Wilhelm ; 
durch „Ritter Kylian unsern Narren" ging auch dem 
Markgrafen Albrecht noch besonders eine Aufforderung 
zur Betheiligung an dem Brüxer Tage zu, während Kur- 
fürst Friedrich nur um Hilfeleistung angegangen wurde. ") 
Ohne Zweifel war Georg nach den bestehenden Einig- 
ungen zu der Forderung von Beistand berechtigt. •*) Er 
mochte sich um so eher von derselben Erfolg versprechen, 
als vor wenigen Wochen allen Hindernissen, selbst Bann 
und Interdict, zum Trotz die längst verabredete Verbindung 
der Ursula, der Tochter des Markgrafen Albrecht, mit 
Georgs Sohn Heinrich zu Stande gekommen war. Welche 
Beweggründe hatten den Markgrafen zu diesem ernsten 
Schritte bewogen? Palacky hält ihn für ein Zeichen, 
„dass bei ihm auch in der Politik das Herz vorwaltete 
und dass König Georg weniger durch Macht als durch 
Charakter und persönhches Benehmen seine Achtung und ■ 
Ergebenheit sich gesichert hatte." 9S ) Eine Auffassung, die 
der zwar genial angelegten, aber doch stets auch kühl 
berechnenden Natur des Markgrafen nur wenig zu ent- 
sprechen scheint. Sicher ist, das jener Beweis der Treue 
ihn in Bezug auf seine sonstige Politik nicht binden, im 
Gegentheil, vielleicht eher ihm im übrigen eine freie 
Bewegung sichern sollte. 96 ) 



•') Schreiben vom 2. März 1467 bei Palacky, TJrk. Beitr. 434. 

•*) Archiv für Österreich. Gesch. XL, 352 fg. Bachmann 402. 
Riedel Cod. dipl. III, 1, 431. 

•*) Die Anmerkung llöflers (Fränkische Studien I, 41), die Erb- 
einung sei als „Köder für den Markgrafen" anzusehen, beruht auf 
irriger Auffassung der Sachlage. 

•») Geschichte Böhmens IV, 2, 424. 

••) Vergl. Droysen II, 1, 232. Paiout im Archiv für Österreich. 
Gesch. XL, 335. 



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42 



Das Verlangen Georgs, das den Legaten Rudolf, sobald 
er davon erfuhr, zu einer eindringlichen Warnung an die 
Kurfürsten Friedrich und Ernst und den Herzog Albrecht 
veranlasste, 91 ) versetzte die brandenburgischen und die 
sächsischen Fürsten in Verlegenheit. Sie fühlten vor allem 
das Bedürfnis, sich unter einander über die zu ergrei- 
fenden Schritte zu verständigen, und die Gesandten Georgs 
erhielten daher zunächst unbestimmten Bescheid. Kur- 
fürst Friedrich von Brandenburg schrieb an seinen Bruder 
Albrecht, schlug ihm vor, auf das Schreiben Georgs ge- 
meinsam mit den sächsischen Fürsten zu antworten, und 
sandte zugleich (am 19. März) seinen Rath, Balthasar 
von Schiiben, an Kurfürst Ernst, um dessen Absichten zu 
erkunden ; die Briefe des Herzogs Wilhelm und des Kur- 
fürsten Ernst, in denen sie sich gegenseitig um Rath 
fragten, „so die Sache ausländisch ist", kreuzten sich. 
Die sächsischen Fürsten setzten auf den 2. April eine 
Zusammenkunft zu Lützen an \ Markgraf Albrecht konnte 
zwar den ihm von seinem Bruder vorgeschlagenen Tag" zu 
Salzwedel nicht besuchen, erklärte sich aber völlig ein- 
verstanden mit seiner Meinung, dass man gemeinsam mit 
den sächsischen Fürsten handeln solle. Wohl erkannte er 
die Berechtigung der Aufforderung des Königs, aber auch 
das, was namentlich gebieterisch zu besonnenem Handeln 
mahnen musste: „des Königs von Böhmen halben, der 
steht nicht wohl zu übergeben, allein bedarf es Aufsehens 
des Glaubens halben, wieder denselben steht ihm kein 
Beistand zu thun. u 98 ) Den Tag zu Brüx lehnte er da- 
her sofort ab, bevor noch die Vernehmung mit Sachsen 
erfolgt war, aber in sehr vorsichtiger und höflicher Weise: 
er brauchte die Mainzer Wirren, den zu Pfingsten bevor- 
stehenden Nürnberger Reichstag als Vorwand, erbot sich, 
um Johannis zu einem Tage zu kommen, oder auch, wenn 
dies ein zu langer Aufschub wäre, seinen Hauptmann 



•*) Schreiben des Legaten von 1467 März 24 SS. rer. Sil 
IX, 221, und bei Bachmann, Urk. und Actenst. 405. Vergl. dazu die 
Aufzeichnung des Mag. Joh. Frauenburg: scriptis d. legati admoniti 
et sub maximis censuris requisiti. Palacky, Urk. Beitr. 450. 

••) Schreiben des Kurfürsten Ernst d. <L 1467 Marz 20 im Ar- 
chiv für Österreich. Gesch. XL, 351, des Herzogs Wilhelm d. d. 1467 
März 21 und 22 bei Bachmann 402 fgg., des Markgrafen Albrecht 
d. d. 1467 März 25 bei Riedel III, 1, 428 (Höfler, Fränkische 
Studien I, 40). 



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43 



Heinrich von Aufsess als Bevollmächtigten zu schicken. ••) 1467 
Er mochte recht gut wissen, dass es dem Könige gerade 
auf seine persönliche Anwesenheit ankam. Als unmittel- 
bar darauf noch ein dringendes Hilfegesuch des Königs 
eintraf, das geradezu die durch die Einung begründete 
Verpflichtung des Markgrafen betonte, antwortete derselbe 
am 1. April ebenfalls ausweichend und ablehnend und 
wies ganz besonders darauf hin, dass der Papst ihn schon 
jetzt seine Ungnade recht deutlich fühlen lasse. Sollte 
der Krieg in der That ausbrechen, so möge Georg zu- 
nächst sehen, dass er die von Eger, Elbogen, die Herren 
von Sachsen und seine anderen Freunde als Helfer ge- 
winne, „und haltet uns darinne vermeldet, denn die Sache 
nicht eines Mannes Werk ist"; wenn das ganze Reich 
und besonders die geistlichen Fürsten gegen Georg sich 
erheben würden, so würde er, der mitten unter den letztern 
sitze, aufs höchste gefährdet sein, sobald er für den König 
Partei ergriffe und isoliert bliebe. Doch erbat er sich 
nähere Angaben über den beabsichtigten Ta£ und erklärte 
sich auch für den Fall, dass derselbe jetzt nicht zu Stande 
komme, bereit, seine Räthe zu senden. 100 ) 

„Wir sind alle unserra Herrn dem Könioj gewandt, 
desgleichen Papst und Kaiser", schreibt Albrecht an dem- 
selben 1. April dem Kurfürsten Ernst, „wir wollten, dass 
es an allen Enden gut wäre. Die Geistlichen werden den 
Papst nicht verachten, als wir vernehmen, unter denen 
wir mitten stehen . . „Die böhmischen Herren wären 
das mindeste, wäre der andere Anhang nicht, das ist 
die ganze Christenheit." Er hofft, die Gesandtschaft, die 
nach den Beschlüssen des vorjährigen Martinilandtages 
nach Rom gegangen war, werde „der Sach gründlich 
Läuterung viel einbringen." 10 1 ) 

Noch bestimmter sprach Albrecht seine Gesinnung 
wenige Tage später (am IL April) in einem Briefe an 
seinen Bruder Friedrich aus, der in Folge des steten 
Drängens des Legaten nicht übel Lust zeigte, eine 
feindselige Haltung gegen Böhmen einzunehmen. I02 ) 
Strengste Neutralität nach beiden Seiten hin war Albrechts 



••) Schreiben von 1467 März 25, Archiv für Österreich. Gesch. 
XL, 353. 

,Ä0 ) Höfler. Fränkische Studien I, 41 fg. 
m ) Archiv für Österreich. Gesch. XL, 364 fg. .tu v 

IM ) Vergl das Schreiben an den Legaten von 146T «Manai SO. 
Riedel III, 1, 430. 



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44 



1467 Grundsatz; darin allein erblickte er sein Heil. „Man 
muss einen Theidingsmann unter dun Sachen haben, der 
wollten wir gerne sein, damit wir unsere Scheuern be- 
hielten." ,os ) 

Unter diesen Umständen konnten auch die sächsischen 
Fürsten, hätten sie es selbst gewollt, nicht viel für Georg 
thun. Die Beschickung des Brüxer Tages behielten sie 
zwar am längsten im Auge; es existiert sogar eine In- 
struction für die auf diesen Tag zu sendenden Räthe des 
Herzogs Wilhelm, die vielleicht als Grundlage der Ver- 
handlungen auf dem Tage diente, welchen die sächsischen 
Fürsten (nicht zu Lützen, sondern zu Weissenfeis) An- 
fang April abhielten. I04 ) Aber eben dies Schriftstück 
beweist, dass es nur auf ein Hinhalten des Königs ab- 
gesehen war. Die Räthe sollen sich hinter die Stände 
verschanzen: ohne deren Mitwirkung könnten die Fürsten 
keine bestimmte Antwort auf Georgs Forderungen geben; 
vor zwei Monaten aber könne die Meinung der Land- 
schaft nicht eingeholt werden. Auch müsse man vor allem 
weiteren abwarten, was die an den Papst geschickte 
Botschaft der Kurfürsten und Fürsten in Rom ausrichten 
werde. ,05 ) 

Der Brüxer Tag kam schliesslich gar nicht zu 
stände, loe ) und die eben erwähnte Instruction ist, wenn 
überhaupt, dann bei einer andern Gelegenheit benutzt 
worden. — 

Inzwischen hatten die geistlichen Waffen nicht ge- 
ruht, und auch die weltlichen fingen an mitzuwirken. Die 
Bannbulle, die alljährlich am Gründonnerstage gegen alle 
Irrgläubigen und Kirchenfeinde geschleudert wurde, nannte 
diesmal an besonders hervorragender Stelle „perdicionis 
alumnum Georgium alias Jersicum de Constat et Pogie- 
brat regni Bohemie occupatorem, olim illius regem no- 
rainatum" (26. März). ,07 ') Andererseits appellierte Georg 
am 14. April in förmlichster Weise gegen das gesammte 



«•») Höfler, Fränkische Studien I, 42. Riedel III, 1, 434. 

,04 ) Vergl. Bachmaun, Urk. und Actenst. 409. 

,0 * (Archiv für Österreich. Gesch. XL, 356 fg. 

10# ) Schreiben des Herzogs Wilhelm an (Kurfürst Ernst?) von 
1467 April 10 bei Bachmann, Urk. und Actenst. 409, des Königs 
Georg an Kurfürst Friedrich von 1467 April 11 bei Palacky, Urk. 
Beitr. 453. Yergl. den Bericht Frauenburgs ebendaselbst 450. 
SS. rer. Sil. IX, 222. 



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45 



Verfahren des Papstes. ,os ) Durch mehrere Bullen vom 1467 
15. Mai wurde Bischof Rudolf zum Nuntius mit den Voll- 
machten eines Lateranlegaten für Polen, Böhmen, Preus- 
sen, Lievland und Meissen ernannt und mit den aus- 
gedehntesten Befugnissen für die Kreuzpredigt gegen die 
Ketzer, für Spendung von Ablass, für Bestrafung aller, 
die dem gebannten König trotzdem noch anhingen u. s. w., 
ausgestattet. IOft ) 

Wichtiger noch war, dass um dieselbe Zeit die Ab- 
sagebriefe zwischen Georg und seinen aufrührerischen 
Vasalien ausgetauscht wurden und ein wechselvoller 
kleiner Krieg in Böhmen, Mähren und Schlesien begann, 
der den ganzen Sommer über währte und dessen Resultate 
im ganzen Georg günstig waren. Die Stellung, welche die 
meissnischen Fürsten in diesen Kämpfen einnahmen, war 
eine wenn auch für Georg wohlwollende, doch streng 
neutrale. Sie beriefen zwar ihre Unterthanen, die im 
Dienste des Herrenbundes kämpften, zurück; l10 ) allein 
dass sächsische Hilfsvölker den König unterstützt haben, 
ist doch wohl als ein blosses Gerücht aufzufassen. 1 1 ! ) An 
Aufforderungen des Königs zu einer entschiedeneren Hal- 
tung wird es nicht gefehlt haben; die Sendung des Burg- 
grafen vom Karlstein, Benesch von der Weitmühl, an den 
Kurfürsten Ernst im Anfang Mai 1467 hatte gewiss diesen 
Zweck. Allein die Lage der Dinge machte ein thä- 
tigeres Auftreten im Interesse des Königs ganz unmöglich. 
Nach aussen mussten die Fürsten befurchten, isoliert zu 



,0 ») Palacky, Urk. Beitr. 454; vergl. SS. rer. Sil. IX, 226. 
,0 ') SS. rer. Sil. IX, 233; Auszug Cod. dipl. Sax. reg. II, 
3 173 

no ) Palacky, Urk. Beitr. 478. Dasselbe that Markgraf Albrecht 
auf den Wunsch des Königs, s. den Anfang des Briefes von 
1467 Juli 23 bei Kotier, Fränkische Studien I, 48. Vergl. auch die 
Klagen in einer Schrift des Herreubundes an den Papst von 1467 
Dec 29 bei Palacky, Geschichte Böhmens IV, 2, 488. 

m ) Jordan 269, der sich aber auf nicht durchaus zuverlässige 
Quellen (Eschenloer, Pessina Mars Morav., Balbinus Epit rer. Boh.) 
beruft. Sollte diese Hilfe wirklich geleistet worden sein, so hätte sie 
m. E. grosses Aufsehen erregt und es wäre ihrer gewiss in einem der 
vielen Schreiben jener Tage Erwähnung geschehen. Mit welchem 
Misstrauen man die meissnischen Fürsten betrachtete, geht aus der 
Korrespondenz zwischen Konrad Metzscji und Heinrich von Aufsess 
bei Bachmann 417, 420 hervor. 

,,J ) Sein Credenzschreiben vom 7. Mai HStA. Loc. 8285. Böhm. 
Gesandtschaft an Kursachsen 1467—1562. 



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46 



1467 bleiben, und im Innern hätte eine so offene Verletzung 
der Befehle des Legaten, der eben damals anfing, seine 
Kreuzprediger auszusenden und in allen Kirchen Gebete 
für das Wohl des -Gottesheer es tf anordnete, 118 ) gefähr- 
liche Unruhen zur Folge haben können. 

Zwischen den Brandenburgern und den Wettinern 
fanden in dieser Zeit mehrfach Verhandlungen über eine 
gemeinsame Haltung in der böhmischen Frage statt. So 
nahm Herzog Albrecht, als er Anfang Mai aus Oester- 
reich heimkehrte, auf der Durchreise zu Ansbach bei dem 
Markgrafen einen Aufenthalt, der gewiss nicht bloss als 
ein Höflichkeitsbesuch aufzufassen ist. 11 4 ) Ferner sollte 
am 25. Mai zu Naumburg ein Tag stattfinden, zu dem 
auch die hessischen Fürsten als Mitglieder der Erb- 
einigung geladen waren. lls ) Ueber die Resultate dieser 
Verhandlungen sind wir jedoch nur so weit unterrichtet, 
als sie sich in der Haltung der Fürsten auf den wichtigen 
Tagen zu Nürnberg, Landshut und Regensburg zeigten. 

Bereits im Mai war auf Mitte Juni ein Reicnstag 
nach Nürnberg ausgeschrieben worden, 11 fl ) der aber erst 
Ende Juli seine Verhandlungen begann. Wie jener 
frühere, so war auch dieser hauptsächlich dazu bestimmt, 
die Hilfe des Reiches in der böhmischen Sache in Anspruch 
zu nehmen; nur traten Kaiser und Papst diesmal viel offener 
mit ihrem Begehren hervor. Allein die brandenburgisch- 
sächsische Politik war auch jetzt der Hemmschuh, der die 
ohnehin beispiellos träge arbeitende Reichsmaschine zum 
vollständigen Stillstand brachte. Die sächsischen wie die 
brandenburgischen Brüder waren persönlich erschienen: ein 
deutlicher Beweis, wie hoch sie die Wichtigkeit des Tages 
veranschlagten. ll7 ) Sie erklärten, dass sie in eine Einung 



Vergl. den Befehl von 1467 Juni 6 im Cod. dipl. Sax. reg. 
II, 3, 171. 

,u ) Bachmann 417. 

Schreiben des Markgrafen Albrecht an Herzog Wilhelm 
von 1467 Mai 3. Höfler, Fränkische Studien 1, 43. 

"•) Einladungen des Papstes an Kurfürst Ernst und an Bischof 
Dietrich von Meissen von 1467 Mai 14. bei Müller, Reichtagstheatr. 
II, 261. Cod. dipl. Sax. reg. II, 3, 170. 

»") Müller a. a. 0. II, 262. Palacky, Urk. Beitr. 473. Eschen- 
loer (SS. rer. Sil. VII) 140. Ernst und Albrecht waren am 24. Juli 
angekommen und hatten sich, da die Verhandlungen noch nicht be- 

gonnen, am folgenden Morgen zu Markgraf Albrecht nach Cadolz- 
urg begeben, um mit demselben Kurzweil und Waidwerk zu treiben. 
Kluckhonn 377. — Ueber den Reichstag im allgemeinen vergl. Pa- 
lacky IV, 2, 468 fg. Kluckhohn 267 fgg. Droysen II, 1 , 231 fg. 



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47 



gegen den König nicht eintreten würden, 11 s ) und Kur- 1467 
fürst Ernst hatte den anerkennenswerthen Muth, direct 
für Georg zu intervenieren. Als er jedoch durch seinen 
Marschall eine Schrift verlesen Hess, in welcher Georg 
als König tituliert wurde, da gebot ihm der päpstliche 
Legat zu schweigen, erhob sich und ging fort ; die ganze 
Versammlung zerstreute sich. 11 9 ) Mochte dies immerhin 
wie ein allgemeiner Protest gegen die sächsisch-branden- 
burgische Politik erscheinen, so bewirkte dieselbe gleich- 
wohl, dass es zu einem Beschlüsse gegen Georg nicht 
kam: „summarie, so ist nichts wider E. G. beschlossen 
noch vereint", schrieb Markgraf Albrecht dem Könige, 120 ) 
mit dem er überhaupt während der Dauer des Tages 
mehrere Briefe wechselte, und dieser hatte wohl allen Grund, 
ihm und seinem Bruder, dem Kurfürsten Friedrich, seinen 
Dank auszusprechen; namentlich Markgraf Albrecht 
hatte sich trotz der schon auf ihm lastenden päpstlichen 
Ungnade kühner und der Curie gegenüber rücksichts- 
loser gezeigt, als es seinem getreuen Rathe, Peter Knorr, 
lieb war. la2 ) 

Es wurde schliesslich nochmals ein Vermittelungs- 
versuch in Vorschlag gebracht; Bayern, Sachsen und 
Brandenburg erboten sich, die Verhandlungen zunächst 
mit König Georg zu fuhren. Der sächsische Obermarschall, 
Hugold von Schleinitz, und der Landvogt zu Meissen, 
Nickel von Köckeritz, reisten mit den Propositionen nach 
Prag ab. 12s ) Doch war die Basis dieser Vermittelungs- 



'••) . . . habt ir zw Nürnberg vernomen, auch ir hertzog Albrecht sel- 
ber geredt, als wol wir, das wir uns wieder den konig zw Beheim nicht 
verpinden wollen. Schreiben Kurfürst Friedrichs und Markgraf Al- 
brechts an die sächsischen Fürsten d. d. 1467 Sept. 13. bei Höfler, 
Kais. Buch 124. 

"5 Palacky, Urk. Beitr. 473 fg. Eschenloer a. a. 0. 

no ) Schreiben von 1467 Aug. 14. Höfler, Fränk. Studien I, 49. 

m ) Schreiben von 1467 Aug. 1. ebendaselbst 1, 48 und Riedel, Cod. 
dipl. Brand. III, 1, 440. Von gleichen Schreiben an die sächsischen 
Fürsten ist uns nichts bekannt geworden; doch sind die brandenburg. 
Korrespondenzen dieser Zeit überhaupt weit vollständiger erhalten 
als die sächsischen. Yergl. auch über die Resultate des Nürnberger 
Tages das Schreiben Georgs von 1467 Aug. 5. bei Palacky, Urk. 
Beitr. 476 fg. 

'") Vergl. dessen Schreiben d. d. 1467 Aug. 17. bei Höfler, 
Kais. Buch 125 fg. 

'■•) Vergl. das Schreiben Markgraf Albrechts an Georg von 
1467 Aug. 14. Höfler, Fränk. Studien I, 49. Siehe auch Höfler, Kais. 
Buch 146. Kluckhohn 379. 



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48 

1467 vorschlage eine solche, dass der König sich nicht darauf 
befassen konnte: er solle sich „in Glaubenssachen" un- 
bedingt dem Urtheiie des Legaten fügen. I24 ) Georg, der 
seine Verwunderung darüber nicht unterdrückte, dass 
Fürsten, die nach den bestehenden Verträgen ihm zur 
Hilfeleistung verpflichtet seien, als Mittelspersonen auf- 
träten, setzte dem eine Bedingung entgegen, die für die 
Gegenpartei ebenso unannehmbar war: die einstweilige 
Suspension des Bannes und das Verbot aller Schmähungen 
und Lästerungen. So scheiterten diese Einigungsversuche 
vollständig. I2S ) 

Neben diesen Verhandlungen mit Böhmen ging ein 
lebhafter diplomatischer Verkenr zwischen den Häusern 
Sachsen, Brandenburg und Bayern, endlich dem Kaiser 
her. Obwohl, wie wir sahen, die sächsische Politik mit 
der brandenburgischen , in der böhmischen Frage wenig- 
stens, bis dahin ganz Hand in Hand gegangen, war die 
Erneuerung der Erbeinigung, die schon im vorigen Jahre 
Brandenburgs dringender Wunsch gewesen war, noch 
nicht vollzogen worden (vergl. S. 17 fg.) Die Ursache 
dieses Zögerns und Hinhaltens war immer noch das Ver- 
hältnis des Markgrafen Albrecht zu Ludwig dem Reichen. 
Hatten sich die beiden Fürsten auch viel mehr genähert 
als früher, hatten sie auch auf dem Nürnberger Reichs- 
tage freundschaftlich mit einander verkehrt und dachten 
sie auch lebhaft an eine Einung mit einander, wobei 
Herzog Albrecht den Vermittler spielte, so gab es doch 
noch genug unausgeglichene Differenzpunkte. Besonders 
aber liess der Umstand das alte Misstrauen nicht 
einschlummern, dass Herzog Ludwig seit Ende 1466 
oder Anfang 1467 mehr und mehr sich auf die Seite der 
Gegner des Königs Georg stellte und dieser sich allmählich 
und behutsam vollziehende Umschwung selbstverständlich 
eine Annäherung an den Kaiser zur Folge hatte, die sehr 
leicht zum Nachtheile Albrechts ausgebeutet werden konnte. 
Ludwigs naturgemässes Streben war ein Bündnis, dessen 
Spitze sich gegen König Georg richtete oder das ihn doch 



,a *) Höfler, Kais. Buch 136 fgg. Auch die Bemerkung von Kas- 
par Polkwitz bei Palacky, Urk. Beitr. 488 bezieht sich doch wohl 
auf diese Gesandtschaft. 

'") Der Bericht der Gesandten und die Antwort des Königs bei 
Müller, Reichstagstheatr. II, 297 fgg. Vergl. auch Palacky IV, 2, 
471 fg. Kluckhohn 271 fg. Droysen II, 1, 233. 



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49 



gegen einen Angriff des Königs decken konnte; Mark- 1467 
graf Albrecht dagegen suchte vor allem seine Neutralität 
in der böhmischen Frage zu wahren. Die sächsischen 
Fürsten aber wünschten zwar das letztere mindestens 
ebenso lebhaft als Albrecht, wollten jedoch andrerseits auch 
mit Ludwig in einem guten Verhältnis bleiben. 

So erklärt es sich, dass die Verhandlungen, die von 
Nürnberg aus zwischen dem Markgrafen und dem Herzog 
Albrecht gepflogen wurden, vollkommen parallel gingen den 
Verhandlungen zwischen dem Markgrafen und dem Herzog 
Ludwig. iae ) In einem Schreiben der sächsischen Brüder 
an Markgraf Albrecht vom 23. August machten sie, wenn 
auch in gewundenen Worten, Aussicht auf die gewünschte 
Erneuerung der Erbeinung unter der Bedingung, dass 
Herzog Ludwig und der Pfalzgraf in derselben ausge- 
nommen würden, sie den genannten aber keinen Beistand 
wider den Brandenburger leisten dürften. 127 ) Die branden- 
burgischen Fürsten antworteten auf dieses Schreiben am 
13. September; sie waren von dem Vorschlage nicht er- 
baut, meinten, man solle die Einung nicht ändern, sondern 
lieber, wenn überhaupt, dann durch eine geheime Ver- 
abredung modifizieren; da die von Bayern viel Verbind- 
ungen hätten, so sei zu befürchten, dass „durch das Aus- 
nehmen alle Welt ausgenommen sollte sein." Kurfürst 
Friedrich stellte seinen Besuch in Meissen für die nächste 
Zeit zu weiteren Berathungen in Aussicht. 128 ) 

Auch die bereits im vorigen Jahre zur Sprache ge- 
kommenen Pläne eines Bündnisses zwischen Sachsen, 
Brandenburg, Bayern und Oesterreich waren wieder auf- 
genommen worden. Am 17. September sollten, so war 
auf dem Nürnberger Reichstage verabredet worden, die 
Räthe des Pfalzgrafen, des Herzogs Ludwig, der branden- 
burgischen und sächsischen Fürsten sich am kaiserlichen 
Hofe einfinden, um darüber weiter zu verhandeln. Die 
Hauptbedingung, die Markgraf Albrecht dabei stellte, be- 
traf den König Georg: er wollte sich in kein Bündnis 
einlassen, das gegen ihn gerichtet war. Wenigstens sollte 
Georg in der Einung nicht ausdrücklich genannt sein, 



Vergl. Schreiben von 1467 Aug. 13. 14. WA. Bayr. Sachen 
Bl. 2—4, gedruckt bei Höfler, Kais. Buch 119 fgg. 

»") Höfler, Kais. Buch 122 fg. (Riedel, Cod. dipl. HI, 1, 442). 
■*•) Ebendas. 124 fg. (Riedel III, 1, 444). 

Ermisch, Studien. 4 



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50 



1467 wie dies in einem vorgelegten Entwürfe derselben der 
Fall war, Albrecht will sich nicht „specifice wider den 
König verbinden" ; „generaliter neben K. Majestät" schien 
er, mit Rücksicht auf die Machinationen Martin Mayrs, die 
ihn vom Kaiser zu verdrängen suchten, schon eher dazu 
geneigt. In diesem Sinne instruierte er am 16. September 
seinen Gesandten beim Kaiser, Heinz Seibott; er ver- 
muthete dabei wohl mit Recht, dass die sächsischen 
Fürsten derselben Meinung sein würden. 1 lö ) 

An diese Verhandlungen, über die wir nicht näher 
unterrichtet sind — nur wissen wir, dass der Kaiser sich 
den Vermittlung8projecten nicht sehr günstig zeigte IS0 ) — , 
schlössen sich in der letzten Septem berwoche, ebenfalls in 
Folge eines zu Nürnberg gefassten Beschlusses, 13 1 ) weitere 
Berathungen zu Landshut an. Herzog Wilhelm nahm an 
denselben Theil; die brandenburgischen Fürsten waren 
durch Jorge von Absperg, die sächsischen durch den Mar- 
schall Bernhard von Schönberg und den Ordinarius zu 
Leipzig, Dr. Joh. Scheibe, Herzog Wilhelm durch den 
Naumburger Dompropst Hugo Forster und durch Wilhelm 
Schotte vertreten. Die von uns schon erwähnte vorsichtig 
ablehnende Antwort des Königs Georg bildete den Ausgangs- 

Sunkt der Verhandlungen. 13 ) Es ist gewiss ein Zeichen, 
ass auch bei diesen Verhandlungen die Georg wohlwol- 
lende Richtung entschieden vorherrschte, wenn trotz dieser 
Antwort, auf Grund deren eine Verständigung mit Kaiser 
und Papst, wie die Räthe klar einsahen, vollkommen undenk- 
bar war, die Vermittlungsversuche fortgesetzt wurden. Neue 
Vorschläge wurden gemacht, eine neue Botschaft an Georg 
gesandt, um dessen Zustimmung zu erlangen. l5S ) Aber 
auch Herzog Ludwig, der jetzt schon unverhüllter als 
Gegner des Böhmenkönigs auftrat, war nicht unthätig. Von 
ihm rührt der Entwurf einer Einung zwischen dem Kaiser 
und den Fürsten her, dessen gegen Georg gerichtete 
Tendenz nicht im mindesten verschleiert war. Die Ver- 



'»•) Höfler, Kais. Buch 134 fg.: vergl. J24. 146. 
•••) Vergl. das Schreiben von Sept. 29 ebendas. 149. 
Ebendas. 146. 

'") Ernst und Albrecht theilten des Königs Antwort am 8. Sept., 
nachdem die Gesandten am 6. Sept. zurückgekehrt waren, ihrem 
Oheim Wilhelm mit; vergl. ihr Schreiben im Gemeinschaftl. Archiv 
zu Weimar (C fol. 97 No. 2) und die Antwort Wilhelms vom 12. 
Sept. bei Bachmann, ürk. und Actenst 431. 

Müller, Reichstagstheatrum II, 800 fgg. 307 fg. 



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51 



bündeteu sollten einander gegen einen Angriff von Böhmen 1467 
aus mit einer festgesetzten Anzahl von Hilfsvölkern bei- 
stehen; der Kurfürst von Brandenburg und die Herzöge 
von Sachsen sollten, wenn der böhmische Angriff sich 
gegen Oesterreich oder Bayern jenseit der Donau richten 
würde, sogar zu einem Einfalle in Böhmen verpflichtet 
sein. l3i ) Es war dies allerdings nur ein Defensivbündnis, 
mus8te aber mit Notwendigkeit die Herzöge in einen 
Krieg mit Böhmen verwickeln, da der Ausbruch des 
Kampfes zwischen Georg und dem Kaiser ja nur eine 
Frage der Zeit zu sein schien und auch Herzog Lud- 
wig, der, wie man wusste, das Verlöbnis der böhmischen 
Prinzessin Ludmilla mit seinem Solme aufzulösen beab- 
sichtigte, über kurz oder lang mit Georg in Verwicke- 
lungen gerathen musste. Die brandenburgischen und 
sächsischen Räthe thaten daher sehr wohl daran, diese 
Vorschläge nur ad referendum zu nehmen. 1SÄ ) Auf die 
Bitte des Herzogs Ludwig, der den Abschluss einer Einung 
zum Schutz gegen Böhmen vor Beginn der Vermittelun^s- 
verhandlungen aus verschiedenen Gründen für nothwendig 
erklärte, blieben die Gesandten in Landshut und warteten 
dort auf die Rückkehr der zu König Georg geschickten 
Boten und die Antwort ihrer Höfe auf die übermittelten 
Einungsvorschläge, ,S6 ) obwohl wenigstens die sächsischen 
Räthe Befehl hatten, auf alle Fälle sofort von Landshut 
aus zum Kaiser und nach Rom zu gehen. IS7 ) 



'*«) Müller, Reichstagstheatr. II, 305 

ISi ) Herzog Wilhelm hatte den seinen dies ausdrücklich befohlen, 
„diewiele uns sollich eynunge unverstentlich ist, uns auch nach aller 
gestalt gelegenheit, so wir fruntschaft und eynunge allenthalben 
verwandt sind, nicht geburen wolle, die unsern also unwissentlichen 
ingangs zu mechtigen." Schreiben an Emst und Albrecht von 1467 
Sept. 12 bei Bachmann 432. 

Ueber den Landshuter Tag vergl. insbesondere die Rela- 
tionen der Gesandten Wilhelms und seiner Vettern bei Müller, 
Reicbstheatrum II, 308 fg. und Bachmann 434 fgg. Sie stimmen zum 
grossen Theile wörtlich überein. Vergl. auch die Schreiben von 
Ernst und Albrecht an Ludwig d. d. 1467 Sept. 9 und von Herzog 
Wilhelm an seine Neffen d. d. 1467 Sept. 12 bei Bachmann 429. 
431. Jordan 290 fgg. 

,3T ) Vergl. die Instruction für Hugo Forster bei Bachmann 433, 
die Schreiben Wilhelms vom 8. October ebendaselbst 441, und Emsts 
und Albrechts vom 3. November bei H öfter, Kais. Buch 156. Die 
Beglaubigungsschreiben Wilhelms für Hugo Forster und Hans 
Schencke an den kaiserlichen Hof und für ersteren an den päpst- 
lichen Hof d. d. 1467 September 15 bei Bachmann 432 fg. Markgraf 

4* 



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52 



1467 Dass die Einigungsvorschläg«', des Herzogs Ludwig 
bei den brandenburgischen und sächsischen Fürsten keine 
günstige Aufnahme finden würden, war vorauszusehen. 
Markgraf Albrecht erklärte sie in einem Schreiben an seinen 
Bruder Friedrich vom 5. October 1467 für vollkommen un- 
annehmbar. 138 ) Dieser hatte um dieselbe Zeit auf der Rück- 
reise aus Franken, wo er bei seinem Bruder Albrecht geweilt 
hatte, den beabsichtigten Besuch zu Meissen bei Kurfürst 
Ernst und Herzog Albrecht abgestattet, rühmte die glän- 
zende Aufnahme, die er und sein Neffe Johann bei ihnen 
gefunden, und die freundliche Gesinnung, die sie ihm und 
seinem Bruder gegenüber an den Tag gelegt; die Erb- 
einigung, der eigentliche Anlass des Besuches, war zwar 
noch nicht zum Abschluss gekommen, aber auch in dieser 
Sache scheint ein Einverständnis erreicht worden zu sein, 
und für die weiteren Verhandlungen mit Albrecht sollten 
die Räthe, die den auf Anfang Januar nächsten Jahres 
nach Regensburg ausgeschriebenen Reichstag besuchen 
würden, bevollmächtigt werden. Was die Pläne des Herzogs 
Ludwig anlange, so erklärten die jungen Fürsten rund 
heraus, dass sie „in solche Einung ganz nicht gehen" 
wollten. ,S9 ) Auch Herzog Wilhelm war derselben schwer- 
lich günstig gestimmt, „dann wir darinn unsern Be- 
dacht haben tf ; er tadelte seine Landshuter Gesandten, 
dass sie sich dadurch hätten aufhalten lassen , und befahl 
ihnen, nach Eingang der Antwort Georgs, wenn dieselbe 
auch etwas enthalten sollte, „das Sorglichkeit auf sich 
trüge", doch ohne „weiter Disputat oder einigen Verzug" 
zum Kaiser und von da nach Rom sieh zu begeben. Bis 
die Richtung zwischen Kaiser, Papst und König zu Stande 
komme, werde Zeit genug vergeben, um inzwischen die 
Einung abschliessen zu können. 14 °) 



Albrecht schickte am 16. September in seinem und seines Bruders 
Namen ihren Geschäftsträgern am kaiserlichen Hofe, Heinz Seibott 
und Albrecht Clitzing, die erforderlichen Credenzbriefe zu den 
Verhandlungen mit dem Kaiser und zugleich eine Credenz für 
den in Rom weilenden Propst von Bernau, Heinrich Ordemann, der 
dort die Rolle des brandenburgischen Gesandten übernehmen sollte. 
VergL Höfler, Kais. Buch 135. 147 fgg., auch das Schreiben des Jorg von 
Absperg an Heinrich Seibott von 1467 Sept. 29 ebendaselbst 149 fg. 

'»•) Höfler, Kais. Buch 160 fg. (Riedel, Cod. dipl. Brand. III, 
1, 446). 

•*•) Schreiben des Kurf. Friedrich an Markgr. Albrecht von 1467 
Oct. 14 ebendas. 151 fg. (Riedel a. a. 0. 448). 

uo ) Schreiben von 1467 Oct, 8 bei Bachmann 441 fg. 



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53 



Ebensowenig als auf dem Landshuter Tage gelang 1467 
es im November zu Regensburg, wohin die bayerischen 
imd fränkischen Fürsten und Städte zu einem Tage ein- 
geladen waren, den ersehnten Bund gegen König Georg 
zu Stande zu bringen. Die Korrespondenzen des Mark- 
grafen Albrecht, aus denen wir diesen Tag kennen, sprechen 
fast noch schärfer als bisher seine entschiedene Abneigung 
gegen jedes wider Georg gerichtete Bündnis aus: „und ist 
endlich und specialiter unsre Meinung, das wir uns wider 
den König und die Krone zu Böhmen in keiner Weise 
verbinden wollen", so schliesst die den Rathen mitgegebene 
Instruction. Dass er sich dabei mit den sächsischen 
Fürsten, die in Regensburg nicht vertreten waren, voll- 
kommen solidarisch fühlte, betonte er wiederholt; es galt 
ihm, zu verhüten, „dass die Bayern und Oesterreicher 
vorreden und Sachsen und Brandenburg dahinten bleiben, 
als ob sie minder dann jene wären, darum dass sie zu 
unterst sitzen. 44 Er wollte nicht dem Bayernherzog als 
Schild gegen Böhmen dienen. 

Georg beeilte sich nicht mit der Antwort auf die 
Landshuter Propositionen; und als sie endlich anlangte 
(unter dem Datum des 24. October), klang sie, wie vor- 
auszusehen war, scharf und durchaus ablehnend; er stellte 
sich lediglich auf den Boden seiner frühern Bedingungen. ,4S ) 
Ernst und Albrecht dankte er zwar für ihre Bemühungen, 
aber verhehlte ihnen durchaus nicht sein Missfallen an dem 
Inhalt der Vermittlungsvorschläge und bat sie, ihre Send- 
boten an Kaiser und Papst demgemäss zu instruieren. U4 ) 
Obwohl unter diesen Umständen ein Erfolg von der be- 
absichtigten Gesandtschaft nicht zu erwarten war, wurde 
dieselbe gleichwohl nicht aufgegeben. 14Ä ) Die Gesandten 



»«») Höfler, Kais. Buch 167. 
u> ) Ebendaselbst 176 fg. 
u ») Ebendaselbst 153 fgg. 
U4 ) Ebendaselbst 153. 

m ) VergL die Schreiben von Ernst und Albrecht an Markgraf 
Albrecht und an die zu Landshut befindlichen Käthe ebendaselbst 152. 
156. Auf die Meldung der nach Regensburg geschickten Gesandten, 
„dass die Sächsischen noch zu Landshut seien und keine Antwort von 
ihren Herrn empfangen haben" (1467 Nov. 16.), antwortet Markgraf 
Albrecht (19. Nov.), er merke dabei, dass man sie der Dinge zu 
Regensburg nicht habe berichten wollen: „dann unser Schwäger von 
Sachsen wollen der Ding nicht eingehen, noch auch unser Bruder 



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der drei sächsischen Fürsten, Nickel von Köckeritz, 
Dr. Scheibe, der Donipropst Hugo Forster und Hans 
Scheneke, begaben sich zunächst nach Neustadt an den 
kaiserlichen Hof, wo sie von den dort weilenden ständigen 
Gesandten Herzog Ludwigs und der brandenburgischen 
Fürsten unterstützt wurden ; aber ihren Zweck erreichten 
sie nicht, da der Kaiser sich nicht geneigt zeigte, seiner- 
seits jemanden mit ihnen zu senden. Mit Empfehlungs- 
schreiben und Credenzbriefen für den Bernauer Propst 
Heinrich Ordemann und für Dr. Valentin Bernbeck, die 
Vertreter der Häuser Brandenburg und Bayern bei der 
Curie, zog die Gesandtschaft weiter und langte am 21. Ja- 
1468 nuar 1468 in Rom an. Hier stiess sie schon von vorn herein 
auf Schwierigkeiten; Ordemann erklärte, nachdem er den 
ihm übergebenen Brief gelesen, dass derselbe sich auf den 
Nürnberger Tag beziehe und ihn anweise, gemeinsam 
mit des Kaisers und der Fürsten Botschaft zu handeln; ,46 ) 
nun aber habe er vernommen, dass der Tag zu Nürn- 
berg zu keinem Resultate geführt habe und ein neuer an- 
gesetzt sei; auch sei des Kaisers Botschaft nicht anwesend. 
Unter diesen Umständen glaubte er nach gepflogener 
Unterredung mit dem Cardinal von Mantua, sich an der 
Gesandtschaft nicht betheiligen zu dürfen. Dagegen schloss 
sich Val. Bernbeck ohne Bedenken den sächsischen Boten 
an; ein Beweis, dass der Bruch zwischen Herzog Ludwig 
und König Georg doch wohl nicht so schroff war, wie man 
nach den Ausführungen Palackys glauben sollte, sondern 
dass Ludwig immer noch Beziehungen zu Georg unter- 
hielt. ,47 ) 

Durch die Vermittelung des päpstlichen Secretärs, des 
Bischofs Petrus von Tarazona, wurde den Gesandten für 
den 8. Februar eine Audienz „in gemeinsamer Sammlung der 
Cardinäle" bewilligt. Hier trugen sie ihre Werbung vor, 
die im wesentlichen den Landshuter Beschlüssen ent- 
sprach, obwohl dieselben bei Georg eine so wenig günstige 
Aufnahme gefunden hatten. Aus mannichfachen Gründen, 
hauptsächlich im Interesse Böhmens, des Reiches und des 
Türkenkrieges, wie im einzelnen ausgeführt wird, sei zu 



und wir, derselben Räthe reiten auch dahin zum Kaiser ihre Bot- 
schaft auszurichten, als sie gefertigt sind, und von unsern wegen 
Heintz Seybott mit ihnen." Ebendaselbst 171. 176. 

u 2 Vergl. Höfler, Kais. Buch 147 fgg. 

,41 j Vergl. darüber besonders Kluckhohn 281 fg. 



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55 



wünschen, dass statt einer Fortsetzung der Processe 1468 
„freundlicher Tage Süssigkeit" vorgenommen werde, und 
6ie bitten deshalb den Papst, zu diesem Zwecke in 
deutschen Landen einen Tag anzusetzen, zu demselben 
einen bevollmächtigten und wohl unterrichteten Legaten 
zu senden, den Kaiser, die weltlichen und geistlichen 
Fürsten, auch Herrn Georg und seine Gegner dazu ein- 
zuladen; dabei solle nicht über hussitische Ketzereien dis- 
putiert werden, was nur die Zwietracht vergrössern würde, 
sondern man solle sich in dieser Beziehung an die 
Satzungen des Concils halten und das Hauptaugenmerk 
dem Ausgleich der Differenzen zwischen dem König und 
seinen Vasallen zuwenden. Es handele sich, wenn der 
Papst in diese Vorschläge willige, jedenfalls nur um eine 
kurze Frist, die dem Könige gewälirt werde ; wenn es in 
dieser zu keiner Verständigung komme, so sei es Georgs 
Schuld, und alle Verantwortung für das folgende treffe 
ihn. Nicht Duldung gegen die Ketzerei, sondern ein 
Mittel, die Ketzer auf den rechten Weg zu bringen, sei 
ihr Vorschlag. 

Die Antwort, die am 10. Februar der Cardinal 
Bessarion (Nicenus der Grieche genannt) den Gesandten 
namens der Kirche gab, lobte zwar die Ehrerbietung, 
mit der sie vom päpstlichen Stuhle sprachen, und die 
Verdienste des Hauses Sachsen um die Kirche, verhielt 
sich aber in der Hauptsache durchaus ablehnend. Nachdem 
so oftmals schon über die Sache in der Curie verhandelt 
worden sei, nachdem so viele Legaten sich damit schon 
zu beschäftigen gehabt, würde jeder weitere Einigungs- 
versuch gegen die Satzung der Väter, dass über einmal 
entschiedene Glaubenssachen nicht weiter disputiert werden 
dürfe, Verstössen. Der Weg zur Versöhnung mit der 
Kirche stehe ja Georg offen; er möge sich nur nach Rom 
begeben. Die Gefahren, die die böhmische Frage in sich 
trage, könnten nicht in Betracht kommen, wo es sich um 
den Christenglauben handele; übrigens würde Georg nicht 
viel Unheil anrichten können, wenn die Fürsten „getreuen 
Fleiss" gegen ihn anwendeten. Ebenso sei es an ihnen, 
zu verhüten, dass Böhmen nicht in fremde Hände gelange; 
thäten sie ihre Pflicht nicht, so müsse der Papst freibch 
Ungarn und Polen rufen. 

Der Papst Hess hiernach den Boten zu wissen thun, 
dass er ihnen noch eine besondere Antwort geben wolle; 
doch verzögerte sich die Sache trotz der Bemühungen der 



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56 



Gesandten bis zum 14. März. Was er ihnen an diesem 
Tage in Gegenwart der sechs ältesten Cardinäle sagte, 
entsprach im ganzen dem schon früher ertheilten Be- 
scheide. Georg solle, so verlangte er, nach Rom kommen, 
sein auf dem Prager Landtage abgelegtes utraquistisches 
Glaubensbekenntnis widerrufen, auch „das Idolum und 
den Abgott in der Kirche zu Prag, den grossen Kelch, 
unter dem er mit einem Schwerte sitze", abthun, christliches 
und gehorsames Leben versprechen u. s. w. 

Hierauf wurden die Gesandten beurlaubt, aber noch 
ein paar Tage in Rom zurückgehalten, da eben eine 
kaiserliche Botschaft anlangte. Diese brachte die Nach- 
richt, dass Georg jetzt auch gegen den Kaiser rüste. Der 
Cardinal von St. Angeli, der ihnen dies mittheilte, sprach 
seine Verwunderung darüber aus, dass Ernst und Albrecht 
auch jetzt noch nicht die Waffen ergriffen hätten. 

Am 22. März 1468 verliessen die sächsischen Ge- 
sandten Rom. Wieder war ein Versuch, auf gütlichem 
Wege die böhmische Irrung aus der Welt zu schaffen, 
gescheitert. Dass es die sächsischen Fürsten vornehmlich 
waren, die diesen Versuch gemacht, obwohl sie selbst 
nicht weniger als »andere von seiner Erfolglosigkeit über- 
zeugt gewesen sein mögen, ist charakteristisch für ihre 
Stellung. Sie suchten bis aufs äusserste zu vermeiden, 
aus ihrer Neutralität herauszutreten. Aber es wurde 
immer schwerer, diese Neutralität festzuhalten. 14 8 ) 

Denn während jene diplomatischen Verhandlungen 
spielten, hatten die Waffen nicht geruht. In der 
zweiten Hälfte des Jahres 1467 war der Krieg zwischen 
Georg und dem Herrenbunde in der früheren regellosen 
Weise und im ganzen mit günstigem Erfolge für Georg 
fortgesetzt worden. Dass Meissen in steter Gefahr war, in den 
Kriegsschauplatz hineingezogen zu werden, lässt sich aus 
manchem entnehmen. So erliess der Kurfürst am 
16. August 1467 einen Befehl an den Rath zu Dresden, 
die Stadt Tag und Nacht in Verwahrung zu halten, da 
vom Rathe zu Pirna gemeldet worden war, dass eine 



l ") Den Bericht der Gesandtschaft theilen wir unten als Beilage 3 
mit. Die Rechnung des Kanzlers Hans von Mergental von 1467 
Sept. 29 bis Dec. 2 führt 200 Gulden „Zehrung auf die Reise gen 
Rom", die „dem Ordinarius und dem Landvogte" gegeben worden 
seien, auf. Loc. 4335 Rechnung der Amtleute Sachsen, Meissen und 
Voitland 1467 fgg. sub fol. 442. 



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57 

merkliche Anzahl Volkes zu Ross und zu Fuss über den 1468 
Wald ziehe. ,4Ä ) Besonders unbequem wurde es für 
Meissen, als auch die Seehsstädte des Königs Feinde wur- 
den. 150 ) Anfang September 1467 rückten böhmische 
Heeresmassen vor Zittau und verwüsteten die ganze 
Gegend; 130 Leipziger Studenten eilten unter andern 
den Zittauern zu Hilfe. 11 ') Als dann die Sechsstädter 
Angriffe auf die dem Könige getreuen Edelleute unter- 
nahmen und den Friedrich von Schönburg zu Hoyers- 
werda belagerten, erhoben die sächsischen Herzöge unter 
Bezugnahme darauf, dass jene Herren auch ihre Lehns- 
leute seien, Einspruch ; die Lausitzer wurden durch ihre 
Drohungen nicht wenig geschreckt imd dachten sogar 
daran, durch Vermittelung von Sachsen und Brandenburg 
sich mit dem Könige wieder auszusöhnen. I52 ) 

Die Kirche Hess es nicht an Bemühungen, die Fürsten 
aus dieser neutralen Haltung herauszudrängen, fehlen; 
so forderte der Papst durch eine Bulle vom 22. September 
Ernst geradezu zum Kampfe gegen Georg auf. ,4S ) Der 
Legat Rudolf jedoch, der, wie ich schon früher bemerkt 
habe, die peinliche Situation der Fürsten richtig zu 
würdigen wusste, benahm sich noch immer sehr rück- 
sichtsvoll. Zwar beauftragte er am 2. October 1467 den 1467 
Dominicaner Heinrich von Schietstat, in den Lausitzen und 
Meissen das Kreuz gegen Georg zu predigen und andere 
Kreuzprediger zu ernennen, allen, die gegen die Ketzer die 
Waffen ergreifen oder einen andern an ihrer Stelle ins 
Feld senden würden, Sündenerlass und sonstige kirchliche 
Gaben zu gewähren, Sammelstellen für Beiträge zum 
heiligen Kriege zu errichten; l54 ) aber während in vielen 
anderen Gegenden Deutschlands diese Kreuzpredigten 



»«•) Original im Rathsarchiv zu Dresden. Im Zusammenhange 
mit derartigen Befürchtungen steht es auch ohne Zweifel, wenn 
Emst und Albrecht dem Kurfürsten Friedrich von Brandenburg ver- 
sprochene Hilfsvölker nicht zusandten, weil ihnen „Sachen zugekommen 
seien, mit denen sie beladen wären." Höfler, Kais. Buch 123. 

uo ) Ihr Absagebrief von 1467 Juni 8. Palacky, Urk. Beitr. 464 fgg. 
Vergl. Palacky IV, 2, 474 fg. und die dort citierten Quellen. 

,M ) Eschenloer (SS. rer. Sil. VU) 141. Palacky, Urk. Beitr. 489. 
Vermittelnd waren die sächsischen Herzöge auch für Herzog Johann 
vonSagan, den Georg in Prag bis Februar 1468 gefangen hielt, thätig, 
vergl. SS. rer. Sil. VII, 178. IX, 260. 

»") Müller, Reichstagstheatrum II, 272. Vergl. Fabricius Sax. 
ilmstr. VIT, 779. 

»") Cod. dipl. Sax. reg. n, 3, 174. 



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58 

1467 grosse Aufregung hervorriefen und undisciplinierte Schaaren 
massenhaft nach Böhmen trieben, wo sie freilich wenig 
Ruhm ernteten, scheint Meissen thatsächlich damit noch 
verschont geblieben zu sein, und auch die offizielle Pub- 
lication der weitern gegen Georg gerichteten päpstlichen 
Erlasse vermied der Legat, eingedenk seiner früheren 
, Versprechungen. ,ÄÄ ) 

Allein diese Rücksichtnahme sollte nicht mehr lange 
möglich sein. Ueberhaupt reiften die Ereignisse einer 
Entscheidung entgegen, die leicht für das Fürstenhaus 
Wettin hätte verhängnisvoll werden können. 



III. 

1468 Wenig Glück hatten bis jetzt der Herrenbund und 
die Curie in ihrem Kampfe gegen den Böhmenkönig gehabt. 
Man brauchte Bundesgenossen. Die deutschen Fürsten in 
ihrer Gesamratheit schienen nicht geneigt, thätig einzu- 
greifen. 146 ) Vergeblich verhandelte man mit Burgund, mit 
Polen, auch mit Brandenburg wegen Annahme der böhmi- 
schen Krone. König Kasimir von Polen hielt es nicht für 
nöthig, eine Krone zu erobern, die, wie er ganz richtig ver- 
muthete, über kurz oder lang doch seinem Hause zufallen 
musste; er schloss sich den deutschen Fürsten an, vermittelte 
ohne Aussicht auf Erfolg. Hochinteressant sind die Ver- 
handlungen, welche Legat Rudolf im Februar 1468 mit dem 
Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg pflog. Die Ge- 
fahr für die Mark, die in einer Besitznahme der böhmischen 



'**) Ich schliesse dies daraus, dass Kurfürst Friedrich von 
Brandenburg im Februar 1468 unter andern Vorschlägen, die er für 
den Fall einer Annahme der ihm angebotenen böhmischen Krone 
macht, auch verlangt: „das der legat die mandat und processe disse 
vasten schicke ins landt zu Meissen und Sachsen und verkündigen 
lasse." Riedel III, 1. 464. Als Beweis der Milde des Legaten darf 
man wohl auch die aem Bischof Dietrich von Meissen und dem Dom- 
herrn Mag. Nicolaus Tronitz daselbst ertheilte Vollmacht zur Abso- 
lution wegen Verkehrs mit den Böhmen oder gezwungener Communion 
unter beiderlei Gestalt auffassen. Cod. dipl. Sax. reg. II, 3, 177. 

"•) Ein Tag zu Regensburg im Februar 1468 hatte noch weniger 
Erfolg wie die früheren. Vergl. das Schreiben Markgraf Albrechts 
von 1468 Februar 20 bei Riedel, Cod. dipl. Brand. III, 1, 465. 



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59 



Lande durch Polen lag, war nicht zu verkennen, und obwohl 1468 
Alter und Kränklichkeit den Kurfürsten wenig Neigung 
für so weitaussehende Pläne empfinden Hessen, hat er sich 
doch seinen Pflichten gegen Land und Dynastie nicht ent- 
ziehen wollen und die Sache ernstlich erwogen. Vielleicht 
war es auch die Rücksicht auf Sachsen, was den Kurfürsten 
beeinflusste; er warnt nicht nur vor den Polaken, sondern 
auch vor den „andern Leuten, die fast sehre auch danach 
stehen", und deren Aufkommen den Brandenburgern Ver- 
derben bringen werde. Konnten doch sowohl Herzog Wil- 
helm als Herzog Albrecht Erbrechte, wenn auch sehr un- 
sichere, für sich anführen; ersterer hatte es schon gethan, 
und letzterer trat bekanntlich nach Georgs Tode damit 
hervor. Mit Recht weist Droysen, dem wir die ein- 
gehendsten Belehrungen über jene Verhandlungen zwischen 
dem Legaten und Brandenburg verdanken, auf sonder- 
bare Vorschläge hin, welche die Wettiner im Jahre 1466 
gemacht hatten und die allerdings auf weitreichende Ent- 
würfe schliessen lassen. Es handelte sich dabei um nichts 
geringeres als um einen Verkauf der Mark Brandenburg an 
Ernst und Albrecht, die dagegen Vogtland und Thüringen, 
das ihnen ja nach dem Tode des kinderlosen Oheims zufallen 
musste, zum Kaufe anboten. In der That ein Vorschlag, 
dessen Verwirklichung die gesammte neuere Geschichte in 
ganz andere Bahnen hätte lenken können. Markgraf 
Albrecht Achilles, der, wie überall, so auch bei dieser 
Gelegenheit das letzte Wort in der Politik seines Hauses 
zu sprechen hatte, Hess sich auf den kühnen, wenn auch 
vielleicht jugendlich kühnen Plan nicht ein. 151 ) 

Er war es auch, der nach reiflicher Ueberlegung 
jetzt den Bruder bestimmte, die böhmische Krone auszu- 
schlagen. Wir können hier auf die Gründe nicht näher 
eingehen und heben nur hervor, dass die gesammten Ver- 
handlungen das Verhältnis der Brandenburger zu Georg 
doch weit weniger eng erscheinen lassen als das der säch- 
sischen Fürsten. Markgraf Albrecht äussert einmal bei Er- 
wähnung einer auf den 24. April 1468 angesetzten Zu- 
sammenkunft mit den Wettinern und den Landgrafen von 
Hessen, bei welcher die so oft besprochene und noch immer 
nicht entschiedene Frage der Erbhuldigung zur Sprache 
kommen sollte: „Würden sie den Braten schmecken von 



,,T ) Vergl. Droysen, Sitzungsber. der K. sächs. Gesellsch. d. Wissen- 
schaften IX (1857), 146 fgg. u. Gesch. d. preuss. Politik II, 1, 236 fgg. 



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60 



1468 Böhmen, es würde nichts daraus. Unser Bruder weiss, 
wie sie dem Könige gewandt sind. Wollten sie mit ihm 
gekriegt haben, sie hätten ihm nicht Land und Leute 
gegeben und sich zu ihm gefreundet. u IÄ8 ) 

Als die Zusammenkunft dann um die festgesetzte Zeit 
zu Schleiz stattfand, wurde auf derselben die Vermählung 
des Markgrafen Johann von Brandenburg mit der Tochter 
des Herzogs Wilhelm, deren Vollziehung man erst auf 
Pfingsten 1468, dann auf Estomihi 1470 in Aussicht ge- 
nommen hatte, bis zum Jahre 1473 verschoben; auch 
dies dürfte darauf hindeuten, dass in der That die böh- 
mischen Verhältnisse die sächsisch-brandenburgischen Be- 
ziehungen zu lockern anfingen. ,59 ) 

Die Rolle, die der Polenkönig und der Brandenburger 
nicht spielen wollten, übernahm bekanntlich König Matthias 
von Ungarn. Mit dem Angriffskriege gegen Oesterreich, 
den Prinz Victorin, des Böhmenkönigs Sohn, seit Ende 
Januar 1468 führte, erhielt der Kampf einen anderen 
Charakter; er war nicht mehr blos ein Krieg des Lehns- 
herrn gegen die Vasallen. Seit dem Eingreifen des 
Ungarnkönigs aber, der im April mit einem trefflich ge- 
rüsteten Heere in Mähren erschien, wandte sich das Waffen- 
glück mehr und mehr von Georg ab. Jene „acht Un- 
glückswochen" von Mitte August bis Mitte October 1468 
schienen den Gegnern den nahen Sieg in sichere Aussicht 
zu stellen. 

Die Haltung der sächsischen Fürsten blieb auch jetzt 
eine vollkommen neutrale; wenn man von Hilfstruppen 
zu erzählen wusste, die sie dem König Georg gestellt, so 
war dies wohl ein ungerechtfertigtes Gerücht. 160 ) Dass 
man ihnen jedoch auf der Georg feindlichen Seite miss- 
traute und scharf auf die Finger sah, beweist, wohin 
nach der allgemeinen Meinung ihre Sympathien neigten. 
Dies Misstrauen trat besonders bei der Belagerung von 
Hoyerswerda zu Tage, die bis über die Mitte des Jahres 
1468 hinaus dauerte. Schon im Januar wusste Jaroslaw 
von Sternberg, der Landvogteiverweser , den Gör- 
litzern zu melden, „dass etliche Böhmen zu Meissen im 



I4> ) Instruction für Albrecht Styeber von 1468 März 15 bei Riedel.Cod. 
dipl. Brand. III, 1, 480. Vergl. überhaupt ebendaselbst 454 fgg. Palacky, 
Gesch. Böhmens IV, 2, 492 fgg. Kluckhohn, Ludwig der Reiche 281 fgg. 

■*•) ürk. von 1468 Apr. 26. Riedel II, 5, 121. Vergl. Droysen, 
Gesch. d. preuss. Politik II, 1, 236. 

,4 °) Vergl. Lichnowsky, Gesch. d. Hauses Habsburg VII, 112. 



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61 

Lande an etlichen heimlichen Oertern lägen und raeinten 1468 
die auf Hoyerswerda zu stärken." I61 ) Bedenklicher schien 
die Sache werden zu wollen, als Anfang Juli 1468 die 
Markgrafen mit nicht unbeträchtlichen Truppen nach 
Senftenberg kamen; eine Diversion gegen Hoyerswerda 
oder auch gegen Luckau wurde befürchtet. Man erzählte 
sich, König Georg und die Herren von Schönburg hätten 
das Schloss den sächsischen Fürsten angeboten, und dies 
klang nicht eben unwahrscheinlich; allein man wusste 
auch schon, dass die Fürsten, ihrer sonstigen Haltung 
entsprechend, das Anerbieten abgelehnt hätten. Als man 
dann weitere Nachrichten einzog, erfuhr man, dass die 
Truppen nur in 200 Reisigen und 600 Trabanten bestan- 
den, die der von Köckeritz dem Kurfürsten von Branden- 
burg zuführen sollte. Hatte die Sache überhaupt eine Bedeu- 
tung, dann war es gewiss nur die eines Scheinmanövers, 
wofür die Hauptleute der Sechsstädte den Zug von Anfang 
an gehalten hatten: „sie werden sich dahin fugen um Ge- 
schreies willen, ob sie uns möchten abschrecken." 16 *) 

Ein Heraustreten aus der Neutralität lag in alledem 
nicht Ein solches hätte auch jetzt, nachdem Matthias 
auf dem Kriegsschauplatze erschienen war, geradezu ver- 
hängnisvoll für das Haus Wettin werden können. Die 
Lage der Dinge in Deutschland war keineswegs derart, 
dass man nur auf ein Signal wartete, um sich zu einem 
WafTenbunde für Georg zu einigen. 

Auch fällt noch ein anderes Moment schwer in die Wag- 
schale. Es sind uns aus dem fünfzehnten Jahrhundert meist 
nur einzelne Fäden feiner diplomatischer Gespinnste in 
den Archiven erhalten, die wir mit Mühe zu einem Ge- 
sammtbilde zu vereinigen suchen; es verführt dies gar 
leicht zu der Annahme, die Geschichte jener Zeit sei allein 
in den Kabinetten gemacht worden. Man hüte sich jedoch 
davor, diejenigen Einwirkungen zu unterschätzen, die das 
gesammte geistige und materielle Volksleben auf die Welt- 
ereignisse damals wie heute und zu jeder Zeit geübt hat, 
wenn auch nur dürftige Ueberlieferungen über dasselbe auf 
uns gekommen sind. Nicht umsonst hat die kluge Politik 
der Curie zu allen Zeiten, seit den Tagen Gregors VII., 

«•') Palacky, Urk. Beitr. 547. Vergl. diese Zeitschrift I, 265. 

in ) Palacky, Urk. Beitr. 550 feg. Eine „Aasgabe den trabanten, 
die man Markgraf Friedrich in die Mark sandte tercia in vigilia 
Margarete" (Juli 12), führt die Dresdner Stadtrechnung von 1468 
(Rathsarchiv zu Dresden) an. 



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62 



1468 einen Aufruf an die Massen gerichtet, wenn es galt, grosse 
Erfolge zu erzielen. Auch diesmal setzte man den ganzen 
Apparat der geistlichen Waffen in Bewegung, und, so oft 
dieselben schon gebraucht und gemissbraucht waren, sie 
zeigten sich doch noch als wirksam. In den meissnischen 
Landen kam ihnen freilich ein sehr schätzbarer Bundes- 
genosse zu Hilfe: der tiefgewurzeite nationale Hass, der 
die beiden Nachbarvölker von jeher, besonders aber seit 
den Hus8itenkämpfen, trennte. So stand das Volk in der 
böhmischen Frage entschieden nicht auf der Seite seiner 
Herrscher. Es hatte seiner Zeit gemurrt, als es von den 
Familien Verbindungen vernommen, welche die Wettiner 
mit dem Hause Podiebrad vereinen sollten 1 6S ); es hatte 
später protestiert gegen jede thätige Unterstützung des 
Böhmenkönigs. 164 ) Die Herrscher wussten sehr wohl, 
warum sie so grosses Gewicht darauf legten, dass die 
Kreuzpredigt und sonstige aufregende Mittel in ihrem 
Lande nicht zur Anwendung gebracht würden. Nichts 
ist bezeichnender, als die oft angeführte Thatsache, dass 
zahlreiche Studenten und Magister zu Leipzig und Erfurt 
ihre Bücher und Kleider verkauften und das Kreuz gegen 
die Ketzer nahmen, während gleichzeitig die Gelehrten 
der Hochschulen darüber disputierten, ob man die Gebote 
des Papstes für rechtsverbindlich halten solle oder nicht 1 6Ä ) 
Der Umschwung in der Lage Georgs veranlasste den 
Legaten, auch in Meissen jetzt energischer aufzutreten. 
Schon Anfang März 1468 hatte er durch den Minoriten 
Jacobus jene Bulle vom 15. Mai 1467, durch welche ihm 

'•*) Gravis illis temporibus rumor ortus est a populo undique in 
Misna et Thoringia contra suos dominos de concordia cum hereticis 
inita et affinitate contracta, malediceudo vituperando et expresse 
publiceque eos maledicendo, dicentes non esse vestigium majorum 
progenitorumque suorum, qui adversus hereticos Bohemos sanguinem 
fuderint. Eschenloer (SS. rer. Sil. VII) 42. Vergl. das Schreiben 
Wilhelms d. d. 1459 Mai 16. Ebendas. 43 fgg. 

'•*) Vergl. oben S. 19. 

»•») Vergl. Palacky IV, 2, 421 fg. Kluckhohn 265. üeber Ver- 
handlungen zu Erfurt wegen der böhmischen Ketzerei (1466) vergl. ein 
merkwürdiges Schreiben o. D. bei Riedel, Cod. dipl. Brand. III, l, 
406. Ueber die Betheiligung von Leipziger Studenten s. I, 265 
dieser Zeitschr. Legat Rudolf dankt 1468 Febr. 20 dem Rector und 
den Magistern der Universität Leipzig wegen ihres Eifers, quod tot 
legales persone . . . venumdatis eorum libris et vestibus refictisque 
aliis rebus arma suseeperunt, theilt mit, dass einige davon die Zit- 
tauer unterstützen sollen, und stellt eine geeignete Verwendung der 
übrigen in Aussicht SS. rer. Sil. IX, 260 (Cod. dipl. Sax. reg. II, 
11, 179). 



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63 

lie Befugnisse eines Lateranlegaten und weitgehende Voll» 1468 
machten gegen Georg und seine Anhänger übertragen 
waren, förmlich publicieren lassen; es ist wohl anzunehmen, 
da8S diese Sendung gerade für Meissen berechnet war, 
wenn sich dies auch aus dem Wortlaut des betreffenden 
Schreibens nicht ergiebt. ,6 °) Gleichzeitig ersuchte Rudolf 
den Meissuer Domdechanten Heinrieh Leubing, der damals 
in Erfurt weilte, seinen Fürsten und deren ßäthen und 
den Prälaten und Edlen des Landes die Gründe, aus 
denen der Papst gegen Georg so entschieden vorgehe, 
auseinanderzusetzen; Leubing schrieb in Folge dessen 
einen erregten Brief an Bischof Dietrich und bat ihn 
dringend, seine bisherige Haltung den Böhmen gegenüber 
zu ändern. 167 ) Vielleicht gab dies den Herzögen Anlass 
zu einer neuen Gesandtschaft nach Rom; Heinrich von Ein- 
siedel und Heinrich Truchsess trafen dort am 14. April 
ein, erlangten aber keine Audienz beim Papste: „wen 
seine Heiligkeit geantwort hat, es wäre genugsam ge- 
schrieben 44 . ,fl8 ) 

Der Angriff Georgs gegen Kaiser Friedrich HI. hatte 
den Zorn des Papstes aufs höchste gesteigert Noch 
schärfer lautete in diesem Jahre der am grünen Donners- 
tag (14. April) ausgesprochene Bannfluch 16 •); und wenige 
Tage später (am 20. April) ergingen zwei neue Bullen, 
zu deren Publication Laurentius Rovarella, Bischof von 
Ferrara, als Legat nach Deutschland gesandt wurde. Die 
erste derselben verdammte alle diejenigen, die in irgend 
welcher Weise, besonders aber durch Zuführung von Lebens- 
mitteln, Waffen u. dergl., die Ketzer begünstigten, ver- 
fügte die Beschlagnahme ihres Vermögens, verhängte das 
Interdict über ihre Aufenthaltsorte u. s. w.; die zweite 
verlieh allen, die zu dem bevorstehenden Kriege Geld 
beisteuerten oder selbst daran theilnahmen, Ablässe und 
andere kirchliche Spenden. 170 ) An demselben Tage rich- 
tete der Papst ein Schreiben an Kurfürst Ernst und Her- 



'••) Wir kennen es nur aus einer im HStA. zu Dresden (WA. 
Böhm. S. Kaps. IV BL 120 fgg.) vorhandenen Abschrift 

m ) 1468 März 13. Nam si in alia via non ambulaveritis, timeo 
patriae periculum immin ere, quod difficulter removebitur. Cod. dipl. 
Sax. reg. II, 3, 178; vergL die Anm. dazu. 

,M ) Bericht des Meissner Domherrn Melchior v. Meckau, der 
in päpstlichen Diensten in Rom weilte, d. & 1468 Mai 12. Beilage 4. 

'••) SS. rer. Sil. IX, 264. 

lT0 ) Ebendas. 265 fgg., 267 fgg. 



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G4 



zog Albrecht, in welchem er dieselben dringend aufforderte, 
die von ihm angeordneten Massregeln in ihren Landen 
zuzulassen, insbesondere die Kreuzpredigt und Ablassver- 
kündigung zu gestatten, den Handelsverkehr mit Böhmen 
zu verbieten und der Verwendung des Zehnten von allen 
kirchlichen Gütern zum Kampfe gegen die Ketzer keine 
Hindernisse in den Weg zu legen. 171 ) 

Noch bevor diese Bullen und Schreiben nach Meissen 
gelangt sein können, Hess die Fanatisierung der Massen 
daselbst Zustände entstehen, die schlechterdings unerträg- 
lich waren. Eine sehr merkwürdige Episode, die sich im 
Laufe des Sommers 14G8 in Freiberg, zu jener Zeit einer 
der bedeutendsten Städte der sächsischen Lande, abspielte, 
erlaubt uns einen Einblick in das erregte Volksleben jener 
Tage, der uns um so willkommener ist, je dürftiger und 
trockener unsere Quellen gerade nach dieser Richtung im 
übrigen sind. Wir dürfen uns daher wohl gestatten, 
den Vorgang etwas eingehender darzustellen, als es viel- 
leicht seiner Bedeutung im grossen Ganzen der politischen 
Geschichte entspricht. 17 *) 

Etwa Anfang Mai mögen Emissäre des Legaten Ru- 
dolf, der inzwischen Bischof von Breslau geworden war, 
die Kreuzpredigt in grösserm Stile in den meissnischen 
Landen begonnen haben. Auch in Freiberg erschienen 
um diese Zeit einige Barfüssermönche und riefen gegen 
den Ketzer Girzik zu den Waffen; sie hatten ausser- 
ordentlich viel Erfolg. Eine gewaltige Aufregung ergriff 
Stadt und Umgegend. An 400 Personen, darunter Lehns- 
leute der Landesherren, angesessene Bürger und Berg- 
werksbesitzer, wie Lucas Schönberg, Sigmund Kolbing, 
Merten Ortwein, besonders aber viele Handwerker, Hessen 
sich mit dem Kreuze zeiclmen. Diese ausserordentlich 
starke Betheiligung erklärt sich einerseits zwar aus der 



•") Abschrift HStA. Loc. 7216. Irrungen zwischen K. Georg 
und dem Papste fol. 23. 

"*) Unsere Hauptquelle ist ein bisher unbeachtet gebliebenes 
Aktenstück des Gemeinschaftlichen Archivs zu Weimar (Reg. Afol. 28a 
No. 73) ; da ich die betreffende Korrespondenz in dem unter der Presse 
befindlichen ersten Bande des Urkundenbuchs der Stadt Freiberg 
(Cod. dipl. Sax. reg. II, 12) vollständig mittheilen werde, so citiere 
ich nicht die einzelnen Schriftstücke Bisher waren über die Kreu- 
zigerunruhen nur zwei landesherrliche Schreiben bekannt, die sich 
im Freiberger Bathsarchiv befinden und von Klotzsch (Sammlung 
vermischter Nachrichten I, 266 fgg.) abgedruckt und, soweit dies 
ohne anderes Material möglich war, erläutert worden sind. 



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65 



grossen Macht, welche die Geistlichkeit trotz der hie und 1468 
da hervortretenden Züge von Indifferentismus, ja von Ver- 
höhnung kirchlicher Institutionen l,s ) noch immer über die 
Gemüther hatte und welche auch den Bussprediger Jo- 
hannes von Capistrano 16 Jahre früher eine so gewaltige 
Wirkung in Freiberg wie in anderen meissnischen Städten 
hatte ausüben lassen; andererseits aber doch auch daraus, 
dass die Mönche den Kreuzfahrern die Sache so bequem 
wie möglich zu machen suchten. Die päpstlichen Gebote, 
die sie verkündeten, untersagten jeden Verkehr mit Böh- 
men und befahlen die Wegnahme aller Güter, die Böhmen 
gehörten, aus diesem Lande kamen oder in dasselbe ein- 
geführt werden sollten. 111 ) Es war vorauszusehen, dass 
es an Uebertretungen dieses Verkehrs Verbotes nicht fehlen 
würde; denn die Bewohner der böhmisch - sächsischen 
Grenze, namentlich der Bergwerksdistricte, waren auf 
Zufuhr aus Böhmen angewiesen, und die Einfuhr hatte 
selbstverständlich auch die Ausfuhr solcher Artikel, die 
man jenseit der Grenze brauchte, zur Folge. Wenn nun 
auch die Kreuzfahrer eigentlich das Kreuz nahmen, um 
in Böhmen gegen die Ketzer zu kämpfen, so war es doch 
viel leichter, bequemer und — einträglicher, den Grenz- 
verkehr zu überwachen, als mit den Waffen in der Hand 
in das Land des streitbaren Böhmenkönigs, der schon 
mehrmals grosse Kreuzigerschaaren zu paaren getrieben 
hatte, einzudringen; und die Kreuzprediger scheinen eine 
derartige grenzpolizeiliche Thätigkeit auch begünstigt zu 
haben. Zwar waren eine Anzahl Freiberger Kreuziger 
nach Riesenberg und Graupen gezogen. Wir wissen nicht, 
was sie dort gethan haben; jedenfalls aber kehrten sie 
bald, schon in der ersten Hälfte des Juni, nach Freiberg 
zurück. Verstärkt durch neue Schaaren, betrachteten sie 

,T *) Manche Belege hierfür bietet das „Verzellbuch" des Frei- 
berger Rathsarchivs, das zahlreiche Verurteilungen wegen Gottes- 
lästerung, Schmähung geistlicher Personen und Störung des Gottes- 
dienstes enthält. Versl. Klotzsch, Das Verzellen 189, 195, 196; 
noch mehr wird im dritten Bande des Urkundenbuchs der Stadt 
Freiberg, der eine Ausgabe des Verzellbuchs enthalten soll, mitge- 
theilt werden. 

,7 *) Es bezieht sich dies wohl auf eine der päpstlichen Bullen 
vom 16. Mai 1467, in welcher dem Legaten Rudolf u. a. Vollmacht 
ertheilt wurde, bona quecunque mobilia et immobilia hereticorum 
quibuscunque licite occupanda concedendi et donandi ac ea que 
heretici ad terras cathoheorum vel econtra ex terris catholicorum 
in vel extra regnum ducerent aut duci facerent in predam dandl 
SS. rer. Siles. XI, 234. 

Ermiach, Studien. 5 



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66 



1468 es nun als ihre Aufgabe, den Verkehr mit Böhmen zu 
hindern. Alle dorthin bestimmten Waaren wurden con- 
fiseiert; ja auch die Habe derjenigen, die wider die päpst- 
lichen Gebote zu murren wagten, war gefährdet. Die 
ganze Umgebung von Freiberg wurde beunruhigt; Fuhr- 
leute wurden auf den Landstrassen ermordet, Pferde und 
Güter weggenommen. Handel und Wandel litten darunter 
furchtbar. Selbst in der Stadt war niemand sicher. Die 
„leichtfertigen Leute, die das Kreuz in solcher Weise an 
sich genommen hatten", drangen in die Häuser der Bürger 
ein, suchten in denselben nach böhmischen Gütern und 
drohten, wenn Einwendungen versucht wurden, mit Mord 
und Misshandlung. Ueberall beriefen sie sich auf die 
päpstlichen Gebote, und dies sowie die Furcht vor ihren 
Grewaltthätigkeiten hielten sowohl den landesherrlichen Amt- 
mann Nickel Monhaupt als die städtischen Behörden von 
einem thatkräftigen Einschreiten ab. 

Indes auf die Dauer konnte dies Unwesen doch nicht 
geduldet werden. Mussten doch auch die landesherrlichen 
Einnahmen, die ja zum grossen Theile in den Erträgnissen 
der Bergwerke bestanden, schwer darunter leiden. Auch 
konnte man nicht wissen, ob nicht doch noch die 
meissnischen Lande in den Krieg verwickelt werden 
würden l75 ) und ob man nicht in diesem Falle die Mannen 
brauchen würde, die sich jetzt auf Leben und Tod der 
Politik der Curie verschrieben hatten. 

Freiberg war damals im geraeinsamen Besitz der 
beiden Linien des Hauses Wettin 1 ' 6 ); ein gemeinschaft- 
licher Amtmann vertrat die landesherrlichen Rechte. Das 
nächste Interesse an der Herstellung eines geordneten Zu- 
Standes hatten jedoch Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht; 
ihre Lande wurden in erster Linie durch das Treiben der 
Kreuziger betroffen. Aber ohne Zustimmung des Herzogs 
Wilhelm wollten und durften sie nichts unternehmen. Sie 
sandten daher ihren Oberraarschall Hugold von Schleinitz 
an denselben zur Berichterstattung ab und entwarfen bald 
darauf in einem längern Schreiben vom 6. Juni 1468 in 
lebhaften Farben ein Bild von dem Unfuge, den die Kreuz- 



"*) Am 30. Mai befahlen Emst und Albrecht ihren Mannen, 
sich in Kriegsbereitschaft zu halten, da sie gewarnt seien, dass 
etliche Abgönner ihre Lande und Leute zu schädigen beabsichtigten. 
WA. Defensionssachen B1.61. 

,w ) Vergl. den Burgfrieden vom 11. Nov. 1448, der im ersten 
Bande des Freiberger Urkundenbuches zum Abdruck kommen wird« 



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67 



schaaren anrichteten. Ungern möchten sie, so heisst es 1468 
in dem Briefe, den Geboten des h. Vaters zuwider handeln; 
aber unter den obwaltenden Verhältnissen könne man den 
Zustand nicht länger dulden, sondern müsse auf Mittel 
und Wege denken, die Kreuziger dahin zu schaffen, wohin 
sie gehörten. 

Wilhelm stand der Sache ferner; er hatte sich niemals 
in dem Masse für Georg interessiert als seine Neffen und 
scheint zudem damals schon auf gespanntem Fusse mit 
ihnen gestanden zu haben. In seiner Antwort vom 
11. Juni spricht sich ein gewisses Misstrauen gegen ihre 
Angaben aus; er findet es auffallig, dass noch keine Mel- 
dung des Amtmanns und des Freiberger Rathes vorliege. 
Auch versäumte er nicht, darauf hinzuweisen, dass ihre 
Vorfahren sich stets um den Christenglauben besondere 
Verdienste erworben hätten, und warnte davor, ihre Fuss- 
stapfen zu verlassen. Dass dem Unfuge gesteuert werden 
müsse, leuchtete indes auch ihm ein; er verlangte aber, 
seine Neffen sollten nur gemeinschaftlich mit ihm handeln. 

Man wurde einig, ein Schreiben an Vogt, Bürger- 
meister und Rathmannen zu erlassen; allein über die 
Fassung desselben kam es zu weiteren Streitigkeiten. Uns 
liegt sowohl der Entwurf Emsts und Aibrechts, als der 
Gegenentwurf ihres Oheims vor. Der erstere, der das 
Datum des 15. Juni trägt und nur im Namen von Ernst 
und Albrecht, nicht zugleich in dem des Oheims, abge- 
fasst ist, berührt ziemlich kühl die Thatsache der Kreuz- 

S redigt — wegen der Gebote des Papstes würden die 
ursten dieselbe ungern verhindern wollen — und ent- 
hält dann einen scharfen Verweis gegen Vogt und Rath, 
weil sie das Treiben der Kreuziger nicht sofort mit aller 
Energie unterdrückt hätten; sie wüssten doch, wie die 
Fürsten bisher auf Frieden in ihren Landen gehalten 
hätten; wer den Frieden bräche, gleichviel an wem, müsste 
unnachsichtlich bestraft werden. Die Kreuziger sollen 
versammelt und ihnen mit allem Nachdruck folgendes 
vorgehalten werden. Diejenigen unter ihnen, welche als 
angesessene Bürger oder Lehnsleute den Landesherren 
eidlich verpflichtet seien, hätten ohne deren Genehmigung 
das Kreuz nicht nehmen dürfen; da es indes einmal ge- 
schehen, so sollte ihnen gestattet sein, gegen die Böhmen 
zu ziehen; nur sollten sie dafür sorgen, dass nötigenfalls 
auch in ihrer Abwesenheit ihre Pflicht gegen ihre Lehns- 
und Landesherren erfüllt, also namentlich bewaffnete Folge 

5» 



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68 



1468 geleistet würde. Alle Kreuziger ausnahmslos sollten bei 
strenger Strafe in Freiberg und im ganzen Lande nie- 
manden, gleichviel wer er sei und woher er komme, ohne 
ausdrückliche Genehmigung der Landesherren an Leib 
und Gut schädigen. 

Die rücksichtslose Schärfe, die sich in dem Entwurf 
ausspricht, billigte Wilhelm nicht. Sein Gegenentwurf 
(vom 20. Juni) ist kürzer, allgemeiner und viel milder 
gehalten. Der Lehnspflichten und ihrer Verletzung durch 
die Kreuznahme geschieht keine Erwähnung. Der Rath 
wird aufgefordert, den Kreuzigern alle Plackereien zu 
verbieten und sie zum Abzüge nach Böhmen zu veran- 
lassen. 

Wie der Befehl lautete, der schliesslich nach Frei- 
berg gesandt wurde, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls 
hatte er fürs erste den gewünschten Erfolg. Die Kreu- 
ziger verhielten sich mehrere Wochen lang ruhig, und ein 
Theil von ihnen hat vielleicht die Stadt verlassen; eben 
zu jener Zeit lagen bedeutende Kreuzschaaren unter Fried- 
rich von Schönfmrg bei Schlackenwerda in der Gegend 
von Elbogen, und König Georg musste die Lande ringsum 

fegen sie aufbieten. 1 ' 7 ) Andere Haufen, angeblich über 
5000 Mann, wurden bei Pilsen von einer kleinen Anzahl 
Böhmen in die Flucht getrieben. Man erzählte sich da- 
mals, die sächsischen Herzöge hätten unter schweren Be- 
drohungen die Ihren aus dem Kreuzheere abberufen; ein 
Gerücht, zu dem die Freiberger Auftritte Anlass gegeben 
haben mochten. 1 7 8 ) 

Inzwischen war der päpstliche Legat Laurentius Ro- 
varella in Deutschland erschienen, um die oben erwähnten 
päpstlichen Bullen vom 20. April bekannt zu machen. 
Anfang Juli hielt er sich mehrere Wochen in Grätz bei 
Kaiser Friedrich auf und erliess von hier aus Verord- 
nungen über die Kreuzpredigt, die zu gunsten des Krieges 
gegen die Ketzer zu veranstaltenden Sammlungen u. a. 
Obwohl es seine Aufgabe war, die Leidenschaften noch 
mehr zu entfesseln, was er auch nach Kräften that, ent- 



Palacky, ürk. Beitr. 544. Erwähnt wird dieser Zug Fried- 
richs v. Schönburg mit Kreuzigern noch in einem Schreiben ver- 
schiedener wegen Theilnahme an demselben aus Cadan vertriebener 
Personen von 1472 Aug. 18, in welchem sie Ernst und Albrecht um 
Verwendung bei ihrem Herrn Jan v. Lobkowitz wegen Wiederauf- 
nahme bitten. WA. Böhm. Sachen K. II Bl. 132c. 
11 •) Eschenloer (SS. rer. Siles. VII) 187. 



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69 



ging es ihm doch nicht, dass das bisherige zuchtlose Trei- 1468 
ben der Kreuziger der Sache, der sie dienten, mehr 
schadete als nutzte; trotz ihrer grossen Zahl hatten diese 
Truppen bisher noch nicht einen nennenswerthen Erfolg 
zu verzeichnen gehabt. Der Legat strebte dem abzu- 
helfen und bestimmte daher, dass nur solche mit dem 
Kreuze gezeichnet werden sollten, die zum Kampfe ge- 
eignet und im Stande seien, sich wenigstens sechs Monate 
lang zu unterhalten; auch sollten die Kreuziger sich nicht 
einzeln und ungerufen auf den Weg machen, sondern die 
Befehle des Legaten oder seiner Commissarien abwarten. 179 ) 
Gleichzeitig verkündeten Beauftragte des Legaten, 
unterstützt durch kaiserliche Empfehlungsschreiben 1 80 ), aller 
Orten die päpstlichen Bullen vom 20. April. Bereits An- 
fang Juli waren dieselben in Breslau bekannt geworden, 
und Bischof Rudolf sorgte für ihre schnelle Verbreitung. 1 8 *) 
Am 21. August wurden sie in Freiberg zur öffentlichen 
Kenntnis gebracht, nachdem sie vorher in Meissen vor 
Ernst und Albrecht officiell publiciert worden waren. 181 ) 
Wir sahen bereits, dass auch in diesen Bullen jede Zufuhr 
nach Böhmen mit den strengsten Strafen bedroht war. Es 
bedurfte blos eines solchen Anlasses, um die noch immer in 
der Stadt weilenden Kreuziger zur Wiederaufnahme ihrer 
angemassten grenzpolizeilichen Thätigkeit zu bewegen. An 
demselben Tage, an dem die päpstlichen Gebote verkündigt 
wurden, kamen zwei Kaufleute aus Nürnberg und Leipzig, 
die nach Böhmen Handel trieben, von dort nach Freiberg. 
Niemand wollte sie beherbergen; so allgemein wurde der 
Inhalt der Bullen respectiert. Die Kreuziger aber nahmen 
den Kaufleuten ihre Pferde und eine Summe Geld ab, 
führten sie vor den Kreuzprediger und dann vor den 
Rath, und der letztere wusste, um sie zu retten, nichts 
besseres zu thun, als dass er sie in den städtischen Ge- 
wahrsam setzte. Schon war auch der Gottesdienst 
wegen ihrer Anwesenheit eingestellt worden; darum 
hielt es der Rath für das Beste, die Kaufleute aus der 



"•) SS. rer. Siles. XI, 286. 

»•) 1468 Juli 13. Janssen, Frankfurts Reichscorresp. II, 1, 
255. Das an Kurfürst Ernst gerichtete Exemplar des kaiserlichen 
Schreibens abschriftlich HStA. Cop. 12 fol. 20. 

'•») SS rer. Siles. IX, 267 Anm. 

lM ) Ein von Rudolf am 12. Juli 1468 aufgenommenes notarielles 
Transsumpt der Bulle Regnans HStA. Loc. 10 297. Verschiedene 
alte Copeyen in Religionssachen 1468, 1566 fol. 1. 



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70 



1468 Stadt zu entlassen, ihre Habe aber wurde, theils der 
Bullen wegen, theils um sie vor den Kreuzigern zu 
sichern, zurückbehalten. Kurfürst Ernst und Herzog 
Albrecht, denen der Rath eilends den Vorfall meldete, 
waren sehr aufgebracht und verlangten sofortige Fest- 
nahme der Schuldigen. Am folgenden Tage, bevor noch 
dieser landesherrliche Befehl eingetroffen war, griffen die 
Kreuziger in Gemässheit der Bulle und auf Anweisung 
der Priester schaft, wie sie später zu ihrer Entschuldigung 
sagten, fünf Wagen mit Salz auf, die theils landesherr- 
lichen Unterthanen zu Frauenstein, theils den Herren von 
Rabenstein zu Riesenberg und dem Abte von Ossegg ge- 
hörten und nach Böhmen bestimmt waren, führten sie 
nach Freiberg und verkauften dort die Fracht. Der Rath 
entbot nunmehr zwar die Kreuziger vor sich und machte 
ihnen unter Bezugnahme auf die ergangenen landesherr- 
lichen Befehle Vorstellungen; allein diese beriefen sich auf 
den Wortlaut der päpstlichen Gebote und behaupteten 
dreist, die Landesherren würden mit ihrem Vorgehen völlig 
einverstanden sein. 

Amtmann und Rath, denen inzwischen ein neuer 
scharfer Befehl, die „Strassenräuber und Landesbeschädi- 
ger tt festzunehmen, von Ernst und Albrecht zugegangen 
war, befanden sich in grosser Verlegenheit; sie wollten 
gern als „fromme, christliche Leute" befunden werden, 
wagten anderseits aber auch nicht, den Landesherren zu 
trotzen. In ihrer Noth wandten sie sich (am 24 August) 
an Herzog Wilhelm. Fast gleichzeitig schrieben diesem seine 
Neffen (am 25. August) und erklärten energische Mass- 
regeln für unumgänglich nothwendig. Noch bevor ihr 
Brief abgegangen war, lief die Nachricht eines neuen 
durch Kreuziger begangenen Strassenraubes ein; die Frei- 
berger hatten aber die Heimkehrenden nicht eingelassen, 
und so hatten sie sich mit ihrem Raube nach Altzelle ge- 
wandt. Dort trafen Ernst und Albrecht Anstalten, sich 
ihrer zu bemächtigen. 

Am 26. August erschien der Freiberger Amtmann 
und der Rath, denen die Sache immer bedenklicher wurde, 
in Meissen vor den Landesherren. Sie baten ihres säu- 
migen Vorgehens wegen um Entschuldigung; sie hätten 
gern, so sagten sie, die befohlenen Festnehmungen voll- 
zogen, aber Gott wüsste, dass sie es sich nicht getraut 
hätten; „denn der Kreuziger wären so viele und faste 
eigenwillig und wären sehr in der Stadt gefreundet und 



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71 



hätten auch von dem gemeinen Volke grossen Anhang, 1468 
weshalb sie ihnen kein Wort zu sagen wagten"; sie 
müssten befürchten, dass sie sämmtlich erschlagen werden 
würden, wenn sie die landesherrlichen Befehle ausführten. 
Sie ständen auch sonst in grosser Gefahr; die Kreuziger 
liefen ihnen durch Haus und Hof, und sie wüssten nicht, 
ob sie in die Stadt eingelassen würden, wenn sie heim- 
kehrten. 

Ernst und Albrecht befahlen ihnen, sich sofort nach 
Freiberg zurückzubegeben, Handwerker und Geraeine vor 
sich zu entbieten und sie zu befragen, wie sie sich den Kreu- 
zigern gegenüber verhalten wollten. So sollten sie in Er- 
fahrung bringen, auf wie viel Beistand sie zählen dürften. 
Nötigenfalls wollten die Landesherren schleunigst zu Hilfe 
eilen; sie hatten ihren Marschall mit andern Hofleuten so- 
fort in die Gegend von Freiberg geschickt und den Rath 
angewiesen, auf seine Aufforderung Folge gegen die Kreu- 
ziger zu leisten. 

Als der Rath heimkehrte, gelangte er zwar ohne 
Schwierigkeit in die Stadt; aber die Kreuziger, die sich 
mehr und mehr in Gefahr fühlten, hatten sich auf dem 
Kirchhofe der Peterskirche, ganz in der Nähe des Rath- 
hauses und des Obermarktes, gesammelt und nahmen dort 
eine bedrohliche Haltung an; sie wollten Kirche und 
Kirchhof besetzen und sich in ihrem BeBitze behaupten. 
Offener Aufstand und Strassenkampf schien bevorzustehen. 
Doch fanden sich zum Glück Vermittler, welche die Schaa- 
ren zum Abzug aus der Stadt bewogen. Wohin sie sich 
begeben, wissen wir nicht; später haben sich zu Lossnitz 
in der Grafschaft Hartenstein Pferde vorgefunden, welche 
flüchtige Kreuziger dorthin gebracht hatten. Freibergs 
Thore wurden auf Befehl des Käthes besetzt, damit keiner 
der Entwichenen wieder in die Stadt zurückkehren könnte. 

Dann berief der Rath, wie ihm befohlen war, Hand- 
werker und Gemeine zusammen. Ihre Antwort war zu- 
friedenstellend; die Kreuziger waren eben schon aus der 
Stadt verschwunden und der von ihnen geübte Terroris- 
mus hatte aufgehört; auch schreckte wohl der Ernst, mit 
dem der Kurfürst und sein Bruder die Sache auffassten. 
Diese billigten die Massregeln des Rathes und befahlen 
ihm zugleich, Kundschalt über die Kreuziger ein- 
zuziehen und mit ihnen zu verhandeln, ob sie sich 
gutwillig ergeben wollten; sie sollten sich in diesem 
Falle am 29. August unbewaffnet vor Freiberg einfin- 



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72 



1468 den; in die Stadt dürften sie jedoch nicht eingelassen 
werden. IM ) 

Trotz der friedlichen Wendung, welche die Sache 
genommen und welche die baldige Heimkehr des Mar- 
schalls veranlasst hatte, hielten es Ernst und Albrecht für 
gut, die bewaffnete Demonstration, die sie anfangs auf 
den 27. August festgesetzt hatten, noch nachträglich zur 
Ausführung zu bringen. Mit 1000 Mann zu Fuss und 
300 Pferden begaben sie sich am 29. August nach Frei- 
berg. Um der Geistlichkeit, „die solches viel zugerichtet 
und gemacht hat u (wie es in einem Schreiben vom 2. Sep- 
tember heisst), jeden Anlass zu nehmen, das Thun der 
Landesherren zu verdammen und zu hemmen, hatten die- 
selben den Bischof Dietrich von Meissen, der, wie wir 
wissen, sich durch eine sehr gemässigte Gesinnung und 
durch Treue gegen seine Fürsten auszeichnete, mit sich 
genommen. An der Spitze eines Heeres hatten sie leichtes 
Spiel. Am 30. August früh beschieden sie Rath und Ge- 
meine vor sich und trafen mit ihnen ein Abkommen, über 
das sie absichtlich oder unabsichtlich in dem an ihren 
Oheim gerichteten Schreiben vom 2. September keine 
näheren Mittheilungen machten. Was die Räubereien der 
Kreuziger betrifft, so sollte die geraubte Habe, soweit 
dieselbe sich noch im Gewahrsam der Stadt befand, den 
rechtmässigen Besitzern zurückgegeben werden ; soweit sie 
nicht mehr vorhanden war, sollte die Stadt Ersatz dafür 
leisten und sich an den in Freiberg zurückgelassenen 
Gütern der Entflohenen schadlos halten; die flüchtigen 
Kreuziger aber, die der an sie ergangenen Aufforderung, 
sich freiwillig zu ergeben, nicht nachgekommen waren, 
sollten verfolgt und festgenommen werden. 

Herzog Wilhelm hatte inzwischen von Schleiz aus, wo 
er in jenen Tagen mit den Brandenburgern wegen eines 
Bündnisses verhandelte (vergl. S. 81), in einem Schreiben 
vom 29. August den Neffen vorgeschlagen, dass beiderseitige 
Räthe am 6. September in Freiberg die Sachen beizulegen 
suchen sollten. Als er nunmehr aus ihrer Antwort vom 



m ) Vergl. das Schreiben vom 27. Aug. 1468. Samml. verm. 
Nachr. 1, 266. Der Herausgeber glaubt (275), dass in der Wendung : 
„ob sie sich ane not unde gutwilliglichen yn unser Strasse gebin 
wolten, so wolten wir die in unser Strasse umlernen" das Anerbieten, 
die Kreuziger in landesherrliche Kriegsdienste aufzunehmen, ent- 
halten sei. Doch ist mir ein Gebrauch des Wortes „Strasse" in diesem 
Sinne ganz unbekannt 



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73 



2. September ihr einseitiges energisches Vorgehen erfuhr, 1468 
nahm er dies sehr übel auf. Er sandte sofort seine Räthe 
Hermann Lugel und Lorenz von Kochberg nach Freiberg; 
sie sollten erkunden, was für ein Vertrag zwischen Rath 
und Gemeinde geschlossen worden sei, und sowohl den 
Räthen seiner Neffen als dem Freiberger Rathe unumwunden 
Wilhelms Missbilligung zu erkennen geben. Insbesondere 
versagte der Herzog seine Einwilligung zu der Abmachung, 
dass die Stadt Ersatz für die von den Kreuzigern geraubte 
Habe leisten und sich dafür an ihre Güter halten sollte. 

Die Verhandlungen der Räthe führten indes bald zu 
einer Verständigung; Wilhelm erklärte sich schliesslich 
im grossen und ganzen mit den getroffenen Massregeln 
einverstanden; nur die Art, wie das confiscierte Gut er- 
stattet werden sollte, scheint er noch bemängelt zu haben. 18 *) 
Inzwischen hatten mehrere der Kreuziger um freies 
Geleit gebeten, um sich wegen der ihnen zur Last ge- 
legten Verbrechen zu entschuldigen. Wilhelm verwandte 
sicn für sie; aber Ernst und Albrecht nahmen Anstand, 
ihr Gesuch zu gewähren. Es gebe viele Kreuziger zu 
Freiberg und an anderen Orten, neisst es in ihrem Schrei- 
ben vom 18. September, die an jenen Thaten unschuldig 
seien, und diese würden in keiner Weise behelligt; aber 
denen, welche die Räubereien verübt und den Petrikirch- 
hof besetzt hätten, könnten sie kein Geleit geben. 

Die Vertriebenen, deren Lage immer bedrohter wurde, 
wandten sich nochmals an den Vogt und den Rath zu 
FreibJrg mit der Bitte, dass ihnen wenigstens für einige 
Tage Geleit gegeben würde, damit sie sich sammeln 
könnten; sie wollten sich dann ganz in der Landesherren 
Gehorsam begeben. Auch erboten sie sich, das geraubte 
Gut zurückzuerstatten, soweit es noch in ihrem Besitze sei. 
Vogt und Rath, die selbst in grosser Verlegenheit waren — 
Ernst und Albrecht drängten sie, den Frauensteinern 
schleunigst Ersatz zu leisten, Wilhelm hatte es verboten — 
theilten ihr Gesuch am 21. September diesem wie jenen mit. 

Einige Kreuziger hatten sich inzwischen nach Weimar 
zu Herzog Wilhelm begeben imd überreichten diesem 
am 26. September ein langes Schreiben, in dem sie die 
ganzen Vorgänge von ihrem Standpunkte aus schilderten. 
Sie beriefen sich dabei auf die päpstlichen Gebote: nicht 

'•*) Das uns vorliegende flüchtige Coneept eines Schreibens des 
Herzogs an seine Neffen vom 12. September ist nicht ganz ver- 
ständlich. 



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74 



1468 um Gutes, sondern um Gottes Willen hätten sie die Nähme 
verübt; hätten sie gewusst, dass ihr Verfahren ihren Herren 
unangenehm sei, so würden sie es ganz unterlassen haben. 
Auf den an den Rath ergangenen Befehl, sie in Haft zu 
nehmen, hätten sie sich zu allem bereit erklärt, was man 
von ihnen verlangen würde; da aber seien die Herzöge 
mit vielem Volke — vielleicht „durch unbeständiges Vor- 
bringen etlicher ihrer Abgönner" veranlasst — gegen sie 
gezogen, und sie hätten in Sorge für ihr Leben fliehen 
müssen. Ihre neuerdings an den Rath gerichtete Bitte, sie 
wieder aufzunehmen, sei von den Landesherren abge- 
schlagen worden. So seien sie vertrieben und müssten 
mit Weib und Kind zu Bettlern werden. Und doch seien 
sie ihre Lebtage niemals Räuber gewesen, sondern sie 
hätten sich meist redlich mit ihren Handwerken ernährt; 
Lucas Schönberg aber mit seinem Bergbau — „ich habe 
euern Gnaden mehr Silbers geantwortet und erbauet als 
irgend ein anderer in langer Zeit gethan hat u , so sagt 
derselbe von sich. Sie baten den Herzog inständigst, sie 
wieder in Gnaden aufzunehmen und sich auch bei seinen 
Neffen für sie zu verwenden. 

Der Leser dieser beweglichen Bittschrift fühlt in der 
That Mitleid mit den Irregeleiteten. Bei vielen derselben 
war es sicher nur eine absonderliche Art der Frömmig- 
keit, die bei dem rohen Charakter der Zeit diese gewalt- 
tätigen Formen annahm. 

Wilhelm antwortete dem Freiberger Rathe auf sein 
Schreiben vom 21. September ziemlich kurz: e% werde 
bei einem auf den 10. October angesetzten Tage zu Erfurt 
die Sache mit seinen Neffen des weiteren besprechen. Was 
die Rückgabe der Güter anlange, so werde ihnen ja wohl 
seine Antwort noch in Erinnerung sein; was davon noch 
vorhanden, sollten sie den Besitzern überantworten, auf Ent- 
schädigung für das übrige sich jedoch gar nicht einlassen. 

Gern willigten Ernst und Albrecht in die Abhaltung 
eines Tages zu Erfurt. Zugleich aber Hessen auch sie 
Verhandlungen mit den Kreuzigern anknüpfen, und diese 
verpflichteten sich schliesslich, nach Leipzig zu kommen 
und sich in den Gehorsam der Brüder zu begeben. Was 
dort abgemacht worden ist, wissen wir nicht; ebenso ist 
uns nicht bekannt, welche Beschlüsse wegen der flüch- 
tigen Kreuziger auf dem noch zu erwähnenden Tage in 
Erfurt gefasst wurden, da das über denselben vorhandene 
Instrument sie gar nicht erwähnt. Jedenfalls wurde noch 



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75 



mehrmals, so im Anfange December zu Meissen, mit ihnen 1468 
verhandelt, schliesslich jedoch ein Ausgleich erreicht. Den 
Beraubten zu ihrer Habe zu verhelfen, hielt freilich schwer; 
noch am 13. December erging ein Befehl an den Rath 
zu Freiberg, derselbe solle die Kreuziger zur Auszahlung 
der 146 Schock 10 Gr., die sie den Frauensteinern als 
Ersatz für das Geraubte zu geben sich verpflichtet hatten, 
nöthigen. I85 ) Die Behauptung, dass sie in landesherr- 
liche Kriegsdienste eingetreten seien, ist nicht beweisbar. 186 ) 
Auch noch später finden wir Spuren ihrer Thätigkeit. 
So klagt König Georg in einem Schreiben an die herzog- 
lichen Brüder vom 20. Februar 1469, dass Paul Meissner 
von Freiberg und sein Hausknecht Philipp Juncker der 
Regina, der Frau eines gewissen Kaufmanns Valentin aus 
Prag, seidene und andere Waaren in der Nähe von Frei- 
berg abgenommen haben, und bittet, derselben zu ihren 
Gütern wieder zu verhelfen. 181 ) Können wir hier nur 
vermuthen, dass kein gewöhnlicher Strassenraub, sondern 
ein Werk der Kreuziger vorliegt, so ist dies in einem 
anderen Falle, der noch mehrfache Reclamationen be- 
wirkte, ganz klar. Unter den geraubten Salzwagen be- 
fanden sich auch solche, die den Unterthanen der Agnes 
von Landstein, zu Graupen in Böhmen gesessen, gehörten ; 
den letztern waren einige der Räuber l>ekannt geworden, 
und sie nannten die theilweise anderweit als Kreuziger be- 
zeichneten Georg Wagner, Merten Ortwein, die Schuster 
Grunbach und Zipser, die Büttner Feielrose und Gelhar, 
Lorenz Strol, den Fleischer Georg von Dippoldiswalde. 
Ilire Herrin hatte nun bereits zu wiederholten Malen so- 
wohl die Stadt Freiberg als die beiden Herzöge um Er- 
satz für den angerichteten Schaden, der auf 80 Schock 
geschätzt wurde, gebeten; die Fürsten hatten ihr auch 
mitgetheilt, dass einige Kreuziger sich mit ihnen ausge- 
söhnt hätten, aber mit dem Zusätze, dass diese nicht im 
Stande seien, den geforderten Ersatz zu leisten. Obwohl 
nun Agnes von Landstein in einem Schreiben vom 21. Febr. 
1469 mit Recht darauf hinwies, dass ja die Thäter sämmt- 
lich in Freiberg mit Haus und Hof angesessen seien und 
dass die Landesherren sich also täglich an sie halten und 
sie zwingen könnten, Ersatz zu leisten, blieb ihr Gesuch 
doch, wie es scheint, erfolglos; noch im September 1469 

m ) Sammlung vermischter Nachrichten 1, 268. 
,M ) v. Langenn, Albrecht der Beherzte 410. Vergl. oben Anm.29. 
Original im WA. Böhm. Sachen K. I Bl. 203. 



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76 



schrieb sie dringend in dieser Angelegenheit und berief 
sich dabei darauf, dass anderen der geforderte Ersatz ge- 
leistet worden sei. I88 ) 

Noch 1470 waren die Kreuziger nicht allen Ver- 
pflichtungen zum Ersatz des Geraubten nachgekommen 
und wurden deshalb von Ernst und Albrecht mit einer 
Geldbusse von 100 Schock bedroht; dies veranlasste wieder 
Beschwerden von Seiten des Herzogs Wilhelm, über welche 
am 29. Januar 1470 auf einem Münzprobationstage zu 
Leipzig verhandelt wurde. 189 ) 

1468 Die Freiberger Kreuziger unruhen sind nur eine ein- 
zelne Episode aus jener aufgeregten Zeit; an andern Orten 
mag ähnliches vorgekommen sein. Allenthalben waren 
die Bemühungen der deutschen Fürsten darauf gerichtet, 
dem Unwesen ein Ende zu machen 

Hauptsächlich diesem Zwecke dienten auch die Ver- 
handlungen, die um die Mitte October zwischen den sächsi- 
schen Fürsten und dem Markgrafen Albrecht zu Erfurt 
stattfanden. Sie betrafen insbesondere die Kreuzpredigt, 
die Sammlung von Ablassgeldern, das Verbot des Verkehrs 
mit Böhmen imd den zehnten Pfennig von der Geistlichkeit, 
mit welchem der Papst dem Könige Matthias die stets 
ausgehenden Kriegsmittel zu ergänzen suchte. 1 90 ) Es wurde 
vereinbart, dass der Fürst, welchen der päpstliche Legat 
zuerst in dieser Sache angehen würde, nicht sofort Ant- 
wort geben, sondern die anderen benachrichtigen und 
ihnen einen Tag zur Berathung anberaumen sollte; was 
auf diesem Tage beschlossen werde, sollte für alle bindend 
sein. Zugleich wurde bestimmt, dass man sich auch über 
das Verhalten der anderen deutschen Fürsten unterrichtet 
halten solle; Ernst und Albrecht sollten deshalb bei den 
Erzbisch öfen von Salzburg und Köln, dem Pfalzgrafen 
und den bayerischen Fürsten, Herzog Wilhelm bei den 
Erzbischöfen von Mainz und Magdeburg und bei den 
hessischen Fürsten, Markgraf Albrecht bei dem Erzbischof 

•••) Original im WA. Böhm. Sachen Kapsel I Bl. 204. 294. 

,M ) Gemeinschaft!. Archiv zu Weimar Reg. U fol. 24 No. 6. 

»••) Vergl. Eschenloer (SS. rer. Sil. VII) 190 und das Schreiben 
des Legaten Laurentius Rovarella an Bischof Rudolf von Breslau 
d. d. 1468 Oct. 5 SS. rer. Sil. IX, 297. Eine Aufforderung des Erz- 
bischofs Johann von Magdeburg an Bischof Dietrich von Meissen zu 
einer Berathung wegen des Zehnten d. d. 1468 Oct. 29, die den 
letztern zu sorglicher Wahrung seiner exempten Stellung dem Erz- 
bischofe gegenüber veranlasste, s. Cod. dipl. Sax. reg. II. 3, 180 fg. 



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77 



von Trier, dem Bischof von Metz, dem Markgrafen von I4f>8 
Baden, den von Württemberg und anderen weltlichen 
Fürsten, Grafen, Herren und Edelleuten, sowie bei den 
ihm nahe gelegenen Reichsstädten fleissige Forschung 
halten und das Ergebnis derselben den anderen mit- 
theilen. 19 1 ) 

Für den November wurde ein Fürsten tag nach Mün- 
chen ausgeschrieben, der jedoch nicht hier, sondern in 
Landshut abgehalten wurde 192 ) und auf dem dieselben 
Gegenstände zur Sprache kamen. Die sächsischen Her- 
zöge sandten Burggraf Georg von Leisnig und Herrn 
Kaspar von Schönberg als ihre Vertreter dorthin und 
wiesen dieselben an, vorher mit den Herzögen Ludwig 
und Sigismund von Bayern allein zu verhandeln, um deren 
Meinung in Erfahrung zu bringen. Ihre uns vorliegenden 
Instructionen sind, wie dies leider gebräuchlich geworden 
war, so gehalten, dass sie in der Hauptsache jeden Be- 
schluss vereiteln mussten. Sie knüpfen an kürzlich ein- 
gelaufene päpstliche und kaiserliche Schreiben an, welche 
Kreuzpredigt, Ablasshandel, Zehntenforderung und den 
geplanten allgemeinen Krieg gegen Georg betrafen. Wür- 
den sie um die Ansicht ihrer Fürsten über diese Schreiben 
befragt, so sollten sie erklären, dass dieselben erst un- 
mittelbar vor ihrer Abreise eingelaufen und ihnen die 
Entschlüsse ihrer Herren daher nicht bekannt seien; 
sie sollten darum auch die Meinung der anderen Fürsten 
lediglich ad referendum nehmen. „Von sich aus und nicht 
aus unserm Befehle" sollten sie sodann die Anschauungen 
ihrer Herren über die Kreuzpredigt, den Ablasshandel 
und den Verkehr mit Böhmen vortragen. Die Kreuz- 
predigt hätten dieselben schon vor einem Jahre gestattet 
imd wollten ihr, „wiewohl das zu der Zeit wenig Frucht 
gebracht hätte", auch jetzt kein Hindernis in den Weg legen, 
„doch so das fürder sollte verkündigt werden, dass das 
mit Ordnung geschehe, als dass nicht das gemeine Volk 
und unendlich Pofel alleine dazu bewegt und mit dem 
Kreuze gezeichnet würde, dadurch ihren Gnaden als 
Fürsten der Lande mehr Widerwärtigkeit dann den Un- 
gläubigen davon entstehen möchte". Nur die besonders 
Bevollmächtigten sollten das Kreuz ertheilen dürfen und 

'•') Vergl. Beilage 7. Angesetzt war der Tag auf den 10. Oc- 
tober, 8. oben S. 74. 

„Die fursten, so zum tag gen München beschieden sein, der 
zu Landshut gehalten worden» HStA. Con. 12. fol. 70 b. 



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78 



1468 auch diese nur an solche, die gehörig gerüstet und ihrem 
Vermöffen nach im Stande wären, che festgesetzte Zeit 
im Feie le zu bleiben, nicht aber an leichtfertige Leute, 
die nur zum Scheine das Kreuz nehmen und dadurch 
„eine Freiheit haben" wollten, einen Tag wider die Un- 
gläubigen zu ziehen, den andern Tag das Kreuz abzu- 
reissen und davonzulaufen. Entschiedener noch sollten 
die Gesandten sich gegen den Ablasshandel und die Er- 
hebung des Zehnten aussprechen, weil durch ersteren 
schon früher das niedere Volk, das zur „Innigkeit" ge- 
neigt sei, furchtbar ausgesogen und viel Geld ausser 
Landes gebracht worden sei, die Erhebung des Zehnten 
von der Geistlichkeit aber in ihren Landen nie stattge- 
funden habe; auch sei zu vermuthen, dass das, was ein- 
komme, zu anderen als den angegebenen Zwecken ver- 
wendet werden möchte. Wenn von der deutschen Nation 
etwas in der Sache geschehen solle, so müsse ein „ge- 
meiner Tag" angesetzt werden. Werde dann ein Reichs- 
krieg beschlossen, so würden die Herzöge es an sich nicht 
fehlen lassen; aber allein den Krieg anzufangen und ihn 
anderen abzunehmen, das würde innen und dem Reiche 
nur schaden können. 193 ) 

So hatte der Landshuter Tag nicht mehr Erfolg als 
seine Vorgänger. Wenn hier und auf einem Speierer Tage, 
der wohl kurz nachher stattfand, Anschlage über die zu 
leistende Kriegshilfe aufgestellt wurden, so hatten dieselben 
so gut wie gar nichts zu bedeuten. 194 ) 

Auch die Frage des Handelsverkehrs mit Böhmen 
hatten die nach Landshut bestimmten Gesandten zu be- 
rühren gehabt: derselbe sei schon lange in Sachsen ver- 
boten. Das war wohl richtig, aber die Lage der Lande 
und ganz besonders auch der Umstand, dass im Herbst 
1468 eine Theuerung entstand, machten eine strenge Durch- 
führung des Verbots, wenn eine solche überhaupt beab- 
sichtigt war, unmöglich. A9Ä ) Der Legat zu Breslau, dessen 

'•*) Die Instruction zur Verhandlung mit Ludwig vergl. Beilage 9. 
Entsprechend lauten die Werbungen an Herzog Sigmund und „an 
die Fürsten und der Fürsten Räthe itzund auf dem Tage zu München" 
(in demselben Aktenstücke). Der Credenzbrief für die Gesandten 
d. d. 1468 Nov. 9 s. HStA. Loa 7385 Acta die Churfürstentage zu 
Frankfurt 1461, München 14G8 u. s. w. fol. 2. Vergl. auch Jordan 
296 Anm. und Kluckhohn 285 Anm. 

■•*) HStA. Cop. 12 fol. 70. 

'•*) Tempore autumni ist das jare in Meissner lande und sust 
an vil andern enden das nasse jare gewest, hirumbe ein kleine zceit 
theurung im lande worden. HStA. Uop. 1301 fol. 48. 



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79 

• 

rücksichtsvolle Haltung wir schon mehrfach hervorzuheben 1468 
ehabt haben, tru^ dem Rechnung und bevollmächtigte 
en Dominicaner Dr. Joh. Breslauer für gewisse Fälle 
mit der Ertheilung von Ablass wegen Verletzung der 
päpstlichen Bulle. Insbesondere sollte es den Böhmen ge- 
stattet sein, Getreide, Korn und Hafer einzuführen und 
dafür Salz, Häringe, gesalzene Fische u. a., aber nicht 
Wehr und Waffen einzuhandeln und über die Grenze zu 
schaffen; doch sollten sie nicht länger beherbergt werden 
als durchaus nöthig und namentlich keine Kirche betreten. 
Dies wurde in den Grenzorten Böhmens und im Lande selbst 
bekannt gemacht. 196 ) Die wiederholten Verbote und Dro- 
hungen der Landesherren und des Legaten beweisen, dass die 
Ausnahmen bald zur Regel wurden; wir werden auf diesen 
Punkt, der immer von neuem den Landesherren Un- 
annehmlichkeiten bereitete, noch zurückzukommen haben. 



IV. 

Die Erfurter Abmachungen blieben wenigstens wäh- 
rend der nächsten Monate massgebend für die Politik von 
Ernst und Albrecht. Als im Öecember der Bischof von 
Würzburg ein Ausschreiben wegen des durch die päpst- 
liche Bulle vom 20. April 1468 vorgeschriebenen Setzens 
von Opferstöcken in allen Städten und Diöcesen erliess 
und gleichzeitig der päpstliche Legat dem Markgrafen 

'•■) Yergl. ein Rundschreiben von Ernst und Albrecht an die 
Amtleute d. d. 1468 Nov. 16 (WA. Böhmische Sachen K. IV Bl. 
124) und ein Schreiben des Bischofs Rudolf von Breslau an Bischof 
Dietrich von Meissen d. d. 1468 Dec. 12 (Cod. dipl. Sax. reg. IL 
3, 180). Bereits am 21. October hatte Joh. Breslauer den Leuten 
der Frau von Waldenburg den Handelsverkehr mit den christlichen 
Böhmen gestattet. HStA. Orig. 8035. Vergl. auch den Dialog 
des Johannes Rabensteinensis (Anfang 1469): ümnes oras confinium 
penes Bohemiam frumento adipe pinguetudine in Bohemia collectis 
vivere oportet, quibus rebus commutacionis titulo sal, quo solum ad 
victum necessario egent, et cetera Bohemi facile acquiruntj et 
facient certe, quoniam absque frumento ille vulgaris Boheraie vicinus 
populus enervatur. Archiv f. Österreich. Gesch. LIV, 383. Vides 
emm, quot pene corporales et pecuniarie Theutonis, ne commeatum 
salis permittant, infliguntur, quibus omnibus postpositis sal in com- 
mutacionem frumenti dant, ne frumenta ceteraque careant annona, 
cujus ob carenciam jam plerique fame compulsi suos dulcissimos 
penates fere relinquere compelluntur ... In marchie Missnensis 
confinibus magna tocius annone extat caristia et tanta, quod clamore 
pauperum nimio Missnensibus ad aliquod tempus salis cum frumento 
commutacionem legatus concessit pontificis summi. Ebendas. 398, 



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so 



1469 Albrecht seinen Bestich auf Anfang Januar in Aussicht 
stellte, um, wie dieser glaubte, die Landsliuter Proposi- 
tionen ,f *) noch einmal vorzubringen, machten der Mark- 
graf und Herzog Wilhelm sofort davon die nöthige Mit- 
tneilung an Ernst und Albrecht und setzten auf den 
15. März einen Tag zu Naumburg zu weiteren Verhand- 
lungen an, zu dem auch Kurfürst Friedrieh von Branden- 
burg und der Landgraf von Hessen geladen werden sollten l98 ) 
Wenige Wochen nach dieser Korrespondenz, am 1. Fe- 
bruar 14G9, wurden Ernst und Albrecht durch Schreiben 
des Bischofs Laurentius von Ferrara, des Grafen Hugo 
von Montfort namens des Kaisers und des Propstes Georg 
von Pressburg namens des Königs Matthias zu einem auf 
den 19. Februar angesetzten Reichstage nach Regensburg 
eingeladen. Ein dem kaiserlichen Schreiben beiliegender 
Zettel besagte, dass auf diesem Tage verhandelt werden 
solle „von Hauptleuteu und wie viel Volks zu Ross und 
zu Fuss man aus deutschen Landen anschlagen solle", 
ferner „um Verständnis zu machen zwischen den Haupt- 
leuten in deutschen Landen und dem Könige von Ungarn*. 
Die Lage Georgs schien so bedenklich, dass man sich 
nicht mehr hinter den Türkenkrieg verstecken zu brauchen 
glaubte*, andrerseits war aber doch Matthias nicht im 
stände, allein mit dem Ketzer fertig zu werden. Die 
sächsischen Fürsten erfüllte die Botschaft mit nicht ge- 
ringem Unwillen; sie verhehlten nicht, „dass es sie ver- 
wundere, solche Sachen zu schreiben und vorzunehmen, 
davon vorher mit uns allen unsres Wissens kein Handel 
gewest ist." Aber es befremdete sie auch, dass ihr Oheim, 
dem sie darüber berichteten und der, wie ihnen mitgetheilt 
wurde, bereits vor ihnen ähnliche Schreiben erhalten hatte, 
sie nicht davon unterrichtet habe. Ifi ) Wilhelm entschul- 
digte sich: er habe gewusst, dass die Botschaft auch an 
seine Neffen kommen werde, und habe daher von einer 
besonderen Benachrichtigung abgesehen; übrigens werde 
er, obwohl auch ihm über das Programm des Tages vor- 
her nichts mitgetheilt worden sei, seine Boten doch nach 
Regensburg schicken, jedoch nur zur Berichterstattung. 200 ) 



'*") Ueber dieselben sind wir übrigens nur mittelbar durch die 
Instruction der sächsischen Gesandten (Beilage 9) unterrichtet 

•••) WA. Böhm. Sachen Kaps. IV Bl. 125. Bejahende Ant- 
wort d. d. 1469 Jan. 22 (Concept) ebendas. Kaps. V Bl. 254. 

»••) Bachm., ürk. u. Aktst. 456.Conc. WA. Böhm. Sachen K.IVB1. 126. 

>••) Bachmann a. a. 0. 457. Original WA. a. a. 0. Bl. 127. 



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81 



Ohne Zweifel entsprach die Haltung Wilhelms nicht 1469 
ganz den Erfurter Verabredungen. Das Einvernehmen 
zwischen Oheim und Neffen schien überhaupt ein immer 
weniger gutes zu werden, während die Politik der Bran- 
denburger sich mehr und mehr der Wilhelms näherte. 
Bereits im Sommer 1468 hatte der letztere auf einer Zu- 
sammenkunft zu Schleiz eine engere Vereinigung mit jenen 
geschlossen. 201 ) Die Freiberger Wirren hatten schon Zeug- 
nis von einer bedenklichen Gereiztheit zwischen den beiden 
Linien des Hauses Wettin abgelegt. Dazu kamen neben 
den niemals aufhörenden Mtinzdifferenzen vor allem zwei 
Punkte, die viel böses Blut machten: die Erbhuldigung, 
welche die jungen Herzöge bis jetzt vergeblich von den 
Gebieten ihres Oheims gefordert hatten, und der Schutz, 
den sie dem mit Wilhelm verfeindeten Grafen .Ernst von 
Hohnstein angedeihen Hessen. Was die Erbhuldigung an- 
langt, so hatten Ernst und Albrecht auf Grund der be- 
stehenden Familienverträge unmittelbar nach ihres Vaters 
Tode darum ersucht; Wilhelm jedoch hatte verlangt, dass 
sie zunächst die (Gesammt-)Belehnung vom Kaiser em- 

E fangen sollten, und als sie diese erlangt, sie immerfort 
ingehalten. Vergeblich wurden die Neffen immer dringen- 
der: weder auf dem Tage zu Naumburg am 15. März 1469, 
noch auch bei späteren Verhandlungen, die wir im ein- 
zelnen hier nicht verfolgen können, erlangten sie, was sie 
wollten. 10 *) Ende Juni 1469 wollte Herzog Albrecht noch 
einmal persönlich mit Herzog Wilhelm darüber sprechen; 
auf einer Reise an den kaiserlichen Hof, die wir in an- 
derem Zusammenhange zu erwähnen haben werden, be- 
suchte er auch Jena und bat den Oheim, dort zu einer 
freundlichen Unterredung zu erscheinen. Allein als Al- 
brecht nach Jena kam, war in seinem Gefolge eben jener 
Graf Ernst von Hohnstein, und für diesen Fall hatte Wil- 
helm seinen Räthen Befehl gegeben, zu sagen, dass er 
verhindert sei. Albrecht reiste ihm darauf nach Rudol- 
stadt nach, wo Wilhelm sich beim Grafen Heinrich von 
Schwarzburg aufhielt; der erzürnte Oheim wich ihm auch 
hier aus. Seine Antwort auf Albrechts unwilligen Brief, 
in dem derselbe seine vergeblichen Bemühungen schilderte, 
sprach sich rund und entschieden gegen die Vornahme 

* 0 ') Vergl. die Urkk. von 1468 Aug. 28 bei Riedel, Cod. dipl. II, 
5, 124. 126. 

,01 ) Die betreffenden Schriftstücke befinden sich im WA. Hand- 
schreiben Bl. 88. nuldigungssachen Bl. 1—7. Irrungen Bl. 6—8. 

Ermtsch, Studien. 6 



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SÄ 

W& de? Ertiöi^i^ as*. Albr>echt wollte nun die Sache am 
k^serü^brn fiof-r wrhcf fuLreu und erbat sich Zusendung 
drr b-trefexks Urkunden des Meissner Archivs nach 
Nürnr^Tg-***/ 

E* wäre von nicht geringem Interesse, die tieferen 
Ursachen dk*er heftigen Verstimmung zwischen den Höfen 
Ton Weimar und Meissen und der auffallenden Weigerung 
Wilhelms einer d«>ch wohl unzweifelhaften Verpflichtung 
gegenüber ru kennen; aus den uns vorliegenden Akten 
ergeben sie sich nicht, auch ist es nicht unsere Aufgabe, 
ihnen hier weiter nachzugehen. Lagen ihnen vielleicht 
Combinationen zu Grunde, die es Wilhelm geflissentlich 
vermeiden Hessen, seine Neffen als Erben anzuerkennen? 
Die politische Hinterlassenschaft des Markgrafen Albrecht 
von Brandenburg, die über so viel dunkles Auskunft 
giebt, iasst uns hier vollständig im Stiche. — 

Doch wir sind den Ereignissen vorangeeilt und kehren 
wieder in den Anfang des Jahres 1469 zurück. Der an- 
gekündigte Reichstag fand vom 22. Februar bis 11. März 
zu Regensburg statt, war aber sehr schwach besucht und 
hatte so gut wie kein Resultat Der Reichskrieg gegen 
Böhmen, der Hauptgegenstand der Tagesordnung, schei- 
terte daran, dass die sächsischen und brandenburgischen 
Gesandten erklärten, sie hätten keine andere Vollmacht 
als „zu vernehmen und zu hören, was das Vornehmen 
sei, und das wieder an ihre gn. Herren zu bringen", 
während Herzog Ludwig von Bayern dem Plane nicht 
abgeneigt war. ' 204 ) Wohl mochte der Legat zornig sein 
auf die Herren von Meissen 205 ), deren Einfluss man ge- 
wiss nicht mit Unrecht die Hauptschuld an dieser aus- 
weichenden Antwort gab. Ebenso wenig kam es zu der 
vorgeschlagenen Einung der Fürsten mit dem Kaiser, in 
die auch König Matthias aufgenommen werden sollte; 206 ) 

»•») Vergl. WA. Handschreiben Bl. 3. 84. 117. 82. 

,04 ) Vergl. den Bericht des Joh. Hausner nach Eger von 1469 
Marz 7 bei Bacbmann a. a. O. 460. Den Irrthum Palackys (IV, 2, 
668), der annimmt, wegen der Abwesenheit der sächsischen und 
brandenburgischen Gesandten sei kein Beschluss zu Stande gekom- 
men, hebt bereits Kluckhohn 287 Anm. hervor. Die Instruction Lud- 
wigs für Martin Mayr s. Kluckhohn 380 fgg.; die Hauptmann schaft 
in dem etwaigen Reichskriege wünschte Ludwig einem sächsischen 
oder bayerischen Fürsten übertragen zu sehen. 

•••) Hern der legat ist zornig auf den herrn von Meissen. Bach- 
mann a. a, 0. 464. 

•••) Hieran glauben wir, mit Rücksicht auf die den sächsischen 



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83 



endlich hatte auch Ludwig keinen Erfolg mit dem Plane 1469 
einer Defensivallianz zwischen Pfalz, Bayern, Sachsen und 
wenn nöthig Brandenburg, der ihn eifrig beschäftigte. 10 ') 
Der einzige Beschluss, der auf dem Tage gefasst wurde, 
war der, dass auf Georgi (23. April) eine Vorbarathung 
der fürstlichen Räthe zu Regensburg, am 11. Mai ein 
neuer Reichstag zu Nürnberg stattfinden sollte. 

Noch waren die Verhandlungen in vollem Gange, als 
ein Ereignis bekannt wurde, das die gesammte Sachlage mit 
einem Schlage umzugestalten schien. König Georg hatte 
seinen Gegner bei Wilimow so eingeschlossen, dass dem- 
selben nur die Wahl zwischen Untergang und Capitula- 
tion blieb. Die Folge war der am 27. Februar zu 
Auhrow abgeschlossene Waffenstillstand, an den sich 
Friedensverhandlungen zu Olmütz anschliessen sollten. 
Ganz unverhofft zeigte sich am politischen Horizonte noch 
einmal die Möglichkeit eines friedlichen Ausgleichs, und 
es ist bezeichnend, dass, so fanatisch das Volk jener Tage 
auch war, doch diese Aussichten allgemein mit Jubel be- 
grüsst wurden. 208 ) 

Unter dem Eindrucke der Capitulation von AVilimow 
schloss der Regensburger Reichstag; unter demselben Ein- 
drucke fand auch die verabredete Zusammenkunlt zwischen 
den drei sächsischen Fürsten und dem Markgrafen Albrecht 
von Brandenburg zwar nicht am 15., aber am 21. März 
zu Naumburg statt; 2 " 9 ) sie diente unter den veränderten 
Verhältnissen jetzt hauptsächlich zu Vorbesprechungen für 
die auf Georgi festgesetzten Regensburger (Konferenzen. 
Es waren dieselben Personen, die wenige Monate früher 
sich in Erfurt zu gemeinsamem Handeln verbunden hatten; 
indes mag die Hoffnung, dass der Krieg demnächst ein 
Ende nehmen werde, oder mögen die wiederholten Zwistig- 

Fürsten übermittelten Reichstagspropositionen (oben S. 23), trotz der 
leisen Zweifel Kluckhohns (287 Anm.) festhalten zu müssen. 

* 0T ) Vergl. die schon erwähnte Instruction bei Kluckhohn 380. 
Sonstige Nachrichten über den Regensburger Tag bei Palacky IV, 
2, 556 fgg. Kluckhohn 284 fgg. 

J01 ) Interea multi et varii rumores in terra Misne et aliis pro- 
vinciis oriebantur de tractatibus Ulis; communis omni am opinio de 
firmata pace fuit; nam ad malum omnes loquentes iuclinati proh dolor 
sunt, scandalum sedis apostolice malentes quam honorem. Eschen- 
loer (SS. rer. Sil. VII) 200. Vergl. Palacky IV, 2, 566 fg. 

"•) Vergl. oben S. 80. 1469 März 15 erklären Herzog Wilhelm 
und Markgraf Albrecht, nicht, wie beabsichtigt war, am 19., sondern 
erst am 21. März nach Naumburg kommen zu können. WA. Hand- 
schreiben Bl. 1. 

6* 



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84 



1469 keiten und das gegenseitige Misstrauen die Ursache ge- 
wesen sein, der Nauinburger Tag hob jene Erfurter Ver- 
bindung völlig auf. Auf die Frage des Markgrafen, ob 
sie in Kraft des Abschieds zu Erfurt gemeinschaftlich 
zu Regensburg handeln wollten, antworteten Ernst und 
Albrecht: sie hätten jenem Abschiede Genüge geleistet 
und es sei nicht nothwendig, ferner n in Kraft desselben" 
zu handeln; trotzdem erklärten sie sich zu einer gemein- 
samen Haltung bereit. Auch bei diesen Vorbesprechungen 
standen die beiden Punkte im Vordergrunde, die jüngst 
auf dem Regensburger Tage den Mittelpunkt der Ver- 
handlungen gebildet hatten: das Bündnis mit dem Kaiser 
und der Krieg gegen Georg. In Bezug auf ersteres er- 
klärte Albrecht, dass seine Räthe die Sache nach wie 
vor nur ad referendum zu nehmen hätten, und dem 
schlössen sich die meissnischen Fürsten an. Was Georg 
anlangt, so äusserten Ernst und Albrecht, so lange sie den 
Krieg vermeiden könnten, würden sie es thun; „wo es 
aber ja auf das Härteste kommt und Ehren und Gewissens 
halber nicht anders sein mag, wollen sie sich von Papst, 
Kaiser, Kurfürsten und andern christlichen Fürsten im 
Reich nicht setzen. tt Markgraf Albrecht bezeichnete dies 
auch als die Ansicht des Hauses Brandenburg; er traute 
indessen seinen Schwägern gar nicht recht: „Wir halten 
es dafür, dass sich unsere Schwäger weiter vertieft haben 
um ihres eignen Nutzens willen, dann sie vielleicht uns 
sagen, oder wissen vielleicht, dass der Girsick eine Rich- 
tigung hat, von der wir nichts wissen, und sie meinen 
vielleicht, wir sollten aussher biedern, dass sie den Dank 
gegen ihn allein behielten. Wir wollen Forschung nach 
den Dingen allen haben; desgleichen wollen wir auch 
thun, auf dass man sich von allen Theilen darnach habe 
zu richten; denn die Sage ist hie, sie seien gerichtet." 210 ) 
Der Kurfürst schloss sich der Meinung seines Bruders 
in allen Stücken an; den Krieg mit Böhmen wollte auch 
er so lange als irgend möglich vermeiden, von dem Bünd- 
nisse mit dem Kaiser aber vollends gar nichts wissen. 1 ") 



Schreiben des Markgrafen Albrecht an Kurfürst Friedrich 
d. d. 1469 März 23 bei Palacky, Urk. Beitr. 567 und Riedel, Cod. 
dipl. Brand. III, 1, 499. Das Schreiben haben Minutoli (Kaiserl. 
Buch 330) und Droysen (Sitzungsberichte der k. sächs. Gesellsch. d. 
Wissensch. 1857. IX. 171 fg.) irrig ins Jahr 1468 gesetzt; vergl. 
Palacky IV, 2, 569 fg. Droysen, Gesch. d. preuss. Politik II, 1, 244. 
■■»; Schreiben von 1469 April 5 bei Riedel III, 2, 42. 



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85 



Es war nur ein trtiglicher Schimmer von Frieden 1469 
gewesen, der im März die Gemüther erfreut hatte. Zwar 
schien es eine kurze Zeit, als beabsichtige Matthias, seinen 
Ehrgeiz auf ein anderes Ziel zu lenken: auf die römische 
Königskrone; er machte insgeheim Anstrengungen, sie 
mit Hilfe seines bisherigen Gegners Georg zu erlangen, 
und dieser schien auch nicht abgeneigt, ihn zu unter- 
stützen, jedoch nicht ohne Wissen und Willen der bran- 
denburgischen und sächsischen Fürsten. Span von Barn- 
stein, ein in Georgs Diensten viel gebrauchter Diplomat, 
war in dieser Sache im März 1469 zu Baiersdorf bei 
Markgraf Albrecht. 213 ) Doch musste der Ungarnkönig 
bald einsehen, dass die deutschen Fürsten wenig Neigung 
empfanden, einen Ausländer und ganz besonders ihn sich 
zum Herrn zu setzen. Sobald ihm dies klar geworden, 
strebte er nur danach, die Fesseln des Wilimower Ver- 
trages möglichst bald abzustreifen. Das wurde ihm leicht; 
denn sein Bundesgenosse war ja die Macht, die lösen und 
binden konnte. Wir gehen in das Detail der Olmützer 
Verhandlungen nicht weiter ein: ihr Resultat war nicht 
der Friede, sondern nur eine Verlängerung des Waffen- 
stillstandes bis Neujahr 1470, zugleich aber auch wenige 
Tage später die Wahl des Matthias zum Könige von 
Böhmen (3. Mai 1469), die jenen Waffenstillstand not- 
wendig aufheben musste. Von neuem sah sich Georg 
vor die Entscheidung des Schwertes gestellt. „Ich sah 
nie keinen grossmüthigen Mann lieber Friede haben; 
doch hat er nun erlernt, dass er den Frieden erkriegen 
muss und nicht mit Geduld oder Gütigkeit erlangen mag", 
schreibt Gregor von Heimburg am 4. Juli 1469 an Mark- 
graf Albrecht. 

Beide Theile waren jedoch in zu hohem Grade er- 
schöpft, als dass der Krieg sofort hätte ausbrechen können. 
Monate vergingen unter Vorbereitungen und insbesondere 
unter diplomatischen Verhandlungen*, Matthias und Georg 
sahen sich nach Bundesgenossen um. Diese Bedeutung 
hatte es, wenn der böhmische Landtag zu Prag Anfang 
Juni 1469 den polnischen Prinzen Wladislaw zum Nach- 
folger Georgs, der längst darauf verzichtet hatte, die 
Krone in seinem Hause zu vererben, designierte; gleich- 

11 *) Seine Instruction bei Bachmann a. a. 0. 485. Vergl. auch 
das eben citierte Schreiben Markgraf Albrechts von 1469 März 23 
und die Schreiben von 1469 März 26 und April 3 in Höflers Kais. 
Buch 186 fgg. 



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1469 zeitig wurde ein Bündnis mit Polen eingeleitet. Auch 
mit Frankreich und Burgund verhandelte Georg. 218 ) 

Um die Gunst der deutschen Fürsten warben beide 
Könige. Auf den Frohnleichnamstag 1469 (1. Juni) hatte 
König Matthias nach Breslau, wo er die Huldigung der 
Schlesier und Lausitzer entgegen nehmen wollte, sowohl 
den Kurfürsten Friedrich von Brandenburg 214 ) als die 
sächsischen Herzöge Ernst und Albrecht eingeladen. Ueber 
die Verhandlungen, die Matthias mit den Brandenburgern 
pflog, sind wir aus den Korrespondenzen des Kurfürsten 
mit seinem Bruder Albrecht gut unterrichtet. Er verlangte 
ein Bündnis und stellte dagegen Landerwerb und Geld- 
gewinn in Aussicht. Allein Kurfürst Friedrich benahm 
sich vorsichtig und zurückhaltend, besonders da Matthias 
sich auf die brandenburgischer Seits gewünschte eheliche 
Verbindung mit der Tochter des Kurfürsten nicht ein- 
lassen zu wollen schien. Es kam schliesslich zu gar nichts 
als zu sehr allgemein gehaltenen Freundschaftsversiche- 
rungen.* 14 ) Was Matthias mit den Räthen der sächsischen 
Fürsten verhandelt hat — persönlich scheint keiner der 
letzteren erschienen zu sein, oowohl Albrecht anfangs nach 
Breslau zu reisen beabsichtigte 2 1 6 ) — , wissen wir nicht; 
seine Anerbieten werden ähnlich gelautet haben, vielleicht 
stellte er ihnen Gebietserweiterungen in der Oberlausitz 
in Aussicht. 



"*) Vergl. das Schreiben des Markgrafen Albrecht von 1469 
Juli 1 bei Hofler, Kaiserl. Buch 195 fg. (Riedel III, 1, 611). 

>u ) 1469 Mai 16 theilt Kurfürst Friedrich die an ihn ergangene 
Einladung Emst und Albrecht mit uud bittet sie, ihm Räthe und 
Amtsleute zur Hilfeleistung anzuweisen, wenn in der Zeit seiner 
Abwesenheit dem Lande etwas zustiesse, wozu sich die Fürsten be- 
reit erklärten. WA. Brandenburg. S. Kaps. II Bl. 225 fg. 

a,J ) Schreiben Kurfürst Friedrichs von 1469 Juni 17 bei Höfler, 
Kaiser! Buch 191 fgg. ; über die projectierte Heirat vergl. auch 
ebendas. 186 fgg. (Riedel III, 1, 501 fgg ). Palacky, Urk. Beitr. 589. 
Droysen II, 1, 346 fg. Jordan 337 fgg. 

11 •) Die an sie ergangene Einladung ergiebt sich aus einem 
Schreiben Herzog Wilhelms von 1469 Juni 1. WA. Handschreiben 
Bl. 2. Das Verzeichnis der von der Stadt Breslau gespendeten 
Ehrengeschenke (Eschenloer SS. rer. Sil VII, 209) nennt unter den 
Empfangern zwar Friedrich und Johann von Brandenburg, aber 
keinen sachsischen Fürsten, sondern nur die „Räthe aus Meissen". 
Verhandlungen zwischen Matthias und den sächsischen Fürsten hatten 
übrigens schon früher stattgefunden , doch kennen wir ihren Inhalt 
nicht. Ein Beglaubigungsschreiben für einen Gesandten an Ernst 
und Albrecht d. d. 1468 Oct. 16 s. WA. Ungarische Sachen Bl. 4. 



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87 



Indes auch König Georg blieb nach wie vor mit den 1469 
sächsischen und brandenburgischen Fürsten in Fühlung.* 17 ) 

Ebenso bewarben sich beide Fürsten um die Gunst 
des Herzogs Ludwig von Bayern, der noch immer mit der 
Realisierung seines Lieblingsplanes, eines Defensivbundes 
gegen Georg, beschäftigt war. Diesem Zwecke sollte zu- 
nächst der Gesandtencongress, der auf Georgi 1469 nach 
Regensburg berufen war, dienen. Wie zwischen Mark- 
graf Albrecht und den sächsischen Fürsten zu Naumburg, 
so fand zu München eine Vorberathung zwischen den 
bayrischen Herzögen Ludwig und Albrecht statt, in wel- 
cher diese über eine Einigung, in die sie nebst dem Pfalz- 
grafen und den sächsischen Fürsten mit dem Kaiser treten 
sollten, schlüssig wurden. Ernst und Albrecht hatten mit 
ihrer Vertretung auf dem Regensburger Tage den ge- 
wandten Dr. Martin Mayr, die Seele der Politik Herzog 
Ludwigs, beauftragt, und man darf daraus schliessen, dass 
sie dem proponierten Bündnis nicht so abgeneigt waren 
als die branaenburgischen Fürsten. 118 ) Allein der Tag 
verlief ganz erfolglos, ohne Frage hauptsächlich in Folge 
der Haltung Brandenburgs. 2 1 9 ) Es kam nur der Entwurf 
eines engen Bündnisses zwischen dem Pfalzgrafen , den 
bayrischen Herzögen und dem Bischöfe von Würzburg zu 
stände; 220 ) an denselben knüpfte sich ein lebhafter diplo- 
matischer Verkehr zwischen Herzog Ludwig und den 
sächsischen Brüdern, deren Beitritt Ludwig sehr wünschte. 
Gleichzeitig bestürmten Boten des Kaisers, des Königs 
Matthias und des Königs Georg den Herzog Ludwig mit 
Anträgen auf eine engere Vereinigung; allein Herzog 
Ludwig war, wie Martin Mayr an Hugold von Schleinitz 
schreibt, „nit gemeint sich zu der einem diesmal zu thun, 
doch, so schlägt er nichts ab, wird sich der Läufe, wie 



,,T ) Vergl. z. B. das Schreiben Albrechts von 1469 Juli 1 bei 
Höfler, Kaiserl. Buch 195 (Riedel III, 1, 509). 

*") Vergl. Jas Schreiben des Mayr an Ernst und Albrecht 
d. d. 1469 April 22 (Beilage No. 11). Die Herzöge verwandten 
Martin Mayr übrigens auch sonst in ihrem Dienste. So antwortet 
er z. B. 1469 Oct. 19, er habe sich noch nicht, wie Herzog Albrecht 
gewünscht, zu Kurfürst Ernst begeben können, weil Herzog Ludwig 
ihm keinen Urlaub ertheilt habe. WA. Bergwerkssachen Kaps. I 
Bl. 31. 

*••) Vergl. Kluckhohn 288 Anm. 

"°) Es ist dies vielleicht der undatierte und ohne Nennung 
der Vertragschliessenden aufgesetzte Vertragsentwurf WA. Bünd- 
nisse Bl. 35 fgg. 



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88 



1469 sich die begeben, bass erkunden und dann gebührlich 
halten". Auf alle Fälle schien ihm jene Fürsteneinigung 
das Rathsamste zu sein. " *) Ernst und Albrecht schrieben 
darüber an Herzog Wilhelm; 212 ) er zeigte sich indes, 
wiederum in entern Anschlüsse an die Haltung Branden- 
burgs, ihren Wünschen nicht geneigt. Das Ende der 
Verhandlungen war der Abschluss eines allerdings sehr 
farblosen Defensivbündnisses zwischen Ernst, Albrecht, 
Herzog Ludwig und dem Pfalzgrafen (8. Juli 1469), bei 
dem übrigens die sächsischen Fürsten ihre freundschaft- 
liche Stellung zu Georg förmlich wahrten. 225 ) Unmittelbar 
darauf näherte sich zwar die bayerische Politik ausser- 
ordentlich dem Ungarnkönige 224 ); am 2. September 1469 
kam sogar das ersehnte Bündnis mit demselben zu stände. 
Allein auch dies war so vorsichtig abgefasst, dass es ihnen 
nicht viel nutzte. 22S ) 

Der auf den 11. Mai festgesetzte Reichstag zu Nürn- 
berg wurde erst auf Johannis 22 e ), dann auf Michaelis 227 ), 
endlich auf das nächste Jahr verschoben. 

So blieb der Ungarnkönig auch in dem zweiten Ab- 
schnitte des Krieges um die Krone Böhmens ohne Unter- 
stützung durch das Reich. Auch der Kaiser konnte ihm 
nicht helfen; wiederholte Aufstände seiner Vasallen in 
Steiermark, vor allem aber ein neuer Türkenzug, der 
erste, der die österreichischen Erblande empfindlich traf, 
banden ihm die Hände. Die sächsischen Fürsten dachten 
sogar an einen neuen Versöhnungsversuch; gegen Ende 
Juni sehen wir Herzog Albrecht zu diesem Zwecke 
in Wien weilen, ohne dass er jedoch bemerkbaren Erfolg 
erzielt hätte. 228 ) Im Gegentheil liest man aus einem an 
ihn gerichteten kaiserlichen Schreiben vom 28. Juli 1469 



"0 Schreiben von 1469 Mai 4, 6, 15, 16. Beilagen No. 12—15, 

,M j Schreiben von 1469 Mai 27 Beilage No. 16. 

Kremer, Kurfürst Friedrich von der Pfalz Urkk. 398. VergL 
Palacky IV, 2, 699. 

"*) Vergl. die Instruction der an König Matthias abgefertigten 
Käthe des Herzogs Ludwig (1469 Juli 21 fgg.) bei Palacky, ürk. 
Beitr. 600 fg. 

Krenier a. a 0 401. 

"•) Ernst und Albrecht an Wilhelm d. d. 1469 Mai 27. Bei- 
lage No. 16. 

nf ) Kaiser Friedrich an Herzog Albrecht d. d. 1469 Mai 29 
WA. Böhm. Sachen Kapsel IV Bl. 128, 129. 

Höfler, Kais. Buch 195 fg. (Riedel HI, 1, 510). 



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89 

eher eine gewisse Gereiztheit heraus; der Kaiser beabsich- 1469 
tigte auf den Rath des Papstes, Anfang September eine 

flänzende Fürstenbotschaft nach Rom zur Berathung von 
länen gegen die Feinde der Christenheit zu senden, und 
hatte auch Albrecht zur Theilnahme an derselben aufge- 
fordert, dieser aber hatte die Ladung unbeantwortet ge- 
lassen, was ihm einen verblümten Verweis einbrachte.* 2 9 ) 
Der Krieg zwischen Georg und Matthias war seit 
Anfang Juli auf den verschiedenen Schauplätzen, in Böh- 
men, Mähren und Schlesien, wieder zum Ausbruch ge- 
kommen; indes jetzt wandte sich das Kriegsglück im 
ganzen zu den böhmischen Waffen zurück, und der grosse 
bieg, den Georgs Solln Heinrich am 2. November über 
Matthias bei Hradisch erfocht, war ein glänzender Ab- 
schluss der WafFenthaten des Jahres 14o9. Dass trotz 
des päpstlichen Segens die Waffen des Ungarnkönigs nicht 
glücklicher waren, machte doch irre; dazu kam die all- 
seitige Sehnsucht nach dem Frieden. Sie unterdrückte 
allmählich die noch vor kurzem so jäh auflodernde Volks- 
leidenschaft, liess die nationalen und religiösen Antipathien 
verstummen. Das Kreuzigerunwesen hörte auf; es hatte 
keinerlei Erfolg gehabt, nur Greuel, Unruhen und Wirren 
ohne Ende hervorgerufen. aso ) Einzelne Fürsten untersagten 
die Kreuzpredigt und die Sammlungen für den heiligen 
Krieg geradezu, so insbesondere Markgraf Albrecht von 
Brandenburg, der keinen Anstand nahm, in dieser Sache 
Gregors von Heimburg, des alten PfafTenfeindes, Rath- 
schläge zu hören und zu befolgen. 1 8 J ) 

Meissen, wo wir von der Kreuzpredigt schon seit den 
Freiberger Wirren nichts mehr hören 231 ), wurde durch 
die Kriegsereignisse ringsum wenig berührt. Verschiedene 
Fehden mögen in näherer oder entfernterer Beziehung 
dazu gestanden haben. ass ) Wir heben darunter nur die 



"•) Kaiser Friedrich an Albrecht d. d. Grätz 1469 Juli 28. 
WA. Religionssachen Bl. 138. 

"°) Vergl. Palacky IV, 2. 616 fgg. 

"») Höffer, Fränk. Studien I, 49. Dess. Kaiserl. Buch 199. 
201 fg. 204. 209. Minutoli, Kaiserl. Buch 352. Vergl. Droysen II, 
1, 247 fg. Ueber die Haltung des Pfalzgrafen und der bayerischen 
Herzöge Kluckhohn 291 fg. 

"*) Melchior v. Meckaw schreibt schon 1468 Oct. 18 aus Rom: 
„Man red gar faste daruff, daz yn awern landen daz crewce nicht 
tar (= darf) geprediget werden wyder dy Behemen, und etliche 
8chriff(t) davon komen sint." Beilage No. 8. 

So eine im Spätherbst 1468 beginnende Fehde mit mehreren 



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90 



1469 mit Hans von der Oelsnitz hervor, dessen Schloss Rathen 
1468 von den Leuten der Herzöge eingenommen und 
lange besetzt gehalten wurde; es gab dies dem Legaten 
Rudolf Anlass zu der Beschuldigung, die Herzöge hätten 
jenen nur deshalb befehdet, weil er und seine Brüder sich 
dem Papste gehorsam erwiesen und Feinde des abgesetzten 
Ketzers seien. 2S4 ) Die Sache, die schon 1467 ihren An- 
fang genommen, zog sich' dann bis ins Jahr 1471 hinein. 235 ) 
Welchen Inhalt die Warnungen vor Gefahren aus Böh- 
men hatten, die Konrad Metzsch im Mai den Herzögen zu- 
kommen Hess, wissen wir nicht; nur so viel ist sicher, 
dass diese Gefahren nicht von Georg ausgingen. 23 ö ) Im 
September schien es noch einmal, als drohe ein Bruch 
der Neutralität Meissens durch die königlichen Truppen, 
die bei Zittau lagerten; Kurfürst Ernst wies den Vogt 
zu Hohnstein an, sobald er etwas Beunruhigendes erfahre, 
sofort mit dem obersten Hauptmann der Böhmen „aufs 
Freundlichste und Gütlichste und nicht herrlich" zu ver- 
handeln und zu verlangen, dass meissnisches und bischöf- 
liches Gebiet unverletzt blieben. 287 ) Die Gefahr zog vorüber. 

Im Herbste fand eine Fürstenversammlung am Hofe 
des Kaisers statt, der in seiner Bedrängnis nach allen 
Seiten ängstlich nach Hilfe ausschaute; Ernst und Albrecht 
wohnten derselben persönlich bei 288 ), auch wohl Markgraf 
Albrecht. Man vereinbarte, dass die Fürsten, die in der 
nächsten Nachbarschaft Böhmens sässen, wie Markgraf 
Albrecht, Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, gegen die 
Türken, die entfernteren, wie Kurfürst Friedrich und Her- 
zog Wilhelm, gegen König Georg Hilfe leisten sollten. 
Doch hatte auch dieser ßeschluss keine Folgen. Zugleich 



Vasallen der Fürstenthümer Schweidnitz und Jauer, vergl. Eschen- 
loer (SS. rer. Sil. VII) 195. 

m ) Vergl. das angeblich vom Bischof Dietrich, wahrscheinlich 
aber vom Legaten ausgehende Schreiben von 1469 März 27 in Grund- 
manns Dipl. episcop. Misn. VIII, 4051 (Handschr. des HStA.). 

"*) Vergl. ebendas. 5018, 4064 und WA. Oerter Rathen Bl. 
1 fgg. Mon. Pirnensis bei Mencke 2, 1597. Näheres bei K. Gautsch, 
Aelteste Gesch. d. S&chs. Schweiz 64 fgg. 

"•) Vergl. ein Schreiben des Dr. Martin Mayr von 1469 Mai 6 
und die Antwort darauf von 1469 Mai 16. Beilagen No. 13, 15. 

,ST ) Grundmann, Collectanea II, 91 (Handschr. des HStA). 
Hasche, Magazin IH, 300. 

"•) Rechnungen des Paulus Hartmann und des Dr. Heinrich 
Meilerstadt über eine Reise nach Oesterreich mit ihren Herren von 
1469 Nov. 3 und 10 im HStA. Loc. 4335 Rechenunge der Ampt- 
lewte 1468/69. foL 83 fg. 



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91 



wurde ein neuer Tag am kaiserlichen Hofe verabredet, 1469 
den die sächsischen und brandenburgischen Fürsten zu 
besuchen versprachen, falls auch andere Fürsten dorthin 
kämen. 239 ) 

Der Zustand des Reiches, wie er sich in alle dem 
zeigte, war in der That ein überaus kläglicher. Die all- 
gemeine Neutralität der böhmischen Frage gegenüber 
schien den Krieg ins Endlose verlängern zu sollen; vor 
allem aber war es Georg, der einen Abschluss herbei- 
sehnte, schon um seinem Hause eine nicht ganz imgewisse 
Zukunft zu sichern. Es kann nicht wunder nehmen, dass 
er sich mit weit ausschauenden Plänen beschäftigte, die, 
wären sie durchgeführt worden, der Reichsverfassung viel- 
leicht den Gnadenstoss gegeben hätten. Schon ein Send- 
schreiben des Königs vom 1. Januar 1470 wies auf die 
Gefahr einer Lostrennung Böhmens vom Reiche hin, falls 
ihm nicht endlich ein wirksamer Schutz gewährt werde. 240 ) 
Wenig später, noch im Januar 1470, erschien der in Georgs 
Dienst stehende Georg vom Stein im Auftrage des Königs 
bei Albrecht Achilles und trug demselben Pläne vor, die 
auf eine Erhebung des jungen und ehrgeizigen Herzogs 
Karl von Burgund zur Würde eines römischen Königs 
hinausliefen. Als er bei beiden brandenburgischen Fürsten 
eine durchaus ablehnende Haltung bemerkte, wies er 
darauf hin, dass andere Fürsten, besonders Pfalzgraf 
Friedrich, weniger spröde sein würden, und bot zugleich 
die Niederlausitz oder das Egerland oder eine Summe von 
60000 Gulden den Brandenburgern an; die Sechsstädte, 
heisst es bei dieser Gelegenheit, würden gern den jungen 
Herren von Sachsen huldigen und diese würden sie gern 
aufnehmen, wenn der König darein willigen wollte, — 
warum wollten sie, die Brandenburger, denn nicht auf die 
Anerbietungen eingehen? Man darf hieraus wohl schliessen, 
dass auch mit Ernst und Albrecht über jene wichtigen 
Fragen verhandelt worden ist. Der Markgraf wies jedoch 
alle jene blendenden Erbietungen zurück und lehnte auch 
unter verschiedenen Ausflüchten weitere Verhandlungen 



Vergl. die Instruction Markgraf Albrechts für einen Ge- 
sandten an Herzog Wilhelm d. d. 1469 Oct. 25 bei Kluckhohn 
289 Anm. 

»•*>) Palacky, Urk. Beitr. 610 fgg.; vergl. dessen Gesch. von Böh- 
men IV, 2, 621 fg. Das für Emst und Albrecht bestimmte Exemplar 
dieses Sendschreibens WA. Böhm. Sachen K. IV Bl. 133; vergl. 
Jordan, Das Königthum Georgs von Podebrad 345 fgg. 



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92 

1470 mit Papst und Kaiser ab 141 ), während Herzog Albrecht 
beabsichtigte, mit Herzog Otto von Bayern den Papst zu 
besuchen, um eine Ausgleichung zwischen ihm und dem 
Böhmenkönige anzubahnen. Zu dieser ßeise kam es 
nachmals freilich nicht: doch hatte Dr. Weissenbach, der 
Anfang 1470 nach Rom gesandt wurde, vielleicht ent- 
sprechende Aufträge. 1 * *) 

Ueber die Bethciligung der sächsischen Herren an 
dem Tage, der im Februar und März 1470 zu Wien statt- 
fand und dessen Folge war, dass die kaiserliche Politik 
und die des Ungarnkönigs plötzlich verschiedene Wege 
einschlugen, ist uns nichts bekannt. ***) Der Kampf brach 
trotz der allgemeinen Friedenssehnsucht und trotz der 
Vermittlungsversuche, die namentlich Markgraf Albrecht 
von Brandenburg machte, noch einmal aus und dauerte 
bis in den August 1470 hinein, ohne dass er Matthias 
oder Geor^ einen entscheidenden Vortheil gebracht hätte. 

Die sächsischen Herzöge behielten auch in dieser 
letzten Periode des Krieges ihre neutrale Haltung bei. 
So forderten sie im Februar oder März 1470 auf die 
Bitte des Bischofs von Meissen die Herren Jan von Thö- 
waczaw, Sigmund und Christoph von Wartenberg und 
Tetschen und den Hauptmann im Pilsener Kreise, Wotyk 
von Rzisatie, Anhänger Georgs, die in seinem Auftrage 
den Krieg in der Lausitz führten, ernstlich auf, dem 
Bischöfe die zugefügten Schäden zu vergüten; an ihrer 
Stelle antwortete König Georg: nicht an Ünterthanen des 
Bischofs von Meissen sei Nähme und Brand geschehen, 
sondern an abtrünnigen und ungehorsamen Untergebenen 



u ') Instruction für Georg vom Stein bei Palacky, Urk. Beitr. 
616 fgg. Vergl. dessen Gesch. von Böhmen IV, 2, 624 fg. Droysen, 
II, 1, 254 fg. 

ao ) Schreiben Gregor Heimburgs von 1470 Febr. 6 bei Höfler, 
Kaiserl. Buch 219. Vergl. Palacky IV, 2, 660. Droysen II, 1, 255. 

***) Seine Rechnung über eine Reise nach Rom d. d. 1470 
März 31 im HStA. Loc. 4335 Rechnung der Amtlewte Sachsen, 
Meyssen und Vogtland U70. 

***) Vergl. über den Tag Palacky IV, 2, 626 fg. Auch was 
zwischen den sächsischen und brandenburgischen Fürsten auf dem 
Tage, der zu Schleiz am 6. Mai 1470 stattfinden sollte, verhandelt 
worden ist (vergl. Riedel III, 1, 529. WA. Brandenburg. S. K. II 
ßl. 362. Ilandschr. Bl. 143), wissen wir nicht; vielleicht betraf es 
nur die unbedeutenden Irrungen, über die schon am 2. April 1470 
von brandenburgischen und sächsischen Räthen zu Jüterbogk ver- 
handelt worden war (WA. Brandenb. Sachen BL 201—204). 



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93 

von böhmischen Beamten die verdiente Strafe vollzogen 1470 
worden. 145 ) Auf die wiederholten Klagen des Vogtes der 
Sechsstädte, Jaroslaw von Sternberg, dass seine Unter- 
thanen von böhmischen Widersachern geschädigt würden, 
die ihren Aufenthalt in Meissen — zu Ottendorf an der 
Heide (bei Radeberg), zu „der Hoenkruls" (?), zu „Nieder- 
rudigsdorf* (Röhrsdorf bei Königsbrück?), Mückenberg 
(bei Ortrand), Knapsdorf (bei Moritzburg), Eschdorf und 
Dittersbach „im Kretschmar* 4 — nähmen, erliessen die 
Herzöge am 9. März 1470 einen strengen Befehl an ihre 
Amtleute, dergleichen Räubereien nicht zu dulden, sondern 
die Schuldigen festzunehmen. 246 ) 

Trotz dieser entschiedenen Abneigung gegen eine 
offene Unterstützung des Böhmenkönigs wurde das Ver- 
hältnis der sächsischen Herzöge zur Curie eher schlechter 
als besser. Vor allem gab der Grenzverkehr immer von 
neuem Anlass zu Differenzen 147 ); das Handelsverbot Hess 
sich nun einmal nicht aufrecht erhalten, der Papst selbst 
erklärte, dass, wenn singularis necessitas vorliege, ein Ver- 
kehr mit den Ketzern behufs Einkaufs noth wendiger Nah- 
rungsmittel zu gestatten sei. Auf Grund hiervon erlaubte 
der Legat Bischof Rudolf von Breslau am 27. August 
1469 den Bürgern von Chemnitz wegen der drohenden 1469 
Hungersnoth den Ankauf von Lebensmitteln in Böhmen, 
verbot ihnen jedoch, den Ketzern dafür Salz, Spezereien 
oder Waffen zuzuführen. 148 ) Eine ähnliche Erlaubnis 
erhielten auf ihre dringenden Bitten einige Wochen später 
die Städte Freiberg, Dresden und Pirna. 24 *) 

***) 1470 März 7. WA. Böhm. S. Kapsel IV Bl. 137. 

a ") WA. Oberlausitz. Sachen Bl. 16. Hierher gehört aueh wohl 
ein Angriff gegen Wenzel von Polenz auf Sthirgiswalde (vergl. Pa- 
lacky, Urk. Beitr. 620. 622), über den uns näheres nicht bekannt ist 

ur ) Nur wenige Fälle von Beschlagnahme böhmischer Güter 
Bind aus dem Jahre 1469 bekannt; so Hess Balthasar von Redern 
bei der Neujahrsmesse 1469 einige böhmische Kaufleute in Leipzig 
aufhalten, vergl. Cod. dipl. Sax. reg. II, 11, 184. Ueber Confiscation 
von böhmischen Gütern im Bisthum Naumburg s. Schreiben des 
Bischofs Rudolf und des Burggrafen Georg von Leisnig d. d. 1469 
Juli 21. 80. WA. Böhm. S. K. IV Bl. 130. 

**•) Cod. dipL Sax. reg. II. 6, 164. 1469 Aug. 28 beauftragt 
Rudolf den Pleban Balthasar zu Chemnitz mit der Absolution der 
wegen ihres Verkehrs mit den Ketzern excommunicierten Chemnitzer 
bei aufrichtiger Reue, ebene! as. 165. 

M ) Schreiben des Bischofs Rudolf an Bischof Dietrich von 
Meissen d. d. 1469 Sept. 23 bei Grundmann, Cod. dipl. Misn. VIII, 
6006 (Handschr. des HStA.). Von den Bemühungen der Dresdner 
um diese „Erlaubunge- 4 legen mehrere Posten der Dresdner Stadt- 



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94 



1469 Diese Nachsicht, welche die bezüglichen Bestimmungen 
der päpstlichen Bulle vom 20. April 1468 allmählich ganz 
ausser Kraft zu setzen drohte 140 ), fand keineswegs allge- 
meinen Beifall. Der am kaiserlichen Hofe weilende päpst- 
liche Legat, Laurentius von Ferrara, sah sich veranlasst, 
am 12. November 1469 ein Schreiben an Bischof Dietrich 
von Meissen zu richten, in welchem er mit Rücksicht 
darauf, dass dem Vernehmen nach seit zehn Jahren reich- 
liche Ernten im Lande stattgefunden hätten, von einem 
Nothstand also nicht wohl die Rede sein könne, eine 
strengere Befolgung der Vorschriften über die Absolution 
derjenigen einschärfte, welche Handel mit den Ketzern 
getrieben hätten. 241 ) Aehnliche Mahnungen mögen diesen 
gefolgt sein, so dass auch Bischof Rudolf von Breslau 
sich zu einem ernsten Schreiben an Bischof Dietrich (vom 

1470 l. April 1470) veranlasst sah, in dem er, damit nicht auch 
ihm Schuld an diesen Missbräuchen beigemessen werde, 
die strengste Befolgung seiner Indulte verlangt und die 
Unterdrückung jedes das Mass des durchaus Notwen- 
digen überschreitenden Verkehrs mit Böhmen anbefiehlt, 
insbesondere ihn auch ersucht, das Verfahren des mit der 
Absolution beauftragten Dr. Johannes Breslauer zu über- 
wachen, da das Gerücht denselben einer allzu grossen 
Duldsamkeit beschuldigte. 241 ) Allerdings wurde nun der 
Geistlichkeit eine strengere Haltung zur Pflicht gemacht 
und mit Bann und Interdict den Uebertretungen entgegen- 
gearbeitet; aber dies veranlasste auch die Herzöge wieder 
zu Vorstellungen beim Bischof Rudolf, und dieser, der wohl 



rechnnng dieses Jahres (Rathsarchiv) Zeugnis ab. Auf die Bitte 
des Rathes zu Dresden, die EntSchliessung des Legaten förmlich 
publicieren zu lassen, ging der Bischof nicht ein, weil er nicht mehr 
thun dürfe, als in der commissio des Legaten stehe. Schreiben von 
1469 Oct. 14 im Rathsarchiv zu Dresden. 

>4 °) Ex Misna über aditus fuit in Bohemiam cum omnibus 
mereibus et rebus, ex qua allata sunt allecia sal plumbum omni um 
generum pisces boves etc. Nolebant Uli prineipes seduci ad destruc- 
cionem snbditorum. Eschenloer (SS. rer. Sil. VII) 220. 

■*■) Cod. dipl. Sax. reg. II. 3, 188. 

*") Ebendaselbst 198. Da zwischen diesem und dem vorhin 
erwähnten Schreiben fast ein halbes Jahr liegt, so darf wohl kaum 
mit Gersdorf angenommen werden, dass das Schreiben des Lau- 
rentius vom 11. November 1469 den unmittelbaren Anlass dazu ge- 
geben hat. Ebenso ist der Zusammenhang der in der Anm. zu ersterem 
erwähnten weiteren Schritte des Bischofs und der sich daran knüpfen« 
den Korrespondenz mit dem Schreiben Rudolfs schwerlich so eng, 
uls man nach den Ausführungen Gersdorfs a. a. 0. annehmen möchte. 



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95 



einsah, dass eine solche Strenge „zum grossen Schaden 1470 
uter Christen in christlichen Landen, die des christlichen 
tuhls Gehorsam halten", sei, und überhaupt zur Milde 
neigte, gestattete in einem Schreiben an den Bischof vom 
19. Mai 1470 nicht bloss den Einwohnern der Städte Pirna, 
Dresden, Freiberg und der Grenzdistricte bis nach Geier 
hin, die an anderen Orten nicht ohne die grössten Kosten 
und Beschwerden Getreide und andere Nothdurft kaufen 
konnten, den Handel mit den Ketzern, unter der Voraus- 
setzung, dass sie denselben den Aufenthalt in den Städten, 
den Verkehr mit den Gläubigen und die Ausfuhr von 
Salz, Würze, Harnisch u. a. nicht gestatteten, sondern er 
befahl auch, die rechtgläubigen Bewohner Böhmens, die 
vom Handel mit den Nachbarlanden lebten, nicht als 
Ketzer zu behandeln, sondern sie zu beherbergen und 
wegen ihrer Anwesenheit kein Interdict zu verhängen. 
Endlich sollte auch in dem Falle, dass zufällig ein Ketzer 
in eine Stadt kommt, aber sofort, nachdem man dies be- 
merkt hat, wieder hinausgetrieben wird, das seiner An- 
wesenheit halber verhängte Interdict aufgehoben werden. 
Bischof Dietrich soll für die Publication dieses Schreibens 
in den Böhmen benachbarten Städten Sorge tragen 158 ); 
es wurde auch wirklich nach Wolkenstein, Scharfenstein, 
Saida, Pirna, Chemnitz, Freiberg und an den Abt zu 
Grünhain gesandt. 25 *) 

Die Herzöge wussten diese rücksichtsvolle Haltung 
zu würdigen und wirkten dem Handel nach Böhmen, so- 
weit er diesen Verordnungen zuwiderlief, durch Verbote 
entgegen; sie wiesen sogar darauf hin, dass jetzt Lebens- 
mittel im eigenen Lande gekauft werden könnten. 145 ) 
Trotzdem w urden bald wieder Anschuldigungen gegen 
sie laut, die ernsterer Art waren als die bisherigen. Sie 
gingen vom Bischof Laurentius von Ferrara und mittel- 
bar wohl vom Könige Matthias aus, dem die Haltung der 
sächsischen Fürsten allerdings ausserordentlich unbequem 
sein mochte. An des Königs Hofe, so schrieb Laurentius 
an Bischof Rudolf nach Breslau, liefen nicht bloss Ge- 
rüchte über die Einfuhr von Lebensmitteln, Salz und 



"») WA. Böhm. Sachen K. IV BL 138, gedruckt bei Jordan 
455 und Schlesinger, Stadtbuch von Brüx 138. Ich bemerke dabei, 
dass die Drucke dieser und anderer noch zu erwähnenden Urkk. bei 
Jordan sehr fehlerhaft siud. 

»•) WA. Böhm. S. K. IV Bl. 140. 

"») Befehl von 1470 Juni 1. WA. Böhm. Sachen K. IV Bl. 141. 



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96 



1470 Waffen aas Meissen nach Böhmen am, sondern man er- 
zählte sich auch, dass kürzlich Hugold von Schleinitz, 
der sächsische Oberraarschall, und Konrad Metzsch als Ge- 
sandte der Fürsten in Prag gewesen wären und dem König 
Georg den Beistand ihrer Herren in Aussicht gestellt 
hätten, ferner, dass diejenigen, die das Kreuz genommen 
hätten, verfolgt und der Kreuzpredigt allerhand Hinder- 
nisse in den Weg gelegt würden. Die Herzöge, die 
Bischof Rudolf deswegen in einem Schreiben vom 27. Juni 
1470 zur Rede setzte" 6 ), waren über diese gehässigen Ver- 
leumdungen in hohem Grade entrüstet. In ihrer Antwort 
an Rudolf (vom 13. Juli) wiesen sie auf ihre erst vor 
kurzem erlassenen Verkehrsverbote hin; nur den Gebirgs- 
bewohnern, die selbst kein Getreide bauten und es aus 
anderen Gegenden nur unter grossen Schwierigkeiten er- 
halten könnten, sei gestattet worden, ihre Leibesnahrung 
aus Böhmen zu holen, und wenn die Böhmen dieselbe nur 
gegen Salz hergeben wollten, so müssten sie eben „ihnen 
selbes rathen, dass sie nicht verderben dürften". Mit 
ihrer Erlaubnis sei jedoch den Ketzern nichts zugeführt 
worden. Dass Schleinitz und Metzsch in Prag gewesen, 
stellten die Brüder nicht in Abrede, wie denn überhaupt 
der Verkehr mit dem Böhmenkönige niemals ganz ab- 
gebrochen worden ist; 247 ) aber sie seien nicht als förm- 
liche Botschaft, sondern ohne Credenz hingegangen, ledig- 
lich um im allgemeinen Besten thätig zu sein, nicht aber, 
um dem Könige Anerbietungen zu machen oder Beistand zu- 
zusichern: „wir sind so unverständig nicht, dass wir nicht 
wüssten, dass uns solches zu thun nicht fuget, aber die 
Meinung, die wir vor uns hatten, mag uns ohne Zweifel 
von niemand verkehrt werden, wie wir das zu bequemer 
Zeit und an gebührlichen Enden zu eröffnen nicht weigern 
wollten." Ihre Räthe hätten einigen Commissarien des 
Legaten die Sache vorgestellt und seien in Folge dessen 
auch bereits absolviert. Was endlich die angebliche Ver- 
folgung der Kreuziger anlangt, so wird dies geradezu als 
eine Unwahrheit bezeichnet: n dass es von uns in Tabern 
oder anderswo im Rücken nachgesagt wird, soll e. L. nicht 
bewegen; wie können wir jedermann sein Maul ver- 

»•) WA. Böhm. 8. K. IV Bi 142. Gedruckt bei Jordan 448 fg. 

*") So war auch um Fastnacht eine Sendung von Rathen naen 
Prag beabsichtigt gewesen, wie sich aus einem Schreiben des Benesch 
von der Weitmühl, Burggrafen zu Karlstein, d. d. 1470 Februar 28 
(WA. Böhm. S. K. IV Bl. 136) ergiebt. 



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97 



binden!" Im Gegentheil hätten sie die Kreuzpredigt, die 1470 
Sammlung von Almosen sowie die kürzlich durch den Do- 
minicanerprior in Leipzig im Auftrage des Legaten er- 
lassene Aufforderung an die Kreuziger, sich bereit zu 
halten, in keiner Weise gehindert. 258 ) 

In noch viel schärferem Tone antworteten Ernst und 
Albrecht dem Legaten Laurentius von Ferrara und dem 
Könige Matthias selbst auf die Schreiben, welche sich 
diese veranlasst gefühlt hatten, derselben Gerüchte wegen 
an sie zu richten. Dem ersteren werfen sie eine für sein 
hohes Amt gar nicht passende Leichtgläubigkeit gegen 
Verleumder vor und widerlegen seine Anschuldigungen 
in ganz derselben Weise, wie in dem Briefe an den 
Legaten Rudolf. 14 9 ) Mit Matthias entspann sich eine sehr 
gereizte Korrespondenz; die Herzöge machten ihm heftige 
Vorwürfe, dass er üble Nachrede gegen sie an seinem 
Hofe dulde. Auf die wiederholt vorgebrachten Klagen 
der Mitglieder des Herrenbundes, dass die meissnischen 
Lehnsmannen, die in ihrem Solde ständen, zurückberufen 
würden, antworteten sie, dass sie als Fürsten das vollste 
Recht dazu hätten, ihre Lehnsmannen „von redelicher 
Sach wegen" aus fremdem Dienst zu sich zu fordern. 
Was die Klagen wegen der Zufuhr aus Meissen anlange, 
so sei es nicht seine Sache, sie zur Befolgung der päpst- 
lichen Befehle anzuhalten; sie hätten darüber nur den 
Legaten Rede zu stehen. 260 ) 

Die Gerüchte über die Unterstützung, welche die 
Herzöge den Ketzern angedeihen Hessen, dauerten trotz- 
dem fort, und dass Legat Rudolf ihnen Glauben schenkte 
und sich durch die Versicherungen der Meissner nicht 
beruhigen Hess, beweist, dass sie nicht ganz grundlos 
waren. Man erzählte, dass Herzog Albrecht 300 Pferde 
dem König Georg zur Hilfe gegen die Schlesier gesandt 
habe; und der Umstand, dass zahlreiche gefangene Meiss- 
ner nach Breslau gebracht wurden, schien das Gerücht 
zu bestätigen. Obgleich die gesammte Haltung der Her- 



»»») WA. Böhm. S. K. IV Bl. 148. Theilweise gedruckt bei 
Jordan 449. 

"•) Das Schreiben, dessen Adressat wol ohne Zweifel Lau- 
rentius ist, d. d. 1470 Juli 12. WA. Böhm. S. K. IV Bl. 144. 

a *°) Das undatierte Schreiben, dem wir dies entnehmen, mag 
etwa in den August 1470 gehören, da demselben bereits ein Brief- 
wechsel zwischen den Höfen vorangegangen ist. WA. Böhm. S. 
K. IV Bl. 263, gedruckt bei Jordan 453. 

Krmisch, Studien. 7 



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98 



zöge einer unmittelbaren Unterstützung des BöhmenkönigB 
widersprechen dürfte, so war doch wohl so viel richtig, 
dass sie nicht ungern sahen, wenn ihre Lehnsleute in den 
Kriegsdienst Georgs traten, während sie nicht duldeten, 
dass dieselben in dem ihm feindlichen Heere kämpften. 
Bischof Rudolf verlangte mit Rücksicht auf diese That- 
sachen, dass die Herzöge die, welche den kirchlichen Ge- 
boten entgegen für Georg die Waffen trügen, ausfindig 
machen und entweder selbst strafen oder sie den Cora- 
missarien des Legaten zur Bestrafung überweisen sollten; 
ihre Güter seien nach dem Laute der päpstlichen Bullen 
verwirkt. Ueberhaupt war er mit der Antwort der Her- 
zöge nicht sehr zufrieden, bedauerte, dass eingestandener- 
massen den Böhmen Salz verkauft worden sei, tadelte, 
dass, wie er bestimmt wisse, Prager Kaufleute zu Leipzig 
und an anderen Orten Handel trieben, schenkte auch 
ihren Angaben über das Verfahren gegen die Kreuziger 
und über die Sendung nach Prag keinen rechten Glauben. 
Dr. Johannes Breslauer, dem ein Missbrauch seiner Ab- 
solutionsbefugnis zur Last gelegt wurde, ward nach Bres- 
lau beschieden, um sich dort selbst zu verantworten. 1 *') 
Mochte dies nun auch wieder einige strengere Mass- 
regeln veranlassen 2 * 1 ), so erliessen die Herzöge dieselben 
doch gewiss widerwillig und nur der Form wegen. Sie 
hatten natürlich heftige Beschwerden zur Folge; die an 
der Grenze wohnenden Unterthanen klagten, dass sie zu 
Grunde gehen oder fortziehen müssten, wenn das kürz- 
lich erlassene vollständige Handelsverbot aufrecht erhalten 
würde. Die Herzöge antworteten darauf am 19. October 
1470 mit einem Befehle an ihre Amtleute, den Handel 
mit allen Waaren ausser mit Salz, Würze, Blei und Har- 
nischen, also besonders mit Häringen und anderen Fischen, 
Leinwand, Tuch und Victualien zu gestatten, aber darauf 
zu achten, dass kein fremder Kaufmann mit den ver- 



»•') 1470 Juli 28. WA. Böhm. S. K. IV Bl. 152, im Auszug 
gedruckt bei Jordan 451. 

*") 1470 Juli 30 vertheidigt sich Abt Johann von Grünhain 
gegen die Anklage, dass er dem Verbote der päpstlichen Bulle zuwider 
Handel mit Böhmen treibe. WA. Böhm. S. K. IV Bl. 163. 1470 
Juli 23 fragt Waltzk von Bernstein den Marschall Friedrich von 
Schön berg, wie er es mit zwei beladenen Wagen halten solle, die 
er auf deT Durchfahrt nach Böhmen in seinem Gebiete angehalten 
habe , ebendas. Bl. 151. Vergl. auch das Schreiben des Legaten 
Laurentius von Ferrara an den Prager Dompropst Colowrat <L d. 
1470 Sept. 19 bei Bachmann 502. 



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99 

botenen Waaren durchgelassen und dass nicht von den 1470 
herzoglichen Unterthanen Betrügerei damit getrieben 
würde. 203 ) Auch Bischof Rudolf zog wieder mildere 
Saiten auf, als sich herausstellte, dass des Matthias Er- 
folge auch in diesem Jahre sehr unbedeutend waren und 
die Möglichkeit eines Friedens näher rückte. Er hatte 
sich die Absolution derer, die zu Georg zögen oder mit 
den Ketzern Handel trieben, kürzlich in einer an den 
Bischof von Meissen ergangenen Verordnimg vorbehalten, 
während sie früher diesem überlassen war. * 64 ) Aber 
auf eine Anfrage, welche die Herzöge durch Dr. Johannes 
Breslauer (der sich übrigens wegen der ihm zur Last ge- 
legten Beschuldigungen vollständig gerechtfertigt hatte) an 
ihn richten liessen, antwortete er, dass dadurch die früher 
erlassene Erlaubnis des Handels mit Böhmen für die am 
Gebirge Wohnenden nicht aufgehoben sein sollte. Er 
habe nur bemerkt, dass diejenigen, die früher mit Erthei- 
lung der Absolution beauftragt worden seien, vielfach sehr, 
leichtfertig verfahren wären. Auch gestattete er dem Bischof 
wieder die Absolution der Uebertreter, wenn diese sich 
bessern, brieflich um Nachlass der Kirchenstrafen an- 
suchen und alles, was sie durch den sündhaften Handel 
erworben, in den Kasten legen wollten. 264 ) 

Die sächsischen Prohibitivmassregeln hatten übrigens 
bereits böhmischerseits Repressalien veranlasst. Ein Han- 
delsverbot wurde auch in Böhmen erlassen, „da sich die 
Priesterschaft in e. f. G. Fürstenthum so gar schwer und 
hart wider das Königreich legen und gelegt haben"; frei- 
lich ist dasselbe wohl ebensowenig mit Strenge gehandhabt 
worden wie das meissnische. 206 ) 

Wir haben diese Irrungen, deren Spuren übrigens 
noch bis ins Jahr 1471, ja über den Tod Georgs hinaus 
zu verfolgen sind, ausführlicher behandelt, da sie be- 
merkenswerthe Schlaglichter auf die wirtschaftliche Be- 



>•«) WA. Böhm. S. K. IV Bl. 156. 

»•*) Vergl. oben S. 58. Anm. 155. 

a,i ) 1470 Nov. 7. WA. Böhm. S. K. IV Bl. 157. 

In einem Schreiben des Burggrafen zu Karlstein Benesch 
von der Weitmühl an Ernst und Albrecht d. d 1470 Nov. 18 erklärt 
sich dieser bereit, trotz des Handelsverbots den Unterthanen Anarks 
von Waldenburg den Einkauf zu Kommotau und die Ausfuhr der 
Waaren gestatten zu wollen, falls gleiches seinen Unterthanen in 
Wolkenstein, der Stadt Anarks, gestattet werde, und bittet zugleich 
um diese Erlaubnis auch für andere Städte Sachsens. WA. Böhm. 
S. K. IV Bl. 158. 

7* 



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100 



1470 dcutung der damaligen Beziehungen zwischen Böhmen 
und Meissen werfen. Gewiss waren es auch Rücksichten 
dieser Art, nicht bloss politische Erwägungen, welche den 
Herzögen ihre Stellung zu Georg anwiesen und sie bis 
aufs äusserste einen Brucli zwischen Meissen und Böh- 
men vermeiden Hessen, trotz der schweren Unannehmlich- 
keiten, die ihnen daraus erwuchsen. Drohten ihnen doch 
sogar Ende 1470 die Commissarien des Legaten so ernst- 
haft mit der Verhängung eines allgemeinen Interdictes 
über ihre Lande, dass sie hiergegen förmlich Appellation 
beim Papste einlegten.* 67 ) 

Wie in Meissen, so waren auch anderwärts die Zu- 
stände allmählich völlig unleidlich geworden. Man fluchte 
allgemein in den Böhmen benachbarten Ländern den 
Breslauern, denen man nicht mit Unrecht einen grossen 
Theil der Schuld an dem unseligen Kriege zuschrieb, und 
schon konnten die Breslauer Kaufleute nicht mehr unee- 
.fährdet Handel treiben.* 08 ) Dazu kam die Türkengefahr, 
die unaufhaltsam näher rückte. 

So geschah es, dass der Congress, der im Juli 1470 zu 
Villach beim Kaiser tagte und an dem sich die sächsi- 
schen Herzöge auch durch Gesandte betheiligt haben 
mögen, von einem sehr versöhnlichen Geiste beherrscht 
war. ) Gesandte des Königs von Polen wohnten dem- 
selben bei, und wahrscheinlich wurden damals die Funda- 
mente zu dem Bündnisse zwischen dem Kaiser und dem 
Könige Kasimir gelegt, das am 20. October 1470 * 70 ) ab- 
geschlossen wurde und das dem Ungarnkönige den Boden 
unter den Füssen fortzog. War Markgraf Albrecht, dem 
um diese Zeit nach der Abdankung seines Bruders der 
brandenburgische Kurhut zufiel, die eigentliche Seele 
dieser neuen Coalition* 71 ), so standen ihr doch auch die 
sächsischen Herzöge nahe. Ob die polnischen Gesandten 
Derslaw Rytwianski, Woywode zu Sendomir, und Stani- 



UT ) Das Instrumentum appellationis von 1470 Dec. 15 im HStA. 
Orig. 8093. 

*••) Omnes ad pacem locuti sunt et Wratislaviensis inculpantes 
vituperantes maledicentes tanquam causam omnium harum litium. 
Ididem in curiis pnncipum Misne Thoringie Brandeburg Polonie et 
in omni terra maledicebantur Wratislavienses, et jam mercatores non 
publice audebant negociari. Eschenloer (SS. rer. Sil VIT) 223. 
Vergl. Palacky IV. 2, 645. 

*••) Vergl. über diesen Congress Talacky IV 2, 646. 

1T0 ) Dogiel, Cod. dipl. Polon. I, 163. 
Vergl. Droysen II, 1, 258 fg. 



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101 



slaw Ostrorog, Woywode zu Kaiisch, die Anfang August 1470 
an den kaiserlichen Hof gingen und ihren Weg durch 
Meissen nahmen 271 ), mit den Herzögen bereits Verhand- 
lungen angeknüpft haben, ist uns zwar nicht bekannt. 
Wir wissen aber, dass gegen Ende des Jahres eine eben- 
falls zum Kaiser gehende polnische Gesandtschaft die 
Fürsten besuchte und ilinen Pläne offenbarte, die eine 
friedliche Beilegung des böhmischen Krieges bezweckten; 
ja die Sendboten deuteten wohl noch auf andere Projecte 
hin, die auf eine enge Einung zwischen Polen und Sachsen 
und eine Familienverbindung zwischen beiden Häusern 
hinausliefen. Der Meissner Dechant Dr. Heinrich Leu- 
bing, der gegen Ende December 113 ) an den polnischen 
Hof ging, um dem Könige als Antwort auf die Werbung 
seiner Gesandten die freundschaftlichen Gesinnungen der 
sächsischen Fürsten und ihre vollkommene Billigung seiner 
Pläne auszusprechen, hatte auch Instructionen für den 
Fall von Verhandlungen über einen Ehebund zwischen 
dem Sohne Kasimirs, Wladislaw, und Emsts Tochter 
Christina und über ein Bündnis der sächsischen Fürsten 
mit Polen. 274 ) Das merkwürdige Project, das uns die 
meissnische Politik wieder eng Hand in Hand mit der 
brandenburgischen zeigt — fast gleichzeitig fanden Ver- 
handlungen über des jungen Markgrafen Friedrich Ver- 
lobung mit der polnischen Prinzessin Sophia statt — , 
führte jedoch zu keinem Resultate. 

König Matthias hatte wenig Gefallen an diesen Ver- 
handlungen mit Polen, um so weniger, als sich gleichzeitig 
auch für seinen ungarischen Thron ein polnischer Präten- 
dent fand. Zweifellos auf seiner Seite standen die Ver- 
treter der Curie in Deutschland, besonders Laurentius von 
Ferrara, wenn auch der Stuhl zu Rom selbst den Polen- 
könig sehr behutsam behandelte, obgleich die Friedens- 



,7J ) 1470 Juli 27 bittet Kurfürst Friedrich von Brandenburg 
um sicheres Geleit für sie. WA. Poln. S. Bl. 1. Vergl. auch das 
Schreiben desselben von 1470 Aug. 1 bei Palacky, Urk. Beitr. 630. 

1470 Dec. 18 schreibt er an Ernst und Albrecht, dass er 
zu einer so grossen Reise nicht vorbereitet und durch Amtsgeschäfte 
verhindert sei, sich vor Weihnachten in Dresden einzufinden. WA. 
Stift Meissen, Reisen Bl. 45. Wir glauben dies auf die Reise nach 
Polen beziehen zu müssen. 

»") Mehrere Entwürfe zu einer Instruction für die Gesandt- 
schaft nach Polen finden sich im WA. Poln. Sachen Bl. 64 — 69 und 
88 — 99; der interessanteste ist als Beilage 17 mitgetheilt. Vergl. 
auch v. Langenn, Albrecht der Beherzte 62 fg. 



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1470 bedingungen, die Kasimir dem König Georg zugestanden 
wissen wollte, ihm nicht genehm sein konnten. 175 ) 

Die Stellung unserer Herzöge zu den kirchlichen Ge- 
walten wurde durch alles dies nicht besser. Sogar mit 
Bischof Dietrich von Meissen, der trotz seiner peinlichen 
Lage dem Legaten gegenüber sich im Grunde stets den 
Wünschen und der Politik der Landesherren accommo- 
diert hatte, kam es um diese Zeit zu Differenzen. Durch 
seinen Official hatte er das Ausfuhrverbot an den Grenz- 
orten nochmals einschärfen lassen; das trug ihm ernste 
Vorwürfe seiner Herren ein: „es ist uns eine grosse Be- 
fremdung, dass sich ein Fremder die Käthe unserer Städte 
zusammen zu verboten anmassen und denen Gebot thun und 
Ordnung geben solle; es wäre wohl genug, das man sich 
gemeiner Gebote auf dem Predigtstuhl gebrauchte." Bischof 
Dietrich entschuldigte sich mit den Drohungen, die ihm 
direct von Rom oder durch den Legaten zugegangen 
seien; auch habe der Official „nicht allein die Räthe und 
Gewaltigen, sondern auch die Pfaffheit und die Priester- 
schaft sämmtlich versammelt", — was freilich an der 
Sache wenig änderte. 276 ) Wenig später wurde der Fran- 
ciscaner Jacob von Glogau (vergl. S. 62) nochmals durch 
Bischof Rudolf von Breslau mit der Kreuz- und Ablass- 
predigt in den meissnischen Landen beauftragt, da der 
Papst ausdrücklich befohlen hatte, dieselbe nicht einzu- 
stellen. 277 ) Ganz besonders heftig spricht sich der Un- 



m ) Eine päpstliche Bulle von Ende 1470 oder Anfang 1471 
(pridie kal. Januani das ist der virde adir fumffte tag ym honmnge!?), 
die Bischof Laurentius in Uebersetzung dem Herzog Albrecht mit- 
theilt (undat Schreiben WA. Böhm. S. K. IV Bl. 159), spricht sich 
sehr missbilligend über die Verhandlungen angeblicher Sendboten des 
Königs Kasimir mit dem Ketzer Georg aus. 

1471 Jan. 13; das Schreiben der Landesherren ist daher 
wohl auch in den Anfang 1471 zu setzen. Cod. dipl. Sax. reg. II. 3, 
193 (Anm.). In denselben Zusammenhang gehört auch ein Schreiben 
des Kurfürsten Ernst (?) , wahrscheinlich ebenfalls an den Bischof 
zu Meissen, von 1471 Jan. 7, in welchem diesem befohlen wird, auch 
das wegen des Handels seiner Zeit erlassene Indult zur Verhütung 
weiterer Irrurgen in den Grenzorten nochmals verkündigen zu lassen, 
da der Official dasselbe vielfach unberücksichtigt gelassen habe, was 
„faste Aufruhr und Irrniss unter den unseren und anderen" zur 
Folge gehabt. WA. Religionssachen Bl. 140. 

aTT ) Bischof Rudolf an Ernst und Albrecht d. d. 1471 Jan. 29. 
Ebendas. 141. Ueber die Beschwerden, welche die Thätigkeit des 
Bruders Jacobus veranlasste, vergl. ein. Schreiben desselben d. d. 
1471 April 4 ebendaselbst 142. 



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willen der curialen Partei in einem Briefe des Bischöfe 1471 
Laurentius von Ferrara an Herzog Albrecht, der etwa 
in den Februar 1471 gehören mag, aus. 17 ^ 

Auf dem Landtage, der Mitte Februar 1471 zu Prag 
stattfand und auf welchem bekanntlich auch Matthias eine 
Annäherung an Georg versuchte, erschienen der polnische 
Kanzler Jacob von Dambno und der Abt des Benedictiner- 
klosters zum h. Kreuz (bei Sendomir), Michael, um die Ver- 
handlungen zwischen Georg und Kasimir zum Abschluss zu 
bringen. 219 ) Ihren Rückweg nahmen sie durch Meissen. 2 * 0 ) 
Als sie in Zwickau anlangten, mussten sie erfahren, dass 
trotz aller Noth, die der Krieg über das Land gebracht, 
der Fanatismus im Volke doch noch fortglimmte und nur 
eines Anlasses bedurfte, um wieder aufzulodern. In Folge 
der Aufreizungen des Pfarrers fand ein förmlicher Auf- 
stand gegen die polnischen Gesandten statt, der ihnen 
Anlass zu einem in sehr derbem Tone gehaltenen Schrei- 
ben an den Landrentmeister Hans von Mergental und an 
den Rath zu Zwickau gab.' 81 ) Die Herzöge, denen der 
Zwischenfall höchst unangenehm war, ordneten die Fest- 
nahme des Pfarrers und der Schuldigen an. 282 ) 

Im übrigen aber zeigten sie sich <Jc n polnischen 
Herren gegenüber weniger zuvorkommend, als im Jahre 
vorher der Fall gewesen sein mag, sei es, weil die da- 
maligen Verhandlungen ihren Erwartungen nicht ent- 
sprochen hatten, sei es, weil der Plan, die Krone Böh- 
mens für das Haus Wettin zu erwerben, schon festeren 
Fuss gefasst hatte; vielleicht auch mit Rücksicht auf die 
entschieden missbilligende Haltung der Curie. König Kasi- 
mir beabsichtigte bereits seit längerer Zeit, eine Gesandt- 
schaft 283 ) nach Rom zu senden, einmal, um eine Entschei- 
dung der böhmischen Angelegenheiten im polnischen In- 
teresse anzubahnen, dann, um endlich die noch immer nicht 
ertheiltc päpstliche Bestätigung des mit dem deutschen 
Orden zu Thorn am 19. October 1466 geschlossenen Friedens 

"•) WA. Böhm. S. K. IV Bl. 159, theilweise gedruckt bei 
Jordan 452. 

Palacky IV, 2, 655 fg. 

»••) Vergl. ein Schreiben von Ernst und Albrecht an Benesch 
von der Weitmühl 1471 Febr. 23. WA. Böhm. S. K. II Bl. 63. 

1471 März 3. WA. Böhm. S. K. IV Bl. 161c; theilweise ge- 
druckt bei Jordan 456. 

*») WA. Böhm. S. K. IV Bl. 317. 318. 

"*) Von dieser Gesandtschaft ist schon in einem der oben Anm. 
274 erwahitten Instructionsentwürfe (WA. Poln. S, Bl. 99) die Rede. 



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104 



1471 zu erwirken. Der Kanzler Jacob von Dambno hatte den 
Auftrag, auf der Rückreise von Prag empfehlende Schreiben 
für diese Gesandtschaft von den sächsischen Herzögen, 
dem Herzoge Ludwig von Bayern und dem Kurfürsten 
Albrecht von Brandenburg zu erwirken. Die Herzöge 
hatten Hermann von Weissenbach beauftragt, über die 
Sache mit den Polen zu verhandeln; sein Bericht vom 
6. März 1471 liegt uns vor. Der polnische Kanzler warf 
den Herzögen vor, sie hätten schon im vorigen Sommer 
versprochen, ein Schreiben an den Papst wegen des preus 
sischen Friedens zu richten, und ersuchte dringend um Aus- 
stellung desselben, da der Kaiser, Herzog Ludwig, Kurfürst 
Albrecht und andere Fürsten ebenfalls schreiben würden. 
Allein Weissenbach antwortete, dass Ernst und Albrecht 
nur unter Vorbehalt der Einwilligung der übrigen Kur- 
fürsten dies zugesagt hätten. Darauf bat der Kanzler, der 
fortwährend betheuerte, dass sein Wunsch nur Freundschaft 
zwischen dem Könige von Polen und den sächsischen Her- 
zögen sei, einstweilen den gewünschten Brief nach einem 
von ihm vorgelegten Formulare auszustellen; er wolle ihn 
dann nach Landshut an Herzog Ludwig schicken und, 
falls dieser ebenso zu schreiben bereit sei, dem Könige 
überreichen, wenn nicht, ihn zurückgeben, dem Könige 
aber die Bereitwilligkeit der Herzöge rühmen. Es sieht 
dies aus wie eine ziemlich plump angelegte Falle. Weissen- 
bach versprach, die Sache an seine Herren gelangen zu 
lassen. Dem Dr. Martin Mayr in Landshut aber theilte 
er das Begehren der Polen und zugleich die Absicht seiner 
Herren mit, sich bei der Curie nur für die Beilegung des 
böhmischen Krieges, nicht aber für die Bestätigung des 
preussisch -polnischen Friedens zu verwenden, und bat 
ihn, den Herzog Ludwig zu einer entsprechenden Ant- 
wort zu bestimmen. 284 ) 

Die polnischen Vermittlungsversuche haben, so viel 
uns bekannt, keinen Erfolg gehabt. Auch Ernst und 
Albrecht sandten nochmals eine Gesandtschaft nach Rom, 
um die Versöhnung zwischen Georg und der Kirche an- 
zubahnen. Sie langte um den 20. März 1471 in der hei- 
ligen Stadt an; es war ein Zeichen der Zeit, dass sie nicht 
so schroffe Abweisung fand als die früheren. 284 ) Viel- 

•**) Beilagen No. 18 ? 19. 

*•*) Relatio de legatione Saxonica versus Romam in causa Bo- 
hemica bei Rainald a. a. 1471 und Müller, Reichstagstheatrum II, 
131 fgg. 



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105 



leicht wäre doch schliesslich den sächsischen Sendboten 1471 
das gelungen, woran man seit vielen Jahren vergeblich 
gearbeitet, — da übernahm es eine höhere Macht, die 
böhmischen Wirren zu lösen. Noch verhandelte man in 
Rom über Vergleichspunkte, als die Botschaft eintraf, dass 
am 22. März 1471 König Georg Podiebrad gestorben sei; 
unbesiegt und ungebrochen, wenn auch freilich tief ge- 
beugt. Die Vorsehung hatte es gewollt, dass er die 
Lösung des Zwiespalts, der sein Verhängnis war, nicht 
erleben, vielleicht, dass er nicht nochmals die Unmöglich- 
keit dieser Lösung schwer empfinden sollte. 

Das Haus Wettin hat an ihm bis zum letzten Augen- 
blicke mit einer Treue festgehalten, wie kein anderes unter 
den deutschen Fürstenhäusern. Wenn auch Ernst und 
namentlich Albrecht dem Könige ganz besonders nahe 
standen, so hat doch auch Herzog Wilhelm, so viel Diffe- 
renzen es sonst zwischen ihm und den Neffen gab, in 
dieser Beziehung im wesentlichen eine gleiche Politik 
verfolgt: wenige Wochen vor dem Tode des Königs, in 
den letzten Februartagen 1471, fand die Vermählung 
seiner Tochter Katharina mit dem jüngeren Sohne Georgs, 
Hinko, statt.* 86 ) Die Fortsetzung dieser Politik über 
Georgs Tod hinaus zeigt sich in Albrechts Bewerbung um 
die böhmische Krone, in dem noch lange bemerkbaren 
Gegensatze der wettinischen Fürsten gegen König Matthias 
und die Curie, in dem Schutze, den Gregor Heimburg, 
die Seele der Politik des Königs Georg, in Meissen fand, 
und in anderen Momenten, deren weitere Verfolgung wir 
. uns versagen müssen. 

Zu einem thatkräftigen Eintreten für den Böhmen- 
könig ist es freilich nicht gekommen und konnte es nicht 
kommen. Wenn ein neuerer Historiker 287 ) ein hartes Ver- 
dammungsurtheil über die „Neutralität deutscher Ge- 
sinniingssch wache" ausspricht, die abwarten musste, „was 
die grosse Politik verhängen würde", und ihr die Ver- 
antwortung dafür aufbürdet, „dass alles, was sich in 
nächster Folge begab, dem deutschen Namen zu Schande 
und Gefahr gereichte", so ist dies Urtheil schwerlich ge- 
recht. Eine „entschlossene Parteinahme für den Böhmen- 

Vergl. das Schreiben Johanns von Krumau an Laurentius 
von Ferrara d. d. 1471 März 12 bei Palacky, Urk. Beitr. 646, und 
Heinrichs von Münsterberg an Markgraf Albrecht d. d. 1471 Februar 
27 bei Bachmann, Urkk. und Akten. 510. 

,,T ) Jordan, Das Königthum Georgs von Podebrad 297. 



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106 

könig", eine „energische Vermittlung mit dem Schwerte 
in der Hand" hätte zu jener Zeit ohne Frage die Gefahr 
eines allgemeinen Krieges heraufbeschworen, der das Haus 
Wettin in die gefahrlichste Lage gebracht haben würde. 



So macht denn die sächsisch-böhmische Politik während 
der Jahre 1464 — 71 in der Hauptsache den Eindruck eines 
behutsamen Lavierens zwischen unversöhnlich sich gegen- 
über stehenden Kräften; sie kommt eben deswegen nicht 
zu klaren Resultaten, und dies giebt ihr etwas Unfertiges 
und Unbefriedigendes. Aber einmal dürfen wir nicht 
vergessen, dass ein unsicheres Tasten im allgemeinen Cha- 
rakter des fünfzehnten Jahrhunderts, wie wohl jeder Ueber- 
gangszeit, liegt; und ferner müssen wir zugeben, dass ein 
abschliessendes Urtheil über die von uns behandelten 
Jahre erst dann möglich sein wird, wenn die gesammte 
politische Geschichte des Hauses Wettin während des spä- 
tem Mittelalters, die noch sehr viel Räthsel zu lösen giebt, 
eine gründliche und allseitige Durchforschung erfahren 
haben wird. Für diese Arbeit, an die wir über kurz oder 
lang herantreten zu können hoffen, sollen unsere Studien 
nur eine bescheidene Vorbereitung bilden. 



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Beilagen, 



No. 1. (1466) October 12. 

König Georg von Böhmen an Herzog Wilhelm. 

Original im Geflammtarchiv Weimar Reg. B. pag. 320 No. 21. — VergL Seite 80 Anm. 62. 

Georg von gotes gnaden kunig zu Beheim und raarggrave zu 
Merhern. Hochgeborner fürst und lieber sweher. Wir dancken ewer 
liebe solicber fruntscbaft, die ir uns erzaigt habt mit zuschickung 
der briefe, die ettlich unser und der crone zu Behem undertan, so 
dann gegen uns in widerwertigkeit gewest sein, euch zugesant haben, 
und das nit so ser darumb, das uns durch sulch brief ist solichs 
zu wissen und verkündigt worden, das darinne gemeldet ist, als 
darumb das wir dadurch die lauterkeyt ewer liebe trew und frunt- 
schafft, als wir bederseyt eynander gewant sein, bey euch clerlich 
erfunden haben. Und als in denselben briefen gemeldet ist ein ab- 
schritt irer freyheit, die sie euch mitgesandt haben ; bitten wir dieselb 
ewer lieb solich abschrifft uns auch bey diesem unserm boten zuzu- 
fügen; kummet uns zu sunderm danck. Furter haben sie in dem- 
selben brive gemeldet, wie wir uns understehen in ire freyheit zu 
benemen, die sie bey Romischen keysern, Behemischen kunigen bis 
an uns herbracht haben. Auch wie zum Budweisz deshalb durch 
unser Schickung tag gehalten und was daselbst beredt, solle durch 
uns verkert sey. Lieber sweher, wiewol wir unser irrung und ge- 



wir auch stracks nachkumen wellen, so wollten wir doch nit gern 
bey ewer liebe lauterkeyt solicher schuldigung schuldig vermerckt 
werden, wann wir ungern ymandes ausz unsern oder der cron zu 
Behmen fursten, graven, herren, prelaten, ritterschafft oder steten 
ir freyet benemen oder bekrenken wollten, die auch so weislich von 
unsern vorfarn Behemischen kunigen geseczt, geordent, verlihen und 
ausgangen sein, daB wir uns und der cron zu Benemen ere nutz 
und fug darinne wol erkennen, sunder die vil lieber meren und 
grosser machen wollten. Wir haben auch an ewer liebe nye keiner 
hilff wider sie gesunnen, als sie in demselben irem schreiben an 




hindergang verricht sein, dem 



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ICH 



euch getan vermeldet halben, das wir uns an ewer liebe selbs zihen. 
Snnder umb den tag zum Budweisz gehalten, wolle ewer lieb wissen, 
das solcher tag nit durch unser Schickung zukumen ist, sunder 
ettlich herrn zu der cron gehörende boten uns in zu vergunnen 
darunder zu handeln. Das Hessen wir geschehen, und do solicher 
bandet an uns bracht worde, wie wol unser gewalt oder bevelhnusz 
dobey nit gewest, was ydoeh umb frides und gemeins nutzs und ein- 
trechtigkeit willen des ganczen kunigreichs, gaben wir unsern willen 
auch darein und Hessen uns das auch wolgevallen. Aber der ab- 
gangk was an in und nit an uns nach an den obgemelten, die uns 
darum b hatten grebeten. Bey solichem tagleisten hie zu Prag was 
auch personlich der hochgeborn fürst unser lieber son herzog Albrecht 
von Sachsen, von dem ewer lieb aller sach gclegenheit woll vernemeu 
mag. Zuleczt wirdt in demselben briefe vermeldet ein geticht, das 
an unserm hoff solle gesungen sey, unseni heiligen vater den babst 
und alle prelaten der ganczen cristenheit berurende. Mag ewer lieb 
wol vermercken, mit welchen listen wir bey unserm heiligsten vater 
dargegeben und furgebracht werden, sein heyligkeit wider uns zu 
bewegen, das wir in andern unseni briefen bey ewer liebe und andern 
fursten veranttwurten. Dabei wir es bleiben lassen, dann wir mit 
den, die euch solich schrifft zugefuget haben, uff einen hindergangk, 

wie obgerurt ist, vertragen sein soll un[s] warlich gleuben, 

das wir nit gestatten wollten, das eynicherlei smehegesangk von 

yemandcs an [Ge]ben zu Präge am Suntag 

vor sandt Calixti unter unsers rings secretum annorum domini 

Ad mandatum domini regis proprium. 

Aufschrift an Herzog Wilhelm. 



No. 2. (1466 November.) 

Entwurf einer Ansprache der zur Beilegung der böhmischen 
Irrungen an den Papst zu entsendenden kurfürstlichen und fürst- 
lichen Gesandten. 

Hauptataataarchiv Dreaden. WA. Böhm. Sachen Kapsel IV BL 373-276. Eine deutsch* 
Uebersetaung ebendaselbst BL 877-280. - VergL Seite 37 Anm. 84. 

Sanctissime ac beatissime in Christo pater et domine, domine 
clementissime. Humiles et devoti sanctitatis vestre filii sacri Roman; 
imperii electores ceterique principes in jam lecta pagina designati 
eidem sanctitati vestre humiliter et devote se recommendant sese 
offerentes ad pedum oscula beatorum. 

Beatissime pater. Cum jam pridem Serenissimus princeps et 
dominus noster dominus Fridericus Romanorum imperator augustus 
sollempnem convencionem in civitate sua Nurembergensi pro sub- 
sidio afflicte christianitatis sceleratissimis Turcis contermine cele- 
branda[m] indixisset sacrique Romani imperii electores ceterosque 
principes magnates ac precipuas civitates illuc evocasset, set eciain 
serenissimum principem dominum G. Bohemie regem, primum ac 
precipuum ipsius imperii membrum seculare quique pro premissis 
explicandis pre cunctis mundi principibus auxilio adesse potest, sollerti 
precum instancia ideutidem exhortatus esset, electores ceterique prin- 
cipes magnates ac civitates supradicti partim per se ipsos partim 
per oratores et nunccios suos plenissime instructos ac sufficienti 



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mandato fulcitos convenerunt in loco designato, quippe quibus neque 
obscurum erat nec sane difficile causam crebro ventilatam ac sepius 
excribratam post tarn exploratas et recognitas principum mentes in 
certam ac indubitatam conclusionem velut purissimum granura in 
borreo tuto reponere. Quod enim jam dudum in prioribus conven- 
cionibus Ratispone, Franckfordie , Novacivitate Austrie, Man tue, 
Wienne desuper habitis placidum fuit, cur modo non eque ratum 
firmumque persisteret? Idem quoque Serenissimus Bohemie rex, cujus 
militares opes ob insignes pugnas a Bobemicis militibus contra Turcos 
egregie gestas et bellice glorie famam per omnes orientalis Europe 
angulos longe lateque diffusam toti Ungarie consolacioni Turcisque 
formidini esse possent, oratores suos egregie destinavit, quorum ad- 
ventus cunctis pro expedicione antedicta pium zelum habentibus 
letificus animo fuit. Nunquam antehac principes et comites princi- 
pibus equipollen tes omnesque oratores tarn facile in unam coierunt 
sentenciam. Omnis amicorum, omnis collegarum et notorum mutua 
suscepcio, omnis salutacio et confabulacio et omne colloquium nil 
nisi liberalem mentem suam ac se mittencium in tarn pium fidei 
opus promittebat, omnes certatim tarn sanctum laudare propositum 
ac deum glorificare, qui animum summi pontificis ac Romani principis 
tanto fidei ardore succendere dignatus est, precipue autem singulari 
leticia exultare, quod eorum votis ipsius armipotentis Bohemie regis 
accessisset militaris robor ejusdem expedicionis tutissimum firmamen- 
tum, cujus eciam militibus Worum atque itinerum aptitudo vel aspe- 
ritas seu difficultas pabulandorumque jumentorum facultas vel penuria, 
quod introducendis exercitibus ad pnmo spectandum, est notissima, 
set et ipsum genus Pcrsice pugne sepissime comprobatum et expertum 
est. Sunt enim Turci origine Ferse, qui ab olim adhuc tiorente 
Romana republica usque hodie Persico more fugaci quidem pugna 
sequencium pectora feriunt speculis et equorum promtitate sicud 
armorum levitate gaudentes terga hostium invadunt. Hanc artem 
Bohemi tum curruum municionibus et giris, tum aggeribus congestis 
vera atque incredibili arte deludunt, quod enarrare prolixum foret, 
nimis attigisse autem oportuit, ut exinde vera censura ducatur, 
quantum intersit Christiane reipublice maxime autem imperii Romani, 
si regnum istud armis sepe temptatum Semper autem invictum sub 
ecclesie Romane conformitate reducatur, ad quod mea tendit oracio 
et principum nos mittencium vota sinceriter aspirant. 

Nunc pergo rem gestam enarrare Dum manus ad aratrum 
mittitur et iam de imponenda per omnes ordines descripcione cogi- 
tatur et in hoc vestre sanctitatis auctoritas precipue exoptatur, cujus 
(sie) legati per capitaneum imperialem exercitui congregando designa- 
tum jam dudum promissi fuerant, Fantinus quidam accersitus com- 
paruit, qui dd expedicione in Turcos congreganda parum quamquam 
sollicitus, set in oratores ipsius Bohemie regis, a quo tocius rei 
summa pendebat, acer plus fuit quam rerum aut temporum condicio 
hortabatur, et, quod ridiculo habebatur, se dicebat missum, ut aposto- 
lice sedis auctoritate regem audiret, qui qnestus esset inauditum se 
dampnari, ipsumque dijudicaret, homo certe novus antehac ignotus, 
set tante novitatis studio stupidus notusque factus. Principes autem 
ac principum oratores immoti steterunt rem ceptam constanter pro- 
sequentes. Ibi tarnen visa est Bohemie oratorum perseverancia palam 
profitencium inclitum regem suum non esse velut arundinem qui 
vento exagitatur, set esse virum solidum, qui cathaplectacionibus et 
conviciis non commoveatur nec avertatur a sentencia, quam matura 



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deliberacione complexus est. Principes autem forcins instare ac 
obtestari regios oratores, num staret sentencia; hanc enira esse re- 
rnm habitudinem , ut, nisi rex ipse in expedicionem mittat, rem 
omnem in tantam formidinem verti, ut nemo principum eat neque 
se vel principatum suum in expedicionem mittendo armis denudet. 
Uli vero, quamquam nudam pollicitacionem reipublice factam illico 
vires assumere, *) attamen videntes se interrogaeionibus urgeri, nedum 
quod polliciti fuerant spospondernnt, set quod ante informiter enunc- 
ciatum erat, formali sponsione stipulantibus hoc modo firmaverunt: 
„Inclitus rex noster pro subvencione afnicte ehristianitatis crudelissimis 
Turcis contermine jam tanto flat?rat ardore, quod neque propter 
injurias jam illatas nec quaslibet inferendas regium immutabit animum. 
Quippe gubernator quondam regni nudusque minister non centesimum 
vel sexagesimum, ut nunc agitur, set sextum virum armipotentem 
seque personaliter in expedicione profeeturum obtulit. Nunc rex et 
regnator tarn concupite funccioni minime deficiet, set regias vires 
regnique gloriam et regnicularis militaris robor in perndos eonver- 
tendo liberaliter erogabit, nisi talia adversus eum machinamenta 
moliantur, ut magis expediat sue majestati federatos et juratos regni 
in subsidium vocare et exteros stipendüs conductos allicere, quam 
regnum suum armis exuere aliisque prodigaliter subveniendo proprie 
salutis oblivisci." 

Tunc principes ac principum oratores fiducialiter operam operi 
(lautes nervös intenderunt ac considerantes id non unius impetus 
vel insultacionis neque unius estatis vel anni opus esse, quadriennii 
temporis spatium velud periodum huic expedicioni prefinierunt. Set 
et suffteiendis in locum deficiencium militibus, quin et de clade, si 
qua malignitate fortune vel adverso prelio acciderit, reparanda et 
aliis bellorum eventibus ac pace interea servanda mature tractatum 
est, annitentibus Serenissimi domini nostri Romani principis in hanc 
expedicionem imperatore designato ceterisque sue maj estatis oratori- 
bus ad hoc officium exeguendum destinatis. Que omnia vestre beati- 
tudini, etsi jam pridem innotuisse reor, narrasse tarnen oportuit, ut 
quantum boni et quantum fructi (sie) Christiane reipublice ex illius 
regni cum ecclesia Romana reiutegracione nrmaque soliditate superim- 
pendeat cercius pernoscatur, ac rurssus ex disscidio quantum impe- 
dimenti. Sic enim in nacione Germanica se habet illius regni situs. 
Inclitum Bobemie regnum imperii Komani per Germaniam preeipuum 
decus per incorporatara sibi marchiam Moravie habet ab Oriente 
Pannoniam usque in Traciam exporrectam, aue jam Ungaria yocatur, 
ab euro notho Pannoniam occiduam, que ad Uistrum relata inferior 
Austria nuneupatur. Ab austro vero ipsamet vera Bohemia Noricam 
habet orientalem, que respectu Histri tiuminis superior Austria dicitur 
Ad zephirum reclivatur Bajaria (sie), cujus proximam nartem comes 
palatinus et Ludewicus atque Otto, reliquam ceteri Bajarie duces 
incliti teu ent, quibus jungitur burggraviatus Nurenburgensis ma- 
gnifici Alberti marchionis Brandenburgensis sedes; secuntur ab 
occidente Bambergensis et Herbipolensis ecclesie inter Kenum et 
Uistrum fere medio situ in Franconia collocate, cui nomen a ferocia 
venit, quia Siccambri Romanis tributum dare negantes illuc des- 
cenderunt. Ad Franconiam Thuringia et üassia conterminant, in 



») Hier fehlett offenbar mehrere Worte. Die UeberteUung hat: wie wol sie 
wuston, das ir tleebt« rede an den enden geschehen also bald« «Taft betten Iren bern 
aca binden. 



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auibus prime dotes ecclesie Magiintine consistunt. Ab aquilone per 
Slesiam regno unitam Polonia cum Sctchotia (sie) •) conterminat, ad 
boream per marchiam Lus[ac]ie regno annexam marchia Branden- 
burgensis confinat. ad ultimum Saxonia Misnaque aspirant. Omnes 
isti reges et principes regno Bohemie tranquillo suavi pace poeiuntur 
viresque militares ad exterorum auxilia fiducialiter conferre possunt 
absque metu insidiarum, Ungaria dempta, que a Turcis plerumque 
vexata, cum tarnen liberius reluctatur, regno vero se juvante Turco 
audet msultare. Regno autem aftlicto et pace regni disturbata com- 
moventur omnia, et tamquam valide arboris stipite percussa come sin- 
gule tremunt et silva densissima coneutitur, sie omnes ille provincie (?) 
concitantur Bohemie commocione, non quia militum penuria labo- 
rent aut robor desit eis virium, set quia Universum vulgus Boheini- 
cum ex innata quadam feritate sevis permisceri gaudet et arma semel 
apprehensa non facile reponit. Quo fit, ut per Ungariam Poloniam 
Prusciara Austriam ac per finitimas provincias pacata Bohemia 
reliqu[i]e bellorum extinetorum quasi quoddam seminarium milicie 
disseminate vel disperse conspiciantur. Nunc quo pacto vires supra- 
dicte recolligantur et recollecte faveantur ac in subsidium Christiane 
rei publice convertantur in qua re, desiderium atque humiles princi- 
pum nostrorum preces sincerasque considerationes explicare restat. 

Instituti sunt processus apostolica auetoritate indicantes sere- 
nissimum dominum Bohemie regem in heresim relapsum, quem antea 
neque sedes ipsa nec quisquam hereseos reum egit, in quibus pro- 
cessibus regium nomen supprimitur. Set et alie littere asperiores 
dilacione pendente contra regem emanarunt, super quibus rex ipse 
vel exeosaciones vel querimonias per Germaniam Galliam Italiamque 
transmisit. Quibus non immoramur, quia compertum habemus regis 
scripta sanetitati vestre jam dudum per copias innotuisse. Set hoc 
mentes prineipum nostrorum et angit et urget, quia verentur ex hiis 
litteris apostolicis et reluctaciono regis bella suscitari et christianum 
sanguinem innoxie fundi, prineipatus depopulari, qui jam XX annis 
sub hujus viri primum quidem gubernacione deinde regis poten- 
tissimi regnacione (?) regno pacato tranquilla quiete potiti, habita- 
toribus frequenciores et opimi ruris cultu facti sunt uberiores. Porro 
autem serenissimum Ungarie regem et regnum illud in orientali 
plaga christianitatis scutum auxiliis Bohemie privari et fortasse tur- 
bato rerum online hello vexari, quod maxime verendum nisi phedera 
perculsa preeaveant, id certe prineipum mentibus tenaciter heret. 

Dixerit fortasse quispiam: „Magualia jactitas, quasi minas fundere 
videaris". Absit a filiis vesta sanetitatis oinne vanum aut fietum. 
Set preterita repetere liceat. Quando Goticus ille furor inter Con- 
stantinopolim et Alpes Julias Romanum sanguinem cottidie fundens 
Scithiam b ) Traciam Macedoniam Tessaloniam Epiros Dalmaciam 
cunetasque Pannonias vastando diripuerit, quippe qui viri ante Decium 
Romanum imperatorem cum Decio filio bello victum vaeaverunt? 
Valentem ceterosque Romanos principes tacitus ac libens pretereo. 
Et certe constat Bohemiam numero gencium longe Scanciam superare, 
ex qua Goti processerunt et usque hodie insula Scancie Gotia vocatur 
et nunc Dacorum paret imperio, istorum Goticam equat vel superat 
feritate. Et illi septentrionis lupi tarn brevi tantas provincias per- 



«) Die Usbertttaung hat Sti dam. Vielleicht für Sc itiam ? 

b; Die Vorlage hat 8Ucbiam, die Ueber$eteung Sticiaui 



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currerunt, isti vero ») Pannoniis per Moraviam fere permixti nonnullas 
Pannoniorum urbes furente Bohemica ferocia bello ceperunt, quas 
secuta pace precio redemptas regno Hungarie restituerunt. Nec 
quicquam inter hos et istos refert, nisi quod Goti farae coacti 
ferociora terrarum sola quesierunt, istos autem pugnandi ardor et 
accepte injurie, quam eciam pro levibus causis usurpant, vindicta 
succendit. 

Fit enim natura, quod aquilo boreas et chorus (?), sicut vege- 
tancia corpora stringunt, interiora vivificant et a celo pestilente (sie) 
defendunt, fetus eciam humanos ad maturitatem usque favendo, ita 
econtra oceultas vires et pabula terre fecunda et halitum ejus coar- 
tando perfocant et fata leta penetrabili frigore necant Quo fit ut 
in illis terrarum plagia populus plurimus, fruges avertere (?) par- 
cissime proveniant, ut caritudine annonaria populus cogatur frugiferam 
expetere gladio tellurem. Et ideirco tarn historici quam eciam cos- 
mographi majore laudum preconio extollunt eos, quos in miliciam 
tranit animi vigor et bellice laudis cupido, quam eos, quos fames an- 
gustia vel abhominande necessitatis truculentissimum cogit imperium. 

Hec prelibasse licuerit, pater beatissime, ut gencium condicio ac 
dampnum ac emolumentum et omne interesse ex illa tarn bellica 
gente sanete dei ecclesie sacroque Romano imperio superimpendens 
clarius cerciusque ponderetur. Quia zelus prineipum nostrorum 
ad ecclesiam dei ac jurisjurandi vinculum, quo sacro imperio sunt 
asstricti, cogit eos preeipue, qui columpne sunt imperii, ne hanc 
imperii basem firmamentumque in Germanica nacione preeipuum a 
se findi vel disscindi per ignaviam sustineant tantamque imperii debi- 
litacionem torpentes soporatique pretereant, maxime dum absque 
scandalo omnique Christiane rei publice detrimento vel dedecore 
preeaveri possit. 

Postulat Serenissimus Bohemie rex diem sibi dici[et] locum desig- 
nari, ubi de tocius cause condicione et qualitate possint gravissima 
suppetere testimonia et, quidquid ab universalis ecclesie ritu dis- 
ponet, ad conformitatem reduci et omnia debite opponi. Hoc, pater 
beatissime, non est solum dampnatam heresim denuo ventilari, hoc 
non est Sabellii Arrii Eunomii Macedonii ac Nestorii dampnatas 
hereses ad nova concilia sinere pervenire, quod Gelasius papa detesta- 
tur. Nostri enim prineipes sanete memorie Gelasii auetoritatem 
vestramque sanetitatem devote sequentes profitentur uniuscumque 
synodi constitutum, quod universalis ecclesie probavit assensus, nullam 
assequi magis sedem oportere quam primam. Hoc quoque non pre- 
termittendum est. Procura tor fisci vel fidei regem detulit, quasi 
palam dixerit communionem eukaristie sub utraque specie ab omni- 
bua laicis ex preeepto salvatoris inevitabiliter esse suseipiendam. 
Rex vero pernegat ad testimonia remittens nec amplius, si quid 
devium vel lubricum vel a se dicatur clapsum, emendacioni submittit 
Primum ad accusacionem et defensionem pertinet, secundum vero 
satislaccionem continet injecti nondum probati facinoris in eventum 
probacionis, neutrum autem a tramite racionis abhorret. Ergo 
audiencia et benigno tractatu repulsis stabit regis vel excusacio vel 
querela scilicet inauditum se dampnatum, qui in prima vocacione 
pro privato et pro non rege tentus et pendente dilacione ab usu et 



a) Die VebtrseUung (abbir diese behalden, was sie gewynneo, als sjn in Mer«m 
Hebcmen unde i: tigern und© eczlicbe stete in Ungern, <Ue sie gewunoen hatteu. muüte 
tuau mit gelde von ym wedderkeuften) scheint hier den Text VOlhtuntliyei- tu ytbeu. 



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exercicio regie potestatis saltem verbaliter prohibitus est Eis vero 
concessis, omnes jam obstruentur et obmutescent lingue. 

Istud quoque serenissimi regis verbum, quo clare profitetur, se 
audienciam et tractatum postulare, ut eis verbis utamur (scilicet 
quatenus in dieta super hoc instituenda et apostolice sedis legatorum 
presencia decoranda et serenissimi doniini nostri Romanorum impe- 
ratoris augusti et aliorum regum aut celeberriorum oratorum suorum 
nostrorumque et aliorum principum federatorum suorum presencia 
illustrata [lies illustranda] barones ac satrape regni Bohemie, cives 
quoque et urbium babitatores veteris illius regni glorie admoniti, 
que non nisi sub Romain pontificis obediencia recuperari potest ac 
servari, piis exhortacionibus et suavissimis suasionibus ad obedien- 
ciam et reverenciam (?) ac conformitatem ecclesie Romane illiciantur, 
magis quoque cogantur), principibus nostris spem pollicetur indubiam, 
hec omnia supradicta non dolo vel a -tu, set sincera mente postulari. 
Hoc enim de sanctitate vestra confidunt et indubie sperant talem ili 
de se fidem esse, ut neque Serenissimus dominus noster imperator 
ceterique reges christiani ipsique cum reliquis imperii Romani prin- 
cipibus tarn regi quam regno aut regniculis nil aliud suadebunt, 
quam quod honori et glorie domini salvatoris nostri sedis apostolice 
vestreque sanctitatis conveniat sueque ac ipsius regni set et tocius 
Christiane reipublice saluti plurimum conducat. Cui operi legati 
sanctitatis vestre tanquam de superna specula superintendentes dili- 
genter incurabent et, ne quid sinistrum commisceatur, mature dili- 
genterque providebunt. 

Habet nunc vestra clemencia, pater beatissime, consideraciones 
illustrissimorum tarn electorum quam aliorum sacri Romani imperii 
principum, quoad serenissimum et potentissimum Bohemie regem, 
scilicet quibus viis christiani sanguinis effusio caveatur, regnum ipsum 
imperii Romani decus sancteque ecclesie et Christiane reipublice in 
orientali plaga solamen incolume servetur, sancte Romane ecclesie 
vestreque sanctitati concilietur. Intellexitque preces supplices de 
audiencia in loco rebus gerendis accomodo graciose concedenda 
respectu illustrissimorum principum nostrorum, nuas nullo modo cassas 
fore confidunt. Nam quod vestra sanctitas intime desiderat, scilicet 
regem Bohemie cum vestra sanctitate conciliacioni {lies conciliari), 
hoc idem principes nostri cordialiter exoptant ; licet diverso studiorum 
labore atque alio calle nitantur, ad eundem tarnen utique finem 
conspirant. Vestra quidem beatitas severitatis via nititur, principes 
vero nostri lenitatis viam adhortantur. Est autem unus idemque 
fini8 ; ad quem pervenire conamur, quem uobis concedere dignetur 
dominus Jesus per secula benedictus. Amen. 



No. 3. 1468 Januar 21. bis März 22. 

Bericht einer Gesandtschaft der sächsischen Fürsten an Papst 

Paul II 

Haupts taatftarchlv Luc. 7216 Irrungen xw. K. Georgen in Böhmen und dem Papste. 1466. 

1471. foL 16 feg. — Vergl. 8. 54 feg. 

Vormerck den handel der Sendboten der durchluchtigen hoch- 
gebornnen fursten unde hern, hern Emsts kurfursten, hern Wilhelms 
unde hern Albrechten gebrudere undc gevettern, herzcogen zcu 

Kr mia i-h, Studien. 8 



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114 

Sachsen, lantgraven in Doringen unde marggraven zcu Missin, bei 
dem Romisschen stnle in den Behemisschin sachin anno domini etc. 
LXVffl 0 . 

Den senndboten sint zcur Nuwestat in dem keyserlichen hove 
brive mit gegebin von der durchlnchtigen hochgebornen fursten 
herzcoge Ludewiges in Beyern unde der marggraven zcu Branden- 
burg reten, die im keysirlichin hove waren, an doctor Valentin 
Bernbeck des gnanten herzcogen Ludewigs rat und an meister 
Heinrichen Urdemann des marggraven rat haldennde, die im hove 
zcu Rome vorhenn (?) waren, bei den obgnanten senndboten der 
herzcogen von Sachsen zcu syn. Sollche brive synt yn geantwort des 
Fritags Agnetis,*) von stund also die senndboten gegen Rome sint 
komen. 

Des Sonnabends b ) dornoch ist meister Heinrich Urdemann, der 
marggraven rat, zcu der von Sachssen senndboten kommen, in bei- 
wesen herzcoge Ludewigs botschaft in den sachen under einandir, 
wie sie anczubringen wem, zcu handeln. Derselbig hat zcu ir- 
kennen gebin, das die brive unde credencz ym zcugesant uff einen 
handel wyse ? den die kurfursten unde fursten zcu Nurenberg uff 
dem tage Viti gehat unde beslossen habin. Es wyse auch syn 
credenczbriff, das er die sach mit unsers hern des Romisschin kei- 
sers unde der kurfursten unde fursten botschaft handeln unde an- 
bringen solle. Als er denn verstehe, das der handel zcu Nurenberg 
abeslagen unde ein andir vorgenommen sei, davon ym syne hern 
nichts schrybin, auch des Romisschin keysers botschaft aldo nicht 
ensei, lass er sich beduncken, das ym nicht fuge etwas zcu handeln 
adder mit den andern zcu thune, darinne er kein gewalt hab. Unde 
hat bedacht genomen, sich mit dem cardinal zcu Mantua syner hern 
gebornen frund, dem von sinen hern der sach halbin auch geschrebin 
ist, zcu beraten, was ym zcu thune adder zcu lassen fuge. Also 
hat er sich bedacht, und uff Montag conversionis Pauli c ) hat er den 
senndboten von Sachsen ein zcedel gesant, des synns unde der 
meinung, das er den cardinal zcu Mantua zcu rate genommen, der 
ym denne geraten hab, das er weddir möge noch solle in den sachin 
ane beiwesen der keisirlichen botschaft etwas thun adder handeln. 
Dem rate müsse er folgen. Die zcedel ist im Latino wol vorhanden. 

Also habin die senndboten von Sachsen dornach mit herzcog 
Ludewigs botschaft denselbigen tag unde andir tage dornoch ge- 
hässige t bei dem bisschove von Tyroson, des babstes heimlichsten 
referendario, auch bei eczlichin cardinaln, das sie von irer hern 
wegin gehört muchten werden. Des ist yn noch langer bearbtunge 
unde beflyssigung ein tag benennet der Montag der andir tag des 
Hornungs, sie in gemeyner sampnunge der cardinal zcu hören. Uff 
den tag haben sie die sache vorbracht, in massen hirnoch volgett. 

„Die d ) hoe unde obirswenck diss heiligen stuls wirde des sitzen- 
den darinne getzirte majestat, die von den menschin nicht, sundir von 
gote alleyn anefang getzogen hath, durch welch uwir heilikeit, aller- 
heiligster vater, under allen totlichin, welcherley wirde getzirt, das 
ich Maronis spruch gebruch, also ein hoe cipress undir nedderigen 



») Januar 21. Der Tag war jedoch kein Freitag, sondern ein Donnert tag. 
h) Januar 22 oder 231 

c) Januar 25. 

d) Die Hede ist offenbar aus dem Lateinischen übersetnt. 



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115 

Septisch obbirswebet, auch die hoe unde irbebennd gewalt, daweddir 
ie heUischen pforten nicht mögen, mich wenigen mit der zun gen 
hangennden macht gantz stum unde irswigennd. Was mucht ich 
glichs addir rechts begirlich sichir unde nüchteren vor dem reden, 
des die ere ist, das er macht hat rachunge in den nacionen, 
ansnawunge (sie) in dem folke zeu machen, in yne ein beschreben 

J;erichte zeu thune. Deshalben stehen myn hare uffgerackt vor 
urcht unde die stymme henget am gumen. Doch so haben die ir- 
luchten fursten, die die andern hern unde mich vor uwir heilikeit 
gesannd haben, ein wissen, davon in den credenezbriven berurt ist, 
aas uwir heilikeit undir allen totlichen einer ist, der mit hoer mildi- 
keit unde gutikeit mit tyffen uffmerckunge alle sachen handelt. 
Sollichs unde auch uwir untzeliche mitsamkeit gibbet mir mutt, das 
ich die befollen sachen, davon, ab uch gemeynt were, so wil es 
doch disse tzyt nicht tzemen zeu treten, noch mynem vermugen 
volfure. Welch fursten auch der luterkeit unde innikeit synt zeu 
dissim heiligen stule unde uwir heilikeit, das sie ungern etwas 
anders begeren wollen, denne was den eren diss stuls unde uwir 
heilikeit wol tzemet unde die forder gebiret unde meret. Darumbe 
igt es ferre von yn, ab ich etwas sagen wurde, das darweddir were. 
Wurde ich danne etwas des sagen, entzwar us snaben der zeunge 
adder unachtlos, wolle uwir heilikeit mir zeuschreiben unde gnedig- 
lich vorgeben. 

Zeu den sachen zeu griffen, zeempt es sich mir die obgnanten 
loblichen fursten mit iren furstenthumen zeu loben. Es sint die, 
der vorfaren mit den tyteln der furstenthumen geeret, undir den 
etzliche mit keiserlichir wirde getzirt sint geweest, unserm hern 
Jesu Christo unde syner heiligen kirchen unde zeu gebrachen ertz- 
bisschoven unde bisschoven grosse lanndherschunge obbir edel unde 
gemeyn poppe 1 inniglich gegeben haben, undir der obbirgewalt diss 
heiligen stuls, auch sunderlichen geistlichen lehen redeliche dotes 
unde reute usgesatzt haben, also das die ertzbisschove unde 
bisschove der lannde lannde unde lute regiren als die fursten. Den- 
selbigen stehen sie bey mit rate unde hulffe, verteidingen sie mit 
swerer zeerunge unde arbeit der iren , wenne es tzyt unde notdorfft 
heyscht. Es haben auch dieselbigen ire vorfaren etzliche in gewalt 
der keiserlichen wirde, etzliche also in dinste dem heiligen reiche 
dissem heiligen stul zeu tziten grosse dinst bewist, do sie obbir hoe 
berge unde tyffe abgrunde us irin lannden hirinne getzogen unde 
disse heilige kirche von anefechtunge irer fynde geloset haben, das 
mit historien uszeufuren were, das ich umbe der kurtze bestehen 
lasse. Darumbe dunckt sie nicht unbillich, das yn uwir heilikeit 
diss handels ane allen vordryss unde ungedult vorgunnen, zeu male 
die wyle es ane verletzunge uwir heilikeit unde diss heiligen stuls 
ere geschehen mag. 

Nu forder zeu reden, uwir heiligkeit, heiliger vater, hat wege 
vorgenommen, wie ir die secten, das heilige sacrament des lichnams 
iinsers hern undir beyden gestalten unde andir errenden beywege 
von den inwanern zeu Behemen usraden moge[t], ein ding das do 
recht were, abbir vorwar ane gros nedderlag unde fehrheh blut- 
vorgyssen gar swehr adder nahe unmogelich , es sey denne , das die 
gantz cristenheit von krigen gefridet were. 

In welchen sachen der durchluchtigste unde unobbirwintlich 
fürst unde her, her Friderich Romisscher keiser zeu allen getziten 
merer des richs, zeu Hungern, Dalmatien, Kroaten konig etc. syne 

8* 



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U6 



erlich unde getzirtt bottschafft uff den tag nehst in syner stat Nurem- 
berg gehalden geschickt hat, zwen bebstlich brive obbirreichend. 
Einer hilt inn, aas yn uwir heilikeit wedder den Behmen zcu us- 
farunge uwir heilikeit proces Ursache, der ander, das er dem konig- 
reiche mit einem andern konige vorsehen wolle. Dieselbigen haben 
der knrfursten ande forsten, auch graven unde stete rat gefordert 
in den dingen. Es haben auch die herren us Behmen, die hern 
Jorgen wedder synt, ire botschafft aldo gehat, sich irclagennd gross 
schadenn, der yn zeugefuget sey, unde hulffe gebeten, wie sie hern 
Jorgen wedderstehen muchte[n]. Es ist auch doselbst vorbracht hern 
Jorgen keynsatcz wedder uwir heilikeit urteil unde process; was das 
innehath, zewivel ich nicht, sey uwir heilikeit unvorborgen, unde 
darumbe obbirgehe ich das. 

So wart doselbst gehandelt sundirlich von einem heerzcoge 
weddir die Türken, zcu hulffe dem geengesten cristlichen folke. 
Zcu welchim zcoge dunckt die fursten obbirswehr syn rat unde hulffe 
zu thune, all die wyle in Behmen solliche zweytracht ist, deshalben 
das sie alle die tzeit des irthums in Behmen krig us Behmen 
wartten ande furchten müssen. 

Denselbigen fursten ist auch wol bewust, sie zwiveln auch nicht, 
es sey auch awir heilikeit unvorburgen, wie her Jorge noch asgang 
des fruntlichen tags zu sent Jorgentag •) nehst vorgangen krig an- 
gefangen hat weddir die, die sich von ym sehyden unde entsatzten, 
unde ist yn kriglichir macht halben sere obbirlegen, also das er yn 
vehl sloss auch stet angewunnen unde ein teils gantz zeubrochen 
hath. Sollichs wil ich doch nicht scherffer noch hartter an uwir 
heilikeit hirmit gebracht syn, danne es vormals entwer durch ein 
geruchte adder durch vorkundigunge der, die sollichs gelydden 
haben, an uwir heilikeit gelanget ist. Unde es ist zcu furchten, 
das das gehorsam folk, das die Sitten disser heiligen kirchen heldet, 
des keyne redeliche stat in Behmen eynick addir darbennd ist; 
entweer behaldung halben syns tzytlichen guts sich zcu dem andern 
teyle setcz in eynem sehyne, entwar us dem lannde zeyhe, also 
das ein ewig ungetzweit sytt blebe in dem gantzen konigreich, wie 
swehr denne wirdet das konigreich des gebrechens zcu reformiren, 
mag yderman lichtlich mercken. 

Also sie nu raten sollen in die ding tyffer sehennde, wie man 
sollichir unde andir fare unde beswerunge enkegen möge kommen, 
haben sie gedacht, es retlich were, das man weddir herren Jorgen 
unde das ungetzempt folk fruntlichir tage sussikeit vorneme, also 
sie denne dorst nach dem lobe des namen uwir heilikeit, auch noch 
fryde in dem heyligen reiche, also sie auch gerne abewysen wolden 
alles was zcu hinderung ist dem zcoge weddir die Türken. So 
haben sie getruwelich zeunucht zcu uwir heilikeit, als zcu dem, der 

Semeyns fryden ein vater unde merer ist, der auch geensts crist- 
chs folks ein milder mitleider ist. demutiglich bittennd unde us 
luter begirung heyschind, das uwir heilikeit in den dingen ein gut- 
lichen tag in Dutzschen lannden uslegen, einen legaten mit vollem 
gewalt wol undirricht darzcu schicken, auch dartzu ertzbisschove 
unde bisschoff der lannde forderen wolle, auch dartzu ruffe unsernn 
allergnedichsten hern Komisschen keiser, andir kurfursten unde 
fursten geistlich unde werntlich, die uwir heilikeit dartzu gut 



») Aprtl 28. 



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117 



duncken. Dartzu sal kommen her Jorge addir syn volle gewalt 
unde die andern syns teils. Es kommen auch dohen syn wedder- 
parttye in Behmen unde alle die, die uwir heilikeit nutz syn irkennet. 
So sal denne der bebstlich legat wege vornemen, die zeu der sachen 
bequeme syn, unde ist zeu hoffen, das die sache zeu gutem ende 
begirlich bracht werde. Danne die fursten hoffen, das ire anregunge 
unde vermanen bey ern Jorgen also crefftig syn sal, das er es 
allen andern dingen, zcumal das er gnade uwir heilikeit irlangen 
möge, vorsetzen solle, zcumale so er yn unde andern vormals ge- 
sehriben unde sollichen tag zeu legen gebeten hath. Sie hoffen 
auch, das uwir heilikeit zeu yn sollichen glauben hab, das sie ern 
Jorgen nicht anders raten werden, wenne was gote zeu lobe 
kommet unde das der ere uwir heilikeit unde diss heiligen stuls 
bequem ist 

Man sal auch denne von der Hussiten ketzerey nicht disputiren, 
noch von dem keyn getzenck haben, das in den heiligen concilien 
unde von den heiligen bebsten gesatzt ist; danne, als er Jorgen 
schrifft selbst besagen, so dynete das wenig zeu der reformacion 
des konigrichs, sundir es zeustruwet mehr unde mehr die hertzen 
der disputirennden. Sundir das die edeln bannerhern unde burger 
der stett der alden wirde des konigreichs irmanet, die nicht wenne 
undir gehorsam der Romischen kirchen weddergebracht mag werden, 
lichtlichir gelocket denne getwungen werden. Us dem allen hoffen 
sie, dass uwir heilikeit disse bete gnediglich uslege unde zeu der 
rechten hant setcz, dartzu sie etlichir forder ursach halben beweget 
synt, danne es ist von erst vor das konigreich unde innwaner zeu 
Behmen, es ist zeu andern vor das Romisch rieh unde die Dutzschen 
forsten, es fordert zeum dritten den zcog weddir die Türken. Das 
erst wirdet also besehen, danne her Jorg ist starck unde mechtig 
zeu krigen unde syn macht obbirweget vehl synen weddertevl in 
Behemen. Darumbe ist zeu besorgen, das syn wedderteil yn Bennien 
syne macht die harre nicht getragen, sundir gedrungen werden, 
entzwar sich mit ern Jorgen gantz zeu vertragen unde zeu voreynen, 
addir sich under einander herschafft zeu geben, uff das end das sie 
vorteydinget werden. Geschege das, so wurde das konigrich von 
einander geteilt zeu synen selbst schaden unde wer zeu furchten, 
das es nymmer mehr weddir zeu hulff gethan wurd. 

Es mucht auch geschehen, das alle innwaner zeu Behmen 
undir einander unde mit ern Jorgen ewiglich geeynt wurden unde 
darbey wurd nicht gedacht des weddirwillen uwir heilikeit noch 
des, was uwir heilikeit daran gelegen, als des etwas durch ein 
gerucht an uns gelanget ist, noch der tzyt als wir von unssern hern 
gescheiden syn. Daraus entstund ein nuwe ungnade allen inn- 
wanern zeu Behmen uwir heilikeit zeu schaden des konigrichs. 

Unde ab das alles nicht were, sundir uwir heilikeit hulff irlanget 
weddir her Jorgen, so folget doch dem stritte unde krige vorlust, 
nedderfallen vehl lute, todslag, verlemung, bornen, stet unde slos 
yrwinnunge, raub unde ander untzeliche Scheden unde dennoch undir 
der fare, das den ungehorsamen unde frevelern also lichtlich der 
syg unde obbirwynnunge zcufallen mucht, also den gehorsamen unde 
rechten. Danne es steht aller krig in ungewiss unde die obbir- 
windung ist nicht ein geselle der gereebtikeit, es weiss auch nymands, 
ab unser adder der andern tag sey. 

Das es abbir vor das Romissch rieh sey, findet sieh also. Danne 
es muebt in der zwytracht die gerechtikeit des konigrichs befollen 



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118 



werden einer herschafft, die das Romissch rieh obbir sich nicht be- 
kennet, der herre wolde des konigrichs gebruchen noch sinem 
rechten, wolde das also entezihen dem Komisschen ryche, des es 
ein sundirlich smuck ist. Sollichs denne nicht fuget dem Romisschen 
riche unde synen fursten mit unachtloss zeu obbirgehen. 

Es muchten auch die Dutzschen fursten durch nuwe nackebor- 
schafft beswert werden fromder herschafft, die sie gedechten zeu 
besweren an iren vorteilen unde friheit. 

Es ist auch gewiss, das das Königreich zeu Behmen durch inn- 
wendige krige in armutt fallen wirt. So mucht sich das verermet 
Behemisch folk zeu hauff in einen heertzog sammeln unde die umb- 
iegen nd lannd obbirtzyhen, sich mit raub name irwynnunge der 
stett unde sloss zeu rychen. 

Us dem allen entstunden in Dutzschen lannden nuwe krige 
unde uffrur zeu swechunge der lannde, die sich in vorgangen jaren 
selbst undir einander dermasse vorterbet haben. 

Abbir die forderunge des zcoges weddir die Türken wirdet 
lichtlich besehen. Danne es ist kum zeu finden einen Dutzschen 
fursten, der in der zwytracht syn stritpar folk weddir die Turcken 
schickt, sundir ein yeder vorsytt synen eygen frommen, hat in 
achtunge, wie er die Krige, die us Behmen weddir yn vorgenommen 
mögen werden, von ym wysett. 

Wenne abbir die zweytracht unde errunge in Behmen durch 
die addir andir wysse weg geleget wirdet, so wurden die Dutzschen 
fursten nicht schonen muhe arbeit addir zeerunge, sundir wurden 
sollichs mildiglich mit rat unde hulff weddir die Türken keren ? wo 
es der cristenheit not were. Obbir das alles, ab uwir heilikeit 
disser bete stat gibbet unde folget, so ist doch keyn schade dorbey. 
Es wirdet auch uwir heilikeit noch diss heiligen stuls ere nicht ge- 
remet (sie), so als nicht mehr denne ein cleyne tzyt gebeten wirdet, 
bynnen der die sache in sollichen handel getzogen wirdet, die keyne 
fare in ir hat, sundir entwer, sie setzt die Behmisch sach in yr ge- 
hofft ennde addir sie hetzt den zcora aller wedder ern Jorgen, wo 
er mutwillig unde in ungehorsamen noch allir vormanunge irsehynen 
wurde, unde die fursten alle wurden uwir heilikeit desde grossere 
gehorsams unde luterheit schuldig. 

Wurde abbir sollche eynunge gemacht, also zeu hoffen ist, was 
denne lob unde ere uwir heilikeit us dem folgen wurd, kan ich 
nicht usgesprechen noch im hertzen begriffen. Es mag auch ny- 



engesten gehorsamen folks in Beheraen unde zeugehorigen lannden 

Sesehen hat. Doch sage ich, die konige der erde unde alles folks 
ie fursten unde alle nchter der werlde, die jungeling unde junck- 
frawen, die alden mit den jungern werden loben den namen uwir 
heilikeit. Mucht nu die vormanunge der fursten etwas gethun, wer 
eynerley sach, entzwar der mitlydunge der gutikeit, der mildikeit 
addir wie das kommen mucht, die die ding raten mögen. So raten 
unde vormanen die fursten, das uwir heilikeit uff das ende das grossir 
argk umlir kommen werde, dissir fare mit luter mildikeit zeu hulffe 
komme, danne es ist weddir diss noch jhennes, sundir nutze lieh ir 
schade in der fare, unde es ist vorselich, das man also thun sal, 
wo' gross mennige in der sach ist, das man dem ernste entezihe. 
Danne es ist wislich, das Johannes der babst Justino dem keiser, 
der die Arria nisschen ketzer us synem rieh tryben wolde, durch 
syne botschafft verbot, das er es nicht tete, sundir die ketzer ge- 




smertz unde betrubnus des ge- 



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119 



dultiglich leyden wolde, deshalbin das gantzen Welschen lannden 
darus gros vorfolgung entstünde von den Gotten etc. Also wart 
der k eiser beweget durch die bete des babsts unde vorhing, das 
die ketzer in synem reich bliben, das ander gleubige menschen an 
andern enden nicht geleydiget wurden. Wie vehl mehr solle disse 
bete zcugelassen werdin die nicht heischt duldunge addir vor- 
hengunge der ketzerey, sundir gibbet rat getruwlich wie der irthum 
abegetragen unde das* folk mit dem Romisschen stule voreyniget 
mucht werden ane schade unde blutvorgyssen. 

Zculetzt honen die fursten, das sollich ire bete nicht unnutz 
noch ytel sein sollen, danne alles das uwir heilikeit begert, nemlich 
ern Jorgen unde der synen voreynunge mit uwir heilikeit unde dem 
Romisschen stule, dasselbige begeren unde wünschen auch die 
fursten von hertzen. Unde wie wol das sollichs durch ander arbeit 
unde ander wege gesucht wirdet, so uwir heilikeit den weg des 
ernst vor sich genommen hat, abbir die fursten raten den weg der 
gutikeit, so sufftzehn sie doch noch einem ende mit uwir heilikeit, 
welches end geruche zcu geben got ein liber unde mehrer des 
frides ymmer unde ewiglich gebenediget. Amen." 

Uff die Werbung hat unsir heiliger vater mit den cardinalen 
einen bedacht genommen umbe ein antwort zcu geben, unde wenne 
er des rats wurde, wolde er yn das vorkundigen. Also hat sein 
heilikeit des Dinstags dornoch den senndboten lassen sagen, das 
er etzlichen cardinalen die sache befolen hett, die wurden yn uff 
die Mittwoche in des cardinals Niceni hus ein antwort geben. Die 
antwort lutet also hir nachfolget. 

Vormerckt antwort, die die ernwirdigsten in got veter unde 
cardinel hirnoch benannt der Nicenus. sancti Angeli, Spoletanus, 
Rothomagensis, de Ursinis, die bisschove von Ferrer unde von 
Tyroson us sundirlichir befelunge unsers heiligen vaters den 
senndboten der durchluchten hochgebornen fursten hern Emsts 
kurfursten zcu Sachssen, hern Ludewigs zcu Beyern, hern Wil- 
helms unde hern Albrechts auch zcu Sachssen hertzogen an der 
Mitwochen noch Dorothee ») uff die werbunge an Montage b ) zcuvor 
an syne heilikeit gebracht gegeben haben. 
Der cardinal Nicenus der Kryche gnant hath von ir aller be- 
gire geredet des synnes: 

Es were wol not umbe der grosse unde swere der Sachen vehl 
unde lange wort zcu gebruchen. Abbir so als die sache ydermanne 
also konigen ) fursten, bisschoven, prelaten, graven, hern, burgern, 
buwern unde ydennenniglich offinbar lange tzyt vorhannden geweest 
unde offintlich gehandelt ist, wolle er darzcu wenig wort gebruchen. 

Unde hat die rede vor unnserm heiligen vater geschehen in 
drey teil geteilt. Zcum ersten hetten sie des Romisschen stuls 
wirde unde gewalt hoch unde erlich angetzogen. Sollichs hett unnsir 
heiliger vater von den fursten gern vorstanden, das sie solliche libe 
unde innickeit zcu dissim heiligen stule hotten. Danne der stul 
unde die wirde unde gewalt wer aller ere weert von des cristen- 
glauben wegen, in des crafft die ere dem stule ertzeiget wurde, 
ussirhalb welchim glauben nymands selig muchte werden. Unde der 



a) Februar 10. 

b) Februar 8. 



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stul were sollicher ere wirdig, die do nicht uszcusprechen were, 
der durch grosse vordiust der heiligen zwelffboten gewirdet unde 
us gotlichir gewalt usgesatzt were. Sollichs wolde unnsir heiliger 
vater in veterlichir gutikeit zcu alletzyten irkennen. 

Im andern teyle netten die senndboten die durchluchtigen fursten 
yre herh hochgelobet unde loblich angetzogen von grossen wolteten 
der heiligen Romisschen kirchen unde der pristerschafft bewyset. 
Daruff hat der cardinal eine sollche rede gethan, das unnserm hei- 
ligen vater dem pabste unde den veteren do keynwertig unde andern 
unvorborgen, sundir wol bewust sey, wie die fursten bei der hei- 
ligen kirchen und dem Romisschen stul vebl guts gethan unde 
sundirlich das huss von Sachsseu vebl grosse strytte keyn dem Ben- 
nien gefurt unde sich unde die iren darumbe hart angenommen, 
auch darobbir grosse Scheden an luten unde an gute genommen 
hetten; dovon sie bey dem stule zcu Rome unde allin gleubigen 
untotüch lob unde ere irwunnen, unde die gestorben haben die crone 
der merterer unde das ewige leben darumbe entpfangen. Es synt 
auch solliche durchluchtige fursten, der stam von alders bey tusent 
jar unde lennger mit dem cristenglauben heerkommen ist, ir obir- 
eldern unde vorfaren auch vehl grosse lobeliehe wergk gethan haben. 
Unsir heiliger vater setzte das in keynen zwivel, denne das disse 
fursten, die von also loblichim unde erlichim stannde heerkommen 
synt, der elderen unde vorfaren so lobliche ding in der cristenheit 
zcu stercke des cristenglauben gethan unde domit ewig lob unde 
gedechtnus uff erden bey dissim stule unde allir cristenheit vordynt 
haben, den fusstappen irer elderen unde vorfaren nochgehen unde 
also gehorsam kinder diss heiligen Romischen stuls des obbirsten 
der gantzen cristenkirchen auch yrschynen werden in den Sachen 
den Gersiken den Behmen belangennd. 

Im dritten teil der rede were gebeten, das unnsir heiliger vater 
der babst einen gutlichen unvordingeten tag in Dutzschen lannde 
in der Behemisschen Sachen ussetzen unde einen legaten von syner 
heilikeit wol underricht darzcu schicken, auch unnsern gnedigen 
bera Romisschen keiser darzcu forderen wolle, da der legat bequeme 
unde geborliche wege vornemen muchte, damit solliche zweytracht 
unde weddirwille zwischen unnserm heiligen vater unde dem Beh- 
men weggeleget und uff lobelich ende bracht mucht werden, darzcu 
auch mancherley Ursachen irtzalt synt» 

Daruff ist also geredet, das unnserm heiligen vater nicht syn- 
lich ist, das es auch hiebt fuglich noch bequeme sey, das svne 
heilikeit einen sollchen tag ussetzte, die sache also zcu handelen, 
darumbe das die sache vormals in vehlen concilien auch bey Vehlen 
bebsten gehandelt sey, unde noch tyffer besynnung were beslossen 
unde gescheiden, was in den Sachen gehalden solle werden. Es 
weren auch in der sachen vehl legaten gesenndt, beyde cardinal- 
bisschove unde ander, unde wer alles unnutz unde umbesust geweest 
So weren offinbar Satzungen unde ordenunge der heiligen veter das 
sich nicht tzemet us Sachen den cristenglauben belangennd, die 
einmal gescheiden unde gesatzt weren, anderweyt zcu disputiren. 
Es were eine swechunge des glauben, der unzwivelich gehalden 
solle werden. So weren auch die satzunge der heiligen veter uff 
das ander teyl gewyss, wie sich einer halden sal, der in dem glauben 
geerret hat unde sich wedder vorsunen sal. Darumbe so were es 
ein unutze unde unbequeme ding sollichen tag uszculegen. Danne 
wolde der Girsiek uff dem tage disputiren von den stucken, die 



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121 



vormals in den concilien unde durch die heiligen veter beslossen 
synt, das ist nicht zcu gestatten. Wolde er sich abbir mit der hei- 
ligen kirchen wedder versunen, so were abbir nicht tzymlich darumbe 
einen tag uszculegen. Denne es ist genuglich usgesatzt, wie 
einer, der us der gehorsam gefallen ist, sich vorsunen sal. Der 
weg stehet ym offin, er komme also er kommen sal. Er irkenne 
sich also einer der geerret hat, er komme alher geyn Rome, da der 
obbirste stul ist der cristenkirchen , das eine heilige stat ist umbe 
grosse vordinst der lyben heyligen, die die stat durch yre marter 
unde gute werck geheiliget haben, da vergebunge der sunde ist. 
Er lass sich nicht duncken, das es ym eine beswerunge sey, danne 
es kommen keiser konnige unde fursten an den stul unde bewysen 
yre ynnikeit unde iren gehorsam; vehl billichir tut der Girsick 
ein sollichs in dissir grossen mercklichen Sachen. Unde denne so ist 
unsir heiliger vater bereit yn ufftzunemen unde den schoss der 
kirchen ym zcu offenen. Also abbir in der rede berurt ist von vehl 
fare unde Scheden, die sich irgeben muchten, wo die sache mit 
ernst weddir den Gersick vorgenommen wurde, was des cardinals 
antwort, das unnsir heiliger vater anesytt, das disse sache den 
cristen glauben betrifft, auch offenbaren yrthum unde hartikeit des 
Gyrsicken unde der synen wedder den cristenglauben : darinne sal 
keyn furchte hindern die Sachen noch notdorfft zcu volfuren. Unde 
syn beilikeit hofft zu gote, des sache gehandelt wirdet, der do nicht 
vorlesst die hoffenden in sich, auch das die kirche, die von dem 
heiligen geiste gereigirt wirdet, von ym nicht erren mag, das auch 
got der almechtige mechtig ist us "den steynen ufftzuwecken die 
kinder von Israhel. Desbalben hofft seyn heilikeit zu gote, er 
werde die synen nicht vorlassen, sunder barmmhertziglich ansehen 
unde yn helffen. 

Also auch in der rede forder von andir ferlichkeit berurt ist, 
saget der cardinal, das der fare keyn hindern wirdet, wenne die 
fursten getruwen Üiss ankeren wurden. Die macht des Gersicken, 
also die angetzogen ist, hindert nicht. Danne wurden die fursten 
sich angriffen unde bewysen, also sich yre vorfaren in den sachen 
bewiset habin, so mucht der Gersyk noch syne helffer weddir sie 
unde die gleubigen in der crone nicht bestehen. 

Das auch berurt ist von fromder herschafft, dem das konigrich 
befolen mucht werden, erret auch nicht; danne wollen sich die 
fursten in den sachen selbst bewysen als yrer vorfaren getan haben 
unde sie dem glauben schuldig synt, so wirdet das konigrich keyner 
fremder heerschafft befolen unde die fursten konnden das wol tnun. 
Es were auch noch nye also lichtlich zcu thune geweest also itzt, 
deshalben das im komgriche unde in Behmen vehl hern edele unde 
stete gleubig unde die innwaner im konigryche under sich zcuteilt 
synt So ist unsers hern rede: ein itzlich ryche under sich zcuteilt 
wirdet zcustoret unde vorlassen. Also mögen sie lichtlich dem einen 
teyle zcu hulffe kommen unde sollche ungleubige zcustoren unde 
usczuraden. Wurden sich die fursten also trostlich unde hulfflich 
irkennen lassen, das wurde unnsir heiliger vater gutiglich uffuemen 
unde in veterlichen mildikeit irkennen. Es wurde auch got unbe- 
lonet nicht lassen. Wurden abbir die fursten nichts darzcu thun, 
so were syne heilikeit schuldig syn ampt anzcukeren mit getwange 
unde wie not were, unde so wurde syn heilikeit Ungern unde Polen 
darzcu ruften unde laden unde alle die, die er dartzu nutze unde 
not irkennet. 



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122 

Sollichs were ym befolen uff die getban rede zcu sage. Doch 
wurde unnsir heiliger vater den senndboten syner heilikeit willen 
auch selbst offennen. 

Noch der antwort der cardinel haben die senndboten sich be- 
arbeit, das vn unnsir heiliger vater yrleuben unde bebstliche be- 
nedigung geben wolle. Hat yn syne heilikeit lassen sagen, so als 
der cardinal antwort enthafft uff yn gewiset hett, so wolle er yn 
selbst yn der sampnung der cardinal ein antwort geben. Umbe sollen 
antwort haben sie bey dem Tyrosinensi unde andern geflissiget, das 
er daran sey unde syn forderunge darzeu thun wolle, das yn unsir 
heiliger vater ein antwort geben unde weg fertigen wolle. Bynnen 
des fyle ein wedderwertikeit zcu wedder unsern heiligen vater, 
desshalben er der Sachen nicht wartten mucht. Auch komen mit 
zcu die fastnacht, die der Romer sunderliche feste sein, das es sich 
bes in die faste verzcog. Also yn doselbst nicht antwort wart, so 
haben sie gar flislich angehaben sich zcu bearbeiten, des nacht 
zcu pallas zcu ryten unde antwort zcu fordern, bes so lannge das 
yn ein tag benant wart, nemlich der Montag noch Reminiscere *) 
antwort zcu hören von unserm heiligen vater. Uff den tag hat 
unnsir heiliger vater sechs cardinal der und andir sach halben zcu 
sich gefordert unde in der keynwertigkeit antwort gegeben des 
synnes. 

Von erst hat er sie gebeten, das sie gedult haben unde vor 
Unwillen nicht nemen wollen, das er sie so lannge aldo habe stehen 
lassen. Danne ym weren andir treffliche sache zcugefallen, domitt 
er beladen were wurden, auch die feste unde anders. Dornoch hat 
er angehaben, wie wol er yn hett zcu entpotten, er wolle in eyner 
sampnung der cardinel antwort geben, so hat es die tzyt also nicht 

Seschickt, das er die cardinal bey einander haben mucht Er hab 
och itzt bey sich die eldesten cardinal, das es zcu dem genug sey. 
Forder hat er geredet, nachdem er von den cardinelen, den er die 
sache befolen hat, underricht sey, wie die antwort gelutet hab, also 
lasse er es bey der antwort bestehen unde sage, also sie gesaget 
haben, das es sich dem stule nicht fuge, eynerley tage zcu lege in 
den Sachen, die vor langen jaren in mehr concilien gehandelt unde 
beslossen syn. Nochdem auch ein sentencie unde urteil noch langer 
gesatzter frist gegeben ist, danne er hab des mannes gebeitet unde 

Seharret obbir newn monden, darumbe vorsehe er sich zcu den forsten, 
as sie ansehen werden, das sollich yrthum gar von langst heer ver- 
teilt unde verdampt, auch von iren vorfaren in gehorsam der crist- 
lichen kirchen gross gethan ist zcu vertelgunge des irthums unde 
sunderlichen von dem huse von Sachssen unde das sie werden des- 
halben nochfolgen den fusstappen iren vorfaren unde yre ere, die 
yn dermasse zeugestanden ist, gedenken zcu mehren, indem das sie 
also starke ritter unde resen hclffen den irthum vertelgen. Sollichs 
begert er auch flislich von yn. Darvon werden sie ewigen Ion nemen 
in dem andern leben unde nie breitung yrer ere erwerben unde da- 
von sollen hoffen gutikeit unde Ion mit befrihung unde anderem von 
dem heiligen stule. Auch so stehe dem Gersike der weg noch 
offenn: er irkenne syn yrthum unde weddirruffe syn bekentniss, 
das er vor einem bebstlichen legaten bekant unde gesaget hab, das 



*) Mär» 14. 



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123 



er in dem glauben geboren sey, das sacrament undir beydeh gestalt 
zcu nemen glauben, das es zcu der seien heyl sey; er sey darinne 
erneret unde wolle darinne sterben ; das er auch das vdolum unde 
den aptgot von der kirchen zcu Präge, den grossen kelch, darundir 
er mit einem swert sitzt, abethu unde globe cristlich unde gehor- 
samlich zcu leben unde komme denne zcu dem stule geyn Rome, 
so solle er gnediglich uffgenommen werden. Unde wurde sich der 
Girsick also irkennen unde bewysen, wurden denne die fursten kom- 
men unde bytten, so muchten sie irhoret werden. Er hat auch be- 

Sert, das die fursten den Girsicken daran wysen unde halden wollen, 
adurch solliche fare, davon sie in irer werbunge beruren, weg- 
genommen werde, so wolle er sich auch also ein gutiger vater keyn 
yn bewysen. 

Unde domoch hat er den senndboten irleubet unde bebstliche 
benedigung gegeben. Also die senndboten nw von Rome ryten wol- 
den an der Mitwoche domoch»), hat yn des babsts cubiculirer ein 
des Dinstags zcu nacht eine tzedel gesant des synnes, das unnsir 
heiliger vater begere, das sie nicht abescheiden wollen hinder syner 
heilikeit ; es were ein senndbott kommen unsers hern Romisschen 
keisers, mucht etwas zcufallen mit yn rede zcu haben. Die tzedel 
lutet also, als ir copien innehelt. b ) Also haben sie es nicht wissen 
abezcuslahen unde haben sich darinn gegeben, doch haben sie dor- 
noch des Dornstags zcu nacht unde zcu tag . . . °) hart geflissiget 
umbe antwort unde urleub. Das ist vorzcogen wurden bess uff 
Sontag Oculi 4 ). sint sie gewiset zcu dem cardinal sancti Angeli. der 
hat mit yn reae gehat des synnes: er were der, der sollich uff- 
halden geraten hett ym besten, danne es were ein orator unde 
senndbot des Romischen keisers kommen zcu unnserm heiligen 
vater, auch in sachen den Behmen belangennd; hett er bedacht, ab 
der etwas vorbrengen wurde, darumbe not wurde syn den fursten 
botschafft zcu thune, das tete nymands bas wenne sie. Er höre, 
das der Gyrsick ym nicht lasse genügen, das er im lande zcu Behmen 
den gehorsammen schade unde gedrengnis thw, sundir er hab auch 
gros folk gesant weddir den Romisschen keiser unde wolle den 
auch bekrigen. Unde unnsir heiliger vater vorwunder sich sere, 
das die fursten von Sachssen den Girsicken also lassen hersschen, 
so sie doch des Romischen keisers nahe frund synt, unde yn were 
wol zcu raten, das sie sich in den sachen anders bewysen wolden, 
also yre elderen unde vorfaren gethan haben, weiden sie anders 
zcu grosseren eren kommen. Us den sachen muchte sich wol lin- 
den etwas mehr zcu reden, wolden die senndboten etzliche tage 
lenger vortzyhen. So sie abbir zcu dem wege geschickt weren, so 
wolde er es auch dorbey bestehen lassen. 

Also sint die senndboten des Dinstags noch Oculi e ) us Rome 
weddir geritten. 



a) Märt 16. 

b) Diese Abschrift befindet sich in demselben Aktenstücke JoL 15. 

c) Loch im Papier. 

d) Märt 20. 

e) Märe 22. 



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No. 4. Kom, (1468) Mai 12. 

Melchior von Meckau an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. 

Original im Ilauptstaatearchiv. WA. Italien. 8achen BL 10. — VergL 8. 63. 

Mit undertenigen willigen dinsten awern fürstlichen gnaden 
alzceit bereyt Durchleuchtige hochgeborne forsten und hern. Awer 

Snaden han vorstanden geleygenheyt aller Sachen durch den wir- 
igen awern gnaden ambasiator und rath ern Johan Scheybe *), 
auch dorbey seynen besundern fleiss. Dornach uff Dornstag nest 
vor Ostern b ) ist hyr gewest Henrich von Eynsidel und Henrich 
Trochses und mit mir gereth noch geheysse awer gnaden und des 
gnanten Ordinarien rathe, sich erbitende, wer is not ader nutzlich, 
sy weiden personlich mit unserm heyligen vater reden. Haben wir 
nicht mögen irkennen nutzbarkeyt dorinne, wen seyn heylikeyt ge- 
antwert hetthe, is were genugsam geschreben nest mit awern gnaden 
rethen dem von Lavant, sich forder geborlich yn den Sachen zcu 
halden und sulche ladunge uffslahen ; dowyder sy nicht hetten mocht 
gereden. Ich han yn geczeyget abeschrifft des breve dem von Lavant 
zeugeschicket, sulche abeschrifft ich auch dem ordinario vor ge- 
schicket han und aber itzund schicke, dy ich mit sunderlicher weyse 
zcu wege brocht han. Uff Montag noch Ostern c ) synt Eynsidel und 
Trochses keyn Venedige geritthen, wen sy daz sterben besorgeten, 
daz sere angefangen had zcu Rome. Ich habe nicht mögen dy 
bullen ere geschicken, alzo awer gnaden werden horn von dem or- 
dinario. Der bisschoff von Ferrer ist ausgeritthen legat yn Deutze 
land vor acht tagen und vil bullen wyder dy Behemen gefurd. Der 
Jersig had hyr eynen ritter mit sechs pberuen und ist gnediclichen 
gehört gewest eyns ader czwyr. An sand Marcustage d ) ist der 
fryde yn Welschen landen bestetiget, yn masse ich awern gnaden vor 
lang eyn copie geschicket han. Awer gnaden lassen mich wissen 
antwort des von Lavant. Geben zcu Rome an sand Pancraczentag. 

Awer fürstlichen gnaden 
dyner Melchior von 
Meckaw 

Aufschrift an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. 



a) Ueber dessen Au/enthalt in Rom vergl. 8. 54. 

b) 1468 April 14. 

c) 1468 April 18. 

d) April §5. 



No. 5. (1468) Juli 13. 

Derselbe an Kurfürst Ernst. 

Original im Hauptstaataarchiv. WA. Italien. Sachen Bl. 11. - Vergl. 8. 85. 

Meyn undertenige dinst awren fürstlichen gnaden alzceit bereyt. 
Gnediger herre. Awer fürstliche gnade habe nicht Unwillen, daz 
ich yn zo langer zeeit nicht an awer gnade han geschreben. Wen 
noch der zceit awer gnaden rethe von Rome seyn geritthen, ist 
nichtz nawes zcu Rome gehandelt eweh zcu schreyben. Der Be- 
hemen und des von Plawen Sachen seynt geswigen. Dy Schiffer von 
Venedige haben aber ir botschaft zcu Rome. Von des keysers und 



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koniges von Polen botschafft sal awer gnade lange zceit vorstanden 
han, wy dy treflich synt zcu Rome gewest und der babest dem 
Grafennecker selber das crewcze gab. Des koniges botschaff be- 
gerte an unsern vater den babts zcu bestetigen dy richtunge der 
Dew[t]schen herren und des koniges ; daz wart yn vorsaget, wen der 
babts den orden nicht wil gancz lassen vorgehen. Der meister 
von Rodis ist itznnd gestorben zcu Rome; eyn Roman vom ge- 
schlechte Ursinis ist gesaczt zcu eynem meister, ich besorge her 
wert nicht uffgenomen zcu Rodis. Item is synt gefangen gewest 
firczehen man und frawen und yn acht tagen öffentlich ausgefurd 
vor keczer zcu Rome und haben etliche artikel gehabet, alzo eyn 
rede gingk, ym bisthum zcu Reynspurg wyder dy heylige kirche, 
und etliche haben wyderruffen una etliche nach gefangen sind. 
Awer gnade sey an czweyfel, daz ir an keynen Sachen vorkurczt 
werdet. Geben zcu Rome an sand Margareten tag. 

Melcher von 

Aufschrift an Kurfürst Ernst. Meckaw. 



No. 6. (1468) Sept. 1. 

Derselbe an Kurfürst Emst und Herzog Albrecht. 

Original im Hauptataataarchiv. WA. Italien. Sachen HL 12. - Ver*L 8. 35. 

Mit undertenigem willigen dinste, gnedigen hochgeborn fursten. 
Ich han bynnen acht tagen geschreben awer fürstlichen gnaden, wy 
der von Plawen eynen boten hir habe gehad lenger den viher ader 
funff wochen» der mit dem cardinal sancti Angeli grossen üeis thu 
wyder awer gnaden, und derselbege bothe sey uffgehalden bis uff 
datum derselbigen meyner schrifft; sunder ich besorge, sulch Sachen 
mochten nicht lenger vorczogen werden, und waz awer gnaden guts 
dorinne beduchten, an mich zcu schreyben. Nu ist noch sulcher 
böte uff heuthe nicht aussgericht, sunder mir ist zeugesaget nichtes 
nicht dorinne forder zcu thun bis uff zeukunfft des bisschoffs von 
Tirasons, der yn dreyen tagen komen sal von dem konig zcu Nea- 
polis. Nu hoffe ich sulche schrifft sey awer gnaden geantwort, mag 
awer gnaden forder an unsern hern den keyser schicken und treff- 
lich zcu schreyben, wen ich besorge dem von Breslaw werde dor- 
inne ernstlicher geschreben zcu thun. Und awere gnaden seynt 
sicher, daz meynthalben keyn tleis gespart wirt. Auch han ich yn 
sulcher gnanten schrifft awern gnaden geschreben, wy ich mit des 
lantgraffen von Hessen procurator byn gefordert von dem cardinal 
von sand Marco und dem Tirasonensi und befolen an awer gnaden 
zcu schreyben, dy Sachen von Behemen zcu herezen zcu nemen und 
dorbey alle antwort und gelegenheyt der Sachen von Plawen. Auch 
wil ich forder an awer gnaden schreiben noch zeukunfft des gnanten 
bisschoffs von Tirason. Geben zcu Rome an sand Egidientage. 

Awer fürstlichen gnaden dyner 
Melchior von Meckaw. 

Aufschrift an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht 



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No. 7. (1468Sum Oct, 10.) 

Protokoll über Verhandlungen zwischen den sächsischen Fürsten 
und dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg. 

Hwptateatearcblv Orig. No. 7989. - Vergl. 8. 76 fg. 

Ratslag zu Erffurd in der Behem ischen sache. 

Geratslaget in dem furnemen unsers heiligsten vaters des babsts 
und unsers hem des Romischen keisers in der Sachen gein Behemen. 

Item nachdem beide houbter yre meynunge geseczt haben uf 
vier punekte, zum ersten das crucz an sich zu nemen und den ablas 
dorumbe zu predigen, item kisten zu seczen dorin das geld vom 
ablas möge gelegt werden, item gemeinschafft und zufüren gein Be- 
hemen den widerwertigen der kirchen zu verweren, item zu ver- 
helften das der zehinde Pfenning von der geistlichkeid zu demselben 
cristlichen wercke gegeben werde, ist beslossen, das der furste, 
der durch den zukünftigen bebstlichen legaten der obgeschriben 
Sachen halben zum ersten angesprochen wirdet durch Ursache, die 
yn fuglich beduncken werden, sinen bedacht uf des legaten an- 
brengen nemen sal, so lengst er mag an ym erlangen, item das er 
den andern fursten von stund verkünden sal was an yn der Sachen 
halben durch den legaten gelangt sey, item er sal den andern fur- 
sten durch sin schrifft einen tag verramen umbe der Sachen willen 
an die gelegensten stad, so das gesein mag, personlich zu komen 
oder mit volkomener gewald zu schicken, eymg zu werden einer 
antwert und wie sich die fursten in den Sachen halden wullen, item 
wie der gTund entwert dem legaten zu geben zwuschen den fursten 
evnmutiglich geschepft und gefasst wirt, das sich danne die fursten 
alle, so das zu schulden kompt, dornach thun und halden. Item 
nachdem das werck nicht allein die fursten sundern die ganezen 
nacion berurit, ist geratslagt, das man von stund an iglicher fürst, 
da es ym am gelegensten sey, h* issige forsch unge habe, nemlich herzog 
Ernst und herzog Albrecht von Sachsen bii den erezbischoven von 
Salczpurg, Collen, dem pfalczgraven und den Beyerschen fursten, 
herzog Wilhelm bii den erezbischoven von Mentz, Magdburg und 
den landgraven von Hessen und maregraf Albrecht bii dem erez- 
bischove von Trier, bischove von Mecze, den maregraven von 
Baden, den von Wirtenberg, andern wertlichen fursten, graveu, 
herren, dem adel und den riehsteten ym gelegen, wie sich dieselben 
in yren erczbisthumeu und yren underthanen bisthumen yrer geist- 
lichen und wertlichen halben halden oder halten wullen. Item das 
dieselben fursten, die sollich erfarunge thun, uf den verrampten tag 
vorgemeldt oder ehemaln verramunge des tags zu schulden kompt, 
so erst sie mögen, den andern fursten, was sie erkundt haben, schrift- 
lich underrichtunge thun uf sollichs des sie yren bedacht gehaben 
und yre Im t schafft desto statlicher zu dem tage entliche fruchtbar- 
liche antwert dem legaten zu gebin gefertigen und yr wesen in den 
Sachen zu halden uf des cristlichst beslissen mögen. 



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No. 8. (1468) Oct. 18. 

Melchior von Meckau an Kurfürst Ernst 

Original Im Hanpfcrtaataarcniv. WA. Italien. Sachen BU 18. — VergU 8. 85, 89. 

Meyn underteniger williger dinst awern fürstlichen gnaden be- 
reit. Gnediger herre. Nest vorgangen sechs wochen had der do 
ist gewest herre zcu Plawen eyn bothen geschickt hye keyn Rome 
yn seyner Sachen, und der gross unrecht von awern gnaden zcu vor- 
stehen gab, alzo ich underricht wart, und begerende, daz sulche 
sache mochte vorhord und gehandelt werden yn der gerechtigkeyt 
zcu Rome. Han ich von stund den bisschoff von Tirason, der un- 
ser 8 heyligen vaters des babts geweldigister ist, alz awer fürstliche 
gnade vorstanden hat von doctori Wissenbach und awern rethen am 
leczten gewest zcu Rome, underricht zcu gedencken und unsern 
heyligisten vater zcu irinnern sulcher zcusagung denselbigen rethen 
gescheen, daz seyn heylikeyt nichtz furder dorinne weide thun, 
wen der von Mantua noch der cardinall von der Sena nicht yn 
Roma warn. Hat sulcher seyn bothe nichtes nicht schedelichs wyder 
awer gnade mocht behalden, sunder alleyne durch seyner manch- 
feldigen und unmessiger anbrengunge wart ym gegeben eyn lewte- 
runge und clerunge aer schrifft und breve gescheen ym anfang der 
Sachen dem bisschoff von Lavand, der ym etlich czweyfel darinne 
machte. Und do ich daz ynne wart, that ich forder fleis bey dem 
gnanten Tyrason, der mir sagethe ewch zcu schreyben. daz eyn 
sulchs awern gnaden an allen schaden were, noch nicht dorfftet 
dorumbe besorgen. Schreyb ich von stund mit vorgeben botschafft 
awer gnaden ewch dornoch zcu richten, ab der von Lavand weide 
wyder ewch su etwaz vorsuchen. Ist, der sulche briffe antworten 
sohle, uff dem wege gestorben und dy briffe mir wyder keyn Rome 
yn acht tagen geantwort. Han ich ander disse briffe geschickt 
eylende an Hans Muller keyn Norenberg, awern gnaden dy forder 
zcu schicken, were aber macht doran gelegen, hette ich selber eyn 
eygen boten geschickt. Awer gnade lasse mich yn czeytcn vor- 
stellen, weide der von Lavant wyder sulche zcusagung den rethen 
gescheen etwaz anheben, wil ich wol dorwyder seyn; wen der von 
Tirason, alzo ich vorstehen, awern gnaden gar vil gutes gan und 
mir dy antwort oben berurt öffentlichen zcusagete. Auch, gnediger 
herre, man red gar faste daruff, daz yn awern landen daz crewce 
nicht tar geprediget werden wyder dy Behemen und etliche schriff[t] 
dorvon kommen sint, daz ich vorantworte, wu daz fugk hat. Gne- 
digister herre, is synt gemacht acht cardinall yn der nest vorgangen 
weygfasten, funffe yn Welschen landen, nemelich der von Vinczencz 
des Dabts suester son, eyn monich der barfussen orden, der bisschoff 
von Aquila und Neapolitan und eyn graffe von Monteferrat, und drey 
aus Welschen landen, eyner yn Engeland, eyner yn Ungern und 
eyner yn Franckreych, do dy konige vor gebethen han. Anders ist 
nicht nawes awern fürstlichen gnaden zcu schreyben. Geben zcu 
Rome an sancti Lucas tage. 

Awer gnaden dyner 
Melchior von Meckaw. 

Aufschrift an Kurfürst Ernst 



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No. 9. (1468 Not.) 

Instruction der auf den Tag zu München gehenden Gesandtschaft 
des Kurfürsten Ernst und Herzogs Albrecht für Verhandlungen 

mit Herzog Ludwig von Bayern. 

Hauptetaat»»rchW Dresden. Loc 9800. Bei. den Zug wider Gersiken 1468 foL l. 

Vergl. 8. 77 fg. 

Werbunge des von Lisnigks und ern Caspars von Schon- 
berg an herezogen Ludwigen unsern lieben swager. 

Zcum ersten erbietunge fruntlicher dinste, liebe und fruntschafft 
mit czymlichen fruntlichen worten, als ir wol kunt, auch wisset und 
sich geboret. Unnd daruff seiner liebe unsern credenezenbrieff ant- 
worten und seiner liebe von unsern wegen sagen, das unser heiiger 
vater der babst und unser allergnedigster berre der Romische keyser 
eine bulle und brieff uns geschigket haben noch innehalde copien 
hie vorhanden, als wir uns vorsehen seiner liebe von unserm heiigen 
vater dem babst und von unserm hern dem Romischen keyser auch 
zeukomen weren. Daruff wir seine liebe bitten lassen, uns bie uch 
zeu erkennen geben, was seine liebe gemeynt sie in denselbigen 
stügken allen sich zeu halden, wenne wir gemeynt weren, das wir 
uns mit seiner liebe und andern forsten, wo das fugk unnd czeith 
haben mochte, der Sachen halben ey[n]mutiglich zeu voreinigen. Daruff 
wir uch auch befeie gethan hetten an die forsten unnser hern und 
frunde, so uff den tag gern Mönchen komen Wörden, die sache von 
unsern wegen an sie zeu brengen unnd sie zeu bitten ires willens 
und gemutes uns darinne zeu entdeigken, darnoch wir uns auch 
richten wolden. 

Item worde seine liebe an uch begern und von uch wyssen [wollen], 
was wir in den Sachen gemeynt weren und davon geratslaget uns 
darynne zeu haldene bedacht hetten, darzcu möget ir sagen, das uns 
solche bulle und brieffe korcz vor desser czeit, eher ir uch von uns er- 
hoben hettet, zeukommen weren, deshalben ir nicht vorstanden hettet, 
das wir einicherlei handel oder ratslag in den Sachen gehabt ader be- 
slislichen gemacht hetten, sundern das lassen beruhen und stehen 
bis uff die czeith, das ihr bie im und andire unsere fründe, zeu den 
ir uff disem wege komen möchtet, seiner liebe unnd der andirn 
gemutes und willens, sovil ir kondet, erlernen. So wir denne ir 
aller meynunge und gemute durch uch vornemen, wem wir geneiget 
uns auch darnoch zeu halden. Unnd dennoch mocht ir wol sagen 
und das alles von uch selbst und nicht us unserm befeie, wie ir 
von uns vornomen hettet, do uns die bebstliche bulle und keyser- 
lichen majestadt brieffe zeu handen komen wern, das wir die bullen 
unsers heiigen vaters des babsts uff fünff stügke vornemen: das 
erste von des creutzes zeu predigen, zcum andern kästen zeu setzen, 
indulgencie zeuvorkündigen und vom gemeynen folgke gelt darein 
gesammet worde, zcum dritten deeimam der geistlichkeit zeu geben, 
zcum fierden mit dem Behemen nicht zeu handeln, yn auch durch 
kein weg nichtes zeufüren lassen, zcum funfften und in einer ge- 
meynen clausein, das wir mit andern zeuezyhen und wider die Ben- 
nien krigen sollen. 

Item uff das erste des crewezes halben hetten wir vor einem 
jare einem yedern gegunst und zcugelassen , als durch mönch 
andire geistliche persone geubet worden were von einem teile, die 
das in befeie gehabet, auch ein teils von eygenem willen ane befeie 



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129 



getan hetten, des wir hewer auch vorgunst und nye dawider gewest 
weren, wie wol das zcu der czeit wenig frucht bracnt hette. Wir wern 
noch nicht gemeynt, das zcu vorhindern, doch so das furder soldet 
vorkundiget werden, das das mit ordenunge geschee, als das nicht 
das gemeyne volgke und unendlich pofel alleine darzcu beweget und 
mit dem crewcze geczeichent worde, dodurch iren gnaden also fursten 
der lande meher widerwertigkeit denne den ungleubigen davon ent- 
stehen möchte. Sundern wer do geneiget were under dem crewcze 
wider die ungloubigen zcu krigen ader zcu czyhne, das derselbige 
solde geczeichent werden von deme, dem die gewalt darzcu gegeben 
were, doch das sich derselbige fursehe und auch nicht leichtfertig 
volcke nymanden anders czeichent, sundern die, die er kente und sehe, 
die an der personen mit harnasch gewopet und yrem andern vor- 
mogen also geschigket weren, das sie die czeit so darzcu geseezet 
in dem krige bliben und den hei Ifen gctrulichen üben und volbrengen, 
zcu welcher czeit der krieg unnd czogk in desem ader in einem andern 
jare stadtlichen zcu thune vorgenomen Wörde und das man die nicht 
czeichenen solte, die in solcher wiese und vormogen wie obengerurt 
nicht wern, also die nur zcu eyme schein das czeichen des cruces 
an sich nemen und dadurch eine friheit haben wolten und ein tag 
in der wiese wider die ungloubigen zcu czyhen und den andern tag 
das crewcze abezeureyse und wegzculoulfen, dadurch die ungloubigen 
nur gestergket und die fromen, die in guter bestentlicher meynunge 
zcu fechten wern, dadurch geswecht und das czeichen des heiigen 
crewees derhalben geswechet wirdet. Wu das in solcher mase geubet 
und gehalden worde, wolten wir gar ungerne dawider sein, sundern 
das noch unser gebure helffen furdern. 

Item der kästen und deeima halben wern im gnaden wider und 
wu ire gnaden das mit fugen enthalden möchten, das die nicht ge- 
saezt und enthalden worden, wern ire gnaden geneigt durch die 
Ursache, das etwe lange czit und vor etlichen jaren vil person durch 
ir gnaden furstenthum und lande geezogen und durch die gracia 
und [in]dulgencie , die sie zcu vorkundigen gehabt haben, das ge- 
meyne folgke in ir gnaden lande uff das nedirst usgesogen, auch 
durch die indulgencie etliche jare hir zcu Preslaw gewest sint von 
dem gemeynen volgke uf ir gnaden lande vil geldes dohen kommen 
ist, auch durch die monche und andire, so vor einem jare und hewer 
in ir gnaden furstenthum gewesen und brieffe umbe gelt usgegeben 
gehabt haben, aber das gemeyne vo[l]cke, das zcu der innikeit ge- 
neiget ist, uff das hertiglichste durch die weyse geschaezet und ein 
merklich gelt us ir gnaden lande bracht were, das deshalben, so 
die kästen geseezet Wörden, aber gescheen möchte. Und des deeimam 
halben, das das vormals in ir gnaden furstenthum von der geistlich- 
keit halben nye gescheen noch gegeben worden ist, und ab das ge- 
sonnen und gefurdert worden were, so ist es doch allewege darzcu 
bracht, das man es zcu geben vortragen gewest ist Wu das nw 
gefallen ader solde gegeben werden, besorgeten ire gnaden, das der 
geistlichkeit in ir gnaden furstenthum ein iniürunge und furder be- 
swerungen brengen möchte, auch das solch gelt, das von der de- 
eimam und von den indulgencien in die kästen gefallen möchte und 
ab das durch die ganeze Tewczsche nacien ge williget und zeuge- 
lassen und gesammelt worde, das zcu dem wercke, darzcu das vor- 
genommen, damit zcu vorbrengen nicht gnugsam sein möchte, und 
aeshalben zeukunfftiglichen in solcher und ander mase hulffe und 
zeuthun furder darzcu nodtorfftig sein möchte; auch das solch gelt, 

Ermisch, Studien. 9 



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das in der mase gefile, nicht gar darzcu mochte gebrüchet. sundern 
von den, die das handelten, mochte in ander wiese vorzcenert wer- 
den. Sundern so etwas von der Tewczschen nacien zcu den Sachen 
solde getan ader von den obgemelten beyden houbten solde uffge- 
leit werden, bedüngket ire gnaden nodtorfttig auch fruchtbarlich zcu 
sein, das von den beyden haubten durch die Tewczsche nacien ein 
gemeyner tag gemacht und gehalten wörde und uff demselbigen tage 
mit czeytigem rate bewegen und beslosseu, was in solcher ader 
ander mase zcu solchem angehoben wercke zcu vorbrengen statlich 
unnd gnugsam und uhabgenglich sein möchte, darzcu ire gnaden 
irs teiles noch irem vormögen zcu rathen und helffen gneiget weren, 
das durch solchs wie vorberurt, als ire gnaden besorgeten, sust 
nicht gnugsam sein mochte. 

Item von des zcufuren und handelunge gein Behmen zcu vor- 
meyden, were in ihr gnaden furstenthum bishere lange czeit ge- 
halden und vorboten worden. 

Item von des zcuczyhens wegen, wu das von der keyserlichen 
majestat, andirn kurfursten und fursten des richs, graffen, herren, 
frihern, richsteten gemeyner krig bliblich vorgenomen worde, weiden 
ire gnaden irs teils kein gebruch sein lassen. Ader das ire gnaden 
ane das sich in den krig geben solten und den krigk von andern 
lüten uff ihre gnaden laden, erkenten ire gnaden sich darzcu nicht 
gnugsam und stünde zcu besorgen, das ire gnaden dadurch dem 
heiigen Römischen Reich und der Dewczschen nacien meher abe- 
broch und swechung und ir gnaden lande unvorwintlichen schaden 
fugen und die unglouwigen meher dadurch stercken denne die zcu 
vortriben möchten. Und was wir der ding uwir liebe iczundt zu er- 
kennen geben haben, haben wir von im gnaden ungeverlich hören 
reden, als wir das auch von uns selbst ane ir gnaden befeie uwim 
gnaden im besten entdegket haben. Denne ire gnaden haben uns 
betolen uwire gnaden zcu bitten, was uwir gnaden meynunge und 
willen in dem sey, iren gnaden zcu entdegken, das wir uf befeie 
irer gnaden also thun, und was wir derhalben von uwirn gnaden 
vorstehen ader underricht worden, wollen wir an ire gnade brengen, 
ane zcwivel ire gnaden werden das von uwern gnaden zcu sunder- 
lichem dancke entpfaen. 

(Zusatz auf einem beigehefteten Blatte.) Wir haben wol ver- 
standen, ab unnsire gnedige hern ersuchet worden von kästen zcu 
setzen und der decima, das sie das zculassen Sölden , und lute ge- 
Bchigket werden, alsbalde uffnemen so 1 den, meynen ir gnaden das 
also balde nicht vorwilligen noch zcuzculassen , sundern sie das 
fuglichen, wie sie mögen, enthalden, bis das ire gnaden margraffen 
Fridrichen in der margk, herczogen Wilhelm iren vettern und mar- 
rafifen Albrechten zcu iren gnaden vorboten könden, doselbst mit 
enselbigen fursten einig werden wolten, was ir aller gnaden 
in denselbigen Sachen thun wolten, und ire gnaden versehen sich, 
das die gnanten fursten ? ab sie ehir denne ire gnaden darumbe er- 
suchen worden, das sie sich der mase auch halden worden. Darumbe 
so ist kein zcwivel, wu ir aller gnaden üwir aller gnaden willen in 
den sachen vornemen, sie worden auch geneigt sein sich irs teils 
damoch zcu halden. 



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No. 10. (1468) Dec. 18. 

Melchior von Meckau an Kurfürst Ernst. 

Original im Hauptrtaataarchiv. WA. Italien. Sachen Bl. 14. — Vergl. 8. 35. 

Meyn undertenigen willigen dinste synt awern fürstlichen gnaden 
allezceit bereyt Gnediger herre, ich han yn kurcz an awer gnade 
vil briffe geschreben, ader mir cz weyfeit, ab sy alle geantwort synt. 
Dorumbe habe awre gnade keyn missefallen noch vordrisen vn sul- 
chem meynem manchfeldigen schreyben, wy wol nichtcz sunderlichs 
noch nawes zcu schreyben iczund ist. Mir had der bisschoff von 
Tirason bynnen czweyn stunden aber zeugesaget mich zcu warnen, 
ab etwaz yn den saenen von Plawen anbrocht wurde, awern gnaden 
forder zcu schreyben. Noch syder der zeeit des breve und schrifft 
unsers heyligen vater des babts an den bisschoff von Lavant vor 
vier monden ader lenger, dorvon ich awern gnaden vor lang ge- 
schreben han, nichtes nicht dorinne gescheen ist, und sich der von 
Tirason keyn awern gnaden willig had irboten alle wege, und ab 
der von Breslaw bothe, der do iczund zcu Roine ist, yn sulchen Sachen 
handeln weide wyder awer gnaden, daz ich von stund awern gnaden 
mochte schreyben, dorumb han ich yn besucht und habet eyn gancz 
vortrawen mir awer gnaden nuez und gelimph also gross zcu 
herezen gehet alz meyn eygen Sachen. Ich schicke hyr bey dissem 
keigenwertigen awer gnaden gemal etliche worczel, gut zcu slewern 
und cleydern, dy ich von eyns cardinals camerir gehad han ; etliche 
sagen, man soll is stossen und denne alzo dorzcu legen, ader von 
dem ichs gehad han, saget, man solde is alzo gancz dorzcu legen; 
lasset is beyde vorsuchen. Gnediger herre, awer gnade habe dissen 
keygenwertigen monch gnediclichen befolen, daz yn sevn probist 
williclich wyder utfneme, wen ich ym gehulffen han, daz her absol- 
viret ist, und bedeucht mich eyn from man seyn. Auch were is 
awer gnaden rad dem von Tirason zcu schreyben und dancken, daz 
her sich so williclich und gelimphlich keyn awern gnaden gehalden 
had alle wege yn awern sachen, alzo awer gnade aus meynen schreyben 
vorstanden hetthe, meyne ich were gar nuczlich, wen sulchen lewthen 
ere wol thut und auch durch zeukunfftigen sachen willen. Geben 
zcu Korne an sand Lucien tage. 

Awer fürstlichen gnaden dyner 
Melcher von Meckaw. 

Eyn mechtiger prelate und herre had mir gesaget und der is 
forder von dem cardinall des bapts svester son gehört had, daz dy 
von Yenedige unsern heyligen vater zo hoch irbethen han, daz her 
yn vorsprochen soll han, uff den sommer bey yn zcu seyn zcu Venedige ; 
ab is war sey, weiss ich nicht noch awern gnaden vor war nicht 
schreybe, wen her zcu gar gerne ist zcu Borne und auch iczund 
sere kostlich leth bawen an seynem hause. Wol had her uns allen, 
dy ammecht und officia han yn Korne, lassen beschreyben; ab eyn 
sulch geschiet durch speyse und notdurfft doselbest zcu bestellen 
ader nicht, weiss ich nicht. 

Auch, gnediger herre, awer gnaden rethe synt noch nicht komen 
noch vorstehe «icht, wen sy komen. 



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No. 11. 1469 April 22. 

Dr. Martin Mayr an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. 

Original Hauptstaatsarchiv WA. Bündniase BL 28. - Vergl. 8. 87. 

Durchleuchtigen hocbgebornen fursten. Mein undertenig schuldig 
und willig dienst zuvoran. Genedigen herren. Als ewer gnad mir 
von des tags wegen, der zwischen unnserm allergenedigisten herren 
dem Römischen kayser, meinen genedigen herren von Bayrn, 
Sachssen, Brandenburg und hertzog Sigmunden von Oesterreich auf 
sant Jorgen tag schirist zu Regenspurg sein sol, geschriben und 
befolhen haben, so ferre derselb tag von den anndern obgemelten 
fursten gesucht werde, das ich mich dann von ewer gnaden wegen 
darauff fugen und den sachen nach laut ewers briefs und der nottel 
darinne verslossen nachkommen solle etc., han ich mit undertenigem 
vleys empfanngen und begirlich vernomen. Und fug ewern gnaden 
ze wissen , das mein herr grauff (sie) Haug von Montfort, der dann 
in der nechstvergangen vasten als ain kayserlicher anwald zu Regens- 
purg gewesen, nn Montag nechst verschinen von unnserm herren 
kayser widerumb alhere komen und an Dinstag darnach von hinnan 
ausgeritten ist in maynung sich gen Regenspurg ze fugen und, als 
er mich berichtet hat, der verstentnus innhalt ewer gnaden obge- 
melten briefs von unnsers herren kaysers wegen nachzekomen. 
Doch hat er mir dabey gesagt, das er ettlicher mer nachvolgender 
schrifft oder bottschafft von unnserm herren kayser wartent sey. 
So sind auch der sachen halb mein genedig herren hertzog Ludwig 
hertzog Albrecht von Bayrn vor dem, ee mir ewer gnaden obge- 
melter brief zukomen ist, alhie bey einander gewesen und haben sich 
veraint mit sampt meinem herren dem pfaltzgraffen und ewer baider 
gnaden zu unnserm herren dem kayser in solichem verstentnus und 
aynung ze willigen^ gleicher weyse ewer vorgemelten gnaden brief 
mir zugesanndt ausweyset, auf das gemainer nutz und frid, der dar- 
durch erwachssen mocht, irs tails nit verhindert werd. Mein genedige 
fraw von Oesterreich hat mir in abwesen meines herren hertzog 
Sigmunds irs gemahels, der dann nochmals von Franckreich nit an- 
haim komen ist, der sachen halb auch tun schreiben und begeret 
sy wissen ze lassen, ob der tag furgangk gewönne, auf das sy ir 
rate darauff ze vertigen sich darnach mug richten. Also han ich 
irer gnaden grauff Haugen von Muntfort zukunfft und sag widerumb 
verkündet auf maynung, als vor stet. Mein genediger herr der 
pfaltzgraff entheltet sich noch in dem Kölnischen land und hat des- 
halb meinem herren auch mir von der sachen nichtz verkündet. 
Doch nachdem ich seiner gnaden gut maynung vormals berichtet, 
auch von seinen reten nechst zu Regenspurg abgeschaiden bin, so 
versieh ich mich, es werde an dem enu sein gnaden halb nichtz 
geprechen. Und auf das alles will ich mich von ewer gnaden wegen 
gen Regenspurg fügen, den sachen nach laut ewers Schreibens und 
bevelhnus nachkomen, was mir begegnet euch furderlich zuschrei- 
ben und in dem allem auch sunst nach mein besten verstentnus 
halten und beweysen, als ainem getrewen diener gegen seinem 
genedigen herren gentzlich und wol zustet, den ich mich auch mit 
meinen willigen diensten gar undertenigklich und gehorsamlich be- 
filh. Geben an Sambstag vor sant Georigen tag anno etc. LXVIIII no . 

Ewer gnaden williger Martin Mftir 

Aufschrift an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht doctor etc * 



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No. 12. 1469 Mai 4. 

Herzog Ludwig von Bayern an Kurf. Ernst und Herzog Albrecht 

Original ebendaselbst HL 29. - Vergl. 8. 87 fg. 

Unser fruntlich dinst und was wir liebs und guts vermögen zu- 
vor. Hoehgebornen fursten, lieben swager. Ewr und unser rete, 
als die in der vassten negstvergangen bey einander zu Regnspurg 
gewesst sind, hat gut beducht, das unser lieber vetter der pfalltz- 
grave, ewr baider lieb, unser frund von Wurtzburg und unser vettern 
hertzog Albrecht und hertzog Ott, auch wir der swaren leuff halb, 
so sich ytz begeben, mit einander in zimlich verstentnuss und eynung 
kommen. Also sein wir durch den ersamen hochgelertten unsern 
rat und lieben getruen doctor Martin Mair berichtet worden, das 
ewrn liebden wolgemeint sey zu uns obgnanten fursten an gelegen 
stet zu komen, uch fruntlich mit uns zu ergetzen und aus den 
Sachen underred zu haben, wie dann unsers lieben getruen Hugoll- 
den von Slinitz obermarschalh brif dem benanten doctor zugesandt 
an dem ende innhellt. Und nachdem nw die verstantnuss , so zwi- 
schen unserm hem kayser auch ettlichen des reichs kurfursten und 
fursten auf sand Jorgen tag negstvergangen uit beslossen ist, als 
ewr lieb solhs eigentlich aus des genanten doctors brif vernemen 
wirdet, so bitten wir ewr lieb mit fruntlichem vleysse uns verscho- 
ben wissen zu lassen, wann und wohin uch gemeint wer, das wir 
fursten zusaraen kamen, die sach wie vor stet zu volenden, und ob 
uch auch als uns besser sein beducht, das wir all unser rate zu- 
voran zusamen schickten mit einander di sach abzureden, auf das, 
so wir zusamen kamen, sy an irrung und des furderlicher zu ennden 
und gantzem beslus bracht wurde. Und do wir ewr meynung also 
vernomen haben, wellen wir solhs den obgenanten fursten von stund 
an verkünden und versehen uns wol, das sy den dingen also auch 
nachkomen werden. Und was uns dorinn begegnet, ewr lieb forder- 
lich zu schreiben, uch ferrer darnach wissen zu richten. Datum 
Landshut am Donrstag nach des heyligen Crucz tag Invencionis 
anno etc. LXVI1II 0 . 

Ludwig von gottes genaden pfalltzgrave bey Rein 
hertzog in Nidern und Obern Bayrn etc. 

Aufschrift an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. 



No. 18. 1469 Mai 6. 

Dr. Martin Mayr an den Obermarschall Hugold von Schleinitz. 

Original ebendaselbst BL SO. - Vergl. 8. 87 fg. 

Mein frewntlichen willigen dienst zuvor. Edler besunnder und 
lieber frewnd und gonner. Ewer schreiben mir von des abschaids 
zu Neunburg auch der fursten zusamenkomen und ander leuff wegen 
mir getan han ich gar in frewntlicher guter maynung vernomen, 
meinem genedigen herren hertzog Ludwigen allain und in gehaymd 
zu erkennen geben, der er von euch zu sunndern gnaden ange- 
nomen hat sieh erbiettende das gen euch genedigklich zu erkennen 
und in gut nit zu vergessen. Und auf das schreibt sein gnad meinen 
genedigen herren von Sachssen der verstentnus halb, so schreib 



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ich im gnaden den abschaid zu Regenspurg, als mir nit zweyvelt 
ir aus seinem und meinem briefe versteen werdet. Her Conrat 
Metsch hat seinen gnaden von Eger aus am haymzyehen von 
Merhern geschriben ettlich lewfft, so wider sein gnad und hertzog 
Albrechten sollen vorhannden sein, als ich mich versihe euch der- 
selb her Conrat wol gesagt habe. Nu vemympt sein gnad soliche 
von hern Conraten gar in ainer genedigen und getrewen maynung 
als von seinem rat zu grossem danck und im zweyvelt nit, wie die 
sach an hern Conrat gelangt sey, also hab er die seinen gnaden 
zugeschriben. Aber daneben wirdet an mich und ander seiner 
gnaden rete und in sunderhait an mich gar hoch und empsiglichen 
von des kaysers, konigs zu Ungern, auch dos Jersicken wegen ge- 
sucht und von ir yedes wegen begeret schrifftlich und durch ir haim- 
lich treffenlich bottschafft, das sich mein herr zu im in eynung und 
verstentnuss geben, als ir dann, so wir schirist zusamenkomen, des 
die brief und warlichen schein auf den vertrawen, so zwischen uns 
ist, selbs sehen und lesen sollet. Nu ist meinem herren noch ent- 
lich nit gemaint sich zu der ainem dismals zu tun, doch so schlecht 
er nichtz ab, wurdet sich der leufft, wie sich die begeben, bas er- 
kunden und dann gepurlich halten. Aber von allen dingen were im 
die verstentnus mit den fursten, davon ir und ich nechst zu Regens- 
purg geredt haben, am basten gemaint, und was dann ferrer zu tun 
oder ze lassen gut sein wurde, das liesse er seines tails auch be- 
sthehen. Und aarumb wellet daran sein, das im mein herren von 
Sachssen ein lautter antwurt auf sein schreiben tun, hoffe ich, es 
solle zwischen inen zu vil guttem dienen und all ander beswerung 
benemen. Ich schreib auch im gnaden, das mir die hundert guldin 
meines ausstendes solts von dem thumbrobst zu Freysingen nit 
worden sein; so ferre nu euch gut bedeucht, das ir gnad mir die- 
selben hundert guldin nach dem marckt zu Leypss mit sampt den 
hundert guldin, die ich hern Conraten Metschen zu Regenspurg ge- 
lihen han, Wilhelm Loffelholtzen oder Jobsten Tetzlen gen Nürem- 
berg zuschickten, das muget ir arbaitten und mich bey dem botten 
ir maynung wissen lassen. Ich han euch nechst furwar geschriben, 
das die kay serischen zwo niderlegung getan und dem Bömkircher 
bey zwaytausent manne abgefanngen und erschlagen haben. Dasselb 
hat grave Haug von Werdenberg auch die von Schawnberg meinem 
herren zugeschriben und grave Haug von Montfort seinen gnaden 
selbs gesagt Sunst sein yetz nit mercklich newe zeittung vorhan- 
den. Warinne ich euch getrewen dienst beweysen mag, tun ich mit 
beraittem willen vast gem. Geben au Sambstag nach Crucis anno etc. 

LXVIII, "°- Martin Mayr. 

doctor etc. 

Aufschrift: Dem edeln hern Hugolden von Schlinitz ober- 
marschalck etc., meinem besunndem guten frewnd und gonner. 



No. 14. 1469 Mai 15. 

Concept von der »ehr schwer leebaren Hand HugoldB ebendaselbst Bl. 31. — Vergl. S. 87 fg. 

Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht antworten dem Herzog 
Ludwig von Bayern auf No. 12: Also bittin wir uwer libe frunt- 
lich wissenn, daz wir itzund mit sachin beladen sind, daz wir uwer 



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libe uff uwer schriben nicht richtige antwort gethun können, also 
wir wol geneiget weren, sundern nach endung der heyligen phingst- 
wochen wollen wir uwer libe bie unnsers Seibis bottenn entliche ant- 
wort czusehriben, darnach sych uwer libe habe czu richten. 

Gegeben czu Missen am Mantag nach Exaudi anno etc. LXnono. 



No. 15. 1489 Mai 18. 

Concept (von derselben Hanl wie No. 14) ebendaselbst Bl. 39. — Vergl. 8. 87 fg. 

Hugold von Schleinitz antwortet dem Dr. Martin Mayr auf 
das Schreiben No. 13. Nach einer Mittheilung über den Inhalt 
des an Herzog Ludwig erlassenen Schreibens der Herzöae Nr. 14 
fährt er fort: Als ir ferrer schrybitt, daz uch die l c gülden vonn 
dem thumprobist czu Freysing nicht worden sind, also habin myne 
gn. hern hern Bernhard von Schonberg ritter 1 c gülden czugschigkt, 
daz myn gn. h. und ich nicht anders wissin. Solich l c gülden sint 
uch nu wol wordden. Szo wollenn ir gnade in kurtz uch die andern 
1 c gülden auch czuschigken, als ir daz aber uss ir gnaden briffe an 
uch geschriben vernemen werdet. Unnd sollit ane czwyfel sin, daz 
ich flis nicht sparen wil, daz myn gn. h. myn gn. h. herczog Lode- 
wigk vilgenandter obingemelter Sachen entlicher antwort czuschigken 
sollen, als ire gnade sin gnaden itzund czugeschriben habenn — . 
Geben am Dinstage nach Exaudi anno etc. LXnono. 

Czedula. Auch als ir mir geschriben habit, wie er Connrad Metzseh 
am heimczyhin vonn Alerbernn vonn Eger us geschriben etzlich 
lewffte, so widder mvn gn. h. herczog Lodewig und herczog Albrecht 
vorhannden sie, sollichs ich wol unnderricht [bin], und is ist aber 
nicht geschenn vonn hern Jeresigke nach synen verwantten — . 

Aehnlichen Inhalt hat ein Antwortschreiben von Kurfürst Ernst 
und Herzog Albrecht an Dr. Martin Mayr (ohne Datum, wohl 
von demselben Tage). Concept von derselben Hand ebenda Bl. 32b. 



No. 18. 1469 Mai 27. 

Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht an Herzog Ludwig von 

Bayern. 

Concept (von derselben Hand wie No. 14) ebendaselbst Bl. 83. — Vergl. 8. 87 fg. 

Unnser fruntlich dinst unnd waz wir libis unnd gutis vermögen 
allczid czuvor. Hochgebornner fürst, liber swager. Also wir uwir 
libe jungist bie uwern bottin geschriben habin, daz wir uch nach 
enndung der heyligen Phingistwochin eyn richtige antwortt czu- 
sehriben wulden , alss wernn wir gantz geneigit gewesen, uwer 

libe uff unnser voriges (?) schriben richtige antwurdt czu thun unnd 
czid unnd malstad, wu uwer libe der fursten obgenand und unnser 
rete alle czusampne koraenn, benennet hettenn (sie). Alzo sindt unns 
uff gesternn des erwirdigen in got vatirs hern Laurenncius bisehoff 
czu Ferrara bebistlichen legatenn etc. unnsers hern unnd frundes 
briffe vonn wegen unnsers heyligen vatirss des babist unnd des- 
glichen unnsers allergnedigisten hernn des Römischen keysers be- 
henndit unnd uf Johanns sonnewende schirst kommende in eigener 



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personn keynn Noremberg uff eynem tag gefordirtt, wu aber daz 
mergklicher unnser gescheffte halben nicht gesin mochtte, danne 
unnser trefflichen rette czu schigken. Also habin wir betracht, die 
wile solcher tag szo kurtz (?) ernenneth worden ist, daz uwer libe, 
unnsers liben ohemen des phalzgraffen , auch ander unnser hern 
frund swager unnd ohem ire rete uff sollchen tag unnd stad, szo 
wir wordenn benant haben, nicht netten verbottit unnd sie alle daczu 
gschigken können, unnde habenn sollchen tag imnd stad czu er- 
nennen im besten (?) bys uff denn tag ken Norimberg obgemeld vor- 
haldenn. Bedungke denne uwir libe noiddurfft sin, daz sych uwer 
libe unnd die obgenanten unnser liben hern frunde ohem unnd 
swager sollich vorgernrtter meynung nach unnderredden solden, sin 
wir uwer libe denn (?) solcher (?) unnser hem frunde ohm unnd 
swager unnsers teylis czu willen auch geneigitt, unnd mogit alsdenne 
darann sin, daz uie genanten unnser hern frund ohm swager ire 
rette uff den genanten sancte Johannstag gewislich unnd unvor- 
halden czu Norimberg haben, do wir denne beyde adder unnser 
eyner adder czum (?) mynnsten unnser trefilich rette auch gewislich 
erscheynenn (?) adder erscbynen (?; sollenn unnd vonu den dingen, 
szo vil noiddurfft sin wirddet, vor andern sachin vorher (?) , die an- 
gehabin werddenn, redden mogenn, darnach sich uwer libe wisse czu 
richten. Unnd womit wir sust derselbigen uwer libe dinen unnd 
frunntschaft erczeigen mögen, sind wir geflissen. Geben czu Missen 
am Sonnabende nach Urbani anno etc. LXnono. 



No. 17. (Ende 1470.) 

Entwurf zu einer Instruction für die Gesandten des Kurfürsten 
Ernst und des Herzogs Albrecht an König Kasimir von Polen. 

Mit vielen Correcturen. Hauptstaatsarchiv WA. Polnische Sachen Bl. 88—93. — VergL 
8. 101. Ein anderer Entwarf, der sachlich mit nachstehendem übereinstimmt (ebenda- 
salbst Bl. 64 ff.) tragt die Aufschrift : Polnissch handel als vor eczlichir seilt doctor 
Leubing zcu handeln befolen was. Abbir es ging gar abe. 

Gedancken wie die geschickte rete handeln sollen. 

Wenne dem konige mynem gn. hern willig unde fruntlich dinst 
zcuvorn irbotten ist, als das gewonheit irheischft], so mögen sie also 
werben : 

„Myn gnedige hern von Sachsen haben wol irfaren angeborne 
libe, auch fruntschaft unde guten willen der durchluchtigen vorfarn 
komiige des konnigrichs von Polau mit myner gnedigen [hern] ob- 
bireldern unde vorfarn gehat, dadurch dem konnigriche zcu Polau 
auch den furstenthumen unde hersschaften myner gn. hern vil ere 
nucz unde fromen irstanden ist, unde sunderlich ist yn unverborgen 
uwir gnaden, gnedichster her, hern unde vaters unde uwir gnade 
seibist libe unde guter wille, dem uwer gnade her vater unde uwir 
gnade zcu irer gnade vater loblichir gedechtnis getragen hath, unde 
haben deshalb von der czyt an, also sie zcu irer regirunge irer 
furstenthum unde lannde umrstanden svn, yn vorgenommen , uff wise 
unde wege zcu gedenncken, wie sie clen wegen irer vorfaren unde 
hern vaters noch mit uwir gnaden unde durchluchtikeit ein frunt- 
lich bekentnis haben unde irwynnen mochten, unde also sie dorobbir 
betracht haben angeborne natur unde gesippte frundeschaft ires 



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hern vaters seligen mit uwir gnade unde nochfolgelich ir selbst us 
dem stamme ires vaters, auch sundirlich das angeborne blut uwir 
gemahel unde dornoch uwir gnade sone unde kinnder mit irer gnade, 
uss dem stamme der Romisschen konnige unde keisser, sint sie so 
vyl begirlicher wurden, das desde flissiger zcu irlangen, desshalben 
sie alleczyt von dem egedachten zugange zcu irer regirung in willen 
unde vorsacz gewessen syn, ire treffliche zcirliche botschaft zcu uwir 
gnade als zcu irer gnade hern bruder, liben ohemen unde gesippten 
frunde zcu schicken, ire Übe fruntschaft unde volgeneigete willen 
zcu offenen unde zcu irkennen zcu geben unde, als es sich hern 
unde frunden wol zcemet unde ere nucz unde fromen bringet, sich 
mit uwir gnade zcu irkennen. Unde wiewol sie das also zcu thun 
langst vorgenommen haben, so synt doch alleczyt infelle vorkommen, 
als die leufte im heiligen riche eine czit swinde gewest syn, dadurch 
sollich zcuschicken noch bieben unde verhindert ist wurden , bes so 
lange das uwir gnade uwir treffliche botschaft zcu unserm gnedich- 
sten hern dem Romischen keiser geschicket, die denne ander wegen 
noch uwir gn. befelunge myner gnedigen hern hoff besucht unde 
auch im wege hennwedder sich zcu iren gn. von irer gn. flissiger 
begirung geiuget haben , durch die ire gn. uwir gn. übe unde frunt- 
schaft auch geneigeten willen, die uwir gn. zcu iren gn. ns ange- 
borner eigener gesippter libe treget, unde forderlich us uwir k. gn. 
gemahl unde uwir sone unde kinde angeborne gesippte mageschaft 
vernommen haben, daran mine gn. hern sunderlich fruntschaft unde 
behegehch wolgefall irczeiget ist, das sie sich irbiten keigen uwir gn. 
als iren sunderlichen liben hern bruder unde ohemen zcu verdinen. 
Dornoch haben ir gnade hitcziglich vorgenommen das lange vorbe- 
dachte wergk zcu vollenden unde lenger nicht zcu verczihen, sundir 
sich kegen uwir gn. und durchluchtikeit als kegen iren liben hern 
bruder unde ohemen unde kegen uwir gn. unde durchlucht. gemahel 
kegen uwirn sonen unde kindern als kegen irer gn. angebornen aller- 
libesten frunden unde gesippten magen zcu bewisen, dadurch uwir 
gn. unde durchlucht. eczlichir masse ir libe ere unde fruntschaft, 
die sie uwirn [gn.] zcu beczeigen gancz willig syn, irkennen unde 
mercken mag, unde haben disse hern unde mich* zcu uwir gn. unde 
durchl geschicket zcu verkundigen unde zcu offinbaren uwirn gn. 
unde duchl. ir willig unde fruntlich dinst unde was sie libes unde 

gutes vermögen, das zcu allen czyten ungespart zcu bewysen . 

Unde so irn gn. unde uns an irer gn. statt von uwir k. gn. uwir gn. wille 
geoffent unde zcu irkennen wurde, wie sollicher guter wille liebe unde 
fruntschaft mynes gn. hern bewiset gestercket unde gemeret unde 
geweitert mucht werden, wurden sich ir gn. unde wir von irer gn. 
wegen in follem gewalt in dem also bewisen, das uwir k. gn. irkennen 
solle, das ir irbitunge unde offenbarunge irs gemütes nicht ytel 
sondir uss guter meinunge darkeme unde das an yn keyns, das vor- 
genomen mucht werde[n] zcu bewissunge, bestetigunge, merunge unde 
irwyterunge, mangel unde bruch irschynen sal M . 

Noch der irczelunge sollen die rete ein swygen haben unde 
einer antwort wartten. Wurde yn denne ein danck begegen sollicher 
fruntlicher irbytunge, das muss ess an den reten stehen wedderumb 
zcimliche erlicne unde zcirliche nochrede zcu thun. 

Wurde yn auch vorgehalden, das syn k. gn. die libe unde frunt- 
schaft durch keinen andern wegk wüste fruntlichir sterglichir unde 
bestentlichir zcu becreftigen, wenne so sine k. gn. sone hette unde 
mine gn. hern tochter, das eine fruntschaft einer ehe zcwischen siner 



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k. gn. unde mynen gn. hern vorgenomen mucht werden, wie das an 
sich luten wurde; auch das eine einunge buntnis unde verstentnis 
wurde zcwischen synen gn. unde mynen gn. hern. 

Zcu dem ersten mugen die rete reden: „Myne gn. hern haben 
in dem, als wir ir gnade gemute unde willen wissen, ein sunderlich 
wolgefall unde behegelichen willen, so die ding ordentlich unde so 
vorgenommen wurden, das beiden teilen fugelich were. Unde so 
sine k. gn. von gots gnaden unde gote sey lob vyl sone hat, des- 
glichen myne gn. hern auch tochter, so ist es under der herschaft 
gewonlich, das man die erstgebornen zcuerst vorsorget unde vor- 
truwet. Were in nu siner k. gn. wille unde meinunge sinen eldesten 
son mit myner gn. hern eldesten tochter zcu verheuraten unde zcu 
verloben, die denne bei IX jaren ist B ) unde ein subirlich wolge- 
czogen kint, das bei myner gn. hern muter unsers gnedichsten [hern] 
des Romischen keisers swester ist, so wir das ein verstentnis ge- 
wunnen, wollen wir zcu den dingen eine zcurichtige fruntliche ant- 
wort geben." 

An dem ende behort sich abbir ein swygen unde ein antwortt. 

Wurde von des konniges teile denne eine frage vorgeleget, so 
die rete zcu den dingen sich also mechtigetten, das man syne k. g. 
vorstehen wolde lassen, was man zcu ehegelde unde mitgift geben 
wolde, darczu muchten die rete reden, das das hus under Kurfürsten 
unde fursten des richs also gelegen ir heerkommen auch ir macht 
von sinen erblichen lannden also geacht wer, das man allecziit mehr 
noch irer libe unde fruntschaft zcu iren kindern gedacht hett wenne 
nach gelde, und ir tochter weren zcu alleczyten ires glichen unde 
meherern bekommen, unde von sollichs irer fieerkomen unde macht 
hett ir vater unde vetter Romisschir keyser unde konige tochter unde 
swestern gehath. Deshalb were gewonheit obbir XX m gülden zcu 
ehegelde nicht zcu geben. Sie versehen sich auch zcu syner k. gn., 
das ym umb die mittgift die mynste sorge sei, sundir libe unde 
fruntschaft sey das förderlichste. " 

Wurden sie denne umb das ehegelt ferrer reden unde das 
grosser begiren, das sal man gancz offenen, das man umbe mehr 
ehegeldes nicht macht hab, das man auch myner gn. hern heerkommen 
also wysse, das man nicht mehr vorheissche. 

Wurde auch von des koniges site vorgehalden, das sine k. gn. 
einen andern weg mit sinem eldesten sone vorhab, auch mit dem 
andern, sundir sine k. gn. meinunge were wol geuciget mit sinem 
dritten sone eine fruntschaft mit mynen gn. hern zcu irczyhen unde 
zcu machen: mögen die rete abbir vorhalden, wiewol es seyn mag, 
das syn k. gn. mit dem ersten sone ein anders vorhabe, das lassen 
sie also an sinen enden. Abbir noch dem mal das natuerlich sey, das 
iczlichin sin kint, so erlichst geschehen mag, gerne versorget, so 
meinen myne gn. hern, so sine k. gn. vorhabe mit minen gn. hern 
ein fruntschaft zcu machen unde die aide fruntschaft zcu stercken 
enthalden unde becreftigen, er werde sich willigen den andern son 
mit miner gn. hern tochter zcu voreligen, so man der dinge sust 
mucht masse finden. Danne nochdem als die tochter mins gn. hern 
eldeste tochter ist, gebot sinen gnaden wol, sie auch also die eldeste 
mit forderlichir ere, die dem eldirn sone geboret, zcu versorgen. 

An dem ende harre man abbir antwort von des koniges wegen. 



») Christin», Tochter des Kurfürsten Ernst, war geboren am 25. Decbr. 1463. 



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» 



139 

Unde so er uff sin er meinunge des dritten sons enthaft bestehen 
wurde, so mögen die rete reden: „Myn gn. herren haben das an- 
synnen nicht anders gethan denne beiäen teilen zcu enthaldunge eins 
heerkommen unde den herschaften, doch so kommet das understun- 
den beide sust unde so, das sie nu an iren gn. keyn abebruch ge- 
schehe (8ic) } so lassen wir es vor irer gn. wegen an dem ende, wo 
wir der sacnen sust ein werden muchten." 

Unde mögen dornorh fragen, so als sin k. gn. gote sei lob vyl 
sone habe, ab disse sache einen Vorgang gewunne, wo doch der son, 
den er vorhab mit myner gn. hern tochter zcu verloben und zcu 
verelichen, syn fürstlich wessen haben solle, so als der eldeste das 
königlich beneidet. 

Wurde yn zcu antwort, das syn k. g. vor sich hett das konigrich 
an sich unde sine erben zcu czihen, die darczu erben wcrenn unde 
als erben irkant weren von dem Romischen stul, von der keiser- 
lichen majestat. von beiden teilen zcu Behemen, so als das Behe- 
missch volk unde syn anehangk iezt gezeweit were, so were sin k. 
gn. in meynunge, den dritten son in das konigrich zcu Behemen zcu 
setezen, darczu her Girsick unde seyn teil unde anehang iren willen 
unde volbort haben gegeben unde sich deshalb zcu bearbten noch 
notdorft, wie sin k. gn. das in lengern wortten lauten wurde. 

Darczu mögen rayner gn. hern rete sagen, an dem willen unde 
vornemen syner k. gn. syn mine gn. hern wol zeufride, unde so es 
das ende gewinnen wurde, weren myne gn. hern wol zeufride. Abbir 
nochdem es in der werlde die gestalt hat, das der menssche ge- 
dennckt unde seezt ym vor, abbir got der almechtige der schickt unde 
ordent, so muchte es wol kommen unde also fallen, das hern Gir- 
sicken unde sins anehanges willen sich andern mucht adder sich 
ymands anders in die crone zcu Behemen lassen wurd, unde so das 
geschege, das syn vornemen syn ende nicht begriffe, das doch mine 
gn. hern nicht sorgen und selbst mit flisse darweddir gedenncken 
wollen, so were es dennoch ein notdorft zcu wissen, wo derselbige 
son synen enthalt siner hersschaft halden solle. Unde myner gn. 
hern meinunge were wol, das sie zeufrede wem, so das mit dem 
konnigrich zcu Behemen feiet, das ym das konnigrich zcu Polan 
zcugeczalt wurde, addir so das eine irrunge hett, das es nicht ge- 
schehen mucht, das ym das herezogthum zcu Lytpfan (LiUhauen) 
wurde zeugesaget unde bestalt. 

An dem ende mögen die rete auch melden, noch dem mal das 
die ehe unde globnis der ehe, das sponsalia gnant sin, in dem ge- 
richte der cristlichen kirchen stehen unde nicht in menschlichir wilkor 
unde vorwilligungk hangen, unde so die geistlichen rechte an dem 
ende so hartt sin, wo globde der ehe geschehen, siecht unde ane 
undirscheit gescheen, das denne darus eine vorhinderunge unde 
irrunge entsteht, das noch abegang der person ein die person, die 
am leben blibet, mit keynem frunde der vorscheiden person eine 
ehe volczyhen mag, unde nochdem als sin k. gn. mehr son hat, myne 
gn. hern tochter, muchte es finden, das [der] personen eine, die 
lezunds vorhanden sin, vorscheiden unde sin wesen sust andern 
mucht, unde das beide teil wcl geneiget wurden sin mit der hüben- 
den person eine fruntschaft mit einem andern irer sone adder tochter 
zcu volbrengen, das denne nicht geschehen muchte, wo der handel 
also siecht zeuginge, darumb weren wir wol geneiget, das der handel 
mit einer sollichen underschit geschege, das darus nicht irrunge 
geschehe, ernoch mit einer person, welche die were, anderunge zcu 



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140 

m 

thun mit des andern teils andern kindern. Sollichs nemen wir 
nicht in andir meinunge vor, wenne alleine das die wise der be- 
stetigung der fruntschaft, die zcwisschen sinen k. gn. unde unsern 
gn. hern, nicht geenget werde. Unde demnach so were unser mei- 
nunge wol, das disser handel mit einem vorbehalden underscheyde 
geschege, also als ferre als beide teil in dem willen bliben adder 
die person, die das betreffe, adder als ferre als beide person zcu 
dem alder kommen, den handel zcu volczyhen, so sie abbir iren 
rat andern addir ir ein verschyden wurd, das sie denne domit un- 
verhindert sin sollen us einer Verhinderung publice honestatis ju- 
sticia (?) gnant mit andern des andern teils gefrundten unde ge- 
sippten ehe zcu volczihen. 

Item dornoch mögen die rete reden, wanne sie des ehegeldes 
unde des hern wessens , wo er sinen fürstlichen stand halden solde, 
eins weren wurden, umb das lipgedinge, das dem frewlyn vermacht 
solle werden, wie hoch man das bestellen solle an gülden unde 
nuczungen, unde uff XX ™ gülden muchte man heisschen, zcum 
minsten IUI m gülden, an nutzungen, das stehe zcu berichtunge 
myner gn. hern. 

Item man sal handeln, ob der herre todis halben abgehen wurd, 
ab man dem frewlyn ir lipgedinge abelosen sal addir nicht. Item 
so man ir das abelosen wurde, wie sich das frewlyn mit dem be- 
czalten gelde halden solle, ab sie es wenden möge, wohen sie möge, 
adder eins teils wedder an die hersschaft. 

Wurde dornoch von einer eynunge unde buntnis gemeldett 
zcwisschen dem konige zcu Polan unde minen gn. hern zcu machenn, 
darczu mögen die rete reden, das minen gn. hern wol zcu sin unde 
gemeint mit sinen k. gn. eynunge verstentnus unde buntnis zcu 
machen, domit irer zeugeneiget übe, angeborne fruntschaft unde 
guter befest (?) enthalden unde geweittert werde. Nu sint die 
einunge unde buntnis manchfeldig. Eczliche geschehen sich truw- 
lich zcu meinen zcu eren unde zcu furdern, eyn teil das ander 
[nicht] zcu beschedigen adder zcu beschedigen lassen, des andern 
fynde in sinen hersschaften lannden unde gebiten nicht zcu husen 
zcu hegen noch zcu lyden, ein teil des andern underthanen in des 
andern hersscheften nicht zcu hemmen zcu kummern noch uffezu- 
halden. Ab auch irrunge zcwisschen den teilen entstünde, wie sie 
des zcu ustrage unde zcu tagen kommen sohlen. Umb solliche 
stucke sint myne gn. hern wol gemeint mit siner k. gn. einunge zcu 
machen lassen. 

Ander einunge unde buntnis syn, ein teyl dem andern zcu sinen 
krigen hulffe unde beistand zcu thune mit macht adder mit einer an- 
czal nach voreynunge unde obberkommunge der teil. Solliche 
einunge bedunckt mync gn. hern nicht not sin mit sinen k. gn., 
noch dem mal das siner k. gn. lannt wyt unde ferre von myner gn. 
hern lannden gelegen unde andir furstenthume darzewisschen legen, 
mit den mine gn. hern vorheen in buntnis sin, also nemlich der 
cron zcu Behemen lannd als die Slesie unde Lusicz, item die marck 
zcu Brandenburg. 

Wenne es abbir das ende gewynne, das syner k. gn. son zcu 
der cron zcu Behemen kommen wirdet, so ist denne sine k. gn. unde 
siner gn. son dadurch mit mynem gn. hern unde irer gn. erblichen 
lannden in einer erbeinunge unde buntnis, ein teil wedder das andir 
nymmer zcu thune, sundir an einandir mit macht truwelich zcu 
helffen, also das deshalben kein buntnis not ist. 



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Wurde den reten abbir vorgehalden einunge unde buntnis zcu 
machen zcu helffen, wie siner k. gn. son zcu dem [konigrich] zcu 
Behemen kommen muchte, ab ym darczu irrunge geschege, darczu 
mögen die rete also reden : wurde syner k. gn. sone von dem Behmis- 
schen folke, von unserm hern dem keiser, auch dem Romischen stule 
vor einen konnig von Behemen bekant unde uffgenommen, alsdanne 
wollen myne gn. hern yn auch davor haben unde sich noch be- 
sagung der eynunge zcwisschen der cron zcu Behemen unde irer 
gnaden lande halden unde bewisen mit hulffe unde beistannd, ab 
sich ymands daweddir setczin wurd. 

Wurden abbir innwaner der cronen zcu Behemen von ym setczen 
unde wurde irrunge irstehen, das sich zcweiirlei addir drierlei parttei 
irhuben unde zcu dem konnigriche gerechtikeit meinten zcu haben, 
welch teil denne von den ynwanern der cron zcu Behemen vor einen 
konnig gehalden, von unserm heiligen vater dem babst unde dem 
Romischen keiser davor bekant wurde, so duncket myne gn. hero, das 
ire gnaden nicht fuget wedder sollich thun unde bekentnis zcu thun, 
yn geborte den auch also zcu bekennen. 

Entstünde abbir irrunge kegen sinen k. gn. umb das konnigrich 
von andern teylen, die do auch gerechtikeit meinten zcu haben, unde 
wurde sich ein teil dess Bemisschen volks an sine k. gn. halden 
unde ein teil desselbigen iolks an das ander partt, unde were kein 
bekenntnis des Romisschen stuls unde unsers heiligen vaters des 
babstes bei der teile ein, die sich zcu dem konnigriche meinten zcu 
halden, bett auch keyn teil die cron in siner gewer unde gewalt, so 
weren mine gn. hern wol gemeynt, syner k. gn hulffe unde beistand 
zcu thun, doniit sin k. gn. sym vornemen behertten unde volenden 
muchte, darczu denne ir gn. wol zcu thune hetten, noch dem mal 
das ir gn. furstenthum an Behemen unde zcugehorige lannde stossen. 

Wurden abbir die Behemen noch hern Gersicken tode einen 
andern welen, den cronen unde vor einen konnig bekennen, unde 
ab eine czit des Romischen stuls unde der keyserlichen majestat 
bekentnis dobei nicht wer, bedunckt ir gn. auch nicht fugsam zcu 
sin weddir den zcu thun, der also geweit unde gekrönt were. 



No. 18. 1471 März 8. 

Hermann von Weissenbach an Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. 

Original HaopUtaat&archiv WA. BL 4. — Vergl. 8. 103 f. 

Irluchten hochgebornen gnedegen fursten unde herren. Meyne 
undertenige dinste seyn ewern fürstlichen gnaden alczeyt mit willen 
bereyt. Gnedigen herren. Der Polonisch canczler hatt nicht ge- 
fallen gehabt, daz ewer gnade an unsern heyligen vater den babist 
umbe bestetigung des Preuschischen fredis nicht hat geschriben. 
Ich habe om gesagt daz des konigs botschaftt, dy ym vergangen 
sommer ym keyserlichen hove gewest ist, mit ewem gnaden umbe 
dy sache zcu schreiben nye rede noch handil habe gehabt, szo be- 
duncke ewer gnade, euch fuge yn der sache hinder andern kuriursten 
unde fursten des reichs nicht zcu schreiben, unde ab ir schreiben 
wurdit hynder andern, mochte ewern gnaden mehir zcu leichtmuti- 
keyt unde vorachtunge wenn zcu erkenthchem ader billichem schreiben 
geczelt werde. Es mochte auch ewern gnaden alleyn schreiben dem 



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konig zcu kleynem fromen komen. Hiruff hat er mir gesagit, daz 
ewer gnaden yn der sache auch geschreben hett, were euch mehir 
zcu gutte kommen, wenn es dem konig schaden brengit, daz ewer 
gn. nicht hatt geschriben; wenn es habe der konig von Polan wer- 
liche hant obir daz lant zcu l'russiu alzo erhoben, es gefalle den 
Deutzschen fursteu wol ader ubil, zo behalde der konig daz lant zcu 
Prussin. Es haben auch des konigs sendebothen. dy bey ewern gn. 
gewest synt, seynem hern dem konig gesagit vil fruntschafft und ge- 
neigetis willen, den uwer gn. zcum konige habe, und der konig trage 
widderumbe vil fruntschafft guten willen unde zcuversicht guts zcu 
ewer gnaden. Dyselbige fruntliche zcuversicht hyn unde widder 
wolt er gerne gemert haben unde dazselbige wolt er auch grosser 
achten, wenne der nucz, der dem konig aus dem furschreiben mag 
bekommen. Es werde auch unzweyfillich dy czeit korczlich kommen, 
daz der konig seyn hercz unde ewer gn. ewer hercz getrawlich an 
enander wurdit lenen, unde om sey nicht lieb, ab der konig yn deme, 
daz ewer gn. nicht schreibet, wcnigerung der guten zcuversicht wirt 
haben, wenn der keyser, herczog Ludewig, marggrave Albrecht unde 
ander fursten werden schreiben unde der keyser sunderlich trefflich, 
daz sich ewer gn. alleyn dovon enthelt, unde der konig habe doch 
dy meiste zcuversicht guts zcu euch, sey om nicht lieb, wenn er 
wolt gerne vil fruntschafft unde zcuvorsicht guts zcwischen dem konig 
unde ewern gnaden wissen unde machen. Item er ist under desen 
Worten zcu vil raain undancks ersuffczt (sie), daz ich mich lasse 
duncken, er hett dy furschrifft gerne ader wolt gerne vil fruntschafft 
zcwischen ewern gn. unde dem konige wissen. 

Hiruff habe ich om geantwort, ab ewer gn. yn der Preuschischen 
sache nicht geschriben habt, daz sulle er nicht dorfur haben, daz 
ewer gn. dem konig des landis nicht gönne, wenn er sulle glouben, 
daz ewer gn. eyn solche zcuversicht fruntschafft unde guts zcum konig 
habe, daz ir mehr frommes wartet, zo der konig daz lant hatt, wenn 
daz es dy Deutzschen herren hetten, unde ewer gn. getruwen un- 
czwewfillich, daz der konig dodurch nicht weniger zcuversicht frunt- 
schafft unde guts zcu euch trage, ab ewer gn. yn der Preuschischen 
sache nicht schreibet, unde sulle vor war glauben, waz ewer gn. dem 
konig zcu fruntschafft wilfarunge unde fromen werben solt, wu daz 
mit verhutunge hons ader unbillichkeyt gescheen mochte, do wurde 
sich ewer gn. yn fruntlichen willen yrae linden lassin. Ich habe om 
dornoch aus meynem bedunckin gesagit, deuchte on, daz dem hern 
konig von solcher furschrifft fromen mocht bekommen, daz er sich 
dann darumbe muhet bey andern kurfursten unde fursten, szo es dy 
andern gewilliget hetten unde danne an ewer gn. gelangit, wente ich, 
ewer gn. wurde sich dann auch gutwillig darzu finde lasse. 

Des andern tages hatt er mich angeredt, daz ewer gn. schreiben 
wolt, yn massen dy Polonische abschnfft ynnehelt, unde wult den 
brieff keyn Lanczhut schicken. Wurde herczog Ludewig schreiben 
auch yn massen dyselbige abschrifft ynnehelt, daz om danne ewer 
gn. brieff mitzeunemen geantwort wurde. Wurde abir herczog Lu- 
dewig abslaen alzo zcu schreyben. zo wolt er ewer gn. brieff nicht 
nemen, unde er wult danne dem konig schreiben, daz ewer gn. yn 
der sache were willig gewest, zo aber andere fursten nicht geschriben 
hetten, hett er ewer gn. brieff alleyn nicht wollen nemen. Dann zo 
behilde ewer gn. grossen danck beym konig, daz er dann vor allem 
gerne wolt wissen, unde daz ich dis yn seuberlichen wegen an ewer 
gn. wolt lassen gelangen, daz ewer gn. nicht dechte, er suchte zo 



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mit behendikeyt den brieff ausszcuwynden , wenn er suche alleyne, 
daz er fruntschafft zcwischen dem konige unde ewern gnaden 
mochte gemeren. Hiruff habe ich om gesagit, ich könne dy ding 
mit schreiben mit zo bequemen Worten, als er mir befeit, an 
ewer gu. nicht brengen, ich wolle mich bedencken unde aus- 
rechnen, szo ich on an dy grenitzen ewer lande geleytet habe, 
ab ich zo schüre zcu ewer gn. könne widderkommen, daz on den- 
noch eyn böte zcu Lanczhut ereylen möge. Ich habe om auch ge- 
sagit, ich forchte, es fuge mir nicht von om uffzcunemen an ewer 
gn. zcu brengen, nochdeme ich om gesagit habe, ewer gn. be- 
duncke, euch fuge hinder andern kurfursten unde fursten des reichs 
nicht zcu schreiben, unde zo herczog Ludewig nur eyn furste unde 
nicht eyn kurfurste ist, mochte ewer gn. aus ungedult zcu mir 
sprechen, ich hett ewer befelunge nicht gute achtunge gehabit. Wolt 
er abir seyne meynunge an ewer gn. schreiben, dy wolt ich gerne 
an ewer gn. mit eylender botschafft fertigen. Item uff daz, daz er 
hatt gesagit, daz der keyser, herczog Ludewig, marggraffen etc. 
werden schreiben etc., habe ich om geantwort, nachdeme des 
konigs von Polau botschafft an ewer gn. umbe furschrifft an 
keyser, margraffcn Albrecht unde herczog Ludewig, daz dy auch 
an den babist umbe bestetigung des Preuschischen fredis unde des 
andern stucks schreiben wolden, mich hatt gebethen zcu werben, 
haben sich ewer gn. lasseu beduncken , es habe beym konig 
noch zcweyfil, ab dy obgemelten hern schreiben werden. Da- 
rumbe hatt sich ewer gn. auch umbe daz stucke alleyn zcu schrei- 
ben enthalden. 

Er hatt abir alczyt am ende seyner rede ewern gn. grossen danck 
gesagit. In summa summarum seyne worte seyn, als sey er an 
zcweifil, daz konigrich zcu Behemen werde dem konig von Polan, 
unde seyne gewerbe synt zcu Rome, daz man den Behemen widder- 
gebe compactata etc. Item er reyt uff Nuremberg unde ist ym willen, 
meyn hern marggraven Albrecht durch sich ader seyne botschafft 
unde auch meyn hern herczog Ludewig zcu besuchen umbe dy fur- 
schrifft. Unde szo ich gemerckt habe, daz er ewern gn. danne wil 
mehir undanckes wissen, zo er bey den andern fursten dy furschrifft 
nach seynem willen erlangit, habe ich an doctor Merten yn meyns 
bruders des doctors namen geschriben, wenne doctor Merten ist mir 
unbekant, in massen ewer gn. hirynne eyne abschnfft findet, unde 
Merber (?) tiyssiglich befolen den dorch gewisse botschafi't zcu doctor 
Mertens banden zcu bestellen von Reynsperg keyn Lanczhut, unde 
szo der brieff ane ewer wissen yn meyns bruders namen ausgegangen 
ist, hoff ich, ewern gn. möge keyne vormerkunge dorbey seyn, unde 
ab ewer gn. duncken wult, daz etwas unbequemis hiran gethann 
were, szo bitt ewer [gu.] doch, ewer gn. wolle kein verdrissen zcu mir 
habe, daz ichs ane üefelnis gethan habe, nachdem ichs yn trawen 
unde zcum besten gethann habe. 

Item man hatt dy Polonischen rethe zcum Hoffe aussgelost unde 
uffgenomen forder zcu gleyten. Item man hatt uns von ewer gn. 
wegen auch ausgelost. Wuemethe ich ewer [gn.] meyne underteni- 
gen dinste beweysen solt, des wil ich yn getrawem fleysse werde 
funden. Geschriben an der Mittwoch nach lnvocavit in LXXI*«n j a re. 

Ewer gnaden underteniger Hermann 
von Weyssinbach. 

Aufschrift an Kurfürst Emst und Herzog Albrecht. 



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No. 19. (1471 März 6.) 

Dr. Johannes von Weissenbach an Dr. Martin Mayr. 

Abschrift (all Beilage su No. 18) ebenda BL 6. — Vergl. 8. 103 f. 

Meyne fruntwillige dinste zcuvor. Achtbar lieber her doctor. 
Der konig von Polan hatt durch seyn schreiben unde botschafft 
irsucht meyne gnedige hern von Sachsen, daz sy seynentbalben eyne 
furschrifft an unsern heyligcn vater den babist thun wolden, und 
hatt eren gn. eyne copia mitgeschickt, der gleichförmig dy furschrifft 
seyn solde. Unde dy copia hat yn sich zweyerley behalden, am ersten 
daz meyne gnedige hern an den babist schreiben solden, daz seyne 
heylikeyt dy krige zcu Behemen zcu gunst des königs von Polan 
sohen yn frede geruchte zcu schickin; in deme synt meyne g. hern 
gar (?) willig gewest unde haben an unsern heyligen vater den babist 
geschriben. Daz ander ist gewest, daz meyn hern an den babist 
sulden schreiben umbe bestettigunge des Preuschissen fredis. Daz 
haben meyne gn. hern abgeslagen durch dy meynung, daz an yn die 
sache nicht wol fuge hinder andern kurfursten unde fursten des reichs 
zcu schreiben. Nu ist an mich zcu der czeyt, so ich bey meynen gn. 
hern nicht gewest byn, gelangit. daz dyselbige des konigs von Polan 
botschafft fleyss furwenden werde, bey meynen gn. h. herczog Lude- 
wig uff beyde stucke furschrifft auszcubringen , unde mocht villeicht 
vorhalden werde, daz meyne gn. h. von Sachsen haben abgeslagen 
des eyuen stucks halben zcu schreiben. Szo wolde ich nicht iurhalde 
dis an euch zcu schreiben yn guter meynung, unde wene, es wurde 
meyn hern von Sachsen gefallen, daz meyn gn. herre herczog Lude- 
wig, ab er schreiben wolt, eynformiglich mit on schreibe, unde ir 
wist euch yn den dingen wol zcu Haiden. Wolt auch dis meyn 
schreiben an dy Polonischen rethe nicht gelangen lassen. Was ich 
euch dinste unde fruntschaift thun sal, des wil ich yn willigem fleysse 
werde funden. Gegeben etc. Johannes von Wyssinbach 

probest unde doctor. 

Dem achtbarn unde hochgebornen 
doctor Merten etc. 



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Druck: Officin der Verlagshandlunj,'. 



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